Endlich ein „Impfstoff“ gegen Seepocken?

 

Ahoi Ihr Lieben!

Treue Follower dieses Blogs wissen, dass unser elbkind seinen Heimathafen in Dyvig hat. Ganz viele von Euch kennen und lieben dieses Kleinod auf der süddänischen Insel Als – eine wunderschöne Lagune mit etwas wärmerem Wasser und einem deutlich niedrigeren Salzgehalt als z.B. im Kleinen Belt. Leider aber auch der perfekte Nährboden für lästige Seepocken!

In der Vergangenheit haben wir ein Standard Antifoulingsystem verwendet und hatten auch nie Probleme mit Seepockenbefall am Rumpf. Unser Volvo Penta Faltpropeller aus Nibral wirkt allerdings wie ein Magnet auf die lästigen Viecher. Es ist sogar vorgekommen, dass schon einige Wochen nach dem Krantermin so viele Pocken auf dem Propeller saßen, dass wir kaum noch unter Motor aus der Bucht rausgekommen sind.

Schon seit einiger Zeit haben wir (also eigentlich Thue, in Fachkreisen auch Daniel Düsentrieb genannt) versucht, dieses Problem mit unterschiedlichsten Mitteln und Methoden in den Griff zu kriegen. Leider Fehlanzeige, die Ergebnisse waren immer wieder enttäuschend. Entweder sind die vielversprechenden Beschichtungen abgeplatzt, haben gar nicht gehalten oder sogar noch mehr Pocken angezogen. Das konnte so nicht weitergehen, es musste endlich eine vernünftige Lösung her.

Während der Wintermonate war dann reichlich Zeit, um einschlägige Magazine, das WWW und andere Quellen zu durchforsten und nach Alternativen zu suchen. Fündig geworden ist mein Skipper schließlich in Schweden. Weil er ja sowieso fast alles kann, spricht und versteht er auch schwedisch. „Svenska Kryssarklubben“ hatte eine Versuchsreihe mit Kupferbelägen auf Propellern durchgeführt und die Resultate sahen recht vielversprechend aus. Und zack war die Entscheidung getroffen. Nächster Versuch! Vor dem Saisonstart 2019 bekam unser Propeller einen Belag aus Kupfer verpasst.

Die Verkupferungs-Aktion hat freundlicherweise unser Lieblings-Bootsbauer in Nordborg für uns organisiert. Eine nur ca. 10 Mikron dicke Schicht sollte reichen um sicherzustellen, dass sich die beweglichen Teile des Faltpropellers trotz Kupferschicht noch frei bewegen konnten.

Im letzten Sommer waren wir rund 11 Wochen unterwegs und haben in dieser Zeit ca. 1.000 Seemeilen zurückgelegt – davon vielleicht 25 – 30% unter Motor. Während der Saison hatten wir sozusagen „vollen Schub“ vom Motor bzw. dem Propeller, d.h. ca. 6,6 Knoten bei 2.200 Umdrehungen. In dieser Zeit haben wir keine Vibrationen bemerkt – normalerweise ein eindeutiger Hinweis dafür, dass die lästigen Seepocken am Propeller ein neues Zuhause gefunden haben.

Im Detail sieht die Lösung so aus:

  1. Die Propeller-Nabe wurde mit normalem Antifouling behandelt – dasselbe Produkt, das wir auch für den Schiffsrumpf verwenden
  2. Die drei Propeller-Blätter wurden galvanisch verkupfert (mit ca. 10 Mikron reinem Kupfer).
  3. Die Opfer-Anode auf der Propeller-Narbe wurde entfernt, denn nur so kann die verkupferte Oberfläche Spuren von Kupfer freigeben und damit Wachstum verhindern.
  4. Die Isolation zwischen Propeller und Saildrive wurde überprüft, um sicherzustellen, dass keine galvanische Verbindung besteht – so wird Korrosion an Saildrive bzw. Opferanode verhindert.

Zugegeben, die Beschichtung aus reinem Kupfer wirkt im ersten Moment relativ teuer. Es sieht aber ganz danach aus, als wenn der größte Teil der Beschichtung die erste Saison gut überlebt hat. Deshalb gehen wir davon aus, dass die Beschichtung mehrere Saisons halten wird. Und wenn mehrere Propeller gleichzeitig behandelt werden, könnte evtl. ein besserer Preis ausgehandelt werden.

Momentan möchten wir noch keine klare Empfehlung für diese „Impfmethode“ gegen Seepocken aussprechen, denn es ist noch zu früh zu beurteilen, ob es „Risiken oder Nebenwirkungen“ gibt. Aber grundsätzlich sind wir zuversichtlich und werden Euch auf jeden Fall wieder berichten, wenn unser Schiff wieder ins Winterlager geht.

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Propeller mit Seepockenbefall
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…mit Kupferbeschichtung
Propeller elbkind Saisonende 2019
… nach der ersten Saison

# Traurigster Tag im Jahr…

Ahoi Ihr Lieben,

genießt Ihr die Herbsttage und macht es Euch zuhause so richtig schön gemütlich? Ich mag ja diese Jahreszeit. Im Herbst ist alles ist im Wandel, ich liebe das bunte Laub, die Stoppelfelder, das goldene Licht, die Drachen am Himmel und den Geruch von feuchter Erde.

Herbst heißt für uns aber auch immer Abschied nehmen. Vorgestern war es wieder so weit, der Krantermin stand im Kalender. Der Tag, den meine Instagram-Segelfreundin Elbseglerin absolut treffend mit #traurigstertagimjahr bezeichnet hat. Schon liegt die Segelsaison 2017 wieder hinter uns. Wer hat an der Uhr gedreht?

Krantermin – ein Tag, an dem sich bei uns immer ein Hauch von Melancholie breitmacht, denn der Winter in Nordeuropa ist gefühlt endlos. Was das betrifft, segeln wir wahrscheinlich nicht in den richtigen Gefilden. Weil unser Segelrevier aber so wunderschön ist und wir uns überhaupt nicht vorstellen können, das Schiff nur wegen des schöneren Wetters in den sonnigen Süden zu verlegen, dauert unsere Saison eben nur von Mitte Mai bis Anfang Oktober. So ist es, und so bleibt es auch.

Der Herbst kam zwar auf leisen Sohlen, aber plötzlich war er da. Das ist ja mit Weihnachten immer so ähnlich. Schon, als das Wetter Mitte September noch mal ganz manierlich war und wir ein letztes Mal Kurs auf Årø und Apenrade genommen haben, war ganz deutlich spürbar, dass sich die Segelsaison nun bald dem Ende zuneigt. Der Hafen von Årø, der in der Hauptsaison normalerweise aus allen Nähten platzt, war fast menschenleer – außer uns hatten gerade mal 5 Schiffe festgemacht und unser Lieblingsrestaurant Brummers Gård hatte nur noch an drei Tagen in der Woche geöffnet. Morgens waren die Fenster im Schiff total beschlagen und es hat ewig gedauert, bis die Sonne es endlich geschafft hat, das Cockpit zu trocknen, damit wir draußen frühstücken konnten. Abends wurde es früh dunkel, und trotz Fleecepulli und viel gutem Willen war es einfach zu frisch, um noch mit einem Glas Wein in der Hand draußen zu sitzen und den Hafenblick zu genießen. Es half nichts, seufzend haben wir uns unter Deck verkrümelt, die Dieselheizung angestellt und die Bordlektüre rausgekramt. Was ja grundsätzlich auch gemütlich ist, aber vielleicht eher zuhause auf dem Sofa – der Winter ist ohnehin lang genug. Bei uns gehört zum Segeln einfach auch das Outdoor- und Hafenleben dazu.

Herbstspaziergang mit Tesso
Zum letzten Mal in diesem Jahr – ein Inselspaziergang mit Leihhund Tesso

Auf unserem letzten Segelausflug in diesem Jahr hat Petrus es übrigens noch mal richtig gut mit uns gemeint – der kurze Törn von Årø nach Apenrade unter Vollzeug war rückblickend wohl der schönste der ganzen Saison. Endlich mal stabiler, moderater Wind und über Stunden herrliches Segeln bei blauem Himmel und Sonnenschein! An Tag zwei durften wir noch für ein paar Stunden an der Ankerboje die Sonne im Cockpit genießen, aber dann ging’s zurück nach Dyvig, denn die Segel sollten möglichst trocken abgeschlagen werden. Ich bin übrigens fest davon überzeugt, dass Petrus das mit dem schönen Wetter extra macht. Da steckt Taktik dahinter. Alles geschickt eingefädelt, damit man sich zum Saisonende doch noch mit dem Wetter versöhnt. Aber zu diesem Thema habe ich mich ja letztes Jahr zum Saisonende schon mal ausgelassen.

In Dyvig fand dann ganz spontan ein Get-Together einiger Nordborg-Crews statt. Aus allen Himmelsrichtungen trudelten an diesem Wochenende zahlreiche Schiffe ein, die ausgekrant werden und bei der Nordborg-Werft überwintern sollten. Dietrich mit seiner Nordborg 34 Melusina zum Beispiel. Seit April ist er ganz allein unterwegs gewesen und hat es sage und schreibe bis zu den Lofoten geschafft! Zwischendurch hatte er zwar gelegentlich Gäste an Bord, aber den größten Teil der Strecke hat er als Einhandsegler bewältigt. Hut ab vor dieser seglerischen Leistung!

Wirklich gefreut haben wir uns, die Crews der Molch und der Schabernack in Dyvig wiederzutreffen. Den ganzen Sonntag lang wurde viel geklönt, aber auch auf allen Schiffen hart gearbeitet. Die Sonne lachte vom blauen Himmel und es war windstill – perfekte Bedingungen, um auch noch das letzte Bisschen Feuchtigkeit aus den Segeln zu bekommen, bevor sie eingepackt wurden. Gegen Abend waren dann die Segel abgeschlagen, zusammengelegt und in Säcken verstaut, alle Schiffe waren blitzblank geschrubbt, poliert und aufgeräumt und die Kofferräume unserer Autos bis obenhin vollgepackt. Geschafft!

Segeltrocknen in der Herbstsonne
elbkind und Schabernack beim Trocknen der Segel am Steg

Als Belohnung für so viel Fleißarbeit haben wir spontan einen Tisch im Restaurant Skipperstuen im Dyvig Badehotel bestellt und uns zu sechst bei einem leckeren dänischen Abendessen gebührend von der Segelsaison verabschiedet. Vorher gab es auf der Hotelterrasse sogar noch einen Sundowner unter freiem Himmel mit Blick über die Dyvig Bucht, das war richtig hyggeligt! Leider war ich an diesem Abend zu beschäftigt, um Fotos zu machen… 😉

Ein paar Tage später war er dann da, der traurigste Tag im Jahr. Während ich mich zuhause im warmen Bettchen noch mal umdrehen durfte, machte mein Skipper sich schon gegen fünf Uhr morgens auf den Weg nach Dyvig, um unsere elbkind auf ihrem Weg ins Winterlager zu begleiten. Als ich aufwachte, hatte Thue mir schon das erste Video geschickt.

Total gespannt waren wir auf den Zustand des Propellers, denn im Frühjahr hatte unser Bootsbauer eine kleine Studie gestartet. Er wollte testen, welches Antifouling die besten Ergebnisse gegen Seepockenbefall bringt und hat die Propeller mehrerer Schiffe mit unterschiedlichen Systemen behandelt, um am Saisonende die Ergebnisse zu vergleichen. Leider hatten wir nicht den richtigen Primer benutzt, deshalb war das Ergebnis auch nicht besonders überzeugend bzw. aussagekräftig. Obwohl der Anstrich komplett abgeblättert ist, waren deutlich weniger Seepocken zu verzeichnen als im letzten Jahr. Der nächste Versuch ist im kommenden Jahr geplant, wir werden natürlich berichten.

Segel in der Sonne

Nach dem Kranen ging es im Konvoi nach Nordborg zur Bootswerft, wo der arme Thue bei strömendem Regen das Freibord geschrubbt und das Deck gewaschen hat.

Unterwegs ins Winterlager
Im Konvoi unterwegs zur Werft…

Nun ist die schönste Zeit im Jahr für uns also wieder vorbei. Ein paar Throwback-Berichte vom Sommer 2017 habe ich aber noch für Euch auf Lager. So viel will ich schon mal verraten: wenn Schadenfreude für Euch die schönste Freude ist, kommt Ihr ganz bestimmt auf Eure Kosten… 😜