Nyborg – wer nicht hin muss, segelt vorbei.

Hier kommt nun endlich mein Nyborg-Bericht. Man kommt ja zu gar nichts, wenn man segelt, und gut funktionierendes WLAN gibt es auch nur in wenigen Häfen. Aber bevor ich völlig ins Hintertreffen gerate…

Mit Ærøskøbing im Heckwasser ging es morgens in Richtung Svendborgsund. Anfangs stand noch eine ordentliche Welle, aber wir konnten unseren Halbwindkurs gut halten. Während der Fahrt durch den Sund lief  der Motor, weil das Fahrwasser nicht viel Platz zum Manövrieren lässt und man (gefühlt) ständig von Fähren umgeben ist, mit denen mich sowas wie Hassliebe verbindet. Wenn ich selbst Passagier bin, finde ich sie super, aber wenn wir segeln, kann ich sie nicht leiden. Sie sind so riesig groß, immer schneller als man denkt und es interessiert auch niemanden auf der Brücke, ob der kleine Segler da unten im Fahrwasser gerade Schweißperlen auf der Stirn hat, weil er nicht schnell genug aus dem Weg kommen kann.

Als wir den Sund hinter uns gelassen hatten, wurde das Vorsegel wieder gesetzt. Bei frischem Westwind mit bis zu 15 s/m und herrlichem Sonnenschein ging es anschließend die Ostküste von Fünen entlang. Stressfreies Segeln. Nach 6 1/2 Stunden und 45 Meilen hatten wir Nyborg endlich erreicht. Bevor 1998 die Storebælt-Brücke  eröffnet wurde, hatte die Stadt Nyborg mit ihrem Fährhafen eine große Bedeutung. Damals gab es die Fährverbindung Nyborg-Korsør, lebenswichtig für den Autoverkehr zwischen Fünen und Seeland.

Für uns gab es nun zwei Möglichkeiten: Entweder auf der nordöstlichen Seite im alten Fährhafen im Windschatten von modernen, mehrstöckigen Häusern anlegen, oder bis zum Ende des Hafenbeckens durchfahren. Dort gibt es einen Steg, an dem längsseits angelegt werden kann. Eine vielbefahrene Straße ist allerdings ganz in der Nähe (ruhige Nächte gehen irgendwie anders). Kurz zusammengefasst: wir sind zwar kurz mal reingefahren und haben die Lage gepeilt, aber der Fährhafen konnte uns nicht so recht überzeugen.

Die Marina auf der westlichen Seite gefiel uns besser, und es war kein Problem, eine Box zu finden. Die Crew einer deutschen Yacht nahm unsere Vorleinen an, und ruckzuck waren wir am Steg fest. Der Yachthafen bietet ca. 500 Plätze und hat eigentlich alles, was das Seglerherz begehrt. Die Duschen und WCs sind zwar schon etwas in die Jahre gekommen, aber es gibt Grillplätze, Waschmaschinen und Trockner und sogar einen Marine-Shop. Supermärkte wie Kvickly und Netto sind in ein paar Minuten zu Fuß zu erreichen.

Nachdem wir klar Schiff gemacht hatten, wurde an Bord der Ruf nach Pizza laut. Nach so einem langen Törn bleibt die Kombüse natürlich kalt.  Auf der Suche nach einem italienischen Restaurant gondelten wir kurze Zeit später durch Nyborgs Straßen, aber schnell kamen wir zu der Erkenntnis, dass die Suche sich schwierig gestaltet. Die Brasserie an der Mole hatte nur ein mehrgängiges Menü auf der Karte. Im ehemaligen Fährhafen gibt es ein Schnellrestaurant (Burger, Softeis und Hotdogs), aber so verzweifelt waren wir dann auch wieder nicht. Nach einer kleinen Ewigkeit stießen wir auf ein Restaurant namens „Caramba“ in der Nähe des Nyborg Slot. Inzwischen war der Hunger so groß, dass uns alles egal war. Und weil im Restaurant Temperaturen wie in einer finnischen Sauna herrschten, setzten wir uns trotz des grauen Himmels einfach nach draußen. Wir mussten zwar lange darauf warten, aber das Essen war warm und machte satt. Kulinarisch war allerdings noch reichlich Luft nach oben.

Am nächsten Tag stand ein Besuch des Nyborg Schloss auf unserer To-Do-Liste. Mehrere Flügel des Schlosses wurden im Laufe der Jahrhunderte leider abgerissen; heute stehen nur noch der Westflügel und der Turm auf der Ostseite. Mit 80 DKK lag der Eintrittspreis einigermaßen hoch, aber wenn man schon mal in Nyborg ist, will man ja auch kein Kulturbanause sein und alles mitnehmen.

Weil die skandinavischen Wetterseiten DMI und YR.NO für den späten Abend Gewitter angekündigt hatten, haben wir das Schiff verlassen und  – wie schon letztes Jahr von Fåborg aus – einen netten Trip nach Odense gemacht. Mit dem Zug ging das flott, wir waren in zwanzig Minuten da, und das Kino liegt direkt am Bahnhof. Der Film „Virgin Mountain“ war zwar speziell, aber absolut sehenswert. Bevor der Zug zurück nach Nyborg abfuhr, konnten wir in einer Bar noch die letzten Minuten der Verlängerung des EM-Finales mitverfolgen und uns mit Portugal über den Titelgewinn freuen.

Am Abend dann des Skippers unvermeidlicher Blick auf die Wettervorhersage für den nächsten Tag. Ups, das sah nicht besonders gut aus, viel Wind und Regen wurden angekündigt. Aber das war uns egal – aus unerklärlichen Gründen fühlten wir uns beide nicht so richtig wohl in Nyborg, und wir wollten gern weiter. Am nächsten Morgen nahmen wir Kurs auf Kerteminde.

 

 

Für Segler und Romantiker: Ærøskøbing!

Ich weiß gar nicht, was ich schöner finde: – die uralten, windschiefen Stadthäuser von Ærøskøbing oder die kunterbunten Badehäuschen am Vesterstrand. Aber zum Glück muss ich mich ja gar nicht entscheiden.

Eigentlich wollten wir von Svendborg aus weiter in östliche Richtung segeln, aber weil die Langzeit-Windprognose wieder mal nicht passte, haben wir uns spontan für das etwas nähere Ziel Ærø entschieden. Die Inselhauptstadt Marstal haben wir ja im letzten Sommer besucht, und nun war Ærøskøbing an der Reihe. Zuletzt waren wir vor vier Jahren hier, oder sogar schon vor fünf? Wir waren uns nicht sicher – das hat man davon, wenn man nicht regelmäßig Logbuch schreibt! Unser kurzer Törn von Svendborg nach Ærøskøbing bei spitzem Wind und Hacksee war nicht gerade das, was man sich unter entspanntem Segeln vorstellt, aber als kleine Entschädigung für den verpassten Segelspaß konnten wir uns mittags den Liegeplatz in der Marina noch aussuchen – und das, obwohl ganz Dänemark zurzeit Sommerferien hat und viele Freizeitskipper auf dem Wasser sind. Mit dem Bug gegen den Wind machten wir fest, so dass wir windgeschützt im Cockpit sitzen konnten.

Kleine Überraschung: Die Automaten zum Bezahlen der Hafengebühr sind auf Ærø mittlerweile wieder abgeschafft worden. Wie in alten Zeiten gibt es einen Hafenmeister, was ja irgendwie auch viel gemütlicher ist, weil man auch ein bisschen schnacken kann und den einen oder anderen netten Insidertipp bekommt. Morgens und spätnachmittags läuft nun eine Hafenassistentin – ein hübsches, junges Mädchen – die Stege ab und kassiert die Hafengebühren direkt am Schiff. Thue war restlos begeistert, als er die attraktive Blondine entdeckt hatte und meinte, dass sich bei diesem netten Anblick eigentlich jeder Skipper darum reißen müsste, das Liegegeld bezahlen zu dürfen. Männer… 😉

Das idyllische Städtchen Ærøskøbing hat eine über 750 Jahre alte Geschichte und steht unter Denkmalschutz. Hier gibt’s Balsam für die Augen: farbenfrohe Häuschen, schmale Gassen mit Kopfsteinpflaster, Stockrosen an den Hauswänden. Es wird viel dafür getan, das ursprüngliche Stadtbild mit seinen Fachwerk- und Ziegelhäusern zu erhalten. Beim Bummel durch die hübschen kleinen Gassen ist uns aufgefallen, dass deutsche Paare hier offenbar gerne „Ja“ sagen. Uns sind gleich zwei frisch gebackene Brautpaare begegnet, außerdem diverse Autos mit Hamburger Kennzeichen und entsprechender Werbung. Das Geschäft mir der Liebe scheint zu florieren, und ich – als hoffnungslose Romantikerin – finde, die märchenhafte Insel ist genau der richtige Ort zum Heiraten.

Genug vom Heiraten, zurück zum dänischen Sommer: Am ersten Abend freuten wir uns noch über Grillwetter und angenehme Temperaturen, aber am nächsten Tag schlug dann eins der vielen Tiefdruckgebiete dieses Sommers gnadenlos zu. Am späten Nachmittag goss es wie aus Eimern. Glücklicherweise mussten wir nicht unter Deck sitzen, denn wir hatten schon am Vortag einen Tisch bei Mumm’s Restaurant bestellt, das man von der Marina aus schnell zu Fuß erreicht.

Nach einem einem kurzen Fußmarsch durch den strömenden Regen kamen wir  – trotz Regenjacke und Schirm – tropfnass im Lokal an. Der romantische Gastgarten des Mumm’s konnte bei dem Schietwetter natürlich nicht genutzt werden, und der Laden platzte aus allen Nähten. Zum Glück hatten wir reserviert! Das 2-Gänge-Menü war lecker und der Service sehr aufmerksam und freundlich, obwohl Hochbetrieb herrschte. Wir finden, Mumm’s Restaurant ist ein prima Tipp für alle Segler, bei denen die Kombüse auch mal kalt bleiben darf. (Wenn Ihr gern selbst kocht, schaut mal in Cornelia’s Blog „Die See kocht“, hier gibt es tolle Tipps und Rezepte fürs Kochen an Bord).

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Der schöne Gastgarten von Mumm’s Restaurant – diesmal leider keine Option für uns!

Am nächsten Morgen hieß es dann wieder „Leinen los“, und das elbkind startete bei frischem Westwind in Richtung Nyborg. Der Wind wehte zwischen 8 und 14 m/s, wie immer fast 50% mehr als bei DMI oder YR.NO angekündigt. Das kennen wir ja schon. Aber wenigstens schien die Sonne, und wir kamen gut voran.

Nyborg ist übrigens dafür bekannt, dass es dort nicht nur ein Schloss, sondern auch eines der größten Staatsgefängnisse Dänemarks gibt 😬. Wir waren gespannt, was uns erwartet. Fortsetzung folgt!