Sommerfeeling in Kühlungsborn

Ahoi Ihr Lieben, wo waren wir stehengeblieben? Ach ja, im letzten Beitrag hatte ich Euch von unserem Mini-Bloggertreffen in Rostock-Warnemünde erzählt. Nach vier Tagen haben wir uns dann vom Yachthafen Hohe Düne losgerissen und es ging bei Sonnenschein und totaler Windstille weiter in westliche Richtung.

Ist das Wetter in diesem Sommer nicht total verrückt? Entweder weht uns der Wind die Mütze vom Kopf oder es herrscht Flaute. Für Segler ist das ja noch ärgerlicher als für Landratten, denn auf ein stabiles Azorenhoch, das uns wochenlang blauen Himmel, Sonnenschein und vor allen Dingen den perfekten Segelwind beschert, haben wir bisher vergeblich gewartet. Vielleicht sollte man das Schiff einfach versilbern und sich stattdessen ein schnuckeliges Sommerhaus in Dänemark zulegen? Dann könnte man den verregneten Sommer mit einem guten Glas Rotwein in der Hand und dem Lieblingsbuch auf dem Schoß hyggelig auf dem Sofa verbringen, statt tagelang eingeweht in irgendeinem Hafen rumzuhängen und sein Dasein unter Deck oder der klammen Kuchenbude zu fristen. Als vor ein paar Wochen der Wetter-Frust gerade mal wieder ziemlich groß war, haben wir über diese Möglichkeit tatsächlich schon mal kurz gesprochen. Aber ich schweife ab, sorry… Wenn’s um das Thema Wind und Wetter geht, sind wir Segler ja meistens nicht zu bremsen. 😄

Zum Glück war es nicht sehr weit bis nach Kühlungsborn, dem größten Seebad der mecklenburgischen Ostseeküste. Unter Maschine ging es die schöne Küste entlang, und nach nur 12 sm hatten wir unser Ziel erreicht. Weil wir schon um die Mittagszeit eingelaufen sind, haben wir auch gleich eine Box an einem der Schwimmstege mit Auslegern gefunden. 😊👍🏼

Am Steg fest in Kühlungsborn

Die Bordfrau meldete sich freiwillig zum Bezahlen des Hafengelds. Aber bevor man sich zum Hafenbüro begibt, sollte man sich besser die Steg- bzw. Liegeplatznummer merken, ohne diese Angaben kann das Schiff nämlich gar nicht angemeldet werden. Eigentlich hätte ich es ahnen können, dieselbe Erfahrung hatten wir ja ein paar Tage vorher schon im Yachthafen Hohe Düne gemacht. Naja, jeder Gang macht schlank… 😬.

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil… 😉

Hinter dem Tresen im Hafenbüro saß ein netter, etwas rundlicher Hafenassistent, der die Ruhe weg hatte. Draußen schönstes Sommer-Sonne-Strandwetter, im Hafenbüro eine lange Warteschlange… „Sie waren noch nie hier? Würden Sie dann bitte dieses Formular ausfüllen? Für den Schlüssel zum Waschmaschinenraum müsste bitte eine Kaution bezahlt werden. Tut mir leid, das geht nur in bar, nicht per Kreditkarte…“ usw. usf. Wenn’s mal wieder länger dauert….

Nachdem das Liegegeld bezahlt, Poletten für die Nutzung von Waschmaschine und Trockner besorgt und ein Kessel Buntes gestartet waren, ging’s es auf direktem Weg an den Strand, für mich jedenfalls. Mein Skipper steht nicht so auf FKK und machte in der Zwischenzeit ein kleines Nickerchen im Cockpit. Endlich kam mal ein Hauch von Sommerfeeling auf! ☀️ Der Sand am Strand war so heiß, dass schon Brandblasen-Gefahr für meine Fußsohlen bestand, jedenfalls gefühlt. Eine kleine Abkühlung wäre genau das Richtige gewesen, aber kaum hatten meine Füße das kühle Ostseenass berührt, näherten sich auch schon die ersten Quallen. Die Viecher sind nicht gerade meine besten Freunde, also Kehrtwende und flink zurück aufs Strandlaken. Das Schwimmen musste leider bis auf Weiteres vertagt werden. 😐

Am Nachmittag wurde die Gegend rund um den Hafen dann erstmal genauer erkundet. Ein Spaziergang entlang der längsten Strandpromenade Deutschlands (sie misst fast 4 km) führte uns an schicken Boutiquen, Restaurants und Cafés vorbei bis zur Seebrücke. Plötzlich war er da, der Sommer. Hatte er sich vielleicht verlaufen? Die Strandkörbe waren jedenfalls gut besetzt, und halb Kühlungsborn flanierte die Promenade auf und ab. Viele Leute waren unterwegs, um die entspannte Stimmung am Wasser, den blauen Himmel und den Blick zum Horizont zu genießen. Und wir hatten das Gefühl, wir treiben den Altersdurchschnitt dramatisch nach oben. Obwohl wir ja auch nicht mehr die Allerjüngsten sind. If you know what I mean. 😬

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Sommer in Kühlungsborn

​Abends haben wir in einem der Restaurants an der Promenade mit schönem Blick aufs Meer auf der Terrasse gesessen, leckere Sanddorn-Cocktails geschlürft und gut gegessen. Wir konnten unser Glück kaum fassen. Zum ersten Mal in diesem Jahr konnte die Fleecejacke im Schrank bleiben, stattdessen hatten Sommerkleid und Sandalen Premiere. 😊👗👡

Bei unserem Treffen mit Undine und Sven in Warnemünde hatten wir die beiden ausgefragt, was man denn in Kühlungsborn unternehmen kann oder unbedingt gesehen haben muss. Die beiden waren sich sofort einig: ein Ausflug mit der Mecklenburgischen Bäderbahn Molli ist eine gute Idee! Erstaunlicherweise war es gar nicht schwer, meinen Liebsten zu diesem Touri-Programm zu überreden. Am nächsten Morgen stiegen wir in den Zug und konnten Eisenbahn-Nostalgie pur erleben. Die Strecke der Schmalspurbahn ist ingesamt 15,4 km lang und führt vom Ostseebad Kühlungsborn über Heiligendamm nach Bad Doberan. Anfangs zuckelte Molli noch langsam durch den Ort, aber schon kurze Zeit später ging es unter Dampf in flottem Tempo die Steilküste entlang, durch Wiesen und Felder bis nach Heiligendamm. Während der Tour haben wir auf der Plattform zwischen zwei Waggons gestanden und uns den Fahrtwind um die Nase wehen lassen, herrlich! In Heiligendamm (das übrigens das erste Seebad Deutschlands ist) angekommen, sind wir gleich in Richtung Strand spaziert. Wo soll es bei Seglern auch sonst hingehen? 😉

An der Strandpromenade haben wir die beeindruckenden klassizistischen Bauten bestaunt. Es gab auch einige Baustellen, denn momentan werden einige Villen nach historischen Originalplänen aufwendig restauriert und sollen später als Eigentumswohnungen (mit unverbaubarem Ostseeblick, versteht sich) verkauft werden. Nichts für normale Millionäre. 😎💰 Von der Seebrücke aus haben wir den Blick über die Ostsee genossen und sogar einen netten Herrn überreden können, uns unter dem Heiligendamm-Schild zu fotografieren. Irgendwie ist es mir immer ein bisschen peinlich, jemanden anzusprechen und um ein Foto zu bitten, aber hinterher freut man sich wie Bolle über das Foto.

Abgesehen von den kleinen Startschwierigkeiten beim Anmelden haben wir uns in Kühlungsborn ausgesprochen wohlgefühlt. Wie herrlich bequem, den Bäcker und in Sichtweite zu haben! Tagelang wurde nicht mehr an Bord gefrühstückt. 10 von 10 Punkten vergeben wir außerdem für die erstklassigen sanitären Anlagen des Bootshafens, alles war blitzsauber und picobello in Ordnung. Das haben wir in anderen Marinas schon ganz anders erlebt.

Bemerkenswert fand ich auch die Seewetterstation auf dem Dach des Hafenhauses. Die Gäste des Hafens profitieren davon: kostenlose Wetterinfos zum Mitnehmen liegen im Hafenbüro aus, und täglich finden Wetter-Meetings statt. Ein toller Service! Alle weiteren Infos zum Bootshafen findet Ihr hier.

Nach zwei Tagen sollte es dann weitergehen in Richtung Wismar. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir unseren Aufenthalt gern noch um ein paar Tage verlängern können – schließlich ist Segeln das bessere Campen. 😉 Aber der Liebste, der ja die Großwetterlage immer genau im Blick hat, hielt es für angebracht, weiterzusegeln, weil das nächste Tiefdruckgebiet schon wieder nahte. Hat da jemand was von Sommer gesagt?

Gleich nach dem Frühstück wollten wir ablegen, aber daraus wurde nichts, denn die Ostsee sah an diesem Morgen alles andere als einladend aus. Hinter der Mole stand ein fieser Ostseehack mit Schaumkronen und der Windmesser zeigte bis zu 14 m/s. Nachdem wir beobachtet hatten, wie eine schwedische Yacht zweimal auslief und zweimal wieder umkehren musste, haben wir unseren Start immer wieder verschoben. Erst als Wind und Wellen sich am späten Nachmittag ein wenig beruhigt hatten, haben wir uns aus dem Hafen getraut. Jetzt oder nie, Leinen los und auf nach Wismar! Und Ihr ahnt es schon: der Wind dachte sich wohl „mir doch egal, was die Wettervorhersage sagt – ich mache, was ich will!“. Wir hatten ihn wieder direkt von vorn, und wieder mal blieben die Segel eingepackt. Aber wie heißt es so schön? Gift für einen Dieselmotor in einem Segelboot ist es, nur für Hafenmanöver gestartet zu werden, der will regelmäßig laufen. Na dann!

10 Kommentare

  1. Hallo Martina, jetzt warst Du aber wieder mal fleißig mit dem Reisebericht 😉 Mir hat Kühlungsborn auch gut gefallen. Ein gutes Preis/Leistungsverhältnis und die schöne Promenade mit den vielen Buden haben mir auch gefallen. In Wismar sollte man einmal das Schwedenfest besuchen (17. – 20. August), ich war 2014 einmal zufällig dort hingesegelt, nach dem ich aus Riga zurück war, und fand es Klasse. Gruß Heinz

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    1. Hallo Heinz, das wurde ja langsam auch Zeit, dass ich mal wieder in Gang komme. Wir hatten in Wismar leider sehr viel Pech mit dem Wetter, aber darüber schreibe ich im nächsten Bericht, der hoffentlich bald online geht. Ich bemühe mich, nicht wieder so zu trödeln.😉

      Freue mich schon auf Deinen nächsten Bericht. ⛵️

      LG, Martina

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  2. Da jeg læste dette indlæg kom jeg til at tænke på en Sjælland Rundt for mange år siden. Det var dengang der var rigtig mange deltagere og en sejlads mange deltog i fordi naboen gjorde det.

    På et kryds ned gennem Storebælt havde Jørgen og jeg vagten. Vi var våde og frøs. Jeg sad og tænkte på hvor hyggeligt det ville have været at tilbringe denne lørdag nat i varmen hjemme hos min udkårne da Jørgen kiggede på mig og sagde

    – Hvis det ikke havde været for fornøjelsens skyld havde jeg f’ame ikke gidet det her

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    1. Ja – der findes dage hvor man føler sig som en ’flagellant’ der mener man har bedre chancer i det hinsides hvis man piner sig selv!
      Jeg får lignende flashbacks når det er ’snavs‘ vejr – kommer altid til at tænke på en tur over Køge bugt om natten i en gammel, temmelig utæt træbåd og vi sejlede i noget gammelt sø med 1,5 meter bølger og for lidt vind til at holde ordentlig fart i skibet – og sultne var vi også. Så kom bemærkningen fra bådens ejer Olaf:
      ”Åh hvor er jeg sulten – jeg kunne godt tænke mig en gang fondue!”
      Bare tanken om at syre sådan en gryde med kogende olie i cockpittet i en slingrende sejlbåd midt om natten fik os til at grine så meget at al hardship var glemt hele resten af turen til Stege.

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