Endlich Sommer, Sternstunden in Fåborg und zurück nach Dyvig

Und dann kam er doch noch, der heiß ersehnte Sommer. Wir waren total aufgekratzt, die Stimmung an Bord war ausgelassen und fröhlich. Fürs Wochenende waren wir mit Torben und Lene in Dyvig verabredet, aber bevor es zurückging, wollten wir unbedingt noch einen Abstecher nach Fåborg machen. Bei stahlblauem Himmel, Sonnenschein und einem leichten Wind aus Südwest legten wir gegen 10 Uhr morgens in Svendborg ab.

An den schmaleren Stellen im Sund hatten wir bis zu 3 kn Gegenstrom, was leicht an den Tonnen erkennbar war, die wir passierten…

Thue durfte im Cockpit relaxen, zur Abwechslung war ich mal Steuermann. Nachdem wir den Sund und den dichten Schiffsverkehr hinter uns gelassen hatten, wurden die Segel gesetzt. Allerdings flaute der Wind schon nach kurzer Zeit wieder ab, und weil wir noch immer mit Gegenstrom zu kämpfen hatten, haben wir die Segel wieder eingeholt und den Motor gestartet. Kurz hinter Svelmø frischte der Wind zwar wieder auf, aber wir waren schon relativ nah am Grydeløbet, und Fåborg war fast in Sichtweite. Also siegte am Ende doch die Faulheit – die restliche Zeit ließen wir einfach den Volvo laufen und haben den wolkenlosen Himmel, die leichte Brise und den strahlenden Sonnenschein genossen.

image012
Sommer, Sonne, Kaktus…
Nach ca. 17 sm erreichten wir Fåborg. Diesmal hatten wir uns für den alten Stadthafen entschieden. Weil die Sommerferien in Dänemark und Schweden inzwischen vorbei waren, rechneten wir uns gute Chancen auf einen Liegeplatz aus. Tatsächlich hatten wir Glück und haben eine freie Box am mittleren Steg gefunden. Um die Mittagszeit war das Elbkind fest.

Nach dem Anlegen kamen wir mit einem lokalen Segler ins Klönen, der sich über den schlechten Service in Dyvig beklagte, nachdem unser Hafenmeister Christian zum Saisonende letzten Jahres in den Ruhestand gegangen ist. Es gebe nun keinen Hafenmeister mehr, die Reinigung der Duschen und WCs ließe schwer zu wünschen übrig, der Grill für die Gastsegler würde nicht mehr angezündet usw… und dabei sei er doch in der Vergangenheit immer so gern nach Dyvig gekommen! Erstaunlich (und traurig), wie schnell unser Heimathafen seinen guten Ruf verloren hat. Noch trauriger war allerdings, dass der Mann vollkommen recht hatte. Wir wünschen uns wirklich sehr, dass schnell eine gute und vernünftige Lösung für Dyvig gefunden wird und wir ab dem kommenden Jahr wieder einen netten und kompetenten Hafenmeister bekommen, der seinen Laden richtig gut im Griff hat – damit sich alle wieder wohlfühlen können, Dyvigs Gäste und wir Festlieger.

Wo waren wir? Ach ja, in Fåborg… Nachdem das Hafengeld am Automaten bezahlt war, stürmten wir erstmal die kleine Räucherei am Hafen. Leckerer Räucherfisch mit Schwarzbrot geht ja immer, und das war genau das Richtige gegen den kleinen Hunger zwischendurch. Beim anschließenden Bummel durch die gemütliche Innenstadt von Fåborg trauten wir unseren Augen nicht: Vor einem Geschäft hingen tatsächlich schon die ersten Schneeanzüge für die lieben Kleinen. Im August, bei 26°C. Frei nach dem Motto: Heute schon an morgen denken, der Winter kommt schließlich immer so plötzlich. 😉

img_4221

Abendessen gab es an diesem Tag im lauschigen Gastgarten des Restaurants  ”Le Brasserie”, das zum Hotel Fåborg gehört. Was uns hier besonders fasziniert hat: zwei schwergewichtige Paare am Nebentisch demonstrierten uns eindrucksvoll, was 50 kg zuviel auf den Rippen so ausmachen und wie sie sich auf die Mobilität eines Menschen auswirken. Völlig entsetzt ließen wir die Pommes Frites, die uns zu unserem Burger serviert wurden, unangerührt wieder zurückgehen.

Zurück im Stadthafen gab’s noch viel zu gucken, denn im Sommer treffen sich jeden Mittwochabend die wunderschönsten Oldtimer aus der Gegend im Hafen. Was für ein Augenschmaus!

Der wunderschöne Sonnenuntergang machte deutlich, warum unser schönes Segelrevier „dänische Südsee“ genannt wird. Als es dunkel wurde, saßen wir mit einem Glas Rotwein im Cockpit, schauten in den Himmel und haben tatsächlich noch einige Sternschnuppen entdeckt – Nachzügler der „Tränen von St. Laurentius“. In den Nächten nach dem 10. August durchquert die Erde nämlich den Meteoritengürtel der Perseiden, und dann fallen Hunderte von Sternschnuppen vom Himmel. Wer eine „Laurentiusträne“ sieht, dessen Wunsch soll in Erfüllung gehen.

Am nächsten Morgen ging es bei westlichem Wind zwischen 8 und 12 m/s los in Richtung Dyvig. Als wir zwischen Knoldsand  und Dyreborg durch waren, haben wir vorsichtshalber ein Reff ins Großsegel gebunden. Der Wind wehte beständig frisch und drehte später mehr in Nord, was uns und unserem Kurs in Richtung Nord-Als sehr entgegenkam. Nachdem wir Lyø Trille und Horne Land passiert und offenes Wasser erreicht hatten, haben wir das Vorsegel etwas eingerollt, und mit flotten 7 Knoten rauschte das elbkind in Richtung Heimat. Unterwegs konnte ich meinen Skipper mit einem kleinen Stunt beeindrucken. Bei widrigen Bedingungen (2-m-Welle abwechselnd von vorne bzw. quer aus dem Kleinen Belt) bin ich in der Kombüse verschwunden und habe für unseren Grillabend in Dyvig auf die Schnelle einen Bulgursalat geklöppelt. Der Gasherd mit kardanischer Aufhängung hat sich dabei wirklich gut bewährt. Thue war schwer beeindruckt von seinem seefesten Smutje. Langsam werde ich zu einem echten Salzbuckel, den weder Wind noch Welle, geschweige denn ein schaukelndes Schiff aus der Ruhe bringen können. 😊👍🏼

Nach ca. 28 sm und gut vier Stunden Segelzeit (unser absoluter Rekord auf dieser Strecke) liefen wir durch die Einfahrt „E Gaf“ nach Dyvig und wurden von unseren Stegnachbarn und der Acadia-Besatzung herzlich in Empfang genommen. Abends wurde unsere Rückkehr natürlich standesgemäß bei einem gemütlichen Grillabend mit lecker Essen und Wein aus Torbens Vorräten gefeiert. Bei sommerlichen Temperaturen saßen wir im Freien. Über 6 Wochen waren wir unterwegs gewesen und haben uns so oft besseres Wetter gewünscht. Jetzt war der Sommer endlich zurück. Besser spät als nie!

Come sail away with me…

Als einige Tage später Wind und Wetter einigermaßen passten, konnten wir Kopenhagen endlich im Kielwasser liegen lassen und sind nach Dragør aufgebrochen. Das war zwar nur einen Katzensprung von 12 sm entfernt, aber wir freuten uns auf ein bisschen Tapetenwechsel. Weil es zur Abwechslung wieder mal ziemlich windig war, sind wir nur mit der Genua gesegelt und hatten Dragør schon nach gut nach zwei Stunden erreicht. Fürs Wochenende stand ein Hafenfest auf dem Programm.

fullsizeoutput_1bfe
Unsere Route vom Tuborg Havn nach Dragør

 

Wie schon beim letzten Mal hatten wir uns für den alten Hafen entschieden, weil die Atmosphäre dort viel gemütlicher ist als im neuen Hafen nebenan. Auf der Suche nach einem geeigneten Liegeplatz tuckerten wir langsam im Hafenbecken herum, wir waren offenbar ein bisschen zu spät dran. Wegen des großen Andrangs waren nur noch zwei, drei Plätze direkt an der Kaimauer vor dem Hafenbüro frei. Jetzt wurde es spannend, denn wir mussten an Mooringleinen festmachen, und im Umgang mit Grundgeschirr waren wir noch völlig unerfahren. Dank der tatkräftigen Unterstützung unserer Nachbarn – einem netten deutschen Ehepaar mit einer Nauticat 331 – hat am Ende aber alles prima geklappt. Thue hat zwar eine Weile mit den Leinen rumgefummelt, aber irgendwann war das elbkind dann vernünftig vertäut. Zwischendurch stockte uns kurz der Atem, weil eine der Achterleinen unbemerkt unters Heck gerutscht war und wir Angst hatten, dass sie sich im Propeller verfangen haben könnte. Zum Glück kam aber schnell Entwarnung. Unser Liegeplatz entpuppte sich als ziemlich unruhig – immer wieder drängelten sich noch Boote zwischen uns und die anderen an die Kaimauer, und ständig wurde an- und abgelegt. Streckenweise hätte kaum noch eine Briefmarke zwischen die Schiffe gepasst, die Fender haben lauter gequietscht als die Möwen im Hafen…

 

 

Gleich am ersten Abend bekamen wir Familienbesuch an Bord, eine nette Abwechslung. Rita und Ole schauten vorbei und haben uns sogar ganz vornehm zum Abendessen ins Strandhotel eingeladen. Anschließend gab’s an Bord Kaffee und „til den søde tand“ (auf deutsch: für den süßen Zahn) eine Kostprobe von Ritas köstlicher, selbst gemachter Blaubeertarte. Das Motto des Abends: Natürlich machen wir Diät, aber doch nicht den ganzen Tag! 🍰😎

Unseren Plan, spätestens nach zwei Tagen weiterzusegeln, mussten wir leider vorerst auf Eis legen, denn das Wetter spielte einfach nicht mit. Zu viel Wind aus Südwest war angekündigt, dieser Sommer war wirklich wie verhext! Dazu noch die Hafenfest-Dauerbeschallung und die Essensgerüche der naheliegenden Restaurants, die durch Cockpit und Schiff waberten – wir waren leicht genervt. Einzig die leckeren Burger abends im Café Blink und der tolle Blick über den Hafen konnten unsere Stimmung etwas aufhellen. Der dramatische Abendhimmel und die traumhaften Sonnenuntergänge waren natürlich auch nicht zu verachten, aber eigentlich wollten wir nur eins: endlich weiter!

 

 

Nach vier Hafentagen hatte das Warten dann ein Ende. Frühmorgens ließen wir Dragør im Heckwasser liegen und nahmen Kurs auf den Bøgestrøm. Der Wind wehte mit ca. 8 m/s schräg von vorn. Mit voller Besegelung durchquerten wir erst die Køgebucht und dann die Faxebucht. Als wir den Bøgestrøm erreicht hatten und die Windrichtung nicht mehr passte, holten wir die Segel ein und starteten den Motor. Inzwischen waren wir ja quasi alte Hasen und die geringe Wassertiefe konnte uns überhaupt nicht mehr aus der Ruhe bringen. Auf dem Hinweg hatte Thue unsere Fahrt digital getrackt (so ein Fuchs! 🐺), und nun konnten wir in aller Seelenruhe unserer früheren Route folgen. Ich hatte das Ipad auf den Knien, Thue stand am Ruder und wurde von mir mit den nötigen Infos gefüttert. Tonne für Tonne wurde abgehakt. Das war prima Teamwork, und eins ist sicher: der Rückweg durch den Bøgestrøm war um einiges entspannter als der Hinweg. Diesmal war mein Skipper sogar ansprechbar! 😜

Eigentlich hätten wir die Nacht gern in Vordingborg verbracht, aber Thue befürchtete, dass das elbkind zu viel Tiefgang haben könnte. Mit 62 sm auf der Logge machten wir deshalb am späten Nachmittag im kleinen Hafen der Insel Masnedsø fest.

 

Laut Angaben in den Revierinformationen für Segler ist die Marina Masnedsø gerade mal 22 x 15 m groß. Kurz vor Ladenschluss um 17.00 h konnte Thue noch schnell das Hafengeld im Marinecenter nebenan bezahlen. Nur eine Faurby mit einem älteren dänischen Ehepaar an Bord lag neben uns, sonst war der kleine Hafen völlig ausgestorben. Nach einem Spaziergang zum nächsten Netto-Markt saßen wir gemütlich auf der Wiese direkt am Anleger und hatten richtig Kohldampf. Es gab Samsø-Kartoffeln mit marinierten Heringen, dazu ein kühles Bier. Ziemlich groggy fielen wir kurze Zeit später in die Koje.

Am nächsten Morgen um kurz nach 6 war die Nacht schlagartig vorbei. Die Faurby nebenan legte nämlich ab und veranstaltete dabei ein Höllenspektakel. Obwohl sich kein Lüftchen regte, war das Bugstrahlruder im Dauerbetrieb. OK, jetzt waren wir wach, also  raus aus der Koje und rein in die Klamotten! Gegen halb 7 legten wir ab, Frühstück gab’s unterwegs. Unser Ziel war – zum zweiten Mal in diesem Sommer – Vejrø, dort hatten wir auf dem Hinweg nur einen kurzen Zwischenstopp eingelegt und wollten die Insel gern noch ein bisschen erkunden, besonders das Restaurant Skipperly stand auf unserer Bucket List.

Von Masnedsø aus liefen wir unter Motor über die Untiefen bis zur Storstrømbrücke. Nach der Fahrt durch den Bøgestrøm waren wir inzwischen total unerschrocken, was eine Wassertiefe von ca. 2 m anbetrifft, tie-fen-ent-spannt sozusagen! Als wir die Brücke hinter uns hatten und Vejrø anpeilten, hatten wir es plötzlich mit 8-10 m/s Gegenwind,  1,5 m Welle und treibenden Nebelbänken zu tun, und das war sogar unter Motor ziemlich unangenehm. Schnell waren wir uns einig, dass wir eher nördlicher gehen. Unser neues Ziel hieß Omø – so passte der Windwinkel viel besser, und das elbkind lief deutlich ruhiger durch die Welle.

Und weil gerade alles so super lief, haben wir unsere Pläne ein weiteres Mal über den Haufen geworfen. Omø musste bis zum nächsten Sommer warten und wir nahmen Kurs auf Lundeborg.

Als wir den Großen Belt mit der Genua überquerten, hatte der Wind gedreht und der Windanzeiger zeigte inzwischen 9 – 13 m/s. Ein besonderer Moment war es, als wir einem der größten Containerschiffe der Welt begegnet sind, die Majestic Maersk war unterwegs in Richtung Norden. In sicherem Abstand liefen wir an ihr vorbei, unser AIS-Gerät hatte keinen Grund, Alarm zu schlagen.

img_4210
399 m lang und ziemlich beeindruckend: die Majestic Maersk

 

Als wir uns Lundeborg näherten, stand der Wind mit über 10 m/s aus Nord direkt auf den kleinen Hafen. Windschutz dort war nicht zu erwarten,  und deshalb – Ihr habt es bestimmt schon geraten! – änderten wir unsere Pläne zum dritten Mal und liefen mit Wind direkt von hinten unter Genua in Richtung Süden nach Svendborg . Spätnachmittags erreichten wir den Stadthafen, schon wieder hatten wir über 60 sm auf der Logge. Sogar einen grünen Platz haben wir noch gefunden und waren richtig happy. Der Hafenmeister höchstpersönlich stand auf dem Steg und nahm unsere Leinen an – was will man mehr? 😁

 

fullsizeoutput_1c05
Unsere Route von Masnedsø nach Svendborg

 

Um den erfolgreichen Segeltag abzurunden, fehlten jetzt nur noch eine warme Dusche und eine Pizza im „Bella Italia“. Gesagt, getan. Auf unserer anschließenden Spazierrunde durch den Hafen entdeckten wir noch drei weitere Nordborg-Yachten, unter anderem eine NB 37 aus Travemünde. Mit der Besatzung, Sonja und Göran, haben wir nett geschnackt und erfahren, dass die beiden sogar unserem Blog folgen. Hoffentlich treffen wir uns mal wieder, wir würden uns freuen! 😊

Das Schönste kam zum Schluss: wir waren nicht nur unserem Heimathafen mit Riesenschritten nähergekommen, auch das Wetter wurde endlich besser, die Sonne ließ sich wieder blicken! ☀️

Breaking News: Königlicher Besuch in Dyvig 👑⛵️🇩🇰

Im Moment sind wir in Dyvig, unserem Heimathafen. Und hier ist gerade richtig was los: zwölf 12-m-Boote sind zu Besuch, um sich auf den diesjährigen ‚Robbe & Berking Sterling Cup‘ zwischen Dyvig und Glücksburg vorzubereiten. Die wunderschönen Klassiker sind wirklich eine Augenweide – einige von Ihnen haben wir ja schon im letzten Jahr im Tuborg Havn in Kopenhagen bewundern können. Ganz Dyvig ist in heller Aufregung.

Obwohl er sich ja eigentlich seit dem Jahreswechsel im Ruhestand befindet, wollte Prins Henrik von Dänemark sich dieses tolle Event dann wohl doch nicht entgehen lassen. Seit gestern liegt die königliche Jacht Dannebrog im Dyvig Fjord vor Anker, und Henrik ist mittendrin, nicht nur dabei: gestern Abend gemeinsames Dinner mit den Regatta-Teilnehmern, heute Abend findet ein Empfang der ehrenamtlichen Helfer an Bord der Dannebrog statt.

Vorhin haben wir einen Matrosen beim Lüften der beiden royalen Dackel beobachtet und hatten den Eindruck, das war dem Ärmsten ziemlich peinlich. Gerade sehen wir von unserem Cockpit aus, wie die königliche Schaluppe hin und her flitzt und die Gäste des Empfangs zurück zum Dyvig Badehotel bringt.

Spannend! Es ist natürlich gut möglich, dass Ihr nicht so royalistisch seid wie wir, aber wir finden das ganze Szenario ziemlich interessant. 😎 Unsere treuen Follower wissen ja, dass Thue als junger Spund mit Bärenfellmütze vor dem Schloss Amalienborg in Kopenhagen für die Königsfamilie Wache geschoben hat. Seitdem fühlt er sich mit der dänischen Königsfamilie irgendwie familiär verbunden. 💂🏼🇩🇰😉

Ja, ich weiß, ich war ganz schön schreibfaul in letzter Zeit. Aber ich melde mich bald mit Berichten über unseren Sommertörn (so viel schon mal vorweg: Wind, Wind, Wind, und zwar immer aus der falschen Richtung!), versprochen.

An dieser Stelle liebe Grüße an Sonja und Göran (Nordborg 37 – Krølle Bølle), die wir neulich in Svendborg kennengelernt haben. Es war nett, mit Euch zu klönen! 😊

Svendborg – immer ein paar Hafentage wert!

Wie so oft, wenn wir am Vorabend beschließen, dass wir am nächsten Morgen früh starten wollen, waren wir – für unsere Verhältnisse eigentlich vorm Wecken, nämlich schon kurz nach 7 Uhr – gleichzeitig wach. Schnell raus aus der Koje, rein in die Klamotten und Kaffee gekocht. Frühstück gibt’s unterwegs!

Schon kurz vor 8 Uhr liefen wir von Fåborg aus. Der Wind kam platt von hinten, und weil wir faul und noch ein bisschen müde waren, setzten wir einfach nur die Genua und ließen den Motor mitlaufen. Ein Katzensprung – schon 3 Stunden später liefen wir mit dem Strom im Stadthafen von Svendborg ein.

FullSizeRender-44
Kurz vor der Einfahrt in den Stadthafen

Eigentlich wollten wir längsseits am Schwimmsteg festmachen, aber das hört sich irgendwie immer einfacher an, als es ist. Unglücklicherweise fiel mir nämlich gerade mal wieder nicht ein, welchen Knoten man verwendet, wenn man eine Leine an einem Ring festmachen möchte. Wie war das noch?? Selbst ein hilfsbereiter Segler, der gerade auf dem Steg unterwegs war und uns freundlich zur Hilfe eilte, war mit dieser Aufgabenstellung überfordert. Später stellte sich heraus, dass er auf einer Yacht mitsegelte, die auf einem Trainingstörn war – die Crewmitglieder übten für den SKS-Schein. Ich bin also nicht die Einzige, die noch viel lernen muss… Ein schwacher Trost.  (Für alle, die interessiert sind: der richtige Knoten wäre ein doppelter Rundtörn mit zwei halben Schlägen gewesen, und den hätte ich sogar gekonnt! Aber mein Telefonjoker war leider gerade nicht verfügbar) Egal. Man lernt ja immer was dazu!

Als verantwortungsvoller Skipper legte Thue noch schnell ein paar Springleinen, es kam nämlich schon wieder ein recht frischer Wind auf (hört das eigentlich irgendwann auf??). Dann ging es per pedes los in die Stadt. Svendborg ist wirklich ein schönes Ziel, wenn man mit Regen und Wind rechnen muss, denn die kleinen Einkaufsstraßen lassen Shopperherzen schnell höher schlagen.

FullSizeRender-46
Der Marktplatz in Svendborg – lasst Blumen sprechen! 💐

 

FullSizeRender-35
Lustiges Aushängeschild einer Kneipe 😜

Mädels, ich sage Euch: wenn man die ersten Schuhgeschäfte durchstöbert hat, ist es plötzlich ganz egal, ob man noch einen Tag länger in Svendborg eingeweht ist! Natürlich konnte ich nicht widerstehen, und ehe ich mich versah, nannte ich ein paar schicke Sandalen mein eigen. Lacht da etwa jemand? Wehe! Ich bin mir nämlich sicher: irgendwann kommt der Sommer, die Temperaturen rutschen in zweistellige Bereiche und ich kann meine langen Hosen endlich gegen einen Rock eintauschen. Dann sind die Zeiten mit Fleecejacke, dicken Socken und Mütze vorbei und ich kann endlich wieder ein richtiges Mädchen sein. Und dann ziehe ich auch meine neuen Sandalen an. Ha!

Am nächsten Tag schien die Sonne vom blauen Himmel, und es wehte zwischen 12 und 18 s/m. Viel zu windig zum Segeln! Ein weiterer Hafentag stand also auf dem Programm. Was tun? Wir beschlossen, unsere Bordfahrräder aus der Backskiste zu hieven und eine Fahrradtour nach Tåsinge zu machen. Bergab und mit Rückenwind ging es über die Svendborg Bro Richtung Troense.

FullSizeRender-36

Unser Ziel war Valdemar’s Slot (http://valdemarsslot.dk/?lang=de), das wir auch schon bei früheren Aufenthalten in Svendborg oder Troense besucht haben (eine echte Attraktion ist übrigens für meinen Geschmack das Jagd- und Trophäenmuseum. Schon im Foyer wird man von einem Eisbären begrüßt. Mehr geht nicht! 😉

FullSizeRender-37
Rapsblüte am Wegesrand

 

FullSizeRender-39
Die Allee zu Valdemars Slot

 

FullSizeRender-38
Unsere treuen Begleiter

 

FullSizeRender-12
Valdemars Slot

Irgendwann fiel mir ein, dass der Rückweg mit den Drahteseln ganz bestimmt etwas unbequem werden würde. Bergauf und Wind von vorne? Braucht doch kein Mensch. Schnell hatte ich Thue überredet, und wir fuhren mit dem Veteranschiff „Helge“ (http://www.svendborg-havn.dk/ms+helge) über den Svendborgsund zurück zum Hafen.

FullSizeRender-19
Die nette Helge-Crew

Abends gab’s Pizza und Carlsberg Classic beim Italiener. Ein schöner Tag!

Der Montag startete wieder trüb, windig und regnerisch. Das perfekte Wetter, um mal eine Maschine Wäsche zu waschen, ausgiebig zu duschen, zu lesen (ich), und sich die Zeit mit Klönschnack auf dem Steg zu vertreiben (Thue).

Uns gegenüber am Steg lag eine kleine Drabant 24, die gerade zwei Tage vorher den Besitzer gewechselt hatte. Schnell stellte sich heraus, dass der Außenborder nur noch Schrottwert hatte. Der neue Eigner, ein netter, junger Däne mit asiatischen Wurzeln und einem herrlich ansteckendem Lachen, musste sich nun schnell etwas einfallen lassen. Er wollte das Schiff nämlich gemeinsam mit einem Kumpel, der inzwischen auch eingetroffen war, nach Kopenhagen segeln, und  hatte nur noch eine Woche Urlaub! Not macht erfinderisch: auf Ebay wurde gesucht und schnell gefunden – es gab in Svendborg tatsächlich jemanden, der einen gebrauchten Motor zu einem annehmbaren Preis zum Verkauf anbot. Was aus der Geschichte geworden ist, wissen wir nicht. Aber wir drücken die Daumen, dass alles geklappt hat…

FullSizeRender-56
Die Drabant 24 – ein echtes Projektschiff…

Auch unser Montagabend endete wieder im „Bella Italia“, diesmal allerdings mit Spaghetti Marinara und Rotwein, denn Abwechslung muss sein!

Wir freuten uns auf Dienstagmorgen, denn endlich stimmten Wind und Wetter, und es konnte wieder weitergehen in östliche Richtung. Ein relativ langer Segeltag lag vor uns – unser Ziel: Karrebæksminde auf Sjælland – ca. 45 sm entfernt…