Zwischen Königin und Christianshavn: Kopenhagen

Ahoi Ihr Lieben, hier kommt nun endlich unser Kopenhagen-Bericht. Ich gebe zu, es hat ein Weilchen gedauert, aber irgendwie bin ich gerade im „Hygge-Modus“. Die Bloggerei macht mir zwar großen Spaß, kostet aber auch viel Zeit. Und in erster Linie wollen wir ja segeln und das Leben genießen. Das versteht Ihr bestimmt, oder? Aber jetzt, los geht’s!

Bei leichtem Wind und einem angenehmen Sonne-Wolken-Mix haben wir uns vormittags von Helsingør verabschiedet und Kurs auf Kopenhagen genommen. Ein kurzer Törn von nur knapp 20 sm lag vor uns, und bei westlichem Wind konnten wir unter Vollzeug auf Halbwindkurs herrlich segeln. Endlich mal wieder! Es ging zwar eher gemächlich voran und das elbkind machte nur zwischen drei und fünf Knoten Fahrt, aber immerhin. Man muss ja schon dankbar sein, dass der Wind mal gnädig gestimmt ist und der Volvo ausnahmsweise geschont werden kann. Wenn unser Tempo unter drei Knoten sinkt, wird mein Skipper allerdings schnell zappelig und überlegt, den Motor mitlaufen zu lassen. Dann ist die einfühlsame Bordfrau gefragt, die ihn besänftigt und ihn daran erinnert, dass doch der Weg das Ziel ist und wir alle Zeit der Welt haben. Und das ist ja gerade das Schöne, für irgendwas muss das Älterwerden schließlich auch gut sein, oder? Nach gut viereinhalb Stunden erreichten wir gegen 16 Uhr den Tuborg Havn in Hellerup. Mithilfe von AIS und Marine Traffic waren Jakob und Cathrine dem elbkind im Internet gefolgt und hatten sich schon ziemlich genau ausgerechnet, wann wir ankommen würden. Als wir einliefen, stand Jakob schon lachend auf dem Steg, und nur ein paar Minuten später trudelte auch Cathrine ein.

Route Helsingør-Tuborg Havn

Die Wiedersehensfreude war natürlich groß. Schnell haben wir zusammen das Schiff aufgeklart und anschließend im Cockpit zusammengesessen und geklönt. Weil das Wetter ganz gut mitspielte, wurde ein kleiner Grillabend geplant. Die Herren der Schöpfung verschwanden zum Einkaufen und ich unter der Dusche. Am frühen Abend kam noch Anne-Marlene dazu, und wir haben einen netten Familienabend zu fünft verbracht.

Grillabend Familie
Die lieben Kleinen…

Ein paar Tage Urlaub vom Skipper bzw. von der Bordfrau können manchmal ganz erholsam sein, 🙃 aber das war nicht der einzige Grund, warum ich mich zwei Tage später in den Zug nach Hamburg gesetzt habe: Meine ahnungslose Mama sollte nämlich zum Geburtstag überrascht werden. Die Überraschung ist geglückt, und bei traumhaftem Wetter konnten wir sogar draußen feiern. Das Geburtstagskind ist offensichtlich artig gewesen…☀️

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Geburtstag mit der Family

Währenddessen hatte mein Däne in Kopenhagen beim Hafencamping mit Regen, Wind und Gewittern zu kämpfen. Das Wetter war unterirdisch! Ich brauchte also gar kein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich Heimaturlaub beantragt hatte – wir hätten sowieso nicht segeln können. Thue hat viel Zeit mit den Kids verbracht, die Ruhe an Bord genossen, viel gelesen, Radtouren durch Kopenhagen gemacht, den Wachwechsel am Schloss Amalienborg beobachtet (gelegentlich treibt ihn die Sehnsucht an seinen früheren Arbeitsplatz💂🏻) und im Tuborg Havn ein Seglerehepaar kennengelernt, das zuhause in Norderstedt nur einige hundert Meter Luftlinie von uns entfernt wohnt. Mein Reden, die Welt ist ein Dorf und man sollte sich unbedingt überall anständig benehmen.🙃

Tuborg Havn
Dunkle Wolken über dem Tuborg Havn

Als ich einige Tage später aus Hamburg zurückkam und in Hellerup aus dem Bus stieg, wurde ich schon von Martine, Jan und Thue am Restaurant „Rotunden“ erwartet. Martine und Jan sind alte Freunde aus Thues „früherem Leben“ in Dänemark, die drei hatten sich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen und erzählten lachend, dass es offenbar nicht so einfach gewesen war, sich gegenseitig überhaupt wiederzuerkennen, denn im Laufe der Jahre war so manches Haupthaar ergraut, Thue trägt inzwischen einen Bart und ein paar kleine Lachfalten waren bei allen Beteiligten natürlich auch dazugekommen. Man schlich also ein paarmal aneinander vorbei und beäugte sich, bis zuletzt ein Telefonat die Situation klären konnte. Zum Piepen! Wir haben einen sehr schönen Abend zu viert verbracht, gut gegessen und geplauscht und uns versprochen, dass bis zu unserer nächsten Verabredung auf keinen Fall wieder 25 Jahre vergehen werden.

Am nächsten Morgen gab’s Frühstück bei Emmerys im Strandvejen, das ist eine 100%ig ökologische Bäckerei. Brot, Brötchen, Kuchen und Gebäck sind hand- und hausgemacht und lecker, und der Kaffee sowieso. Während wir die Straße entlangschlenderten, fiel uns auf, dass alles mit rot-weißen Fähnchen geschmückt war, aber es hat ein Weilchen gedauert, bis der Groschen fiel: stimmt ja, Königin Margrethe und Prinz Hendrik feiern ihre Goldene Hochzeit, und ganz Dänemark freut sich mit! Deshalb also die hübsch dekorierte Straße, sogar an den Linienbussen flatterten rot-weiße Fähnchen im Fahrtwind. Ist das nicht nett?

Rot-weiße Fähnchen am Strandvejen

Im Tuborg Havn stehen den Gastliegern kostenlose Fahrräder zur Verfügung, deshalb konnten wir unsere Bordfahrräder nachmittags in der Backskiste lassen, haben uns zwei Drahtesel ausgeliehen und eine Radtour in die Innenstadt gemacht.

Erstes Ziel: der Christianshavn. Der gemütliche Hafen hat eine ganz besondere Atmosphäre, und bei jedem Kopenhagen-Besuch zieht es uns dorthin. Trotzdem können wir uns einfach nicht durchringen, mit dem elbkind mal dort anzulegen. Das hat verschiedene Gründe: Christianshavn ist bei vielen Seglern sehr beliebt und deshalb meistens überfüllt. Außerdem ist unser Schiff nicht gerade kurz, und es gibt wohl kaum Liegeplätze, bei denen das Heck nicht ins Fahrwasser herausragen würde. Alle paar Minuten tuckern Ausflugsboote mit Touristen vorbei, das verursacht Schwell. Außerdem waren uns merkwürdige Geschichten zu Ohren gekommen: Rund um den Christianshavn wird gern gefeiert (Christiania ist nicht weit entfernt), dann geht es natürlich feucht-fröhlich zu und es soll vorgekommen sein, dass sich Leute aufs Schiffsdeck / ins Cockpit erleichtert haben 🤢. Dazu kommt, dass immer wieder Schiffe aufgebrochen wurden, während die Crews ahnungslos in irgendeinem Restaurant gesessen haben. Nö, wir bleiben lieber im Tuborg Havn, auch wenn die Hafenatmosphäre nicht einmal ansatzweise mit der im Christianshavn vergleichbar ist. Aber mit den Drahteseln kommen wir immer wieder gern zu Besuch, um in die gemütliche Stimmung einzutauchen.

Was es in der Innenstadt alles zu sehen gab! Unser nächstes Ziel war „Papirøen“, die Papierinsel, die bis Ende 2012 das letzte industrielle Gebiet im Hafen ohne Zugang für die Öffentlichkeit war. Hier wurde früher das Papier für die Tageszeitungen gelagert. Inzwischen sind die Lagerhallen geschlossen, und Papirøen entwickelt sich zu einer vibrierenden Location für Ausstellungen, kleine, kreative Shops, Cafés, Restaurants, aber alles nur auf Zeit. Auch Copenhagen Street Food ist hier zu finden, es hat die Bewohner Kopenhagens im Sturm erobert. Durch die neuen Brücken, die das Gebiet mit der übrigen Stadt verbinden, sieht die Zukunft für diesen neuen Teil der Kopenhagens rosig aus. Vom  „Wish Tree Garden“ von Yoko Ono war ich sofort begeistert und habe mir gleich Zettelchen und Stift besorgt, um meinen Herzenswunsch darauf zu verewigen und anschließend in einem der Bäume aufzuhängen. Mein etwas leidenschaftsloser Skipper hatte angeblich keine Wünsche. Männer – tsss! Andererseits – wenn er wunschlos glücklich ist, habe ich wohl bisher alles richtig gemacht. 😉

Weiter ging es in Richtung Nyhavn. Als wir an der Kunsthalle Charlottenborg vorbeikamen, fiel uns an der Fassade eine Installation des chinesischen Künstlers Ai Weiwei ins Auge. Stop – das mussten wir erstmal in Ruhe auf uns wirken lassen. Das berührende Kunstwerk heißt Soleil Levant, übersetzt „aufgehende Sonne“. Die Fenster der Kunsthalle wurden mit 3.500 Rettungswesten von Flüchtlingen, die auf der griechischen Insel Lesbos gestrandet sind, vollständig verbarrikadiert. In den Jahren 2015 und 2016 sind laut dem UNHCR 1.377.349 Menschen über das Meer nach Europa gekommen; mehr als 8.000 kamen auf ihrer Reise ums Leben. Auf diese humanitäre Krise, von der Europas Küsten nach wie vor betroffen sind, möchte Ai Weiwei mit seinem Werk aufmerksam machen.

Diese Eindrücke mussten wir bei einer kleinen Kaffeepause erst mal sacken lassen, bevor es wieder zurück zum Hafen ging.

Insgesamt sind wir 11 Tage im Tuborg Havn geblieben, haben uns einfach treiben lassen und viel Zeit mit der Familie verbracht. Weil in Dänemark und Schweden mittlerweile die Schulferien begonnen hatten und überall volle Häfen zu erwarten waren, fiel der spontane Entschluss, ein lang gehegtes Projekt in Angriff zu nehmen: wir wollten endlich mal die Küste von Mecklenburg-Vorpommern erkunden! Dazu später mehr.

Bevor ich es vergesse: hier kommen für die Segler unter Euch noch schnell ein paar Eckdaten zum Tuborg Havn (55° 43,58′ N; 012° 35,10′ E):

  • 360 Liegeplätze, Wassertiefe zwischen 3 und 5,5 m
  • Toiletten und Duschen (kostenlos)
  • Waschmaschine und Trockner (Flatrate, 1 x zahlen und den ganzen Tag waschen).
  • Kostenlose Leih-Fahrräder (sogar für Kinder!) mit Gangschaltung
  • Strandnähe
  • Grillplatz
  • Kinderspielplatz
  • Einkaufsmöglichkeiten und Restaurants ganz in der Nähe (Waterfront Shopping)
  • Gute Busanbindung für Ausflüge in die Stadt (Linie A1)
  • Tankstelle
  • WiFi war zwar in unserem Hafenführer vermerkt, funktionierte aber nicht 😐

Here comes trouble: AIS-Gerät (oder Thue am Rande des Wahnsinns)

Die meisten Segler, die wir kennen, halten nicht viel von ‚überflüssiger‘ Technik und Elektronik an Bord, so Sachen wie Autopiloten oder AIS-Geräte. „Wozu?“ tönt es von allen Seiten. „Braucht man doch gar nicht, je mehr technische Geräte man an Bord hat, desto mehr Probleme hat man, weil ständig irgendwas nicht funktioniert.“

Das stimmt. Im Prinzip haben die Leute recht, denn schließlich funktioniert die Segelei ja auch mit Kompass und Papierkarten. Ist man aber (so wie mein Skipper) ein verrückter Technik-Freak, dann will und kann man auf die neuesten elektronischen Errungenschaften, die für den maritimen Bereich angeboten werden, einfach nicht verzichten. Mit irgendetwas muss man sich auf den langen Törns ja schließlich auch die Zeit vertreiben, sobald die Segel richtig eingestellt sind. Dann wird mit der Elektronik rumgefummelt, und das fast pausenlos… 😁

Die Zeit, in der unser AIS-Gerät nicht funktioniert hat, war für Thue eine harte Bewährungsprobe. Erstens, weil er ohne die Technik leben musste, und zweitens, weil er beim besten Willen nicht herausfinden konnte, wo der Fehler lag! Er wollte einfach nicht glauben, dass das nagelneue Gerät, das wir erst kürzlich von Weatherdock im Tausch bekommen haben, eventuell defekt sein könnte. Ganz gegen seine Gewohnheit (Männer fragen ja normalerweise noch nicht mal andere Leute nach dem Weg) hat er sich in Dyvig sogar den fachmännischen Beistand eines Elektromeisters geholt. Vergeblich. Das blöde Ding war einfach nicht zum Laufen zu kriegen. Was also tun?

Das Gerät hatten wir ursprünglich bei der Firma Mörer gekauft. Jan, den technischen Leiter, kennen wir aus Dyvig, er liegt mit seinem Boot uns gegenüber am Steg. Als Thues Verzweiflung irgendwann groß genug war, hat er Jan angerufen und ihm die Problematik geschildert. Dem kamen die Werte der Diagnose-Software sofort ziemlich merkwürdig vor. Und weil am nächsten Tag das Wetter sowieso nicht das beste war, setzte Thue sich kurzerhand ins Auto Richtung Buchholz für eine genauere Diagnose bei der Firma Mörer. Und tatsächlich bestätigte sich der Verdacht. Der UKW-Splitter war defekt! Nicht zu fassen. Also das Ganze noch mal von vorne: das Gerät wurde zur Reparatur zum Hersteller nach Nürnberg geschickt und eine größere, qualitativ bessere Diode wurde in den Splitter eingebaut. Am letzten Samstag brachte Jan es wieder mit zurück nach Dyvig. Wir waren natürlich gespannt wie die Flitzebogen, als Thue das Gerät wieder einbaute, und…tadaaa! Es funktioniert, das elbkind sendet wieder!

Nun hoffen wir, dass die Technik auch in Zukunft zuverlässig mitspielt. Man weiß ja nie… 🙃 Unsere Privatsphäre ist natürlich ab sofort wieder etwas eingeschränkt, weil man das elbkind z.B. auf Marine Traffic oder Fleetmoon stalken kann. Aber das ist uns nicht so wichtig, Sicherheit geht vor, und Thue ist auf den Segeltörns endlich wieder gut beschäftigt. 👍🏼😄

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Jan und die Firma Mörer für die Unterstützung und den kompetenten Service! Jan, das war wirklich nicht zu toppen. Du hast meinen Skipper richtig glücklich gemacht!

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Statt Demo am 1. Mai…

…lieber Frühstück im Cockpit! Warm eingepackt, bei 5 (in Worten: fünf) Grad, blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein. So ging der Tag gestern gleich richtig los. Darauf haben wir uns den ganzen Winter lang gefreut. ☀️

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Um die Mittagszeit sind wir bei leichter Brise zu einem dreistündigen Minitörn ausgelaufen und haben gleich mal gecheckt, ob an Bord auch alles vernünftig funktioniert. (hat da etwa gerade jemand AIS gesagt? 😈) Bei der Ausfahrt aus dem Dyvig Fjord ist uns sogar der erste Schweinswal der Saison begegnet.😊 Was für eine himmlische Ruhe, nur das leise Plätschern des Wassers am Bug war zu hören. Zwischenzeitlich war es so still an Bord, dass wir sogar den Kuckuck an Land rufen hören konnten. Kennt Ihr eigentlich den Aberglauben, der besagt, dass man, wenn man im Frühling den Kuckuck das erste Mal rufen hört, Geld in der Tasche haben sollte? Es heißt, dann müsse man sich das ganze Jahr über keine Geldsorgen machen. Ich hatte leider gerade keins dabei. Aber zum Glück bin ich auch nicht besonders abergläubisch. 😉

Ein Tag wie aus dem Bilderbuch, und abends wartete noch ein weiteres Highlight auf uns. Zwei Schiffe aus Brunsbüttel, die „Godewind“ und die „My Way“ hatten in unserer direkten Nachbarschaft auf den Gästeplätzen der Brücke 4 festgemacht. Die netten Crews – ausschließlich Herren – haben wir dann beim Abendessen auf dem Grillplatz kennengelernt, sie waren ausgesprochen gut gelaunt und unterwegs auf einem zehntägigen Vatertagstörn durch das dänische Inselmeer.

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Bei Carlsberg und Dithmarscher „Beugelbuddelbeer“ kamen wir ins Klönen, und der nette Abend wurde musikalisch an Bord der „My Way“ fortgesetzt. Wer Lust hat, kann hier mal reinhören, Dass Gerd und Dirk früher mal Mitglieder eines Shanty-Chors waren, lässt sich wirklich nicht verleugnen. Man beachte besonders das virtuose Löffelspiel!

Der Abend mit den Jungs aus Brunsbüttel hat uns viel Spaß gemacht, und wenn der Wind sie auch im kommenden Jahr wieder nach Dyvig weht, darf ich vielleicht auch wieder mitsingen, das war einfach klasse. An meiner Textsicherheit muss ich allerdings noch etwas arbeiten, das gebe ich zu!

Was für ein Tag, und ein grandioser Saisonbeginn! Wegen uns kann es gerne so weitergehen. Heute sind wir schnell nachhause geflitzt, um noch ein paar Dinge zu organisieren, aber in ein paar Tagen geht’s schon wieder zurück an Bord. Die Wettervorhersage sieht vielversprechend aus ☀️ und der erste längere Segeltörn steht bevor. Ich hoffe, es geht wieder mal in nördliche Richtung, vielleicht ja nach Samsø…

Das elbkind schwimmt wieder!

Der April macht ja bekanntlich was er will. Das war auch am Dienstag letzter Woche so, als das elbkind endlich wieder Wasser unter den Kiel bekommen hat. Abgesehen von gefühlten Temperaturen um den Gefrierpunkt blies der Wind so stark, dass ich ganz freiwillig beschlossen habe, eine Wollmütze zu tragen. Und das will wirklich was heißen – ich habe nämlich nicht gerade das, was man ein“Mützengesicht“ nennt 😉.

Schon am Montagnachmittag sind wir nach Dyvig gefahren, haben abends gemütlich mit Torben und Lene in der Brasserie des Dyvig Badehotels gesessen und es uns bei Wiener Schnitzel und einem frisch gezapften Bier gutgehen lassen. Die beiden waren mit ihrer Nordborg 37, die in einer Halle in Apenrade überwintert hatte, zum Mastsetzen nach Dyvig gekommen und lagen schon am Servicekai. Ich weiß, es gibt auch Segler, die an Bord übernachten, wenn das Schiff noch irgendwo aufgebockt im Hafen steht, aber das ist nicht so unser Ding. Die Nacht auf Dienstag haben wir deshalb in einer B&B-Unterkunft in Nordborg verbracht.

Krantermin war am nächsten Morgen um 7.30 h, für uns quasi vorm Wecken. 😁  Wir sind richtig früh aufgestanden, um auf jeden Fall rechtzeitig da zu sein. Überpünktlich bogen wir in den Hesnæsvej ein – und konnten das elbkind schon von Weitem am Haken des Krans entdecken – es wurde nämlich genau in diesem Moment ins Wasser gehievt – 10 Minuten zu früh. Deshalb gibt’s auch weder ein Video noch Fotos von diesem Moment, dem eigentlichen Saisonbeginn. Schade! Meine ersten Fotos sind leider auch ziemlich dunkel und sehen so aus:

Kurze Zeit später wurde der Mast gesetzt. Das war gar nicht so einfach bei 22 m/s Wind, der in kräftigen Böen über den Hafen pfiff. Einige helfende Hände zum Festhalten waren nötig, aber mit etwas Geduld stand der Mast schnell wieder da, wo er hingehört. Die Jungs von der Nordborg-Werft sind schließlich vom Fach.

Unter Deck habe ich dann erstmal den großen Schiffs-Frühlingsputz gestartet. Und anschließend unsere Segelklamotten, die Rettungswesten (mit neuer Prüfplakette) und jede Menge sonstiges Gedöns wieder in die Schapps geräumt, die Betten bezogen und die Koje klargemacht. Ein super Gefühl, plötzlich kam kribbelige Aufbruchstimmung auf, und die Arbeit hat sich fast von selbst gemacht. 😄

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Die Betten sind bezogen, jetzt haben wir endlich wieder ein Zuhause auf dem Wasser!

Natürlich hat Thue sofort versucht, das AIS-System wieder zum Laufen zu kriegen. Wir haben ja kürzlich ein Austauschgerät von Weatherdoc bekommen, weil das alte Gerät nicht zuverlässig funktionierte. Das System von Raymarine muss nun für das neue Gerät programmiert werden, was sich leider als schwierig erweist. Bisher waren Thues Bemühungen erfolglos. 😐 Nun werden wir einen AIS-Konverter anschaffen, der hoffentlich dabei hilft, das Problem zu beheben. Hat von Euch vielleicht jemand ein AIS-System an Bord, das er selbst installiert hat? Über den entscheidenden Tipp, wie man das Ganze zum Laufen bringen kann, würden wir uns freuen. 👍🏼

Am Mittwoch – es wehte noch immer relativ stark – haben wir uns mittags in unsere Box verholt. Endlich schien die Sonne, und wir konnten im Lee im Cockpit sitzen und Kaffee trinken. Das fühlte sich schon viel besser an! Mit dem Anschlagen des Vorsegels und dem Anbringen der Sorgeleinen haben wir allerdings noch gewartet, dafür war es einfach noch viel zu windig. Diese Arbeiten haben Thue und Tochter Anne-Cathrine am Freitag bei schönstem Sonnenschein und einem lauen Lüftchen erledigt. Und natürlich wurden auch Beweisfotos gemacht:

Außerdem hat mein Skipper eine Hakenleiste zur Unterbringung diverser Leinen, Schoten und Tüdelbändern in der Backskiste angebracht. Praktische Sache, jetzt findet man sofort, was man sucht. Sieht es nicht zum Piepen aus, wenn Thue mit seinen 1,93 m in der Backskiste verschwindet? Man staunt ja immer wieder, wozu ein Mann so fähig ist (wenn er will!).

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Jack in the box 😄

Wann wir unseren Segeltörn beginnen, steht momentan noch nicht fest. Wer zur Zeit in Norddeutschland aus dem Fenster guckt, weiß auch, warum. Gestern hat Michel uns passend zum Thema Aprilwetter einen herrlichen Kommentar geschickt:

„Maxi 77 günstig abzugeben oder Tausch gegen Eissegler. Aber vielleicht bau ich mir auch ein Radar ein, um Eisberge rechtzeitig zu erkennen. Mehr kann ich zu dem Wetter nicht sagen.“

Wir auch nicht! ❄️

 

Das elbkind auf Abwegen…

Kennt Ihr eigentlich die Internetseite „Marine Traffic“? Mithilfe dieser Anwendung kann der interessierte Segler alle Schiffe tracken, die ein AIS (das steht für Automatic Identification System) verwenden. Mithilfe des AIS-Systems  werden statische, dynamische und reisebezogene Daten eines Schiffs übermittelt.

•Statische Daten sind zum Beispiel der Schiffsname, das internationale Funkrufzeichen und Schiffstyp und Abmessungen des Schiffs;

•die dynamische Daten liefern Angaben über die Position des Schiffs, seine Geschwindigkeit und seinen Kurs über Grund und das momentane Drehverhalten des Schiffs;

•die reisebezogenen Daten beziehen sich eher auf die Berufsschifffahrt, sie liefern Informationen zum aktuellen Tiefgang, dem Bestimmungshafen und dem ETA (das ist die geplante Ankunftszeit) sowie u. U. eine Angabe zur Ladungskategorie.

AIS dient der Vermeidung von Kollisionen auf See, dem automatischen Informationsaustausch zwischen Schiffen untereinander und mit Landstationen sowie Verkehrszentralen an der Küste als ergänzendes Mittel zur maritimen Verkehrssicherung. Das erhöht die Sicherheit auf dem Wasser erheblich. Das Verfahren des AIS-Datenaustauschs ist weltweit standardisiert und funktioniert auf allen Weltmeeren, so dass sich auch Schiffe unterschiedlicher Nationen auf offener See begegnen können und sich gegenseitig „sehen“.

Man kann also mithilfe von Marine Traffic (oder anderen Anwendungen wie zum Beispiel Vessel Tracker oder Fleetmon) sehen, wo sich ein Schiff gerade befindet, wohin es unterwegs ist und in welchem Hafen es zuletzt festgemacht hat. Und das macht mein Liebster besonders gern, er schaut regelmäßig nach, wo sich seine „Buddies“ gerade rumtreiben. Vorgestern hat er aus Spaß mal nach unserem Schiff geguckt, und staunte nicht schlecht. Als letzte Positionsangabe tauchte Nürnberg auf, und wir wissen ja alle, dass die aktuelle Position eigentlich das Winterlager in Nordborg sein müsste… Kurze Schrecksekunde, dann war uns alles klar.

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Das elbkind in Nürnberg?

Des Rätsels Lösung: unser AIS musste in diesem Winter zum zweiten Mal zum Hersteller, der Firma Easy AIS, nach Süddeutschland eingeschickt werden, weil es auch in der letzten Saison immer wieder unerklärliche Aussetzer hatte und nicht zuverlässig gearbeitet hat. Beim Überprüfen des Geräts wurde dann offensichtlich die aktuelle Position an Marine Traffic übermittelt. Und plötzlich fand sich das elbkind in Nürnberg wieder.

Diesmal wurde übrigens nicht lange gefackelt: wir haben ganz unbürokratisch ein kostenloses, fabrikneues Gerät im Austausch bekommen. Nun hoffen wir, dass die Technik in Zukunft einwandfrei funktioniert.

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So sieht ein AIS-Gerät aus.

Übrigens, am kommenden Dienstag ist es endlich so weit – die lange Winterpause ist vorbei und unser Schiff bekommt wieder Wasser unter den Kiel! Die Wetterprognose ist mit 11 m/s zwar nicht gerade optimal zum Mastsetzen, aber wir nehmen es einfach so wie’s kommt. Ist uns alles egal, denn schon Eduard Mörike wusste:

„Man muss immer etwas haben, worauf man sich freut.

Und das tun wir. Die Vorfreude auf die neue Segelsaison steigt mit jedem Frühlingstag und wir hoffen, dass Ihr unsere Erlebnisse auch in diesem Sommer wieder mit uns teilt. Mal gucken, wohin der Wind uns weht. Das dänische Inselmeer ist ja quasi unser Zuhause, aber Schweden wäre eigentlich auch mal schön.

Eure Kommentare und Segel- und Reviertipps sind übrigens immer sehr willkommen!

Das elbkind im Winterlager

 

Am 7. Oktober war es dann schließlich soweit. Unser elbkind wurde gekrant, nach Nordborg transportiert und kam bei der Nordborg Bådebyggeri ins Winterlager. Hier wurden alle Tanks und Leitungen entleert und mit Frostschutzmittel gegen Frostschäden gesichert. Außerdem standen der Wechsel von Öl-, Diesel- und Wasserfilter auf dem Programm, und der Impeller der Kühlwasserpumpe wurde ausgetauscht.

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Obwohl wir schon damit gerechnet hatten, waren wir doch einigermaßen erstaunt darüber, wie abenteuerlich der Propeller aussah – er war komplett übersät mit Seepocken, und vom Metall war kaum noch was zu erkennen. Jetzt war uns auch klar, warum das elbkind unter Motor zum Ende der Saison nicht mehr so richtig in die Puschen kam – die Pocken hatten uns schlicht ausgebremst. Für die neue Saison müssen wir uns auf jeden Fall geeignete Gegenmaßnahmen überlegen, aber jeder Bootseigner hat da ja seine eigenen Ideen. Es gibt so viele unterschiedliche Meinungen zu dieser Problematik (dick mit Pockenfett einschmieren, Anti-Fouling, usw. usf.), dass man sich fragt, was denn nun eigentlich die effektivste Lösung ist. Eine Maßnahme wäre beispielsweise, dass Thue während des Segelsommers mit Schwimmbrille und Sauerstoffflasche (3 x f!) einfach auf Tauchstation geht, um den Propeller zwischendurch manuell von den Dingern zu befreien. Falls er sich für diese Variante entscheidet, werde ich selbstverständlich mit der Kamera dabei sein und alles im Bild festhalten. 😎📷

Falls Ihr ein eigenes Schiff habt und / oder Euch gut auskennt – was tut Ihr gegen den Seepocken-Befall? Wir sind dankbar für Eure Ideen, immer her damit!

Leider hatte unser AIS auch in dieser Saison wieder jede Menge Aussetzer, die wir uns einfach nicht erklären konnten. Deshalb wurde das Gerät mal wieder – wie schon im letzten Winter – ausgebaut und zum Hersteller geschickt. Jetzt sind wir neugierig, ob der Fehler diesmal gefunden wird, denn was nützt die tolle (und teure!) Technik, wenn sie nicht zuverlässig funktioniert?

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Das unzuverlässige AIS. Sch…Technik! 😈

Weil das Vorsegel zum Saisonende noch nicht richtig trocken war, haben wir es mit nachhause geschleppt, auf dem Dachboden ausgebreitet und getrocknet. Auch Kuchenbude und Sprayhood bekamen eine Spezialbehandlung. Meister Proper und Clementine wären aus dem Staunen garantiert nicht herausgekommen, wenn sie Thue beim stundenlangen Schrubben mit Wasser, Seife und Bürste beobachtet hätten! Den Rest hat dann Herbstsonne draußen im Garten übernommen – diese „natürliche Bleiche“ funktioniert erstaunlich gut! ☀️ Thue behauptet zwar, dass Möwen und Schwalben sich am liebsten auf dunklen Untergründen „verewigen“, aber die Wirklichkeit sah leider irgendwie anders aus…🐤💩

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Für den Winter (irgendwie muss er sich ja während der endlosen dunklen Jahreszeit die Zeit vertreiben) hat Thue sich vorgenommen, aus Teakholz eine Erweiterung für die Badeplattform zu bauen. Damit man(n) auch mit Schuhgröße 47 entspannt auf der Badeplattform stehen und die Heckdusche benutzen kann, ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren und ein unfreiwilliges Bad im Hafenbecken zu nehmen. Und weil er dafür noch ein paar Maße brauchte, haben wir das elbkind vor einigen Wochen im Winterlager besucht. Das kann man sich so vorstellen: um die 40 Yachten stehen auf Stativen dicht an dicht in einer riesigen, eiskalten Halle, fristen dort ihr trauriges Dasein und warten auf den Frühling, den Saisonbeginn und dass sie endlich wieder Wasser unterm Kiel haben. Gelegentlich kommt mal jemand vorbei und guckt nach dem rechten, poliert vielleicht das Unterwasserschiff, räumt unter Deck noch ein bisschen auf oder nimmt den Fleecepulli, den er im Herbst an Bord vergessen hat, mit nachhause. Manchmal fährt Thue aber auch einfach nur so hin, aus Sehnsucht. Ich glaube, er hat dann Heimweh nach Freiheit und Ferne. 🇩🇰⛵️❤️

Und wenn man schon bis nach Nordborg gefahren ist, kann man ja auch gleich einen kleinen Abstecher nach Dyvig machen. Da sieht es jetzt so aus. Bonjour Tristesse!

In der Winterzeit treffen wir uns ab und zu mit anderen Nordborg-Seglern zum Klönen, Essen und Trinken. Das hilft ganz gut gegen die Sehnsucht. Noch 3 Monate! 😉