Endlich ein „Impfstoff“ gegen Seepocken?

 

Ahoi Ihr Lieben!

Treue Follower dieses Blogs wissen, dass unser elbkind seinen Heimathafen in Dyvig hat. Ganz viele von Euch kennen und lieben dieses Kleinod auf der süddänischen Insel Als – eine wunderschöne Lagune mit etwas wärmerem Wasser und einem deutlich niedrigeren Salzgehalt als z.B. im Kleinen Belt. Leider aber auch der perfekte Nährboden für lästige Seepocken!

In der Vergangenheit haben wir ein Standard Antifoulingsystem verwendet und hatten auch nie Probleme mit Seepockenbefall am Rumpf. Unser Volvo Penta Faltpropeller aus Nibral wirkt allerdings wie ein Magnet auf die lästigen Viecher. Es ist sogar vorgekommen, dass schon einige Wochen nach dem Krantermin so viele Pocken auf dem Propeller saßen, dass wir kaum noch unter Motor aus der Bucht rausgekommen sind.

Schon seit einiger Zeit haben wir (also eigentlich Thue, in Fachkreisen auch Daniel Düsentrieb genannt) versucht, dieses Problem mit unterschiedlichsten Mitteln und Methoden in den Griff zu kriegen. Leider Fehlanzeige, die Ergebnisse waren immer wieder enttäuschend. Entweder sind die vielversprechenden Beschichtungen abgeplatzt, haben gar nicht gehalten oder sogar noch mehr Pocken angezogen. Das konnte so nicht weitergehen, es musste endlich eine vernünftige Lösung her.

Während der Wintermonate war dann reichlich Zeit, um einschlägige Magazine, das WWW und andere Quellen zu durchforsten und nach Alternativen zu suchen. Fündig geworden ist mein Skipper schließlich in Schweden. Weil er ja sowieso fast alles kann, spricht und versteht er auch schwedisch. „Svenska Kryssarklubben“ hatte eine Versuchsreihe mit Kupferbelägen auf Propellern durchgeführt und die Resultate sahen recht vielversprechend aus. Und zack war die Entscheidung getroffen. Nächster Versuch! Vor dem Saisonstart 2019 bekam unser Propeller einen Belag aus Kupfer verpasst.

Die Verkupferungs-Aktion hat freundlicherweise unser Lieblings-Bootsbauer in Nordborg für uns organisiert. Eine nur ca. 10 Mikron dicke Schicht sollte reichen um sicherzustellen, dass sich die beweglichen Teile des Faltpropellers trotz Kupferschicht noch frei bewegen konnten.

Im letzten Sommer waren wir rund 11 Wochen unterwegs und haben in dieser Zeit ca. 1.000 Seemeilen zurückgelegt – davon vielleicht 25 – 30% unter Motor. Während der Saison hatten wir sozusagen „vollen Schub“ vom Motor bzw. dem Propeller, d.h. ca. 6,6 Knoten bei 2.200 Umdrehungen. In dieser Zeit haben wir keine Vibrationen bemerkt – normalerweise ein eindeutiger Hinweis dafür, dass die lästigen Seepocken am Propeller ein neues Zuhause gefunden haben.

Im Detail sieht die Lösung so aus:

  1. Die Propeller-Nabe wurde mit normalem Antifouling behandelt – dasselbe Produkt, das wir auch für den Schiffsrumpf verwenden
  2. Die drei Propeller-Blätter wurden galvanisch verkupfert (mit ca. 10 Mikron reinem Kupfer).
  3. Die Opfer-Anode auf der Propeller-Narbe wurde entfernt, denn nur so kann die verkupferte Oberfläche Spuren von Kupfer freigeben und damit Wachstum verhindern.
  4. Die Isolation zwischen Propeller und Saildrive wurde überprüft, um sicherzustellen, dass keine galvanische Verbindung besteht – so wird Korrosion an Saildrive bzw. Opferanode verhindert.

Zugegeben, die Beschichtung aus reinem Kupfer wirkt im ersten Moment relativ teuer. Es sieht aber ganz danach aus, als wenn der größte Teil der Beschichtung die erste Saison gut überlebt hat. Deshalb gehen wir davon aus, dass die Beschichtung mehrere Saisons halten wird. Und wenn mehrere Propeller gleichzeitig behandelt werden, könnte evtl. ein besserer Preis ausgehandelt werden.

Momentan möchten wir noch keine klare Empfehlung für diese „Impfmethode“ gegen Seepocken aussprechen, denn es ist noch zu früh zu beurteilen, ob es „Risiken oder Nebenwirkungen“ gibt. Aber grundsätzlich sind wir zuversichtlich und werden Euch auf jeden Fall wieder berichten, wenn unser Schiff wieder ins Winterlager geht.

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Propeller mit Seepockenbefall
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…mit Kupferbeschichtung
Propeller elbkind Saisonende 2019
… nach der ersten Saison

# Traurigster Tag im Jahr…

Ahoi Ihr Lieben,

genießt Ihr die Herbsttage und macht es Euch zuhause so richtig schön gemütlich? Ich mag ja diese Jahreszeit. Im Herbst ist alles ist im Wandel, ich liebe das bunte Laub, die Stoppelfelder, das goldene Licht, die Drachen am Himmel und den Geruch von feuchter Erde.

Herbst heißt für uns aber auch immer Abschied nehmen. Vorgestern war es wieder so weit, der Krantermin stand im Kalender. Der Tag, den meine Instagram-Segelfreundin Elbseglerin absolut treffend mit #traurigstertagimjahr bezeichnet hat. Schon liegt die Segelsaison 2017 wieder hinter uns. Wer hat an der Uhr gedreht?

Krantermin – ein Tag, an dem sich bei uns immer ein Hauch von Melancholie breitmacht, denn der Winter in Nordeuropa ist gefühlt endlos. Was das betrifft, segeln wir wahrscheinlich nicht in den richtigen Gefilden. Weil unser Segelrevier aber so wunderschön ist und wir uns überhaupt nicht vorstellen können, das Schiff nur wegen des schöneren Wetters in den sonnigen Süden zu verlegen, dauert unsere Saison eben nur von Mitte Mai bis Anfang Oktober. So ist es, und so bleibt es auch.

Der Herbst kam zwar auf leisen Sohlen, aber plötzlich war er da. Das ist ja mit Weihnachten immer so ähnlich. Schon, als das Wetter Mitte September noch mal ganz manierlich war und wir ein letztes Mal Kurs auf Årø und Apenrade genommen haben, war ganz deutlich spürbar, dass sich die Segelsaison nun bald dem Ende zuneigt. Der Hafen von Årø, der in der Hauptsaison normalerweise aus allen Nähten platzt, war fast menschenleer – außer uns hatten gerade mal 5 Schiffe festgemacht und unser Lieblingsrestaurant Brummers Gård hatte nur noch an drei Tagen in der Woche geöffnet. Morgens waren die Fenster im Schiff total beschlagen und es hat ewig gedauert, bis die Sonne es endlich geschafft hat, das Cockpit zu trocknen, damit wir draußen frühstücken konnten. Abends wurde es früh dunkel, und trotz Fleecepulli und viel gutem Willen war es einfach zu frisch, um noch mit einem Glas Wein in der Hand draußen zu sitzen und den Hafenblick zu genießen. Es half nichts, seufzend haben wir uns unter Deck verkrümelt, die Dieselheizung angestellt und die Bordlektüre rausgekramt. Was ja grundsätzlich auch gemütlich ist, aber vielleicht eher zuhause auf dem Sofa – der Winter ist ohnehin lang genug. Bei uns gehört zum Segeln einfach auch das Outdoor- und Hafenleben dazu.

Herbstspaziergang mit Tesso
Zum letzten Mal in diesem Jahr – ein Inselspaziergang mit Leihhund Tesso

Auf unserem letzten Segelausflug in diesem Jahr hat Petrus es übrigens noch mal richtig gut mit uns gemeint – der kurze Törn von Årø nach Apenrade unter Vollzeug war rückblickend wohl der schönste der ganzen Saison. Endlich mal stabiler, moderater Wind und über Stunden herrliches Segeln bei blauem Himmel und Sonnenschein! An Tag zwei durften wir noch für ein paar Stunden an der Ankerboje die Sonne im Cockpit genießen, aber dann ging’s zurück nach Dyvig, denn die Segel sollten möglichst trocken abgeschlagen werden. Ich bin übrigens fest davon überzeugt, dass Petrus das mit dem schönen Wetter extra macht. Da steckt Taktik dahinter. Alles geschickt eingefädelt, damit man sich zum Saisonende doch noch mit dem Wetter versöhnt. Aber zu diesem Thema habe ich mich ja letztes Jahr zum Saisonende schon mal ausgelassen.

In Dyvig fand dann ganz spontan ein Get-Together einiger Nordborg-Crews statt. Aus allen Himmelsrichtungen trudelten an diesem Wochenende zahlreiche Schiffe ein, die ausgekrant werden und bei der Nordborg-Werft überwintern sollten. Dietrich mit seiner Nordborg 34 Melusina zum Beispiel. Seit April ist er ganz allein unterwegs gewesen und hat es sage und schreibe bis zu den Lofoten geschafft! Zwischendurch hatte er zwar gelegentlich Gäste an Bord, aber den größten Teil der Strecke hat er als Einhandsegler bewältigt. Hut ab vor dieser seglerischen Leistung!

Wirklich gefreut haben wir uns, die Crews der Molch und der Schabernack in Dyvig wiederzutreffen. Den ganzen Sonntag lang wurde viel geklönt, aber auch auf allen Schiffen hart gearbeitet. Die Sonne lachte vom blauen Himmel und es war windstill – perfekte Bedingungen, um auch noch das letzte Bisschen Feuchtigkeit aus den Segeln zu bekommen, bevor sie eingepackt wurden. Gegen Abend waren dann die Segel abgeschlagen, zusammengelegt und in Säcken verstaut, alle Schiffe waren blitzblank geschrubbt, poliert und aufgeräumt und die Kofferräume unserer Autos bis obenhin vollgepackt. Geschafft!

Segeltrocknen in der Herbstsonne
elbkind und Schabernack beim Trocknen der Segel am Steg

Als Belohnung für so viel Fleißarbeit haben wir spontan einen Tisch im Restaurant Skipperstuen im Dyvig Badehotel bestellt und uns zu sechst bei einem leckeren dänischen Abendessen gebührend von der Segelsaison verabschiedet. Vorher gab es auf der Hotelterrasse sogar noch einen Sundowner unter freiem Himmel mit Blick über die Dyvig Bucht, das war richtig hyggeligt! Leider war ich an diesem Abend zu beschäftigt, um Fotos zu machen… 😉

Ein paar Tage später war er dann da, der traurigste Tag im Jahr. Während ich mich zuhause im warmen Bettchen noch mal umdrehen durfte, machte mein Skipper sich schon gegen fünf Uhr morgens auf den Weg nach Dyvig, um unsere elbkind auf ihrem Weg ins Winterlager zu begleiten. Als ich aufwachte, hatte Thue mir schon das erste Video geschickt.

Total gespannt waren wir auf den Zustand des Propellers, denn im Frühjahr hatte unser Bootsbauer eine kleine Studie gestartet. Er wollte testen, welches Antifouling die besten Ergebnisse gegen Seepockenbefall bringt und hat die Propeller mehrerer Schiffe mit unterschiedlichen Systemen behandelt, um am Saisonende die Ergebnisse zu vergleichen. Leider hatten wir nicht den richtigen Primer benutzt, deshalb war das Ergebnis auch nicht besonders überzeugend bzw. aussagekräftig. Obwohl der Anstrich komplett abgeblättert ist, waren deutlich weniger Seepocken zu verzeichnen als im letzten Jahr. Der nächste Versuch ist im kommenden Jahr geplant, wir werden natürlich berichten.

Segel in der Sonne

Nach dem Kranen ging es im Konvoi nach Nordborg zur Bootswerft, wo der arme Thue bei strömendem Regen das Freibord geschrubbt und das Deck gewaschen hat.

Unterwegs ins Winterlager
Im Konvoi unterwegs zur Werft…

Nun ist die schönste Zeit im Jahr für uns also wieder vorbei. Ein paar Throwback-Berichte vom Sommer 2017 habe ich aber noch für Euch auf Lager. So viel will ich schon mal verraten: wenn Schadenfreude für Euch die schönste Freude ist, kommt Ihr ganz bestimmt auf Eure Kosten… 😜

 

 

Dieser besondere Tag im Frühling…

… auf den wir jedes Jahr so sehnsüchtig warten, war Mitte April endlich da – unser Highlight, der Krantermin! In den letzten Monaten hat besonders mein Skipper kaum an etwas Anderes denken können. Am liebsten hätten wir unser elbkind ja schon vor Ostern wieder im Wasser gehabt, aber wir waren offenbar nicht die einzigen – alle Termine waren leider schon ausgebucht, als wir im März angefragt haben 😐. Aber bei dem unbeständigen Aprilwetter war das gar nicht so tragisch, zuhause hatten wir eigentlich noch genug zu tun.

Liebe Segler, kennt Ihr das eigentlich auch, dass Euer Keller im Winter nach und nach zu einem Lagerraum für Schiffszubehör mutiert? Wir konnten jedenfalls zum Schluss kaum noch einen Fuß vor den anderen setzen. Das Bettzeug und die Bordfahrräder nehmen wir im Herbst sowieso immer mit nachhause, damit Spak und Schimmel keine Chance haben. Und natürlich wurde im Laufe der vergangenen Monate auch das eine oder andere Teil angeschafft und im Keller zwischengelagert. Ein Ausdehnungsgefäß für die Wasserpumpe, Schwämme, Schäkel, Schläuche, Gasflaschen, Klamotten, ein Sonnenschirm fürs Cockpit, usw. usf. Außerdem hatte mein Skipper über Ebay Kleinanzeigen z.B. eine 30 m lange Ankerkette zum Schnäppchenpreis von 60 € ergattert. Für den Transport dieses Zubehörs sind gut trainierte Oberarme übrigens unbedingt von Vorteil. 💪🏼😉 Als der heißersehnte Tag dann feststand und Thue anfing, das Auto zu beladen, waren wir wirklich happy, dass sich die Sitze umklappen ließen. 😉

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Hab‘ mein‘ Wagen vollgeladen…
Krantermin in Dyvig bedeutet für uns normalerweise, dass wir früh aus den Federn müssen, wenn wir live dabeisein wollen. Da klingelt der Wecker dann gern schon mal um 4 Uhr morgens, denn wir müssen ja noch gute zwei Stunden Fahrtzeit bis nach Dänemark einplanen. Dieses Frühjahr hatten wir dazu aber keine Lust. Stattdessen haben wir uns einen Wunsch erfüllt: eine Übernachtung im sündhaft teuren Dyvig Badehotel auf der anderen Seite der Bucht. Die Vorfreude war groß!

Dienstagmorgen nach dem Frühstück machten wir uns auf nach Dänemark, und als wir im Hafen ankamen, wartete das elbkind auch schon auf uns.

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Wiedersehensfreude pur..!
Als wir das Unterwasserschiff inspizierten, ist uns sofort die neue Propeller-Oberfläche aufgefallen – pechschwarz und merkwürdig gummiartig. Unser Bootsbauer hatte uns schon darauf vorbereitet, dass er in diesem Jahr an einigen Schiffen ein neues Produkt von Hempel testen will, das den Bewuchs von Seepocken verhindern soll. Im vergangenen Jahr haben wir diesbezüglich ja leider eher schlechte Erfahrungen gemacht…

Laut Beschreibung des Herstellers wird das Produkt auf Silikon- und Hydrogelbasis hergestellt, ist biozidfrei und verleiht der Oberfläche wasserähnliche Eigenschaften. Damit sollen sich bewuchsbildende Organismen nicht mehr so leicht am Rumpf ansiedeln und fallen schnell ab, sobald das Boot in Bewegung ist. Geeignet ist es sowohl für Segel- als auch für schnelle Motorboote. Nur für Oberflächen aus Holz ist es nicht brauchbar. Bewuchs soll sich leicht entfernen lassen, und die Beschichtung lässt sich problemlos erneut auftragen. Hydrogel basiert auf nicht reaktiven Polymeren, die dem Anstrich hinzugefügt werden und eine unsichtbare Schutzschicht zwischen der Rumpfoberfläche und dem Wasser bilden. Bewuchsbildende Organismen nehmen den Rumpf als Flüssigkeit wahr und haften so viel seltener an. Wir sind gespannt, ob die Oberflächenbehandlung nun tatsächlich den Durchbruch bringt. Schön wär’s ja…

Nachdem wir über eine Leiter schon einige Taschen und Klamotten an Bord gehievt hatten, haben wir endlich auch den sympathischen neuen Hafenmeister Erling kennengelernt und ein bisschen mit ihm geklönt. Das Hafenmeisterbüro und der kleine Havne Brugsen haben sich deutlich positiv verändert und es war spürbar, dass in Dyvig nun wirklich wieder ein „frischer Wind“ weht. Bei Erling und seiner Frau Helle könnt Ihr  jetzt übrigens auch frisch gebrühten Kaffee kaufen. „Is, Øl og kaffe, det sælger altid!“ (Eis, Bier und Kaffee gehen immer) meint er, und recht hat er. 👍🏼 Das wird bestimmt hyggelig!

Nach unserer kleinen Stippvisite im Hafen haben wir im Dyvig Badehotel auf der anderen Seite der Bucht eingecheckt. Schon ein paarmal hatten wir im Hotel-Restaurant „Skipperstuen“ gut gegessen, und am Karfreitag 2011 sogar das Glück, bei strahlendem Sonnenschein mit Familie und Freunden die Schiffstaufe unseres ersten elbkinds, einer Nordborg 32, auf der Hotelterrasse feiern zu können – bei Temperaturen um die 20 Grad. Von derartig sommerlichen Momenten war der April 2017 ja leider weit entfernt… 😐 In diesem Jahr hoffen wir (wieder mal) auf einen schönen Sommer – die Wetterprognose für Mai, Juni und Juli in Dänemark sieht jedenfalls ganz vielversprechend aus. ⛵️☀️🇩🇰

Die nette Dame am Empfang des Badehotels empfing uns freundlich, und sofort fiel mir die geschmackvolle Frühlingsdeko im Foyer ins Auge – zarte, bezaubernde, wunderhübsche Schachbrettblumen! Duplizität der Ereignisse, denn gerade hatte ich auf dem Weg nach Dänemark  Stefanie’s Bericht über die Schachbrettblumenwiesen im Junkernfeld gelesen und mich sofort in diese besondere Blume verliebt. Stefanie würde wahrscheinlich sagen „schockverliebt“…

Unser Zimmer überzeugte mit geschmackvollem Interieur, einem waaaahnsinnig gemütlichen Bett und viel Liebe zum Detail. Wir fühlten uns auf Anhieb zuhause und haben am Fenster den herrlichen Blick über die Dyvig Bucht genossen. Später am Abend waren wir mit unseren „zukünftigen Ex-Segelfreunden“ Torben und Lene zum Essen verabredet. Leider haben die beiden sich entschieden, ihr Schiff zu verkaufen und sich stattdessen ein Sommerhaus zuzulegen. Und wir sind richtig traurig!

Am nächsten Morgen waren wir um halb sieben die ersten Gäste im Frühstücksraum. Schade, dass die Zeit viel zu knapp war, um das schöne Ambiente so richtig zu genießen. Aber auf der anderen Seite der Bucht warteten ja schon ein Kranwagen, das Nordborg-Team und jede Menge Arbeit auf uns…

To make a long story short: Alles hat reibungslos geklappt, das elbkind hat endlich wieder Wasser unterm Kiel, der Mast ist gesetzt, die Segel sind angeschlagen, das Schiff ist blitzsauber, die Betten sind bezogen und am Ende des Tages hatte ich lt. Schrittzähler fast 10 km auf der Uhr.

Jetzt warten wir noch ein paar Tage ab, bis es etwas wärmer wird und die nächtlichen Temperaturen wieder zuverlässig über dem Nullpunkt bleiben 🙃. Und spätestens Mitte Mai wollen wir wieder los. Wenn Wind und Wetter mitspielen, soll es durch den kleinen Belt in nördliche Richtung gehen; erklärte Wunschziele sind Samsø und Anholt, denn beide Inseln mögen wir wirklich sehr. Von Skagen wollen wir rüber nach Schweden segeln, die Küste entlang und dann weiter durch den Øresund nach Kopenhagen. Vielleicht landen wir in diesem Sommer ja sogar mal im Christianshavn? Ich hätte Lust. Ihr werdet es erfahren…! 😊

Ein Tauchgang am Morgen…

… vertreibt Kummer und Sorgen! Das war bei uns vor ein paar Tagen buchstäblich so. Aber der Reihe nach:

Nach langer Zeit wollten wir Anfang der Woche endlich wieder mit einem längeren Segeltörn starten und waren schon früh auf den Beinen. Also nur schnell beim Havnebrugsen die Brötchen abholen und Kaffee kochen, frühstücken wollten wir unterwegs.

Aber dann kam alles ganz anders. Kaum hatten wir abgelegt, zog Thue schon die Augenbrauen hoch. Unser Schiff machte mit nur 5,5 kn viel zu wenig Fahrt, der Drehzahlmesser zeigte maximal 2.200 Umdrehungen an, mehr Leistung war nicht rauszuholen. Auch wenn’s schwer fiel: wir mussten umdrehen und zurück in den Hafen.

Erstaunte Gesichter bei den Stegnachbarn. Kaum lagen wir wieder in unserer Box, fackelte Thue nicht lange. Rein in den Taucheranzug und erst mal die Lage unter Wasser peilen, er hatte nämlich schon eine Vermutung…

Gluck, gluck - der Taucher!
Gluck, gluck – der Taucher!

Und richtig! Auf dem Faltpropeller saß eine dicke Schicht Seepocken. Weil wir aus familiären Gründen längere Zeit nicht segeln konnten und unser elbkind meistens im Hafen lag, konnten sich die ungebetenen Gäste offenbar in aller Ruhe auf dem Propeller festsetzen. Mehr Infos über diese – eigentlich sehr interessanten! – Krebstiere findet Ihr unter https://de.wikipedia.org/wiki/Seepocken.

Und so sehen sie aus:

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Seepocken

Mein Skipper ist ja bekanntlich für alle Eventualitäten gerüstet. Zum ersten Mal kam nun das Bordtauchset zum Einsatz, das er vor zwei Jahren auf der „Boot“ in Düsseldorf gekauft hat. Mit einem Inhalt von 2 Litern ist so ein Teil leicht genug, dass man nicht gleich wie ein Stein auf den Meeresboden sinkt, wenn man die Flasche auf dem Rücken trägt, und der Inhalt reicht für einen Tauchgang von ca. 10 Minuten aus.

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Als Werkzeug zum Entfernen der Seepocken wurde kurzerhand ein Topfuntersetzer aus Holz zweckentfremdet. Thue verschwand noch einmal im Hafenbecken und tauchte schon nach einigen Minuten wieder auf: Mission erfüllt, die blinden Passagiere waren entfernt!

Leider hatten wir keine geeigneten Handschuhe an Bord, und Thues Fingerkuppen haben etwas gelitten, als er den Propeller auf- und zugeklappt hat. Die Biester sind, wie man sieht, messerscharf!

Mit etwas Verspätung konnten wir dann doch endlich starten, und das Segelwetter ließ keine Wünsche offen. Bei Sonnenschein und frischem Wind direkt von hinten (Bikinikurs!) rauschten wir unserem Ziel entgegen. Der Spibaum wurde eingehakt und Schmetterlingsegeln war angesagt. Später mussten wir wegen einiger Winddreher und notwendiger Kursänderungen 11 x halsen und liefen nach 7 Stunden in Svendborg ein.

Momentan erleben wir hier eine Art déjà-vu, denn auch im letzten Jahr haben wir den ersten Tag in Svendborg in strömendem Regen verbracht und waren am zweiten eingeweht. So ist es auch dieses Mal, aber Svendborg ist ja ein schöner Ort zum Abwettern. Der Hafen ist pickepackevoll, denn auch andere Segler haben sich vor dem Starkwind in Sicherheit gebracht. Wir liegen im Päckchen.

Päckchen

Die Druckluftflasche ist übrigens schon wieder aufgefüllt. Wir haben uns gestern gleich im Hafenbüro erkundigt, wer sowas macht, und dann ging alles ganz schnell: ein nettes Mädel vom Hafenbüro kontaktierte eine Tauchschule und Thue wurde von dort zurückgerufen. Schon kurze Zeit später kam ein Taucher vorbei, holte die Flasche ab, füllte sie wieder auf, kam nach 10 Minuten zurück und meinte, dieser Service würde 4 DKK (umgerechnet um die 0,50 €!) kosten. Thue musste dem netten Kerl ein Scheinchen für Benzin und als kleines Dankeschön förmlich aufdrängen. Wir waren völlig geplättet – was für ein toller Service!

Nun hoffen wir, dass wir uns morgen auf den Weg nach Nyborg machen können. Das nächste Tiefdruckgebiet naht nämlich schon wieder. Sommer in Dänemark…😉