Zum ersten Mal: Juelsminde

Juelsminde hat uns richtig gut gefallen! Unsere Bordfahrräder wurden aus der Backskiste gekramt, wir haben die Gegend rund um den Hafen erkundet, sind den „Kyststien“ am Meer entlanggewandert, haben lecker gegrillt und bei der Mittwochsregatta mitgefiebert. Im Restaurant „På Havnen“ konnten wir abends bei Sonnenschein sogar schon draußen sitzen. Treue Leser des elbkind-Blogs wissen, dass wir uns in den letzten zwei Jahren oft über das Wetter in Dänemark beklagt haben. Zu kalt, zu windig… Aber in 2017 haben wir -jedenfalls bis jetzt – Petrus irgendwie mit im Boot – im wahrsten Sinne des Wortes. Bisher nur ein einziger Regentag! 👍🏼

Außerdem haben wir in Juelsminde ein nettes, pensioniertes Lehrer-Ehepaar kennengelernt, das kam so: Ihr Schiff, eine „Nordisk Snegge“, war uns schon bei der Ansegelung auf Juelsminde aufgefallen, denn lange Zeit lief sie parallel mit dem elbkind in Richtung Juelsminde. Nachdem wir angelegt hatten, machten wir erstmal eine kleine „Inspektionsrunde“ durch den Hafen. Dort lief uns Palle, der Skipper, über den Weg. Und weil Thue im Hafen ja immer alle möglichen Leute anschnackt, kamen die beiden schnell ins Gespräch. Palle erzählte, dass sich plötzlich größere Mengen Diesel in der Bilge seines Schiffs angesammelt hatten, so dass in Juelsminde umgehend Erste-Hilfe-Maßnahmen ergriffen werden mussten. Nun war er damit beschäftigt, fachmännische Hilfe für das Problem zu organisieren. Unschöne Geschichte, weil natürlich im Schiff alles nach Diesel stank.

Nach einem gemütlichen Abendessen im „På Havnen“ schlenderten wir später die Stege entlang und schnackten ein bisschen mit dem einen oder anderen Skipper. Die meisten Leute klönen ja gerne, vor allen Dingen in Dänemarks Häfen ist das so, und wir gehören natürlich auch dazu 🙃. Thue (von Natur aus nicht neugierig, muss aber trotzdem alles wissen) wollte noch bei Palle nachfragen, ob seine Bilge denn nun wieder dieselfrei war. Wir klopften an den Bugkorb, erkundigten uns nach dem Stand der Dinge und saßen keine fünf Minuten später mit einem Bier und einem Glas Rotwein in der Hand bei Palle und seiner Frau Anne-Lise im Cockpit. Natürlich wurde sofort eine Gegeneinladung ausgesprochen und wir verbrachten den nächsten Abend gemütlich zu viert bei uns an Bord.

Das gefällt mir ganz besonders beim Segeln: Beinahe in jedem Hafen lernt man sympathische Leute kennen und verbringt spontan interessante, kurzweilige, inspirierende und lustige Abende mit Menschen, die man vorher nie getroffen hat und die man wahrscheinlich auch hinterher nie wiedersehen wird. Es geht auch gar nicht nicht darum, Freundschaften fürs Leben zu schließen, sondern einfach um nette Gesellschaft und gute Gespräche. Beides ergibt sich durch das gemeinsame Hobby ganz unkompliziert und zwanglos und ist trotzdem nicht oberflächlich. Wenn man – wie wir – über längere Zeit nur zu zweit unterwegs ist, freut man sich nämlich gelegentlich über andere Gesprächspartner als den eigenen Mann / die Frau, das ist einfach so. 😉 Besonders lustig ist es immer, wenn wir auf Dänen treffen, die ja normalerweise sehr gut deutsch sprechen. Meistens stellt sich heraus, dass zwar jeder am liebsten in seiner eigenen Sprache unterwegs ist, den anderen aber problemlos verstehen kann. Ich spreche deutsch, die anderen dänisch, und alle verstehen sich bestens – 7 Jahre Dänischkurs an der Volkshochschule Norderstedt und dem Empfang deutscher Fernsehsender in Dänemark sei dank. Völkerverständigung at it’s best! 🇩🇰🇩🇪

Aber noch mal zurück zu Juelsminde: Der Hafen eignet sich perfekt zum Proviantieren. Supermärkte wie Fakta, Rema und SuperBrugsen sind vom Hafen aus zu Fuß schnell zu erreichen. Außerdem zu empfehlen: das Juelsminde Fiskebistro direkt am alten Hafen. Hier gibt es neben frischem Fisch und Meeresfrüchten für die Pantry auch die Möglichkeit, mit Blick über den Alten Hafen vor dem Restaurant zu sitzen und Frisches und Geräuchertes aus dem Meer zu genießen. Lecker!

 

Außerdem habe ich in der Søgade ein Schuhgeschäft entdeckt, das ist für die Damen an Bord schließlich nicht unwichtig und soll deshalb auch nicht unerwähnt bleiben. 👠

Schnell noch eine Warnung: Wer Kalorien zählen muss, vermeidet am Besten die Juelsminde Café- und Eisbar im alten Hafen. Ein beliebter Treffpunkt für Jung, Alt, Segler, Camper und Motorradfahrer. Immer gut besucht, und das ist auch nicht verwunderlich, denn das Eis ist unwiderstehlich und im wahrsten Sinne des Wortes zum Dahinschmelzen! Gammeldags Iswaffel mit Guff, wer kann da schon widerstehen? Ich nicht. Natürlich machen wir Diät, aber doch nicht den ganzen Tag! 😋

Nach drei Nächten in Juelsminde wollten wir wieder weiter in nördliche Richtung. Wind und Wetter passten, und nach dem Frühstück setzten wir die Segel Richtung Ballen.

An dieser Stelle möchte ich mich mal ganz herzlich bei Petrus bedanken. Wir können ja unser Glück kaum fassen, was das Wetter anbetrifft! In den vergangenen zwei Jahren haben wir zum Saisonanfang immer so gefroren, dass wir mehr Diesel für die Heizung als zum Motoren verbraten haben. Mange tak und Dankeschön – so darf es gerne weitergehen! ☀️

Einfach köstlich: der Meerkohl. Mee(h)r geht nicht!

Bei unserem Stopover auf Årø vergangenes Wochenende sind wir, wie immer, im Restaurant Brummers Gård gelandet. Für uns gibt es nichts Schöneres, als bei leckerem Essen und einem frisch gezapften Fuglsang Jubiläumsøl (das übrigens sehr zu empfehlen ist, sogar Weinliebhaber wie ich schmelzen dahin) im windgeschützten Hof zu sitzen, den Segeltag noch einmal Revue passieren zu lassen und die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages zu genießen. Davon haben wir schließlich den ganzen Winter geträumt…😉

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Unser absoluter Favorit bei Brummers ist das Ø-Bøf, ein gegrilltes Hacksteak. Das Fleisch stammt von Galloway-Rindern, die im Naturreservat Årø Kalv aufgewachsen sind. Mehr Bio geht nicht. Dazu gibt es die leckere, typisch-dänische braune Soße und hausgemachte, köstliche Leckereien vom Buffet. 😋 Diesmal fand ein grünes Gemüse unser Interesse, das wir auf Anhieb nicht so recht einordnen konnten. Auf Befragen erklärte uns Wirtin Marianne, dass es sich um Meerkohl handelt. Meerkohl? Nie gehört. Marianne erntet das außergewöhnliche Kraut am Strand von Årø und serviert es ihren Gästen noch am selben Tag. Frischer – und köstlicher – geht’s wirklich nicht.

Der Küsten-Meerkohl (lat.: crambe maritima) wird auch See- oder Strandkohl genannt und wächst natürlich an den Stränden der Nord- und Ostsee. Er hat einen angenehmen salzig-nussigen Geschmack und enthält neben Vitamin C und Mineralien auch Senfölglykoside, die u.a. antibakteriell wirken. In Deutschland und anderen europäischen Ländern steht er unter Naturschutz. In Dänemark kommt er an der Ostküste Jütlands häufig vor und ist zwar nicht geschützt, jedoch durch die Beweidung von Küstenbereichen gefährdet.

Als wir ein paar Tage später in Juelsminde den „kyststien“ (deutsch: Küstenweg) am Wasser entlanggewandert sind, begegnete uns plötzlich am Wegesrand ein alter Bekannter – früher hatten wir wahrscheinlich kaum Notiz von ihm genommen. Tatsächlich: unser neuer Freund, der Meerkohl! So schnell trifft man sich wieder. Leise flüsterte er uns zu: nehmt mich mit, ich bin so lecker und gesund!

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Schnell ließen wir uns überreden. Aber wir haben nur so viel gepflückt, wie wir auch tatsächlich zum Abendessen brauchten, und das waren für uns zwei Nasen gerade mal vier Blätter. Die Zubereitung war unkompliziert. Ich habe ihn gewaschen, die Stängel entfernt und in feine Streifen geschnitten.

Eine Vinaigrette aus einem gutem Olivenöl, weißem Balsamico-Essig, etwas Senf, Salz, grob gemahlenem Pfeffer und einer Prise Zucker gab dem Salat den letzten Pfiff. Abends kam unser neuer Liebling dann als Beilage zu unseren gegrillten Hakkebøfern (Frikadellen) und herzhaft-scharfem Chili-Kartoffelsalat ganz groß raus. Lecker! 😋

 

 

Wenn Ihr jetzt auf den Geschmack gekommen seid, haltet bei Euren Strandspaziergängen in Dänemark im Sommer einfach nur ein kleines bisschen die Augen auf – vielleicht begegnet Euch Euer Abendessen ja auch direkt am Wegesrand.

Aber keine Angst, auch in Zukunft wollen wir Euch natürlich von unseren Segeltörns und Erlebnissen an Bord erzählen. Diese kleine Exkursion ins Reich von Gemüse und Rezepten war eher eine Ausnahme. Wer an Bord (und an Land!) lecker essen möchte und auf der Suche nach köstlichen und trotzdem einfach zuzubereitenden Rezepten für die Pantry ist, der schaut am besten mal bei Cornelia vorbei. Die See kocht ist der vielversprechende Name ihres Blogs. Guten Appetit!

 

Wenn die bunten Fahnen wehen…

…geht die Fahrt wohl übers Meer, woll´n wir ferne Länder sehen, fällt der Abschied uns nicht schwer. Leuchtet die Sonne, ziehen die Wolken, klingen die Lieder weit übers Meer…

Vielleicht können sich die Älteren unter Euch ja noch an dieses Lied erinnern? Mit Schrecken habe ich gerade festgestellt, dass es sogar eine Version von Heino gibt! 😎 Aber egal. Wenn wir das Lied früher in der Schule gesungen haben, kam immer großes Fernweh und die Sehnsucht nach Urlaub, Sonne, Strand und Meer bei mir auf. Als ich ein kleines Mädchen war, haben meine Eltern für die Sommerferien häufig ein Ferienhaus an der dänischen Westküste gemietet. Schon damals habe ich Dänemark ins Herz geschlossen und deutlich gespürt, wie gemütlich das Leben vor sich hinplätscherte und wie freundlich und entspannt alle Menschen miteinander umgegangen sind. Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass ich viele Jahre später mal einen echten Dänen heirate und sein schönes Land meine zweite Heimat wird!❤️🇩🇰❤️

Huch, jetzt bin ich fast romantisch geworden! Jedenfalls – wenn im Mai die Segelsaison wieder angefangen hat und wir zum ersten Mal bei Sonnenschein und leichter Brise über das glitzernde Wasser im Alssund rauschen, taucht in meinem Kopf immer diese schöne Melodie wieder auf. Und weil ich dann immer fast platze vor Glück und Vorfreude auf die abwechslungsreiche Zeit an Bord und gar nicht weiß wohin mit mir, stimme ich zu Thues Leidwesen (er findet, ich sollte doch lieber im Radio singen, damit er mich ausstellen kann 🙃) dieses kleine Liedchen an.

Für uns wehen die bunten Fahnen endlich wieder! Ende letzter Woche sind wir an Bord eingezogen. Die Vorbereitungen für unseren Sommertörn sind jedes Frühjahr wieder eine kleine Herausforderung für uns, denn es ist natürlich nicht nur damit getan, mal eben ein paar Taschen zu packen. Vieles muss organisiert werden, bevor wir für mehrere Monate aufbrechen können. Wer schaut nach unserer Post, gießt die Blumen, mäht den Rasen, wer schaut mal bei unseren Eltern vorbei, während wir unterwegs sind? Schnell noch mal zum Friseur, zum Zahnarzt und alle Rechnungen bezahlen 😉 und natürlich unbedingt noch überall Tschüss sagen. Was für ein Glück, dass wir die nettesten Nachbarn der Welt und einen wunderbaren Zusammenhalt in der Familie haben – nur deshalb können wir entspannt und sorgenfrei die Zeit an Bord genießen.

Bei Schietwetter ging es am Freitagmittag über die A7 nach Dyvig. ☔️ Na toll! So hatten wir uns den Sommerauftakt eigentlich nicht vorgestellt. Aber was soll’s, dachten wir uns, es kann ja eigentlich nur besser werden. Irgendwann wird das Wetter auf jeden Fall schön – man muss nur lange genug warten! An Bord wurde erstmal das Teakdeck gründlich geschrubbt (Thue) und die Taschen ausgepackt, hin- und hergekramt und alles griffbereit verstaut (ich). Was man für Geraffel in den Schapps rumfliegen hat! Sage und schreibe drei Haarföhns (schreibt man das so?) haben sich in irgendwelchen dunklen Ecken angefunden und wurden erstmal im Auto zwischengelagert. Denn erstens haben wir dafür keinen Platz und zweitens ist die Frisur der Bordfrau in den nächsten Monaten Nebensache, weil es sowieso ständig weht. 😉

Eigentlich wollten wir gleich am nächsten Morgen starten, entdeckten aber plötzlich ein kleines Loch im Gelcoat direkt am Niedergang. WTF?! 👿 Wie ist das denn passiert? Aber irgendwas passiert ja immer ausgerechnet dann, wenn es losgehen soll. Letztes Jahr waren es die Seepocken am Propeller, und jetzt das. Nach Rücksprache mit dem Bootsbauer haben wir uns für eine provisorische Reparatur mit Tape entschieden, alles andere hätte uns einfach zu lange gedauert. Aber Klebeband ist ja nicht die schlechteste Lösung, das haben wir während unserer zwei Jahre in Shanghai gelernt. Wenn die Chinesen sogar ganze Motorroller und Autos damit reparieren können, wird das elbkind den Sommer ganz locker überstehen. Vier verschiedene Geschäfte musste Thue abklappern und bis nach Sønderborg fahren, bis er endlich das richtige Klebeband gefunden hatte. Außerdem haben wir dem Teakdeck noch schnell einen Anti-Fungizid-Anstrich verpasst. Damit ging zwar ein weiterer Tag ins Land, aber zumindest war das elbkind startklar für den Sommertörn. 👍🏼


Sonntag nach dem Frühstück legten wir endlich los. Auf ging’s nach Årø! Ein Segeltag wie aus dem Bilderbuch mit Sonnenschein und einem angenehmen Südwestwind. Thue nennt das übrigens „Broschüren-Wetter“ – der einzige Tag im Jahr in Dänemark, an dem man mal ein paar schöne Fotos von seinem Schiff für die Verkaufsbroschüre machen kann. 😄

Von Årø haben wir Euch an dieser Stelle ja schon gelegentlich vorgeschwärmt. Die niedliche Insel im kleinen Belt ist mit ihrer wunderschönen Natur und einer hyggeligen Atmosphäre ein schöner Zwischenstopp für Törns ins dänische Inselmeer oder in Richtung Kattegat. Die Häfen von Hadersleben, Assens, Middelfart, Ærø liegen nicht weit entfernt.


Schon am nächsten Morgen setzten wir wieder die Segel und bei leichtem Nordwestwind und blauem Himmel ging es weiter nach Middelfart. Erst zum Schluss flaute der Wind ab und wir mussten den Volvo bemühen. Ein schöner, sonniger Segeltag!

In Middelfart haben wir im „Nyhavn“ festgemacht, dem kleinen, runden Hafen direkt in der Stadtmitte. Hier liegt man gut geschützt, und die Wege zum Bäcker und zum Supermarkt sind kurz. Allerdings sind 28 € Liegegeld auch nicht gerade ein Schnäppchen und WLAN gab es auch nicht. Gestern hat es Petrus dann nicht so gut mit uns gemeint, fast den ganzen Tag hat es geschüttet wie aus Eimern. Aber das kennen wir ja schon. Schließlich segeln wir in Dänemark, wo sich Sommer auf kalt und nass reimt… 😉

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Unterwegs mit Kurs auf Middelfart
Heute Morgen sind wir nach Juelsminde aufgebrochen. An Segeln war leider nicht zu denken, denn es herrschte fast Flaute und dicker Nebel hing über dem kleinen Belt. Wir hatten trotzdem unseren Spaß, denn immer wieder tauchten Schweinswale auf, und sogar ein Seehund steckte seinen Kopf neugierig aus dem Wasser!

Der Hafen von Juelsminde wird in Seglerkreisen hochgelobt, und jetzt war es an der Zeit, dass wir uns auch selbst mal ein Bild machen. Was soll ich sagen – wir sind begeistert! Es gibt 500 Liegeplätze, mehrere Restaurants, ein sehr gutes Fischgeschäft, einen Kinderspielplatz, einen Marineshop, eine Boutique und zwei Eisläden. Eine kleine Fußgängerzone ist auch nicht weit entfernt. Man kann es hier problemlos eine Weile aushalten, auch bei Regenwetter. Aber das ist zum Glück erst wieder für Freitag angesagt. Gerade jetzt sitzen wir im Cockpit, genießen die warme Maisonne und den schönen Blick über den Hafen. Morgen holen wir vielleicht mal die Bordfahrräder aus der Backskiste. Hach, das Leben ist schön! ⛵️☀️🇩🇰