Wie die Jungfrau zum Kind…

… sind wir zu einem Artikel über uns und unser elbkind in der Zeitschrift Segeln gekommen. „Ich und mein Boot“ heißt die Rubrik, in der über uns berichtet wird.

Über unser Instagram Account war der verantwortliche Journalist, Jan Maas, auf uns aufmerksam geworden. Ende August kam er dann nach Dyvig und hat uns an Bord besucht, um ein bisschen mit uns zu klönen. Viel schneller als erwartet ist der Bericht vor ein paar Tagen in der Oktober-Ausgabe erschienen. Korrekturlesen durften wir nicht, aber im Großen und Ganzen stimmt alles. 😉

Wir wünschen Euch viel Spaß beim Lesen und gemütliche Herbsttage! 🌻🍃🍄🍁

Eure elbkind-Crew

Martina & Thue


Breaking News: Königlicher Besuch in Dyvig 👑⛵️🇩🇰

Im Moment sind wir in Dyvig, unserem Heimathafen. Und hier ist gerade richtig was los: zwölf 12-m-Boote sind zu Besuch, um sich auf den diesjährigen ‚Robbe & Berking Sterling Cup‘ zwischen Dyvig und Glücksburg vorzubereiten. Die wunderschönen Klassiker sind wirklich eine Augenweide – einige von Ihnen haben wir ja schon im letzten Jahr im Tuborg Havn in Kopenhagen bewundern können. Ganz Dyvig ist in heller Aufregung.

Obwohl er sich ja eigentlich seit dem Jahreswechsel im Ruhestand befindet, wollte Prins Henrik von Dänemark sich dieses tolle Event dann wohl doch nicht entgehen lassen. Seit gestern liegt die königliche Jacht Dannebrog im Dyvig Fjord vor Anker, und Henrik ist mittendrin, nicht nur dabei: gestern Abend gemeinsames Dinner mit den Regatta-Teilnehmern, heute Abend findet ein Empfang der ehrenamtlichen Helfer an Bord der Dannebrog statt.

Vorhin haben wir einen Matrosen beim Lüften der beiden royalen Dackel beobachtet und hatten den Eindruck, das war dem Ärmsten ziemlich peinlich. Gerade sehen wir von unserem Cockpit aus, wie die königliche Schaluppe hin und her flitzt und die Gäste des Empfangs zurück zum Dyvig Badehotel bringt.

Spannend! Es ist natürlich gut möglich, dass Ihr nicht so royalistisch seid wie wir, aber wir finden das ganze Szenario ziemlich interessant. 😎 Unsere treuen Follower wissen ja, dass Thue als junger Spund mit Bärenfellmütze vor dem Schloss Amalienborg in Kopenhagen für die Königsfamilie Wache geschoben hat. Seitdem fühlt er sich mit der dänischen Königsfamilie irgendwie familiär verbunden. 💂🏼🇩🇰😉

Ja, ich weiß, ich war ganz schön schreibfaul in letzter Zeit. Aber ich melde mich bald mit Berichten über unseren Sommertörn (so viel schon mal vorweg: Wind, Wind, Wind, und zwar immer aus der falschen Richtung!), versprochen.

An dieser Stelle liebe Grüße an Sonja und Göran (Nordborg 37 – Krølle Bølle), die wir neulich in Svendborg kennengelernt haben. Es war nett, mit Euch zu klönen! 😊

Nyborg – wer nicht hin muss, segelt vorbei.

Hier kommt nun endlich mein Nyborg-Bericht. Man kommt ja zu gar nichts, wenn man segelt, und gut funktionierendes WLAN gibt es auch nur in wenigen Häfen. Aber bevor ich völlig ins Hintertreffen gerate…

Mit Ærøskøbing im Heckwasser ging es morgens in Richtung Svendborgsund. Anfangs stand noch eine ordentliche Welle, aber wir konnten unseren Halbwindkurs gut halten. Während der Fahrt durch den Sund lief  der Motor, weil das Fahrwasser nicht viel Platz zum Manövrieren lässt und man (gefühlt) ständig von Fähren umgeben ist, mit denen mich sowas wie Hassliebe verbindet. Wenn ich selbst Passagier bin, finde ich sie super, aber wenn wir segeln, kann ich sie nicht leiden. Sie sind so riesig groß, immer schneller als man denkt und es interessiert auch niemanden auf der Brücke, ob der kleine Segler da unten im Fahrwasser gerade Schweißperlen auf der Stirn hat, weil er nicht schnell genug aus dem Weg kommen kann.

Als wir den Sund hinter uns gelassen hatten, wurde das Vorsegel wieder gesetzt. Bei frischem Westwind mit bis zu 15 s/m und herrlichem Sonnenschein ging es anschließend die Ostküste von Fünen entlang. Stressfreies Segeln. Nach 6 1/2 Stunden und 45 Meilen hatten wir Nyborg endlich erreicht. Bevor 1998 die Storebælt-Brücke  eröffnet wurde, hatte die Stadt Nyborg mit ihrem Fährhafen eine große Bedeutung. Damals gab es die Fährverbindung Nyborg-Korsør, lebenswichtig für den Autoverkehr zwischen Fünen und Seeland.

Für uns gab es nun zwei Möglichkeiten: Entweder auf der nordöstlichen Seite im alten Fährhafen im Windschatten von modernen, mehrstöckigen Häusern anlegen, oder bis zum Ende des Hafenbeckens durchfahren. Dort gibt es einen Steg, an dem längsseits angelegt werden kann. Eine vielbefahrene Straße ist allerdings ganz in der Nähe (ruhige Nächte gehen irgendwie anders). Kurz zusammengefasst: wir sind zwar kurz mal reingefahren und haben die Lage gepeilt, aber der Fährhafen konnte uns nicht so recht überzeugen.

Die Marina auf der westlichen Seite gefiel uns besser, und es war kein Problem, eine Box zu finden. Die Crew einer deutschen Yacht nahm unsere Vorleinen an, und ruckzuck waren wir am Steg fest. Der Yachthafen bietet ca. 500 Plätze und hat eigentlich alles, was das Seglerherz begehrt. Die Duschen und WCs sind zwar schon etwas in die Jahre gekommen, aber es gibt Grillplätze, Waschmaschinen und Trockner und sogar einen Marine-Shop. Supermärkte wie Kvickly und Netto sind in ein paar Minuten zu Fuß zu erreichen.

Nachdem wir klar Schiff gemacht hatten, wurde an Bord der Ruf nach Pizza laut. Nach so einem langen Törn bleibt die Kombüse natürlich kalt.  Auf der Suche nach einem italienischen Restaurant gondelten wir kurze Zeit später durch Nyborgs Straßen, aber schnell kamen wir zu der Erkenntnis, dass die Suche sich schwierig gestaltet. Die Brasserie an der Mole hatte nur ein mehrgängiges Menü auf der Karte. Im ehemaligen Fährhafen gibt es ein Schnellrestaurant (Burger, Softeis und Hotdogs), aber so verzweifelt waren wir dann auch wieder nicht. Nach einer kleinen Ewigkeit stießen wir auf ein Restaurant namens „Caramba“ in der Nähe des Nyborg Slot. Inzwischen war der Hunger so groß, dass uns alles egal war. Und weil im Restaurant Temperaturen wie in einer finnischen Sauna herrschten, setzten wir uns trotz des grauen Himmels einfach nach draußen. Wir mussten zwar lange darauf warten, aber das Essen war warm und machte satt. Kulinarisch war allerdings noch reichlich Luft nach oben.

Am nächsten Tag stand ein Besuch des Nyborg Schloss auf unserer To-Do-Liste. Mehrere Flügel des Schlosses wurden im Laufe der Jahrhunderte leider abgerissen; heute stehen nur noch der Westflügel und der Turm auf der Ostseite. Mit 80 DKK lag der Eintrittspreis einigermaßen hoch, aber wenn man schon mal in Nyborg ist, will man ja auch kein Kulturbanause sein und alles mitnehmen.

Weil die skandinavischen Wetterseiten DMI und YR.NO für den späten Abend Gewitter angekündigt hatten, haben wir das Schiff verlassen und  – wie schon letztes Jahr von Fåborg aus – einen netten Trip nach Odense gemacht. Mit dem Zug ging das flott, wir waren in zwanzig Minuten da, und das Kino liegt direkt am Bahnhof. Der Film „Virgin Mountain“ war zwar speziell, aber absolut sehenswert. Bevor der Zug zurück nach Nyborg abfuhr, konnten wir in einer Bar noch die letzten Minuten der Verlängerung des EM-Finales mitverfolgen und uns mit Portugal über den Titelgewinn freuen.

Am Abend dann des Skippers unvermeidlicher Blick auf die Wettervorhersage für den nächsten Tag. Ups, das sah nicht besonders gut aus, viel Wind und Regen wurden angekündigt. Aber das war uns egal – aus unerklärlichen Gründen fühlten wir uns beide nicht so richtig wohl in Nyborg, und wir wollten gern weiter. Am nächsten Morgen nahmen wir Kurs auf Kerteminde.

 

 

Kappeln – das Elbkind auf dem „Präsentierteller“, unverhoffte Begegnungen und schöne Spaziergänge

Einen Wecker haben wir nicht gebraucht am vorletzten Sonntag in Sønderborg. Zack! Schon um halb sieben ging’s freiwillig raus aus der Koje und rein in die Segelklamotten. Die Zeit war reif – wir freuten uns richtig auf Kappeln, denn eigentlich hatten wir uns für unsere zweite Segelrunde vorgenommen, endlich auch mal die deutsche Ostseeküste ein bisschen zu erkunden. Kappeln war noch unbekanntes Terrain für uns, denn bisher sind wir mit dem Elbkind nur einmal in Flensburg gewesen. Das musste sich ändern.

Der Wind war über Nacht abgeflaut und inzwischen so schwach, dass wir unter Segeln kaum Fahrt machten, um Kappeln noch so rechtzeitig zu erreichen, dass wir eine Chance auf einen Platz im Gästehafen hatten. Wieder einmal bestätigte sich unsere Theorie: der Wind ist immer dann da, wenn man ihn NICHT braucht. Und umgekehrt. Aber zum Glück hat das Elbkind ja auch einen Motor.

Unsere Route von Sønderborg nach Kappeln
Unsere Route von Sønderborg nach Kappeln

Fast unbeschreiblich, was für eine wunderbare Stimmung wir erlebt haben, als wir in die Schlei liefen! Ganze Heerscharen von Schiffen kamen uns entgegen – die Ferien in Schleswig-Holstein hatten nämlich gerade begonnen, und unzählige Crews und viele Familien waren nun auf dem Weg in den Segelurlaub. So viele glückliche Menschen auf einmal habe ich wirklich nur selten gesehen. Es wurde fröhlich von Schiff zu Schiff gewinkt (das ist nämlich  nicht nur unter Motorradfahrern, sondern auch unter Seglern üblich – warum Windsurfer nie zurück winken, ist mir irgendwie schleierhaft 😜) und angesichts der zahlreichen auslaufenden Schiffe konnten wir uns inzwischen gute Chancen auf einen freien Hafenplatz ausrechnen.

Auf geht's in die Schlei!
Auf geht’s in die Schlei!

Vorbei ging’s an der Giftbude in Schleimünde und dem Yachthafen Maasholm ins Schlei-Fahrwasser. Kurz vor Kappeln begegnete uns der Traditionssegler „Amazone“, auf dem wir im September 2007 gemeinsam mit Freunden ein schönes Segelwochenende verbracht haben (damals, als wir noch von einem eigenen Schiff träumten!). Sönke, den Skipper, haben wir später auch im Museumshafen Oevelgönne in Hamburg und in Dyvig getroffen. Er erkannte uns sofort und winkte uns freudig zu. Ein überraschendes Wiedersehen!

Amazone voraus!
Amazone voraus!

Auf der Steuerbordseite tauchte schon bald die Bootswerft von Henningsen & Steckmest auf, anschließend die Ancker Marina und der Fischereihafen, und dann hatten wir auch schon den Gästehafen erreicht. Und es gab tatsächlich noch freie Plätze! Wir legten neben einem alten, dickbäuchigen Motorsegler an, dessen Crew – inklusive Bordhund, einem Zwergschnauzer – uns  freundlich begrüßte und unsere Vorleinen annahm. Die Klampen waren noch nicht belegt, da musste ich dem Skipper auch schon erklären, warum denn unser Schiff „elbkind“ heißt und wir unter dänischer Flagge segeln?! Was das denn wohl für ein Durcheinander sei? Brav wie ich bin, habe ich ihm natürlich sofort Rede und Antwort gestanden: dass ich als waschechte „Hamburger Deern“ einen Dänen geheiratet habe. Ach so! Das leuchtete ihm schnell ein, und er schmunzelte zufrieden.

OK, angekommen – also flott klar Schiff machen und erst mal kurz orientieren. Das Elbkind lag nun direkt an der Hafenmole mitten in der Stadt, quasi mit dem Bug an der „Flaniermeile“ von Kappeln, direkt gegenüber dem Pierspeicher und mit dem Heck fast im Schlei-Fahrwasser. Nur ein paar hundert Meter von der Lindaunis-Brücke entfernt, die immer um Viertel vor Voll für den Schiffsverkehr öffnet. Das war für mich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, denn ich hab’s eigentlich gern etwas ruhiger. Thue dagegen fühlte sich gleich wie ein Fisch im Wasser, denn nun wurden die zahlreichen bunten Hafenmarken an unserem Bugkorb von Spaziergängern und Nachbarliegern bestaunt, und das gab natürlich viel Gesprächsstoff…

Anschließend wollten wir zu Fuß ein bisschen die Gegend erkunden. Der Himmel war inzwischen leider grau und wir mussten auch nicht lange warten, bis es wie aus Eimern zu regnen anfing – ausgerechnet, als wir in einem Café saßen und die 4 (in Worten: vier) Regenschirme, die wir an Bord haben, natürlich genau dort lagen. Murphy’s Law! Zum Glück war der Weg zurück zum Schiff aber nicht besonders weit, und wir sind ja auch nicht aus Zucker.

Nach dem Frühstück im Restaurant Pierspeicher am nächsten Morgen ging’s zu Fuß auf die andere Seite der Lindaunis-Brücke.

Mein neuer Freund sitzt auf der Treppe an der Lindaus-Brücke. Ein ganz harter Typ, aber pflegeleicht: er redet nämlich NIE gegenan!
Mein neuer Freund sitzt auf der Treppe an der Lindaunis-Brücke. Ein ganz harter Typ, aber herrlich pflegeleicht: er redet nämlich NIE gegenan!

Dort im Hafen entdeckten wir Bente, das neue, imposante Projekt-Segelboot von Digger (eigentlich heißt er ja Stephan). Ihn und seine süße Parson Jack Russell Hündin Polly haben wir vor einiger Zeit auf der Hanseboot in Hamburg kennengelernt, als er sein Buch vorstellte. -> http://www.diggerhamburg.com. Nach einem kleinen Klönschnack mit Stephan (Polly war leider müde und pennte unter Deck) zogen wir weiter in den schönen Museumshafen von Kappeln.

Das ist Polly. Ist sie nicht goldig?
Das ist Polly. Ist sie nicht goldig?

Hier herrscht eine ganz besondere, ruhige und friedliche Atmosphäre, und es gibt natürlich jede Menge schöne alte Schiffe zu begucken. Ein echter Augenschmaus!

Im Museumshafen von Kappeln
Im Museumshafen von Kappeln

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Und weil ich finde, dass es gelegentlich auch mal etwas Anderes geben muss als immer nur Schiffe, haben wir anschließend die alte Holländer-Mühle „Amanda“ besichtigt, die 1888 erbaut wurde und noch bis 1964 in Betrieb war. Heute kann man hier standesamtlich heiraten, die Mühle kostenlos (!) besichtigen und sich neben einer Pappmaché-Figur des aktuellen „Landarzt“-Darstellers, Wayne Carpendale, fotografieren lassen. Wer’s mag…

Die alte Holländermühle
Die alte Holländermühle „Amanda“

Nachmittags lief uns überraschend Roland über den Weg, seit kurzer Zeit ebenfalls stolzer Besitzer einer Nordborg 40. Er war allein mit dem Schiff unterwegs, und wir verabredeten uns spontan zum Abendessen beim Italiener an der Mole. Es gab Pizza, Pasta und eeeendlose technische Gespräche über das Segeln im Allgemeinen, insbesondere das Segeln einer Nordborg 40, das optimale Segelmaterial und so weiter… Ich will es mal zusammenfassen: der Abend war nett, aber ich hätte mich gefreut, wenn auch Tina, Roland’s bessere Hälfte, mit dabeigewesen wäre – nur so als Ausgleich, wegen der Frauenthemen. Ihr wisst schon. 😉

An unserem letzten Tag in Kappeln frischte der Wind so sehr auf, dass wir uns entschieden, lieber zu Fuß nach Arnis zu gehen, statt uns auf die Bordfahrräder zu schwingen. Wenn ich nämlich etwas überhaupt nicht mag, ist es Gegenwind beim Radfahren!

Übrigens – für alle, die es noch nicht wussten: Arnis, auch „die Perle an der Schlei“ genannt, ist die kleinste Stadt Deutschlands! (www.arnis.de) Unser Spazierweg führte uns zuerst entlang der Schlei und später über kleine Rad- und Wanderwege, teils auch asphaltierte, kaum befahrene Straßen bis zum hübschen Yachthafen von Arnis. Nach einer kleinen Runde durch den Hafen ging es weiter am Noor entlang Richtung Stadtmitte. Wie idyllisch und malerisch es hier war! Das Zentrum bildet die Lange Straße mit hübschen Fischerhäusern, gesäumt von Kopflinden.

Das ist sie, die Lange Straße in Arnis
Die Lange Straße in Arnis

 

Hübsche Haustüren in der Langen Straße
Wunderhübsche Haustüren überall..

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Durstig wie wir waren, kehrten wir im Fährhaus ein und zischten erst mal ein Alsterwasser. Ganz in der Nähe, direkt am Fähranleger, haben wir später ein kleines Café entdeckt, das hier nicht unerwähnt bleiben darf. Es ist nämlich nur nach Lust und Laune (und wahrscheinlich auch nur bei gutem Wetter) geöffnet, die Gäste werden von einem mobilen Verkaufsstand aus bewirtet und es gibt nur wenige Sitzgelegenheiten, die fast improvisiert wirken. Hat man erst mal Platz genommen, will man am liebsten nie wieder aufstehen, denn der wunderschöne Blick auf die Landschaft, die Schlei, die kleine Fähre und einen klitzekleinen Hafen hat eine Wirkung wie Pattex. Und der Milchkaffee war auch lecker.

Milchkaffee mit Schleiblick - bei Sonnenschein. Mehr geht nicht!
Milchkaffee mit Schleiblick – bei Sonnenschein. Mehr geht nicht!

Fahrt also unbedingt mal nach Arnis, wenn die Sonne scheint, und nehmt vielleicht auch Eure Fahrräder mit. Es lohnt sich!

Abends landeten wir mit etwas Glück (wir hatten nicht reserviert und erwischten den letzten freien Tisch) im Restaurant Stark, wieder direkt an der Hafenmole von Kappeln. Hier gab es keine Speisekarte – alle Gäste bekommen Salat und Antipasti als Vorspeise. Anschließend wird man vom Kellner in die Küche geführt und bespricht mit dem Koch, was man essen möchte. Angeblich gibt es hier den frischesten Fisch in ganz Kappeln – am selben Tag gefangen. Und der gegrillte Fisch, den wir ausgesucht haben, war wirklich gut – vom Weißwein ganz zu schweigen. Die Preise fanden wir moderat. Es blieb übrigens bis zum Schluss spannend, weil einem niemand sagt (und man natürlich auch nicht fragen will) was der Spaß denn eigentlich kostet. Nennt man sowas eigentlich Erlebnis-Gastronomie, wenn diese Überraschung erst zum Schluss kommt?

Im Restaurant
Im Restaurant „Carl“ in Kappeln

Zurück an Bord kamen wir (also eigentlich mal wieder Thue) mit unseren Stegnachbarn ins Klönen, und in Nullkommanix hatten wir Gäste an Bord. Wir lernten Pia und Carl kennen, ein sympathisches, dänisches Paar aus Humlebæk auf Sjælland, und der Abend klang mit Rotwein, Bier und interessanten Gesprächen im Cockpit aus.

Wie schön, dass 6 Jahre Dänischkurs bei der Volkshochschule Norderstedt und das Training an Sommerabenden mit dänischen Seglern in Dyvig  mich inzwischen in die Lage versetzen, einem Gespräch unter Dänen zumindest in groben Zügen zu folgen. Und wenn man zwischendurch mal den Faden verliert: immer schön lächeln und nicken! 😎

Pia und Carl
Pia und Carl

Am nächsten Morgen wurden schon früh die Leinen losgeworfen. Pia und Carl schliefen noch, als wir kurz vor halb acht ausliefen – auf ging’s nach Ærø! Unser Ziel war Marstal, denn plötzlich kam irgendwie wieder Sehnsucht nach Dänemark bei uns auf, und sogar die Wind- und Wettervorhersage stimmte ausnahmsweise mal…

Vom Winde verweht in Sønderborg

Am Donnerstagmorgen haben wir uns nach einem gemütlichen Frühstück im Cockpit auf den Weg nach Sønderborg gemacht. Schließlich waren für Freitag Sonnenschein und 30° C (!!!) angesagt, und in Sønderborg gibt es sogar einen schönen kleinen Strand. Da kam etwas Hoffnung für echtes Sommerfeeling auf. Die Sonne lachte vom Himmel, und obwohl der Wind (ok, eigentlich nur ein laues Lüftchen) direkt von vorne kam und die Segel wieder mal eingepackt bleiben mussten, genossen wir die Fahrt unter Motor durch die Flensburger Förde – vorbei an den Ochseninseln, der Marineschule Mürwik und natürlich der „bösen Schwiegermutter“, vor der wohl jeder Skipper Respekt hat. Wenn man sie auf der Landseite umrundet, läuft man nämlich ziemlich schnell auf Grund…

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Die Ochseninseln
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Die Marineschule in Mürwik
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Die Ochseninseln
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Unsere Route von Flensburg nach Sønderborg

Entgegen aller Befürchtungen gab es noch jede Menge freie Liegeplätze in der Marina, und wir machten mit dem Bug gegen den Wind fest. Perfekt! Als ich am nachmittags durch den Hafen schlenderte, wunderte ich mich über einen Abschleppwagen, der in die kleine Sackgasse am Duschhaus einbog. Hab mich noch nach ihm umgedreht und mich gefragt, wen oder was er wohl abschleppen will – es war doch gar kein Auto zu sehen?! Nur wenig später kam die Erklärung: Der Eigner eines Motorboots hatte leider vergessen, die Handbremse seines Wagens anzuziehen, als er sein Schiff slippen wollte. Das Gewicht von Trailer und Boot haben gereicht, um das Auto komplett ins Hafenbecken zu ziehen. Richtig dumm gelaufen – und natürlich ein gefundenes Fressen für die lokale Presse. Da haben wir übrigens auch das Foto stibitzt..

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… im Hafenbecken abgesoffen 😕

Viel gibt es eigentlich nicht zu berichten von unseren Hafentagen. Schön war’s mal wieder in Sønderborg, der netten kleinen Stadt, die ja nicht nur eine dänische, sondern auch eine deutsche Vergangenheit hat (nach der entscheidenden Schlacht im Krieg 1864 wurde Sønderborg Teil der preußischen Provinz Schleswig-Holstein). Auch hier leben Dänen und Deutsche friedlich zusammen. Die Stimmung ist fröhlich und entspannt, in der Perlegade (das ist die gemütliche Fußgängerzone) gab es richtig gute Livemusik von 3 Musikstudenten, und das Softeis war auch lecker.

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Abendstimmung im Hafen

Schade nur, dass mein Strandtag ausgefallen ist! DMI, die dänische Internet-Wetterseite, schraubte die Temperaturen nämlich ganz spontan wieder auf 20 Grad runter, und als Zugabe gab’s noch jede Menge Wind – so viel, dass wir sogar bis Sonntagmorgen im Hafen fest saßen. Ein schöner Spaziergang entlang der Küste am Samstag entschädigte uns zwar ein kleines bisschen, denn es war wenigstens sonnig. Aber abends auf dem Grillplatz wehten uns bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 24 s/m (entspricht ungefähr 9 Beaufort) fast die Steaks vom Teller.

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Wilde Natur an der Küste
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Traumhafte Blütenpracht am Wegesrand
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Segler-Selfie

Zur Abwechslung waren wir also wieder mal eingeweht. Kommt Euch das mittlerweile eigentlich bekannt vor? Uns schon. Langsam fragen wir uns wirklich, ob’s dieses Jahr überhaupt noch einen Sommer gibt…

Grenå – Frustkäufe und wichtige Entscheidungen

Am frühen Samstagmorgen liefen wir von Anholt aus in Richtung Grenå, denn wir wollten uns noch rechtzeitig vor dem nächsten Tiefdruckgebiet in einen sicheren Lee-Hafen retten. Eingeweht sein auf Anholt – das braucht nun wirklich kein Mensch. Nix wie weg!

Der Wind war noch nicht aufgestanden, aber die Sonne schien schon, und wir tuckerten gemütlich unter Motor an Dänemarks größtem Windpark vorbei. Hier stehen 111 Windmühlen und generieren fleissig Strom – ca. 35 % des Bedarfs für das gesamte Land werden durch Windkraft erzeugt. Dadurch hat sich der CO2-Wert Dänemarks seit 1990 um 36% reduziert – wirklich beachtlich!

Dänemarks größter Windpark vor Anholt

Plötzlich tauchten zwei kleine Köpfe aus dem Wasser auf. Da waren sie ja, die Seehunde, nach denen wir auf Anholt tagelang vergeblich Ausschau gehalten hatten! Zum Abschied zeigten sie sich endlich, zwar nur von Weitem, aber gefreut haben wir uns trotzdem. Nur kurze Zeit später folgten einige Schweinswale. Wir waren also nicht ganz allein auf unserer Fahrt nach Grenå. Andere Schiffe sind uns allerdings kaum begegnet.

Nach ca. 29 sm Fahrt erreichten wir die Marina. Es gab genügend grüne Plätze für Gastlieger, der Anlegewind meinte es gut mit uns, und auf dem Steg stand schon der freundliche Eigner des Nachbarschiffs, der unsere Vorderleinen annahm. Das nenne ich stressfreies Anlegen!

Schnell machten wir Klarschiff und inspizierten anschließend erst mal die Marina. Wir waren ganz zufrieden: in unmittelbarer Nähe gab es zwei Restaurants und ein Eiscafé, und die sanitären Anlagen machten einen ordentlichen Eindruck. Rund um den Hafen nette, einstöckige Ferienhäuser im Skagen-Stil, was dem Ganzen eine recht gemütliche Atmosphäre verlieh.

Grenå Marina

Unseren Aufenthalt in Grenå würde ich als eher unspektakulär bezeichnen. Wegen des ständigen Windes wurden die Bordfahrräder gar nicht ausgepackt und wir haben die Gegend zu Fuß erkundet.

Was diesen Hausbesitzer wohl beflügelt hat? Auf jeden Fall mal eine schöne Abwechslung für’s Auge im sonst eher schmucklosen Grenå!

Da es zwischendurch auch regnete, baute Thue ausnahmsweise auch mal das Cockpit-Zelt (in Seglerkreisen auch Kuchenbude genannt) auf. Abends ließen wir es uns beim Italiener (Casablanca) gut gehen. Die Preise waren für dänische Verhältnisse eigentlich moderat und die Pizza ganz lecker.

Am Montag stand ein Besuch des ca. 3 km entfernten Zentrums von Grenå auf dem Programm. Wir beschlossen, für den den Hinweg den Bus zu nehmen. Als wir einstiegen und Thue bezahlen wollte, informierte uns der Busfahrer, dass er gerade keine Billetts drucken könne. Wie praktisch – das bedeutete nämlich, dass wir umsonst mitfahren durften! Aber im Leben hat alles seinen Preis: der Fahrer entpuppte sich nämlich schnell als Rennfahrer-Verschnitt. Das Thema Geschwindigkeitsbegrenzung schien ein Fremdwort für ihn zu sein, er heizte mit 80 Sachen durch Wohngebiete und überholte rasant ein langsames Gärtnereifahrzeug, um anschließend eine Vollbremsung hinzulegen, damit sein Bus es noch um die nächste Straßenecke schaffte. Mit blassen Gesichtern hielten sich die Fahrgäste krampfhaft an ihren Sitzen fest, damit sie nicht durch den Bus kugelten. Wahrscheinlich hatte unser Fahrer, dessen Herkunft Thue im urbanen Teil von Rumänien vermutet, irgendetwas falsch verstanden. Zurzeit wird nämlich „Dänemarks bester Bus-Chauffør“ gesucht – zu diesem Zweck läuft eine große Kampagne, und in allen Bussen sind Aufkleber angebracht, mit dem die Fahrgäste aufgefordert werden, ihren Lieblingsfahrer vorzuschlagen. Dachte unser Fahrer vielleicht, es wird nicht der beste, sondern der schnellste Buschauffør gesucht? Wir waren jedenfalls froh, als wir nach ca. 20 Minuten das Zentrum von Grenå erreicht und endlich aus dem Bus springen konnten. Geschafft!

Gesucht: der beste Busfahrer 2015

Die Stadtmitte von Grenå fanden wir eher langweilig. Das einzige, was hier einen Besuch wert ist, sind die hübsche Sankt Gertruds Kirche und das kleine Østjylland-Museum. Wir bummelten durch die kleinen Einkaufsstraßen und kauften ein Buch (Thue) und eine Bluse (ratet mal ;-)). Nachdem wir uns die Kirche angesehen und in einem Café eine kleine Frokostpause mit Sandwich und Cappuccino eingelegt hatten, ging es zu Fuß bei trockenem Wetter auf einem netten Natur-Spazierweg entlang des kleinen Flüsschens Grenå Å wieder zurück Richtung Hafen.

Der Altar der St. Gertrud Kirke

Schon morgens hatten wir mitbekommen (die Wände von Cockpit-Zelten sind schließlich dünn), dass unser Stegnachbar an diesem Tag Geburtstag hatte, denn es trudelten diverse telefonische Glückwünsche bei ihm ein. Und weil wir ja wissen, was sich gehört, gratulierten wir natürlich auch, als wir von unserem Ausflug zurück an Bord kamen. Und schon wurden wir zu einem Geburtstagsdrink an Bord der „Meteor“, einer Bavaria 37 aus Travemünde, eingeladen. Nur kurze Zeit später stießen wir mit Geburtstagskind Dieter und seiner Lebensgefährtin Ilka mit Wodka-Lemon und Bier an. Die beiden waren unterwegs nach Norwegen und wollten wie wir am nächsten Tag weiter. Es wurde nett geklönt, gelacht und sogar ein dänisches Geburtstagslied zum Besten gegeben. Zwei Stunden vergingen wie im Flug und am Ende wurde es Zeit, dass wir zurück auf unser Schiff kamen, um erst mal feste Nahrung zu uns zu nehmen…

Das Geburtstagskind Dieter mit seiner Ilka
Die beiden kennt Ihr ja schon..

Beim Abendessen gab es wieder einmal nur ein Gesprächsthema für uns: das schlechte Wetter. In den fast 6 Wochen haben wir nicht eine einzige Nacht an Bord verbracht, ohne dass die Heizung lief. 😦 Laut Langzeitprognose von DMI, der dänischen Wetterseite, wird sich die Großwetterlage leider auch in den kommenden 2-4 Wochen nicht ändern. Muss man sich das eigentlich antun? Julia feiert am 3.7. ihren 30sten Geburtstag, und liebe Freunde, die wir aus Shanghai kennen, kommen am Wochenende darauf zu Besuch nach Hamburg. Schnell waren wir uns einig: wir segeln langsam zurück nach Dyvig und machen mal ein bisschen „Urlaub zuhause“, bis sich die Großwetterlage ändert. Wer sagt denn, dass nicht demnächst mal ein Azorenhoch über Skandinavien hängen bleibt? Wir geben die Hoffnung nicht auf. Irgendwann muss der Sommer doch endlich mal kommen!

Auf geht’s nach Klintholm!

Donnerstagmorgen. Heute sollte es in östliche Richtung weitergehen. Wir wollten versuchen, bis nach Klintholm auf der Insel Møn zu segeln – wieder ein Törn von über 40 Meilen.

Den geplanten Abstecher nach Bornholm mussten wir inzwischen von unserer Reiseroute streichen, denn leider hat sich herausgestellt, dass Anne-Cathrine, Thue’s Tochter Nr. 2, die seit März im Krankenhaus von Rønne als Ärztin arbeitet, in der geplanten Zeit gar nicht auf der Insel ist. Schade! Aber alles hat ja zwei Seiten: so gewinnen wir etwas Zeit zum Rumtrödeln – z.B. in Kopenhagen.

Beim Auslaufen von Karrebæksminde hatten wir 3 kn auslaufenden Strom mit Gegenwind von ca. 12 m/s, das entspricht ca. 6 Windstärken. Um diese „Achterbahnfahrt“ ein wenig auszugleichen, kämpfte sich unser Elbkind unter Vollgas gegen eine Welle von 2 m an. Anfangs ging es 6 Meilen lang in südwestliche Richtung bis zum Knudshoved Rev direkt gegenan. Ungemütlich! Aber dann konnten wir endlich die Segel hochziehen, und es ging weiter in südöstliche Richtung durch den Storstrøm unter der Storstrømsbrücke und der Farøbrücke hindurch.

Storstrømbrücke voraus!
Storstrømbrücke voraus!

Zwischendurch schlug plötzlich unser Plotter Alarm und zeigte eine Fehlermeldung, die wir uns nicht recht erklären konnten – der Autopilot hatte angeblich das GPS-Signal unvorhergesehen verloren?! Einige Zeit später bekam Thue eine SMS von seinem Bruder Peter, der sich besorgt erkundigte, ob das Elbkind vielleicht untergegangen sei – er konnte uns über „Marine Traffic“ plötzlich nicht mehr orten. Nun wurde uns klar: unser AIS-Signal wurde wegen technischer Probleme offenbar nicht mehr gesendet. Merkwürdig…

Eine kleine Erläuterung für alle Landratten: Die Abkürzung AIS steht für „Automatic Identification System“, das aus einem Sender und einem Empfänger besteht. Alle 2 Minuten wird unsere Schiffsposition an andere AIS-Teilnehmer und internet-basierte AIS-Tracker übermittelt. Gleichzeitig bekommen wir auf unserem Plotter die Information, wo sich andere Schiffe befinden und in welcher Richtung sie mit welcher Geschwindigkeit unterwegs sind. Sobald Kollisionsgefahr besteht, ertönt ein Warnsignal. Eigentlich ja eine praktische Sache, wenn man nur nicht ständig unter Beobachtung einiger Familienmitglieder stehen würde. Immer diese Paparazzi! 😜

Thue - immer im Einsatz!
Thue – immer im Einsatz!

Dann hatten wir den Grønsund erreicht, und an der Steuerbordseite tauchte Stubbekøbing auf. Gottseidank blieb uns dieser Hafen diesmal erspart, wir haben ihn nämlich nicht gerade in bester Erinnerung. Vor zwei Jahren mussten wir im Industriehafen ungemütlich im Päckchen liegen, weil die Marina wegen Baggerarbeiten gerade gesperrt war. Und ansonsten herrscht hier ziemlich „tote Hose“, der beliebteste und lebendigste Ort – vor allen Dingen für die Einheimischen, die hier das eine oder andere Bierchen zischen – ist der Hafenkiosk. In einem kleinen Restaurant in der Fußgängerzone von Stubbekøbing haben wir damals das schlechteste, fettigste und unappetitlichste Essen bekommen, das man sich denken kann. Auf meinen Salat musste ich Ewigkeiten warten und bekam schließlich Eisbergsalat mit Fertigdressing. Außerdem wurden wir irgendwie den Eindruck nicht los, dass hier eine „One-Man-Show“ lief: Koch und Kellner waren ein und dieselbe Person! So erklärten sich auch die langen Wartezeiten. Nie wieder.

Ein Fischerboot, von hungrigen Möwen umkreist…

In südöstliche Richtung segelten wir weiter durch Hestehoved Dyb. Um eine große Untiefe zu vermeiden, muss man hier einen Umweg von einigen Meilen in Kauf nehmen.

Vorsicht ist geboten bei der Anfahrt nach Klintholm - überall stehen Pfähle für Stellnetze!
Vorsicht ist geboten bei der Anfahrt nach Klintholm – überall stehen Pfähle für Stellnetze!

Nach 8 Stunden hatten wir endlich Klintholm erreicht und machten längsseits neben einem Charterschiff mit einer Männercrew aus Bregenz fest. Kaum Anlegewind und ein netter Typ auf dem Steg, der unsere Leinen annahm, machten unseren Anleger leicht. Geschafft! Nach diesem langen Segeltag freuten wir uns auf den Abend an Land.

Klintholm's Marina
Klintholm’s Marina im Sonnenschein

Als wir zur Ruhe gekommen waren, gestand Thue plötzlich: „Irgendwie tut mein rechtes Knie ganz schön weh..!“ Gemeinsam versuchten wir herauszufinden, was passiert sein könnte. Hatte er sich beim Setzen der Segel irgendwo gestoßen oder sich das Knie verdreht, und das im Eifer des Gefechts gar nicht gemerkt? Wir werden es wohl nicht mehr herausfinden. Traurige Tatsache war jedenfalls, dass mein armer Skipper plötzlich kaum noch kriechen konnte. Mit Mühe und Not schaffte er es, neben mir her zu einer Pizzeria in Hafennähe zu humpeln.

Unser Ziel für's Abendessen. Entertainment ist garantiert!
Unser Ziel für’s Abendessen. Entertainment ist garantiert..!

Hier gab’s lecker Pizza und ein Tuborg Classic. Leider hatten wir kaum Gelegenheit, einem Pseudo-Italiener mittleren Alters, der mit blassem Teint und dunkel gefärbten Haaren an der Hammondorgel Evergreens zum Besten gab, Gehör zu schenken, denn mein Mann war fix und fertig! Zurück an Bord fiel er sofort in die Koje und schlief wie ein Stein.

Als wir am nächsten Morgen sein dick geschwollenes Knie beguckten, wurde uns schnell klar, dass wir in der nächsten Zeit wohl mit einigen Einschränkungen in Sachen Mobilität leben müssen. Wir waren uns einig, dass sich auf jeden Fall ein Arzt in Kopenhagen das Knie ansehen sollte, wenn Schmerzen und Schwellung innerhalb der nächsten Tage nicht deutlich abklingen. Bis dahin wurde Thue von „Dr. Marzipan“ (also Anne-Catrine) telefonisch beraten: viel Ruhe, möglichst nicht belasten und gelegentlich mit einer Dose Carlsberg kühlen, das hilft bestimmt! 😉

Und weil er auf den Rat seiner Ärztin hört, lebt Thue von jetzt an nach der Devise „bleib sitzen, lass flitzen!“. Wer bei unserer 2-Mann-Crew dann flitzen muss, ist uns allen wohl schnell klar. Na ja, was soll’s. Vor zwei Jahren, als ich nach meinem Segelunfall in Skanør nicht laufen konnte, war ich diejenige, für die Thue flitzen musste. Im Leben gleicht sich eben irgendwie alles aus…

Es ist wie verhext, aber unser Schiff scheint eine Vorliebe für „Gehbehinderte“ zu haben… Bitte drückt uns die Daumen, dass es dieses Mal nicht so schlimm wird…

Frauen-Skippertraining in Heiligenhafen

Ahoi, da bin ich wieder!

Nun liegt das Skippertraining in Heiligenhafen schon wieder eine Woche zurück, und mein Blogbeirag hat ziemlich lange auf sich warten lassen. Wie hab‘ ich bloß meine Zeit rumgekriegt, als ich noch berufstätig war?? Hier kommt nun endlich mein Bericht:

Thue hatte sich für das Oster-Wochenende mit seinen Kids in Kopenhagen verabredet, und ich fuhr gemütlich zum Skippertraining für Frauen nach Heiligenhafen –  übrigens ein Geburtstagsgeschenk meines werten Gatten (wie praktisch, dass für ihn auch was dabei rausspringt – ein völlig uneigennütziges Geschenk! ;o))

Bei schönstem Wetter trudelte ich im Yachthafen ein. Bei der Aufteilung der Schiffe wurde schnell klar, dass wir nicht nur 5 Mädels an Bord unserer Hanse 371 mit dem klangvollen Namen „Uschi X“ waren, sondern dass auch unser Skipper-Trainer weiblich war. Also echte Frauen-Power an Bord – super! Dazu aber später mehr.

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Die Übernachtung an Bord stand mir zugegebenermaßen etwas bevor – nicht umsonst bin ich bei Insidern als Schlaf-Neurotikerin bekannt und der Gedanke, zusammen mit vier fremden Frauen zwei Nächte an Bord einer Yacht zu verbringen, ließ bei mir leicht gemischte Gefühle aufkommen. Flott wurden die Kojen verteilt, und ehe ich einmal mit den Wimpern klimpern konnte, stand schon fest, dass ich mir die Vorderkabine mit Eva teilen würde (danke für die Orga, liebe Deike!). Beim Auspacken unserer Taschen mussten Eva und ich schon grinsen, weil sich schnell zeigte, dass wir viele Gemeinsamkeiten hatten. Vor allen Dingen die „Konzentrationssprache“. Kennt Ihr die? Damit man seine Gedanken ständig beisammen hat, während man seine Sachen ein- oder auspackt, brummelt man ununterbrochen leise vor sich hin: „So, das Shirt zieh ich dann noch unter, und die dicken Strümpfe auch. Nö, ich zieh‘ doch lieber die warme Strumpfhose an. Ach so, die Stiefel muss ich ja schon rausstellen, die brauch‘ ich ja später noch“ usw. usw. Zum Piepen. Und ich dachte immer, nur ich hab‘ diesen kleinen Vogel. Was für eine schöne Erkenntnis!

Nachdem unsere Klamotten ausgepackt waren, saßen wir im Salon der „Uschi-X“ zur Vorstellungsrunde zusammen:

Angelika  – auch unter den Decknamen „Monika“ oder „Angelique“ bekannt, ist sie gemeinsam mit ihrem Mann stolze Eignerin eines LM-Motorseglers (mit Steuerrad UND Pinne – Hiiiilfe!!) mit Heimathafen Arnis an der schönen Schlei.

Bea – sie ist sympathische Miteignerin des Traditionsschiffs „Zwillinge von Kappeln“, einem Lotsenkutter mit Heimathafen Lübeck.

Steffi –  hat nicht nur ein Herz fürs Segeln, sondern fliegt in ihrer Freizeit auch gelegentlich. Sie liebt eben Hobbies, die sie hinaus in die Natur führen. Dazu passt, dass sie von Beruf Vermessungsingenieurin ist. Mit 47 Jahren war sie das ‚Küken‘ in unserer Mädelsrunde.

Eva –  vor noch nicht allzu langer Zeit hat es sie und ihren Mann als Eigner einer Sirius 38 DS nach Neustadt an der Ostsee verschlagen. Früher haben die beiden schon zusammen das Mittelmeer unsicher gemacht. Eva spielt übrigens auch sehr gut Tennis und ist Spezialistin für Trinksprüche: „Wie kommen wir zusammen? Straaaaaaahlenfööööörmig!“ Und wenn man ihr beim Sprechen ihre Hände fesseln würde, wäre sie garantiert stumm(O-Ton Eva).

Deike, unsere Trainerin. Wenn es darum geht, ihren wissbegierigen Schülerinnen nicht nur Fachwissen zu verklickern, sondern auch deren Selbstvertrauen aufzubauen, ist sie mit bewundernswerter Ruhe und Souveränität zur Stelle. Verstohlene Blicke zu den Nachbar-Trainingsyachten und leicht vermasselten Ablegemanövern machten uns schnell klar: Deike war unser Sechser im Lotto, ein echter Glücksfall! Wer richtig gut Segeln lernen will, ist bei ihr an der richtigen Adresse. Weitere Infos findet Ihr unter http://www.demar.pro/.

Sabine ebenfalls Trainerin, die Deike und uns mit Rat und Tat zur Seite stand, aber leider wegen familiärer Osterverpflichtungen schon am Samstagabend wieder abreisen musste.

Gegen Abend lief die „Uschi X“ mit allen Crew- und Skippermitgliedern zum ersten Mal aus – die Ansteuerung von Heiligenhafen bei Dunkelheit sollte geübt werden. Eine völlig neue und spannende Erfahrung für mich! Natürlich war alles generalstabsmäßig geplant – vor dem Ablegen wurde mit Deike’s Hilfe eine Skizze angefertigt, in die sämtliche Tonnen, Kurse, Leit- und Richtfeuer eingezeichnet wurden. So wurde das Einlaufen zum Kinderspiel! Die klirrende Kälte soll an dieser Stelle unerwähnt bleiben, denn zum Trost gab’s später einen Anlege-Aufwärm-Prosecco von Steffi!

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Gegen 22 Uhr hatten wir unsere „Uschi-X“  endlich wieder sicher im Hafen. Diejenigen, die vor unserem Dämmertörn nichts mehr gegessen hatten, mussten mit knurrendem Magen in die Koje krabbeln, denn die Restaurants von Heiligenhafen hatten zu so später Stunde leider nur noch Flüssignahrung im Angebot…

In der ersten Nacht an Bord haben wohl alle schlecht geschlafen, denn es herrschte klirrende Kälte. Die Außentemperaturen lagen um den Gefrierpunkt, die Innentemperaturen nur knapp darüber. Ich schwöre Euch: hätte jemand die Tür unserer Vorderkabine geöffnet, wäre garantiert das Kühlschranklicht angegangen! In der zweiten Nacht haben wir die Heizung dann einfach mal höher gedreht.

Die leichte Katerstimmung wegen des allgemeinen Schlafmangels war am nächsten Morgen schnell verflogen. Nach einem gemeinsamen Frühstück im Restaurant „Nordpol“ ging es bei strahlendem Sonnenschein rein in die Segelklamotten und raus in den Hafen. Dann hieß es: Rückwärtsfahren, Anlegen, Ablegen, Anlegen, Ablegen, Anlegen, Ablegen, auf dem Teller drehen, Anlegen, Ablegen…. Der Clou des Tages war der sogenannte „Caprifischer“ – ein genialer Segler-Lassotrick, mit dem jeder Pfahl und jeder Poller zuverlässig eingefangen werden kann.

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Nachdem wir am späten Nachmittag wieder in unserer Box im Hafen gelandet waren (ich stand am Steuer und habe zum ersten Mal perfekt rückwärts angelegt, YES!!!), haben wir uns abends mit den anderen Crews zum Essen getroffen. Unsere nimmermüde Deike brachte bei dieser Gelegenheit allen Teilnehmern mit einem kleinen Vortrag  die Vorteile von Rettungswesten näher. Nach leckerem Matjes mit Bratkartoffeln wollte ich schnell nur noch zwei Dinge: mich nicht mehr konzentrieren müssen und ohne Umwege in die Koje!

Am nächsten Morgen waren alle gut gelaunt, weil sich die nächtlichen Temperaturen auf der Uschi-X viel angenehmer anfühlten und unser Schlafkomfort damit erheblich gestiegen war. Wieder schien die Sonne vom fast wolkenlosen Himmel, und nach dem Frühstück ging es auf in die nächste Runde. Ihr habt es schon geraten: es wurde wieder an- und abgelegt, zur Abwechslung aber auch längsseits an und von der Pier des Kommunalhafens. Die Oster-Spaziergänger hatten richtig was zu gucken. Wir dampften einfach in die seewärtige Achterspring hinein, lernten, wie wichtig ein Manöverfender (die „dicke Bertha“) ist und legten ab wie die Profis. Und mein zweiter Vorname ist Caprifischer!

Als es am späten Nachmittag des Ostersonntags wieder heimwärts ging, waren wir uns mittlerweile richtig ans Herz gewachsen. Unzählige Hafenmanöver und eiskalte Nächte verbinden eben… Längst waren Handynummern ausgetauscht und eine Whats-App-Gruppe eingerichtet worden. Wir bleiben in Verbindung!

An diesem Osterwochenende haben wir von Deike nicht nur viel über das Steuern einer Yacht gelernt und zahllose nützliche Tipps bekommen, sondern hatten auch jede Menge Spaß, und sind mit gestärktem Selbstvertrauen nachhause gefahren. Das Skippertraining für Frauen ist eine tolle und sinnvolle Sache, die ich wirklich jeder Bordfrau ans Herz legen kann. Traut Euch, Mädels – Ihr könnt es auch! Nach ein paar zusätzlichen Trainingseinheiten auf dem eigenen Schiff könnt Ihr zukünftig Eure Männer auf den Steg springen lassen, während Ihr lässig am Steuerstand steht und Eure professionellen Anlegemanöver vom Hafenpublikum bestaunen lasst :))

Allerdings haben Thue und ich jetzt ein kleines Problem: wir wollen beide steuern und keiner will aufs Vorderdeck, um sich um die Leinen und Festmacher zu kümmern. Plötzlich wird mir klar, warum manche Yachten 2 Steuerräder haben!!

GRuppenfoto