Wo Segelpausen Spaß machen: Helsingør

Schön war’s in Helsingør. Vielleicht sogar schöner als vor zwei Jahren, weil wir uns im Hafen und in der Stadt ja schon auskannten. Man legt an und ist da, muss nicht mehr nach einem Bäcker oder dem nächstgelegenen Supermarkt suchen und weiß, wo man das Hafengeld bezahlen kann. Wir sind ein paar Tage geblieben und haben auf besseres Segelwetter gewartet. Nachdem in den Wochen zuvor die Sonnenmilch schneller leer war als abends das Dosenbier, mussten wir schweren Herzens unsere Regenjacken wieder rauskramen und ein starker Nordwestwind pustete uns fast die Mützen vom Kopf.

Trotz des miesen Wetters haben wir die Zeit locker rumgekriegt. Thue nutzt unsere Aufenthalte im Großbereich Kopenhagen gern, um sich mit langjährigen Freunden oder Bekannten zu verabreden. Ein Treffen mit Steffen, seinem früheren Arbeitskollegen, war über FB schnell vereinbart, und auch Thues alter Kumpel Gert kam uns an Bord besuchen. Nach einem Männerspaziergang rund um das Kronborg Slot gab es Klönschnack, Kaffee und Wienerbrød (dänisch für „Kopenhagener“) unter der Kuchenbude.

Gegen Abend sind wir dann zum Værftets Madmarked spaziert, so heißt Helsingørs neuer Streetfood-Treffpunkt, der Anfang Mai 2017 seine Tore geöffnet hat. Der Culture Yard, das maritime Museum und das Schloss Kronborg liegen in unmittelbarer Nachbarschaft. In einer alten Werfthalle werden in rustikaler maritimer Atmosphäre an nett aufgemachten Ständen und Verkaufswagen internationale Snacks und Gerichte angeboten. Die Halle ist zwar noch nicht voll belegt und die Belüftung war auch noch etwas verbesserungsbedürftig, aber das Ganze steckt ja auch noch in den Kinderschuhen. Alles braucht seine Zeit.

Ein ähnliches Streetfood-Konzept war uns schon in Århus begegnet, und wir haben den Eindruck, diese Alternative zum Restaurantbesuch scheint in Dänemark voll im Trend zu sein. Eine schöne Sache auch für Segler, denn ein kleiner Bummel durch unterschiedliche Esskulturen ist nach einem langen Tag auf dem Wasser bestimmt ein Highlight. Das Essen im Værftets Madmarked ist bezahlbar, für jeden Geschmack ist was dabei und der Yachthafen liegt nur fünf Gehminuten entfernt. Die Food-Stände schließen übrigens gegen 20.00 Uhr, Getränke werden auch noch länger ausgeschenkt. Aha. Na dann: guten Appetit und Prost! 🍷🍺🍹

Obwohl es hier ja in erster Linie ums Segeln und nicht ums leibliche Wohl gehen soll, möchte ich trotzdem schnell noch einen kulinarischen Tipp loswerden. Auf Eure To-Do-List für Helsingør gehört nämlich unbedingt auch ein Besuch im Café Karisma. Es liegt in der Fußgängerzone (Stengade 56) in der Innenstadt und ist eine Wohlfühl-Frühstücks-Oase mit hyggeliger Atmosphäre, frisch gemahlenem Kaffee und selbst gebackenem Brot. Mein Skipper als Croissant-Junkie hat den Karisma-Hörnchen eine Eins mit Stern ⭐️ gegeben. Damit nicht genug, das Café bietet auch eine große Auswahl an frisch gepressten Säften und Smoothies, Tees, Torten und Kuchen an. Lustige Sprüche an den Wänden tragen zur Erheiterung der Gäste bei, und das WLAN ist blitzschnell und kostenlos – gerade bei Regenwetter der ideale Ort für bloggende Bordfrauen. 😉

So, nun aber genug geschlemmt und geschwärmt, raus aus dem Café und rein ins kalorienfreie Leben!

Am Kulturhafen von Helsingør ist uns einiges begegnet, was uns bei unserem letzten Besuch gar nicht ins Auge gefallen ist. Das relativ neue und silbrige Wahrzeichen Helsingørs zum Beispiel – die männliche Version der Kleinen Seejungfrau aus Kopenhagen namens „Han“. Oder der Skulpturfisch Guldbrasen fra Øresund, geschaffen von der japanischen Künstlergruppe Yodogawa Technique, die Abfall in Kunst verwandelt hat. Der riesige Fisch besteht aus Plastikspielzeug, Benzinkanistern, Gartenmöbeln und sonstigen Hinterlassenschaften der Menschheit. Als wir direkt vor ihm standen und jedes einzelne Teil erkennen konnten, kamen wir ins Grübeln – das Stichwort heißt Nachhaltigkeit. Und genau das war wohl die Triebfeder der Künstler: die Menschen zum Nachdenken zu bringen und ihr Umweltbewusstsein zu schärfen. Ein beeindruckendes Kunstwerk.

Wenn wir durch die Fußgängerzone von Helsingør schlendern, gehört natürlich ein Abstecher in das tollste Käsegeschäft Dänemarks Lynhjems Eftf. Ole Jensen in der Stengade 19 dazu. Das muss unbedingt sein, denn für uns ist Käse die schönste Wurst. Die Auswahl ist einfach bombastisch, und überall im Laden stehen Probierhäppchen für den interessierten Käsekunden bereit. 😋

Wenn wir unterwegs sind, machen wir gelegentlich lustige Ratespiele mit unserem Segelfreund Hein Mück. Per WhatsApp schicken wir ihm ein Foto einer Location und er muss dann raten, wo wir gerade sind. Diesmal bekam er diese Aufgabe:

Käseladen Helsingør
Prima, prima – Käse aus Dänemark! 🇩🇰
Als weit gereister Dänemark-Segler kennt Hein Mück sich natürlich bestens aus, und die Antwort mit der Lösung kam wie aus der Pistole geschossen:

„Helsingør! Wann kommt unser Käsepaket? Genießt die schöne Stadt!“
Darauf Thue: „Welche Sorte? Wie reif soll er sein?“
Dann Hein Mück: „Wir nehmen alles, haha!“

Das haben wir uns natürlich nicht zweimal sagen lassen! Also rein ins Käsegeschäft, wo uns der Verkäufer eine dicke Scheibe Stinkekäse in mehrere Lagen Papier eingepackt hat. Schnell wurde noch eine kleine Grußkarte dazu geschrieben, und dann ging die Käsebestellung in einem Jiffy-Umschlag per Post nach Freiburg an die Elbe. Eine nette kleine Überraschung für Hein und Rosi. Die beiden haben sich (angeblich) gefreut, und der Geruch soll sich tatsächlich in Grenzen gehalten haben, trotz der drei Tage Transport und der unterbrochenen Kühlkette. 🧀😄

Auch in Helsingør zog es mich wieder zu den Kirchen der Stadt, ihrer Anziehungskraft kann ich einfach nicht widerstehen. Diesmal konnte ich Thue dazu überreden, die Skt. Mariæ Kirche und das Karmeliterkloster Vor Frue zu besichtigen. Das im Jahr 1430 gegründete Kloster wurde vom damaligen dänischen König Erik von Pommern gestiftet und ist eine der schönsten und am besten erhaltenen Klosteranlagen in Nordeuropa. Nach der Reformation wurde das Kloster aufgelöst, und ein Altenheim und ein Krankenhaus fanden hier ihren Platz. Noch heute kann man die Kreuzgänge und den schönen Klostergarten bewundern.

Auch die St. Mariæ Kirche hat uns mit ihren gut erhaltenen Decken- und Wandmalereien und einer Orgel aus dem Jahr 1662 sehr beeindruckt. Auf der Orgel hat schon der deutsche Komponist Dietrich Buxtehude während seiner Zeit als Organist in der Kirche gespielt.

Drei Tage und vier Nächte sind wir in Helsingør geblieben. Die Atmosphäre im Hafen ist jedes Mal etwas Besonderes. Das geschichtsträchtige Kronborg Slot im Hintergrund und der Blick über den Øresund nach Schweden, das nur einen Steinwurf entfernt liegt – das gibt’s nur einmal, und ich bin sicher, dass wir nicht zum letzten Mal hier waren. Aber unser Sommertörn sollte weitergehen. Nach vier Nächten und drei Tagen setzten wir die Segel in Richtung Kopenhagen, die Familie wartete schließlich schon auf uns… 😊

Yachthafen Kronborg

 

Kurzer Abstecher nach Helsingborg

Das Wetter während unseres Sommertörns 2016 war ja eher… naja, ich würde mal sagen, es gab noch Luft nach oben. Stefanie spricht mir da mit ihrem Beitrag zum Thema Wetter  Mich wundert, dass ich fröhlich bin… so richtig aus dem Herzen. Sie schreibt darin zwar über den Sommer in Norddeutschland, aber der unterscheidet sich ja nicht großartig vom dänischen. Alle Jahre wieder hoffen wir Segler auf ein stabiles Azorenhoch, das sich wochenlang über der nördlichen Halbkugel hält. Mit strahlendem Sonnenschein, wolkenlosem blauen Himmel und moderatem Segelwind, der immer aus der richtigen Richtung weht…

Die Realität im Juli und August sah völlig anders aus, im Øresund haben wir uns vom Wetter beinahe fremdbestimmt gefühlt. Wochenlang blies der Wind kräftig aus Südwest, und das war genau die falsche Richtung für unsere Törnplanung. Außerdem hat es so oft geregnet, dass wir tagelang unter der Kuchenbude gesessen haben. Auch Gewitter waren keine Seltenheit, und die kann mein Skipper ja gar nicht leiden – am liebsten flüchtet er von Bord, wenn es blitzt und donnert. Kurz: wir hatten die Faxen ganz schön dicke, hätten am liebsten den Rückzug angetreten und wären zurück nach Dyvig gesegelt. Nur das lag mit knapp 200 sm ja auch nicht gerade um die Ecke…😬

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Sommer 2016 – die typische Wetterlage…

Von Humlebæk aus wollten wir eigentlich weiter in nördliche Richtung und unser Plan war, erst nach Helsingborg in Schweden und anschließend nach Anholt zu segeln. Im Frühsommer 2015 hat das Wetter sogar mal kurz mitgespielt und wir haben es tatsächlich bis zu unserer Lieblingsinsel im Kattegat geschafft. Diesmal lief es eher suboptimal. Es ging damit los, dass auf unserem Törn nach Helsingborg der Wind nur ein paar Minuten nach dem Auslaufen einschlief. Schöner Start! Natürlich haben wir nicht gleich aufgegeben, aber als das Schiff nach kurzer Zeit sogar anfing, rückwärts zu treiben, blieb uns nichts anderes übrig, als den Volvo zu bemühen. Keine Chance,  das Segeln konnten wir uns abschminken. Übrigens eine typische Situation in diesem Sommer – entweder Flaute oder zu viel Wind. Als wir Helsingør erreicht hatten, haben wir das Verkehrstrennungsgebiet fast rechtwinklig überquert. Auf der kurzen Strecke zwischen Helsingør und Helsingborg pendeln die Autofähren beinahe im Minutentakt (jedenfalls gefühlt), und auch sonst war einiges an Berufsschifffahrt und Sportbooten unterwegs. Etwas kniffelig, aber mein Steuermann hat die Situation wieder mal souverän gemeistert. 👍🏼😎

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Von Humlebæk nach Helsingborg

 

Helsingborgs Nora Hamnen Marina wurde 2005 mit dem Preis „goldener Hafen des Jahres“ ausgezeichnet. Direkt am Hafen liegen ein Wohngebiet und schöne Restaurants. Auf der westlichen Seite gibt es sechs Schwimmstege (Fingerstege mit Auslegern), die Liegeplätze sind rot/grün gekennzeichnet. Die östliche Kaimauer ist vorwiegend für Gäste gedacht und für alle Bootsgrößen geeignet; der Tiefgang im gesamten Hafen beträgt entspannte 4 m.

Als wir einliefen, herrschte sowohl in der Hafeneinfahrt als auch im Hafenbecken eine starke Strömung. Unentschlossen schipperten wir hin und her und überlegten, wo wir festmachen sollen. Mit den Auslegern an den Schwimmstegen kannten wir uns nämlich überhaupt nicht aus, am Ende haben wir uns dann doch getraut. Etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach ein bisschen Fummelei mit den Achterleinen war unser elbkind sicher am Schwimmsteg fest.

 

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Helsingborgs Norra Hamnen
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Der westliche Teil des Hafens mit Schwimmstegen

 

Schnell war klar, dass wir wegen der Wetterlage nur eine einzige Nacht in Helsingborg bleiben konnten. Schade, denn der Norra Hamnen hat uns wirklich gut gefallen. Im Duschhaus gab es sogar eine Sauna, der pure Luxus! Außerdem hätte es viel zu gucken gegeben in Helsingborg: das Schloss Sofiero mit seinem Schlosspark, der als einer der schönsten Europas gilt, Dunkers Kulturhaus direkt am Hafen, das Freilichtmuseum Frederiksdal mit botanischem Garten, Cafés und Läden…

Wenigstens haben wir es noch geschafft, den mittelalterlichen Aussichtsturm Kärnan in der Innenstadt zu besuchen. Aber das war’s dann auch schon mit unserem Sightseeing in Helsingborg. Memo an mich: Helsingborg unbedingt noch mal besuchen!

 

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Der Kärnan, Helsingsborgs Wahrzeichen

 

Ein kleines Wetterfenster am nächsten Tag war unsere einzige Chance, nicht in Helsingborg einzuwehen. Allerdings war Plan B angesagt, denn es ging nicht in nördliche, sondern wieder zurück in südliche Richtung! Für den Bereich Kattegat waren nämlich 10-12 m/s aus West angesagt, damit hatte sich Anholt erledigt. Na gut, dann wenigstens unter vernünftigen Bedingungen wieder zurück nach Kopenhagen. Aber selbst das gestaltete sich schwieriger als gedacht. Immer wieder saß Thue vor seinem Tablet, um die Wettervorhersagen sämtlicher Online-Wetterportale zu vergleichen, aber DMI, YR.NO und Windguru konnten sich nicht einig werden. Irgendwann war uns dann alles egal, wir haben einfach nur noch in den Himmel geguckt und einen dicken Wolkenbruch am späten Vormittag abgewartet. Dann haben wir schnell ein Reff ins Groß gebunden, sind in unser Ölzeug gesprungen und losgesegelt.

 

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Wolkenbruch am Mittag

 

Auf Amwindkurs ging es entlang der Øresundküste zurück nach Kopenhagen. An steuerbord zogen die Häfen Humlebæk, Nivå (Thues alte Heimat), Rungsted und Vedbæk an uns vorbei. Eine zeitlang sind wir noch mit Fock und Groß gesegelt, aber als der Wind weiter auffrischte, haben wir das Vorsegel doch lieber eingerollt. Im Tuborg Havn wurden wir vom Hafenmeister und unseren Segelfreunden Carl und Pia begrüßt. Mittlerweile kamen wir uns fast schon vor wie Festlieger… 😬

 

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Von Helsingborg zurück zum Tuborg Havn

 

Diese Erfahrung fällt eindeutig in die Kategorie: „Nimm di nix vör, dann sleit di nix fehl“. Frei übersetzt für Nicht-Plattdeutsche: „Nimm Dir nichts vor, dann kann auch nichts schiefgehen“. Richtige Salzbuckel machen keine Pläne, sondern segeln einfach los und gucken mal, wohin der Wind sie weht. Das müssen wir wohl noch verinnerlichen.. 😄

Humlebæk

Dann passten endlich Windstärke und -richtung, und wir konnten mal wieder einen kleinen Törn planen. Am späten Vormittag ging es los in Richtung Humlebæk. Fock und Groß waren oben und es wehte zwischen 5 und 10 m/s. Eigentlich machte das elbkind auch ganz flotte Fahrt durchs Wasser, aber wir hatten ständig mit Winddrehern zu kämpfen. Dazu kam, dass wir auf Backbordhalse unterwegs und damit ausweichpflichtig waren. Irgendwas ist ja immer. Schön war’s trotzdem, denn bei blauem Himmel und Sonnenschein konnten unsere Fleecejacken zum ersten Mal seit langer Zeit mal wieder unter Deck bleiben, und das hat ja auch was! 😉

Nach einem kurzen Törn von ca. 18 sm entlang der Küste Nordsjællands erreichten wir den kleinen Hafen von Humlebæk. Unterwegs hatten wir im Hafenführer gelesen, dass es dort nur 100 Liegeplätze gibt, die in erster Linie von Festliegern genutzt werden. Außerdem sei nur wenig Platz für Hafenmanöver vorhanden. Schöne Aussichten. 😁

Vorsichtig tuckerten wir in die Hafeneinfahrt und spähten in alle Richtungen. Es war wie befürchtet, der Hafen war pickepackevoll. Das Hafenbecken war für Manöver auch wirklich knapp bemessen, aber Thue fuhr trotzdem mutig weiter rein. Und – BINGO – an der Kaimauer war tatsächlich noch ein einziger, schmaler Platz frei, wie gemacht für die schlanken Model-Maße einer Nordborg 40. Ein netter älterer Herr aus Holland half uns beim Festmachen. Wieder mal hatten wir Schwein gehabt und einen schönen Liegeplatz gefunden! 🐷

Humlebæk ist ein altes Fischerdorf in der Nähe von Helsingør, im nördlichen Teil vom Øresund. Seine bewegte Geschichte lässt sich viele hundert Jahre zurückverfolgen. Die Landung bei Humlebæk im Jahr 1700 war der Beginn des großen nordischen Krieges, der mit dem Frieden von Traventhal zwischen dem schwedischen König Karl XII. und dem dänischen König Friedrich IV endete.

 

Der beschauliche Ort ist aber nicht nur bei Seglern beliebt, sondern auch bei Kunstliebhabern bekannt für sein Museum for Modern Art, das Louisiana. Ein Besuch stand ganz oben auf unserer Bucket-List, denn ich hatte schon so viel Positives darüber gehört und Thue eine kleine Ewigkeit damit in den Ohren gelegen. Und: das Louisiana ist nur einen Katzensprung vom gemütlichen Hafen entfernt! Eine gute Idee ist es übrigens, auf dem Weg zum Museum die Abkürzung über den wunderschön angelegten Friedhof der Humlebæk Kirche zu nehmen – bestens geeignet, die Seele mal eine kurze Zeit baumeln zu lassen, bevor man sich der Faszination des Louisiana hingibt. Und das geht wirklich schnell. Hier sind  paar Eindrücke:

 

 

Die Museumsgebäude des Louisiana, die von unterschiedlichen Architekten geplant wurden, liegen in einem weitläufigen Park direkt an der Øresundküste. Neben einer festen Kunstsammlung sind ständig wechselnde Sonderausstellungen im Programm. Fasziniert hat uns die Ausstellung „Illumination“, aber auch die Werke des jungen Picasso haben uns überrascht und dazu beigetragen, dass wir ihn und seine Werke nun aus einem ganz neuen Blickwinkel betrachten. Der schöne Museumspark beeindruckt seine Besucher mit Skulpturen, seltenen Bäumen und Pflanzen und Landschaftskunst. Nette Anekdote: der Name Louisiana stammt vom Vorbesitzer des 1855 erbauten Haupthauses, Alexander Brun. Er benannte das Anwesen nach seinen drei Ehefrauen, die tatsächlich alle den Vornamen  Louise trugen!

Aber zurück zum Segeln und dem gemütlichen Hafen von Humlebæk. Statt eines Bezahlautomaten leistet man sich hier noch den Luxus eines „richtigen“ und sehr netten Hafenmeisters namens Per. Von ihm bekommt man beim Bezahlen des Hafengeldes keine selbstklebende Hafenplakette für den Bugkorb, sondern eine kleine, handgeschriebene Quittung. Auf deren Rückseite befindet sich ein Lageplan mit Einkaufsmöglichkeiten, die allerdings nicht gerade um die Ecke liegen. Am besten erreicht man sie mit dem Fahrrad. Die Drahtesel können im Hafen ausgeliehen werden – ziemlich alte Schesen zwar, aber dafür ist der Verleih kostenlos.

 

 

Gemütliche Abende mit viel deutsch-dänisch-englischem Klönschnack verbrachten wir mit unseren holländischen Stegnachbarn und unseren Segelfreunden Pia und Carl. Unter alten Bäumen direkt an der Kaimauer fanden wir Sitz- und Grillmöglichkeiten, und auch das Wetter spielte einigermaßen mit beim Abendessen unter freiem Himmel (die Mücken-Attacken sollen hier mal unerwähnt bleiben 😉).

Gleich am ersten Abend hatte eine niedliche Ente uns als potentielle Futterquelle ausgemacht. Sie (oder er?) tauchte völlig furchtlos am Tisch auf und lud sich zum Essen ein. Wir hatten richtig Spaß!

 

Nach drei Nächten in Humlebæk haben wir uns dann entschieden, nach Helsingborg auf der schwedischen Seite des Øresund zu segeln. Denn die Hoffnung, in diesem Sommer Anholt zu besuchen, hatten wir noch immer…

Helsingør – unterwegs zwischen Fähren, Frachtern und Kreuzfahrtschiffen

Am Montag wollten wir langsam mal wieder etwas anderes sehen als den Tuborg Havn und Kopenhagen. Nun waren wir schon über eine Woche hier, und ganz leise meldete sich das Fernweh wieder zurück. Der Wind stimmte, und los ging’s Richtung Helsingør, das nur ca. 12 sm entfernt an der schmalsten Stelle zu Schweden liegt.

Unsere Route nach Helsingør
Unsere Route nach Helsingør

Irgendwie stimmte die Wettervorhersage wieder mal nicht, denn statt der angesagten 8 bis 9 m/s aus West bekamen wir in Böen lockere 17 m/s auf die Mütze – und hatten natürlich kein Reff im Groß. Das wurde Thue dann irgendwann doch zu heikel, das Großsegel wurde eingepackt, und das Elbkind machte – nur mit Genua – noch immer flotte 7,8 Knoten. Mit der schönen, grünen Küste Nordseelands auf der Backbordseite liefen wir in nördliche Richtung. Nach ca. 3 Stunden tauchte dann Kronborg Slot, das Wahrzeichen von Helsingør, in der Ferne auf.

Kronborg Slot
Kronborg Slot

Kurz vor Helsingør stieg dann noch einmal der Adrenalinspiegel, denn wir erreichten das Verkehrstrennungsgebiet, eines der meistbefahrenen Fahrwasser weltweit. Hier ist alles unterwegs: Fähren im Pendelverkehr zwischen Dänemark und Schweden, Frachter, Tanker und zahlreiche Kreuzfahrtschiffe. Es herrschte ein reger Funkverkehr zwischen den Schiffen, und Thue lenkte das Elbkind mit Geduld und Spucke sicher durch das Gewusel.

Dann hatten wir den Hafen erreicht – mit über 900 Plätzen hat Helsingør die größte Marina Dänemarks. Wie uns ein anderer Segler vor ein paar Tagen erzählte, muss man hier auf einen Liegeplatz jahrelang warten, denn die Wartelisten sind endlos lang. In unserem Hafenführer war zwar die Brücke 2 als Gästesteg ausgewiesen, aber wo genau die eigentlich genau liegt, stand schlauerweise nicht dabei. Ständig umzingelt von einer Gruppe Optis mit Kindern an der Pinne klapperten wir die Hafengassen ab und hielten nach einem grünen Platz Ausschau. Gar nicht so einfach, denn der Hafen war ziemlich voll. Endlich hatten wir Glück und entdeckten eine freie Box gleich hinter der Westmole. Hier lagen wir gut, der Wind kam aus Südwesten und so hatten wir Windschatten im Cockpit.

Während unserer abendlichen Spazierrunde durch den Hafen fiel unser Blick auf ein kleines Holz-Segelschiff mit deutscher Flagge, das uns an „Tadorna“, das Touren-Folkeboot von Bastian Hauck, erinnerte. Während wir noch am Steg standen, tauchte plötzlich ein weibliches Crewmitglied hinter der Sprayhood auf, und schon kamen wir ins Gespräch. Woher, wohin, wie lange? Steffi und Nicola, die weibliche Besatzung der „Fofftein“, kamen aus der Nähe von Hamburg und sind wie wir für mehrere Monate unterwegs. Ziel der beiden: Schweden und der Göta-Kanal. Und weil wir ja nicht nur unterwegs sind, um zu segeln, sondern auch, um nette und interessante Leute kennenzulenen, luden wir die beiden für den nächsten Abend auf ein Bier zu uns an Bord ein.

Die
Die „Fofftein“
Segler-Selfie
Segler-Selfie

Am nächsten Tag: Regen und zur Abwechslung mal wieder jede Menge Wind. Mit wetterfester Kleidung und Regenschirm ausgerüstet bummelten wir durch die gemütlichen kleinen Einkaufsstraßen von Helsingør. Zur Abwechslung gab’s mal wieder ein paar Schuhe für mich, die dänische Wirtschaft muss schließlich angekurbelt werden! Diesmal waren es Wanderschuhe mit einem guten Fußbett, denn mein Rücken und die leicht lädierten Hüftgelenke protestieren in letzter Zeit relativ häufig gegen die zwar bequemen, aber für längere Strecken doch eher ungeeigneten Segelschuhe.

Völlig fasziniert waren wir von der riesigen Auswahl eines Käsegeschäfts in der Stengade. Guckt Euch das mal an. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier auch nur der kleinste und speziellste Wunsch eines Käseliebhabers unerfüllt bleibt. Und wie so oft in Dänemark gab es auch hier Sonderangebote: Nimm ein Stück Käse für 60 Kronen, nimm zwei und zahle nur 100. Na klar, gerne. Und wer soll die zwei Kilo Käse dann anschließend essen? Irgendwie ist hier alles auf Großfamilien ausgerichtet.

Das ultimative Käsegeschäft in Helsingør!
Das ultimative Käsegeschäft in Helsingør!

Ein paar Schritte weiter begegneten wir einem dänischen Postfahrrad, das fast schon an einen Kleintransporter erinnerte. Angetrieben wird es ganz fortschrittlich von einem Elektromotor, so dass die zugehörige Postbotin keine Probleme hatte, das Ding in Bewegung zu setzen. Ansonsten bräuchte man wohl auch stramme Waden..

Postfahrrad
Postfahrrad

Inzwischen hatte der Regen uns fast durchgeweicht und es ging zurück an Bord. Eigentlich wollten wir uns abends ein nettes Restaurant in der Stadt suchen, aber daraus wurde nichts. Das Wetter war einfach zu mies, und wir hatten beide keine Lust mehr auf das Schietwetter. Also wurde gemütlich unter Deck gegessen, und dann klopften auch schon Steffi und Nicola an den Bugkorb. Die beiden hatten interessante Geschichten über die Segelei mit ihrer kleinen „Fofftein“ zu erzählen. Besonders mich hat es schwer beeindruckt, dass sie gemeinsam sogar schon mal einen Schiffsmotor ein- und ausgebaut haben. Wie bitte?? Das wäre für mich ein Ding der Unmöglichkeit – für solche Arbeiten hab ich doch Thue! 😉 Der Abend zu viert war sehr nett und gemütlich, es gab viel zu erzählen und die Zeit verging wie im Flug.

Der nächste Morgen. Kein Regen, aber zur Abwechslung mal wieder ziemlich windig. Heute stand die Besichtigung von Kronborg Slot auf dem Programm. Ich liebe diese alten Gemäuer! Im Eintrittspreis inbegriffen war eine Führung durch das Schloss, an der nur wir und ein weiteres Paar teilnahmen. Ich hab zwar nur die Hälfte von dem verstanden, was uns der nette ältere Herr, der uns durch die Räume führte, auf dänisch erzählte, aber interessant war es trotzdem. Abgesehen von diversen Schulklassen waren übrigens Heerscharen von chinesischen Touristen auf dem Schlossgelände unterwegs. So wie damals in Shanghai: vorneweg läuft immer jemand mit einem bunten Fähnchen, und alle laufen wie die Lemminge hinterher.

Die Kanonen vor Kronborg Slot
Die Kanonen vor Kronborg Slot
Der
Der „Tanzsaal“ des Schlosses ist der größte Saal in ganz Europa!
Holger Danske sitzt im Keller des Schlosses. Er schläft und wacht nur dann auf, wenn Dänemark bedroht ist, um den Feind zu bekämpfen.
Dieser Herr namens Holger Danske sitzt im Keller von Kronberg Slot. Er schläft und wacht nur dann auf, wenn Dänemark bedroht wird, um gegen den bösen Feind anzutreten!

Anschließend gondelten wir zu Fuß durch die Stadt. Plötzlich meinte Thue, er könnte mal wieder einen Haarschnitt gebrauchen. So landeten wir in einem kleinen Friseursalon, in dem sich der junge Inhaber mit kurdischen Wurzeln sofort über seinen neuen Kunden hermachte. Akribisch genau wurde jedes einzelne Haar gekürzt, und das Ergebnis konnte sich wirklich sehen lassen. Ich würde sagen: auf jeden Fall ein Sommerschnitt, es gab etwas für’s Geld. Nun kann der Sommer kommen. Und zwar möglichst ohne Wind!

Donnerstag verbrachten wir bei Sonnenschein die meiste Zeit lesend im Cockpit. Nachmittags ein kleiner Spaziergang am Strand. Thue flitzte mit dem Fahrrad zum Einkaufen, und am frühen Abend war es dann tatsächlich so weit. Zum ersten Mal, seit wir unterwegs sind (!), konnten wir den Grill anwerfen und in der Abendsonne sitzen und essen. Gewärmt von nur einer Fleece-Schicht. Ohne Mütze. Wir haben wirklich nicht mehr daran geglaubt!

Strandspaziergang bei Sonnenschein...
Strandspaziergang bei Sonnenschein…
Hafen-Panorama
Hafen-Panorama

Im Windschatten der Hafenmole trafen wir noch einmal auf die Fofftein-Crew und tranken zusammen ein letztes Glas Wein, denn am nächsten Morgen wollten wir schon früh aufbrechen. Es sollte in nördliche Richtung gehen, nur ca. 12 Meilen weiter, nach Gilleleje.

Kleiner Plausch in der Abendsonne
Kleiner Plausch in der Abendsonne
Erkennt Ihr mich?
Das da hinten bin ich!

Übrigens: wir machen uns große Sorgen um Königin Margrethe und Prinz Henrik. Was ist da bloß los? Erst lässt er sie ihren 75. Geburtstag allein feiern, jetzt will er nicht zur königlichen Hochzeit in Schweden am 13. Juni mitkommen? Das erinnert ja fast an Shakespeare’s Hamlet: „something is wrotten in the state of Denmark“… Wir werden die Sache im Auge behalten. 😉

Henrik, wir behalten Dich im Auge!
Henrik, mach keinen Mist. Wir behalten Dich im Auge!