# Traurigster Tag im Jahr…

Ahoi Ihr Lieben,

genießt Ihr die Herbsttage und macht es Euch zuhause so richtig schön gemütlich? Ich mag ja diese Jahreszeit. Im Herbst ist alles ist im Wandel, ich liebe das bunte Laub, die Stoppelfelder, das goldene Licht, die Drachen am Himmel und den Geruch von feuchter Erde.

Herbst heißt für uns aber auch immer Abschied nehmen. Vorgestern war es wieder so weit, der Krantermin stand im Kalender. Der Tag, den meine Instagram-Segelfreundin Elbseglerin absolut treffend mit #traurigstertagimjahr bezeichnet hat. Schon liegt die Segelsaison 2017 wieder hinter uns. Wer hat an der Uhr gedreht?

Krantermin – ein Tag, an dem sich bei uns immer ein Hauch von Melancholie breitmacht, denn der Winter in Nordeuropa ist gefühlt endlos. Was das betrifft, segeln wir wahrscheinlich nicht in den richtigen Gefilden. Weil unser Segelrevier aber so wunderschön ist und wir uns überhaupt nicht vorstellen können, das Schiff nur wegen des schöneren Wetters in den sonnigen Süden zu verlegen, dauert unsere Saison eben nur von Mitte Mai bis Anfang Oktober. So ist es, und so bleibt es auch.

Der Herbst kam zwar auf leisen Sohlen, aber plötzlich war er da. Das ist ja mit Weihnachten immer so ähnlich. Schon, als das Wetter Mitte September noch mal ganz manierlich war und wir ein letztes Mal Kurs auf Årø und Apenrade genommen haben, war ganz deutlich spürbar, dass sich die Segelsaison nun bald dem Ende zuneigt. Der Hafen von Årø, der in der Hauptsaison normalerweise aus allen Nähten platzt, war fast menschenleer – außer uns hatten gerade mal 5 Schiffe festgemacht und unser Lieblingsrestaurant Brummers Gård hatte nur noch an drei Tagen in der Woche geöffnet. Morgens waren die Fenster im Schiff total beschlagen und es hat ewig gedauert, bis die Sonne es endlich geschafft hat, das Cockpit zu trocknen, damit wir draußen frühstücken konnten. Abends wurde es früh dunkel, und trotz Fleecepulli und viel gutem Willen war es einfach zu frisch, um noch mit einem Glas Wein in der Hand draußen zu sitzen und den Hafenblick zu genießen. Es half nichts, seufzend haben wir uns unter Deck verkrümelt, die Dieselheizung angestellt und die Bordlektüre rausgekramt. Was ja grundsätzlich auch gemütlich ist, aber vielleicht eher zuhause auf dem Sofa – der Winter ist ohnehin lang genug. Bei uns gehört zum Segeln einfach auch das Outdoor- und Hafenleben dazu.

Herbstspaziergang mit Tesso
Zum letzten Mal in diesem Jahr – ein Inselspaziergang mit Leihhund Tesso

Auf unserem letzten Segelausflug in diesem Jahr hat Petrus es übrigens noch mal richtig gut mit uns gemeint – der kurze Törn von Årø nach Apenrade unter Vollzeug war rückblickend wohl der schönste der ganzen Saison. Endlich mal stabiler, moderater Wind und über Stunden herrliches Segeln bei blauem Himmel und Sonnenschein! An Tag zwei durften wir noch für ein paar Stunden an der Ankerboje die Sonne im Cockpit genießen, aber dann ging’s zurück nach Dyvig, denn die Segel sollten möglichst trocken abgeschlagen werden. Ich bin übrigens fest davon überzeugt, dass Petrus das mit dem schönen Wetter extra macht. Da steckt Taktik dahinter. Alles geschickt eingefädelt, damit man sich zum Saisonende doch noch mit dem Wetter versöhnt. Aber zu diesem Thema habe ich mich ja letztes Jahr zum Saisonende schon mal ausgelassen.

In Dyvig fand dann ganz spontan ein Get-Together einiger Nordborg-Crews statt. Aus allen Himmelsrichtungen trudelten an diesem Wochenende zahlreiche Schiffe ein, die ausgekrant werden und bei der Nordborg-Werft überwintern sollten. Dietrich mit seiner Nordborg 34 Melusina zum Beispiel. Seit April ist er ganz allein unterwegs gewesen und hat es sage und schreibe bis zu den Lofoten geschafft! Zwischendurch hatte er zwar gelegentlich Gäste an Bord, aber den größten Teil der Strecke hat er als Einhandsegler bewältigt. Hut ab vor dieser seglerischen Leistung!

Wirklich gefreut haben wir uns, die Crews der Molch und der Schabernack in Dyvig wiederzutreffen. Den ganzen Sonntag lang wurde viel geklönt, aber auch auf allen Schiffen hart gearbeitet. Die Sonne lachte vom blauen Himmel und es war windstill – perfekte Bedingungen, um auch noch das letzte Bisschen Feuchtigkeit aus den Segeln zu bekommen, bevor sie eingepackt wurden. Gegen Abend waren dann die Segel abgeschlagen, zusammengelegt und in Säcken verstaut, alle Schiffe waren blitzblank geschrubbt, poliert und aufgeräumt und die Kofferräume unserer Autos bis obenhin vollgepackt. Geschafft!

Segeltrocknen in der Herbstsonne
elbkind und Schabernack beim Trocknen der Segel am Steg

Als Belohnung für so viel Fleißarbeit haben wir spontan einen Tisch im Restaurant Skipperstuen im Dyvig Badehotel bestellt und uns zu sechst bei einem leckeren dänischen Abendessen gebührend von der Segelsaison verabschiedet. Vorher gab es auf der Hotelterrasse sogar noch einen Sundowner unter freiem Himmel mit Blick über die Dyvig Bucht, das war richtig hyggeligt! Leider war ich an diesem Abend zu beschäftigt, um Fotos zu machen… 😉

Ein paar Tage später war er dann da, der traurigste Tag im Jahr. Während ich mich zuhause im warmen Bettchen noch mal umdrehen durfte, machte mein Skipper sich schon gegen fünf Uhr morgens auf den Weg nach Dyvig, um unsere elbkind auf ihrem Weg ins Winterlager zu begleiten. Als ich aufwachte, hatte Thue mir schon das erste Video geschickt.

Total gespannt waren wir auf den Zustand des Propellers, denn im Frühjahr hatte unser Bootsbauer eine kleine Studie gestartet. Er wollte testen, welches Antifouling die besten Ergebnisse gegen Seepockenbefall bringt und hat die Propeller mehrerer Schiffe mit unterschiedlichen Systemen behandelt, um am Saisonende die Ergebnisse zu vergleichen. Leider hatten wir nicht den richtigen Primer benutzt, deshalb war das Ergebnis auch nicht besonders überzeugend bzw. aussagekräftig. Obwohl der Anstrich komplett abgeblättert ist, waren deutlich weniger Seepocken zu verzeichnen als im letzten Jahr. Der nächste Versuch ist im kommenden Jahr geplant, wir werden natürlich berichten.

Segel in der Sonne

Nach dem Kranen ging es im Konvoi nach Nordborg zur Bootswerft, wo der arme Thue bei strömendem Regen das Freibord geschrubbt und das Deck gewaschen hat.

Unterwegs ins Winterlager
Im Konvoi unterwegs zur Werft…

Nun ist die schönste Zeit im Jahr für uns also wieder vorbei. Ein paar Throwback-Berichte vom Sommer 2017 habe ich aber noch für Euch auf Lager. So viel will ich schon mal verraten: wenn Schadenfreude für Euch die schönste Freude ist, kommt Ihr ganz bestimmt auf Eure Kosten… 😜

 

 

Segeln mit Freunden 2️⃣: Hadersleben (dän.: Haderslev)

Am nächsten Morgen haben wir uns für unser Frühstück viel Zeit genommen. Noch immer war Bilderbuch-Wetter, und wir genossen Kaffee und „rundstykker“ im Cockpit – inklusive Hafenkino. Es ist ja immer wieder unterhaltsam, andere Schiffe bei ihren An- und Anlegemanövern zu beobachten. Abgesehen davon, dass wir uns gelegentlich heimlich auf die Schulter klopfen, weil wir – finden wir jedenfalls – so manches Manöver inzwischen schon viel professioneller meistern als andere, ist es auch immer wieder lustig, Studien darüber zu betreiben, wie Crews miteinander kommunizieren. Nicht selten kommt es nämlich vor, dass der Skipper seine Bordfrau anpöbelt, wenn mal eine Situation aus dem Ruder läuft. Besonders gern passiert das, wenn er selbst ein Manöver versemmelt oder vorher keine klaren Anweisungen gegeben hat. Im Zweifelsfall ist auf jeden Fall die Gattin schuld. Da ist der Fremdschäm-Faktor zwar gelegentlich ganz schön hoch, der Unterhaltungswert für’s Hafenpublikum aber auch… 😏

Damit wir uns bei unseren Hafenmanövern nicht anschreien müssen (nicht nur aus Frust, sondern hauptsächlich weil das Elbkind 12 m lang ist und der Anlegewind auch ziemlich auf die Ohren geht, wenn er direkt von vorne kommt), haben wir uns vor einiger Zeit Intercom-Kopfhörer zugelegt – eine sehr sinnvolle Investition! Die Dinger werden ja auch gern von Motorradfahrern benutzt, die unterwegs miteinander kommunizieren und dafür nicht ständig anhalten wollen. Mithilfe dieser netten technischen Errungenschaft können wir problemlos sogar bei Starkwind in Zimmerlautstärke miteinander kommunizieren, wenn ich auf dem Vorderdeck rumturne und z.B. nach freien Hafenplätzen Ausschau halte. Und niemand im Hafen kennt meinen Namen!! 😉

Am späten Vormittag rissen wir uns endlich los, und nach einem kurzen Tank-Stopp gegenüber in Årøsund ging es gemeinsam mit der Acadia, Torben und Lene unter Motor in westliche Richtung in den Haderslev-Fjord. Dieser Meeresarm ist 7 sm lang und führt direkt in den Yachthafen im Zentrum von Haderslev. Die Fahrrinne ist sehr gut betonnt, und wir tuckerten gemütlich durch die idyllische Fjordlandschaft.

Die Acadia ist uns auf den Fersen!
Die Acadia ist uns auf den Fersen!

Auf dem Weg nach Hadersleben findet man immer wieder Ankerbojen und Pfähle, an denen man eine Pause machen oder sogar über Nacht festmachen kann. Leider konnte ich Thue bis heute nicht dazu überreden, mal über Nacht an einer Ankerboje zu liegen. Er fühlt sich im sicheren Hafen wohler. Aber ich werde nicht aufgeben und arbeite hartnäckig daran, ihn irgendwann umzustimmen!

Unterwegs wurden wir – man kann es kaum glauben – von einem Kajakfahrer überholt, was für eine verrückte Szene! Eigentlich müsste die Höchstgeschwindigkeit von 6 kn auf dem Fjord doch für alle Wasserfahrzeuge gelten, oder was meint Ihr? Den Paddler interessierte das aber ganz offensichtlich nicht, er wirkte ausgesprochen ambitioniert und erkundigte sich, als er mit uns auf einer Höhe war, nach unserer Geschwindigkeit. Davon konnte er dann ableiten, was für einen Zacken er draufhatte. Zufrieden grinsend legte er sich anschließend noch mal richtig ins Zeug und hatte uns schnell abgehängt.

Schon nach knapp zwei Stunden Fahrt liefen wir  im Yachthafen von Hadersleben ein. Es gab noch jede Menge freie Gästeplätze, und wir machten direkt vor dem Clubhaus fest. Die Kulisse erinnerte uns ein bisschen an die Atmosphäre im Tuborg Havn in Kopenhagen, denn auf der gegenüberliegenden Seite stehen moderne Mehrfamilienhäuser. Von Seglerromantik ist hier nicht besonders viel zu spüren, aber trotzdem ist der Yachthafen ruhig und gemütlich.

elbkind und Acadia im Yachthafen von Haderslev
elbkind und Acadia im Yachthafen von Haderslev

Zugegeben: der Weg von der Marina in die Innenstadt von Haderslev könnte netter sein. Man kann zwar noch eine Weile am Wasser entlanglaufen, endet aber irgendwann an einer vierspurigen Straße mit relativ viel Autoverkehr. Aber wenn man nach ein paar Minuten die Innenstadt erreicht hat, ist man schnell versöhnt. Hier gibt es schöne alte Fachwerkäuser, Straßen mit Kopfsteinpflaster, einen schönen Platz zum Draußensitzen mit zwei Restaurants (Vorsicht: in einem der beiden namens „Ras2ranten“ mussten wir am zweiten Abend eine geschlagene Stunde auf unser – eher mittelmäßiges – Essen warten!), viele hübsche kleine Geschäfte, den wunderschönen Dom zu Haderslev – die schönste gotische Kirche Dänemarks – und den Haderslev Dam, einen mittelalterlichen Stausee.

Und weil es so viel zu entdecken gibt, die Bordfahrräder sowieso schon ausgepackt waren und wir in letzter Zeit den Spaß am Rumtrödeln entdeckt haben, beschlossen Thue und ich, uns noch ein paar Tage Zeit zu nehmen. Wir wollten die Stadt noch ein bisschen genauer erkunden. Abends grillten wir gemütlich mit Torben und Lene im Hafen, und am nächsten Morgen brachen die beiden in Richtung Middelfart auf. Ihr Segelurlaub hatte ja gerade erst angefangen, und die beiden wollten natürlich gern noch weiter Richtung Norden – ihr Ziel war Samsø.

Ich habe Euch ja schön früher erzählt, dass Thue überall in Dänemark Leute kennt. Deshalb wundert es auch niemanden mehr, dass schon ein Telefonat reichte, damit sein früherer Schulfreund Jørgen ihn an Bord besuchte. Die beiden hatten sich nach all den Jahren, was sag‘ ich, Jahrzehnten!! natürlich jede Menge zu erzählen. Und jeder zweite Satz fing mit den Worten „kan du husk?“ (weißt Du noch?) an. Die ersten zwei Stunden habe ich die beiden in Ruhe klönen lassen, bin in der Zwischenzeit durch die Stadt gebummelt und habe mir den schönen Dom schon mal etwas näher angesehen. Ein Schild kündigte für den nächsten Tag eine kostenlose Führung an. Die wurde natürlich sofort auf unsere To-Do-Liste gesetzt!

Jørgen und Thue an Bord
Jørgen und Thue beim Plausch an Bord

Am nächsten Tag machten wir erst mal eine kleine Fahrradtour durch die Stadt, erst ging es durch kleine Straßen und Gassen vorbei an hübschen Fachwerkhäusern und anschließend rund um den Haderslev Dam. Wir konnten unser Glück kaum fassen: die Sonne schien noch immer!

Mittags dann die Führung durch den Dom von Haderslev, seit 1922 Bischofskirche des Bistums Haderslev. Der Rundgang, den eine ehrenamtliche Mitarbeiterin sehr professionell zweisprachig auf dänisch und deutsch durchführte, war wirklich interessant. Wir erfuhren, dass die Kirche im 13. Jh. errichtet und im 15. Jh. dreischiffig ausgebaut wurde. Während des dreißigjährigen Krieges im Jahr 1627 brannten Teile der Kirche nieder und mussten anschließend umfangreich restauriert werden. Noch heute kann man in der Außenfassade dunkle Backsteine entdecken, die bei der Restaurierung wieder verarbeitet wurden. Die vier wunderschönen Talare in den leuchtenden Farben des Kirchenjahres, die im Keller der Kirche ausgestellt sind, hat Königin Margrethe von Dänemark höchstpersönlich entworfen und an ihrer Entstehung mitgewirkt. Bei einem der Stücke wurde sogar der Stoff des Kleides verarbeitet, das sie bei ihrer Verlobung mit Prinz Henrik trug! Ist das jetzt eigentlich ein gutes oder ein schlechtes Zeichen..? 😳

Nach 3 Tagen in Haderslev guckten wir uns den Wetterbericht an und waren begeistert: Das Sommerwetter hielt weiter an! Natürlich musste es unbedingt irgendwohin gehen, wo es einen Strand gibt. Was bietet sich da an und ist nur einen Katzensprung (18 sm) entfernt? Wir mussten nicht lange überlegen: unser nächstes Ziel hieß Assens! In der Marina liegt man ruhig, es gibt einen kleinen Strand, und beim Italiener „Via Appia“ in der Stadt wird die beste Pizza gebacken, die wir jemals in Dänemark gegessen haben.

Also: Leinen los und auf nach Assens!