All inclusive: Welcome to Vejrø!

Ein paar Tage später ging es weiter nach Vejrø. Fast gleichzeitig mit der „Ragazza“, die sich nach Marstal aufmachte, segelten wir mit Kurs Südost von Kerteminde los. Rosi und Hans mit ihrer „Hein Mück“ waren schon frühmorgens mit Ziel Svendborg aufgebrochen. Immer diese Frühaufsteher…😎

Als wir unter der Storebæltbrücke durchwaren, das Verkehrstrennungsgebiet im großen Belt hinter uns hatten und Kurs auf Agersø nahmen, lief unser Schiff plötzlich 8,2 kn über Grund. Kein Seemannsgarn! Für alle, die jetzt ungläubig den Kopf schütteln, gibt es sogar ein Beweisfoto. Wir waren richtig im Geschwindigkeitsrausch, ein nettes Kontrastprogramm zu dem Dauerregen, der uns wieder mal überraschte. (Man fragt sich ja manchmal, was die Wetterfrösche von DMI und YR.NO eigentlich hauptberuflich machen)

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Vejrø liegt im Smålandsfahrwasser zwischen Sjælland und Lolland, ca 40 sm von Kerteminde entfernt. Die idyllische kleine Insel ist nur 1,6 Quadratkilometer groß, hat laut Wikipedia 4 Einwohner und ist seit 2006 im Besitz eines reichen Dänen. Der hat sich für die segelnden Gäste ein besonderes Konzept überlegt: Für ein Schiff wie das elbkind muss man zwar 350 DKK (umgerechnet rund 47 €) berappen, was ja im ersten Moment klingt, als hätte man sich verhört. Stimmt aber tatsächlich, denn das Motto auf Vejrø lautet „all inclusive“: Duschen, Waschmaschine und Trockner, Mountainbikes in verschiedenen Größen, ein Tennisplatz, eine Petanquebahn, sogar die Grillkohle – alles darf kostenlos benutzt werden. Für ein Schiff mit 4 Leuten Crew kann sich das schnell rechnen.

Als wir in Vejrø einliefen, waren im kleinen Hafen noch reichlich Plätze frei. Insgesamt gibt es 85 Plätze für Gastlieger. Das Hafengeld bezahlt man im Hotel / Restaurant „Skipperly“, das nur einen Katzensprung entfernt von der Marina liegt. Leider haben wir es diesmal nicht geschafft, aber wenn wir mal wieder da sind, werden wir das Restaurant bestimmt ausprobieren. Unter der Überschrift „fra mark til mund“ (vom Feld in den Mund) wird eine ehrliche Landküche mit ökologischen Produkten von der Insel angeboten. Im Skipperly gibt es übrigens auch eine Bar und einen Hofladen mit Bio-Produkten; auch die Brötchen für’s Frühstück können hier vorbestellt werden.

 

Erstaunlich fanden wir, dass so manches deutsche Schiff offenbar nur auf Vejrø anlegt, damit Mutti mal wieder Wäsche waschen kann. Denn das ist ja schließlich im Preis enthalten, und den ganzen Tag wird auch nichts anderes gemacht. Kochwäsche, Buntwäsche, Feinwäsche… Vor Waschmaschine und Trockner standen unzählige Tüten und Taschen mit Wäsche ordentlich aufgereiht, und mit Argusaugen wurde darüber gewacht, dass sich auch niemand vordrängelt. Lustig, und irgendwie auch typisch deutsch. Die dänische Bordfrau runzelt darüber nur kurz die Stirn und fragt sich, warum man sich im Urlaub so intensiv mit Wäsche beschäftigen muss. Und mein Skipper ist ja sowieso der Meinung, dass wir nur regelmäßig den Hafen wechseln müssen, damit niemandem auffällt, dass er sein Poloshirt schon den dritten Tag trägt. 😄

Abends beim Grillen auf der Wiese haben wir Barbara und Lodewijk kennengelernt, ein nettes Ehepaar aus Amsterdam. Die beiden waren  mit ihrer Najad 361 unterwegs nach Westschweden. Am Lagerfeuer kamen wir ins Klönen, und ein paar Tage später haben wir uns dann zufällig in Dragør wiedergetroffen. Eine schöne Begegnung!

Am nächsten Morgen ging es dann schon weiter nach Rødvig, ein Törn von ca. 50 sm. Wir wollten zum ersten Mal den Bøgestrøm durchfahren, was mit unserem Tiefgang von 1,95 m etwas grenzwertig ist. Aber es soll ja Skipper geben, die  gelegentlich einen kleinen Nervenkitzel brauchen. 😉 Fortsetzung folgt!

Blog-Tipp: Hafenkneipen und Restaurants für Segler in Dänemark

Für alle, die Ihren Sommertörn in Dänemark planen oder schon unterwegs sind, kommen unten ein paar schöne Tipps fürs leibliche Wohl von Cornelia.

Wir wünschen Euch einen tollen Segelsommer, schöne kulinarische Momente und natürlich immer den richtigen Wind!

Eure elbkinder ⛵️

Hafenkneipen- und Restaurant-Tipps für Segler in Dänemark

Wundertüte Kerteminde

Und dann kam Kerteminde, und damit ein absolutes Kontrastprogramm zu Nyborg.

Um unser Ziel zu erreichen, mussten wir die Brücke über den großen Belt passieren. Eigentlich kein Problem, aber weil unser Mast inkl. Antenne über 19 Meter hoch ist, konnten wir nur eine der hohen östlichen Brückensektionen durchfahren. Das bedeutete einen Umweg von ca. 8 sm, bei dem Schietwetter nicht gerade ein Vergnügen.

Der Wind kam mit 8 bis 12 m/s aus Nordwest, in Böen blies es bis auf bis 16 m/s auf. Mit der Fock segelten wir bis zur Brückendurchfahrt, dann hatten wir den Wind direkt von vorn. Also wie so oft: Segel runter, Motor starten.

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Wind von vorn und jede Menge Salzwasser auf dem Deck…

Nach ca. vier Stunden liefen wir in Kerteminde ein und machten mit dem Bug nach West längsseits an einem der Gästeplätze im Kanal fest. Windschutz im Cockpit ist ja immer die halbe Miete 😊. Vor uns an der Mole lag der schöne Traditionssegler „Grønne Erna“ aus Svendborg. Es wehte noch immer eine steife Brise, und der Skipper (er ist ja eher der Vollkasko-Typ 😉) sicherte unser Schiff mit sämtlichen Fendern, die an Bord aufzutreiben waren.

Die Marina Kerteminde kannten wir bisher noch nicht. Thue hatte hier vor vielen Jahren nur mal einen kurzen Stopp gemacht, um ein Folkeboot zu kaufen und abzuholen. Wir waren angenehm überrascht, denn es herrschte eine sehr schöne, freundliche Atmosphäre im Hafen. Gleich zwei Restaurants liegen direkt im Bereich der Marina (unser Favorit: der Kerteminde Sejlklub). Zum gut sortierten SuperBrugsen braucht man zu Fuß höchstens fünf Minuten, perfekt zum Proviantieren.

In der Ferienzeit gibt es am Mittwochnachmittag kostenlose Livemusik vor dem Hafenbüro, und wenn man drei Nächte bleibt, muss man nur für zwei bezahlen (Achtung, liebe Segler: falls Ihr dieses Angebot nutzen wollt, bezahlt bitte das Hafengeld nicht am Automaten, sondern beim Hafenmeister). Ganz in der Nähe des Hafens liegt das Erlebnis- und Forschungszentrum Fjord & Bælt, an Regentagen eine schöne Abwechslung für kleine und große Segler.

Wer sich für Kunst interessiert, sollte auf keinen Fall das Johannes Larsen Museum auf dem Møllebakken verpassen. Die Villa des Künstlerehepaares Alhed und Johannes Larsen wurde Anfang des 19. Jh. gebaut und steht allen Besuchern offen, außerdem kann man sich das Atelier, einen üppigen Wintergarten und interessante Kunstausstellungen ansehen. Im sehr schön angelegten Garten gibt es seltene Bäume, das „Weinhaus“ und ein gemütliches Café. Direkt gegenüber des Museums liegt auf einem Hügel die alte Mühle „Svanemøllen“, das Wahrzeichen von Kerteminde.

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Svanemøllen – von hier aus hat man einen wunderbaren Blick über den Nordstrand und den großen Belt.

Als Liebhaberin aller Kirchen (und Friedhöfen) kam ich an der Sct. Laurentius-Kirche am Marktplatz von Kerteminde natürlich nicht vorbei, ohne kurz mal reinzuschauen. Besonders die alten Schiffsmodelle,  die in dänischen Kirchen oft von der Decke hängen, haben es mir angetan. In alten Zeiten bedankten sich Seeleute, die dem „nassen Tod“ entgangen waren, so für ihre Rettung. Sie stifteten Schiffsmodelle, die auch heute noch als Zeugnis der Demut in den Kirchen zu bewundern sind. Dieser Brauch hat vor allem in Norddeutschland und Dänemark Tradition.

Am zweiten Tag lief gegen Abend eine alte Freundin, der See-Ewer „Amazone“ aus Kappeln ein. Am Ruder: Skipper Sönke, den wir vor einigen Jahren (als wir noch von einem eigenen Schiff träumten) während eines Segeltörns auf der „Amazone“ kennengelernt haben. Sofort erkannte Sönke das elbkind und uns, und schon von Weitem winkten wir uns zu. Später am Abend saßen wir gemütlich bei einem Bier im Sejlklub zusammen und klönten. Die Seglerwelt ist manchmal klein und man trifft sich immer mal wieder, aber das macht das Ganze auch irgendwie schön.

Am nächsten Tag bekamen wir Nordborg-Unterstützung: Inge und Geoff liefen mit ihrer NB 32 „Ragazza“ von Bogense aus ein, und einen Tag später komplettierten Hans und Rosi mit ihrer NB 37 „Hein Mück“ die Nordborgrunde, sie kamen von Tunø. Dreimal dürft Ihr raten, wo wir uns abends auf einen Drink getroffen haben – genau, zur Abwechslung mal im Kerteminde Sejlklub! 😄 Anschließend stand noch ein kleiner Spaziergang ins Städtchen auf dem Programm, denn anlässlich des „Kirsebærfestivals“, das jedes Jahr am dritten Juli-Wochenende stattfindet, hatte Kerteminde sich etwas Besonderes ausgedacht. In der Abenddämmerung am Renæssancehafen trug die Sängerin Trine Lunau im Licht hunderter Fackeln dänische Volkslieder vor. Ein schöner, berührender Abschluss für unseren Aufenthalt in Kerteminde.

Ganz nebenbei fand in Kerteminde auch noch ein Treffen des NMMK, des „Nordisk Morris Minor Klub“ statt. Tagelang begegneten wir den schönen alten Autos an allen Ecken, und als Finale gab es eine Präsentation aller Wagen am Hafen. Diese Bilder möchte ich Euch auf keinen Fall vorenthalten:

Schön war’s in Kerteminde. Wir kommen bestimmt wieder!

Nyborg – wer nicht hin muss, segelt vorbei.

Hier kommt nun endlich mein Nyborg-Bericht. Man kommt ja zu gar nichts, wenn man segelt, und gut funktionierendes WLAN gibt es auch nur in wenigen Häfen. Aber bevor ich völlig ins Hintertreffen gerate…

Mit Ærøskøbing im Heckwasser ging es morgens in Richtung Svendborgsund. Anfangs stand noch eine ordentliche Welle, aber wir konnten unseren Halbwindkurs gut halten. Während der Fahrt durch den Sund lief  der Motor, weil das Fahrwasser nicht viel Platz zum Manövrieren lässt und man (gefühlt) ständig von Fähren umgeben ist, mit denen mich sowas wie Hassliebe verbindet. Wenn ich selbst Passagier bin, finde ich sie super, aber wenn wir segeln, kann ich sie nicht leiden. Sie sind so riesig groß, immer schneller als man denkt und es interessiert auch niemanden auf der Brücke, ob der kleine Segler da unten im Fahrwasser gerade Schweißperlen auf der Stirn hat, weil er nicht schnell genug aus dem Weg kommen kann.

Als wir den Sund hinter uns gelassen hatten, wurde das Vorsegel wieder gesetzt. Bei frischem Westwind mit bis zu 15 s/m und herrlichem Sonnenschein ging es anschließend die Ostküste von Fünen entlang. Stressfreies Segeln. Nach 6 1/2 Stunden und 45 Meilen hatten wir Nyborg endlich erreicht. Bevor 1998 die Storebælt-Brücke  eröffnet wurde, hatte die Stadt Nyborg mit ihrem Fährhafen eine große Bedeutung. Damals gab es die Fährverbindung Nyborg-Korsør, lebenswichtig für den Autoverkehr zwischen Fünen und Seeland.

Für uns gab es nun zwei Möglichkeiten: Entweder auf der nordöstlichen Seite im alten Fährhafen im Windschatten von modernen, mehrstöckigen Häusern anlegen, oder bis zum Ende des Hafenbeckens durchfahren. Dort gibt es einen Steg, an dem längsseits angelegt werden kann. Eine vielbefahrene Straße ist allerdings ganz in der Nähe (ruhige Nächte gehen irgendwie anders). Kurz zusammengefasst: wir sind zwar kurz mal reingefahren und haben die Lage gepeilt, aber der Fährhafen konnte uns nicht so recht überzeugen.

Die Marina auf der westlichen Seite gefiel uns besser, und es war kein Problem, eine Box zu finden. Die Crew einer deutschen Yacht nahm unsere Vorleinen an, und ruckzuck waren wir am Steg fest. Der Yachthafen bietet ca. 500 Plätze und hat eigentlich alles, was das Seglerherz begehrt. Die Duschen und WCs sind zwar schon etwas in die Jahre gekommen, aber es gibt Grillplätze, Waschmaschinen und Trockner und sogar einen Marine-Shop. Supermärkte wie Kvickly und Netto sind in ein paar Minuten zu Fuß zu erreichen.

Nachdem wir klar Schiff gemacht hatten, wurde an Bord der Ruf nach Pizza laut. Nach so einem langen Törn bleibt die Kombüse natürlich kalt.  Auf der Suche nach einem italienischen Restaurant gondelten wir kurze Zeit später durch Nyborgs Straßen, aber schnell kamen wir zu der Erkenntnis, dass die Suche sich schwierig gestaltet. Die Brasserie an der Mole hatte nur ein mehrgängiges Menü auf der Karte. Im ehemaligen Fährhafen gibt es ein Schnellrestaurant (Burger, Softeis und Hotdogs), aber so verzweifelt waren wir dann auch wieder nicht. Nach einer kleinen Ewigkeit stießen wir auf ein Restaurant namens „Caramba“ in der Nähe des Nyborg Slot. Inzwischen war der Hunger so groß, dass uns alles egal war. Und weil im Restaurant Temperaturen wie in einer finnischen Sauna herrschten, setzten wir uns trotz des grauen Himmels einfach nach draußen. Wir mussten zwar lange darauf warten, aber das Essen war warm und machte satt. Kulinarisch war allerdings noch reichlich Luft nach oben.

Am nächsten Tag stand ein Besuch des Nyborg Schloss auf unserer To-Do-Liste. Mehrere Flügel des Schlosses wurden im Laufe der Jahrhunderte leider abgerissen; heute stehen nur noch der Westflügel und der Turm auf der Ostseite. Mit 80 DKK lag der Eintrittspreis einigermaßen hoch, aber wenn man schon mal in Nyborg ist, will man ja auch kein Kulturbanause sein und alles mitnehmen.

Weil die skandinavischen Wetterseiten DMI und YR.NO für den späten Abend Gewitter angekündigt hatten, haben wir das Schiff verlassen und  – wie schon letztes Jahr von Fåborg aus – einen netten Trip nach Odense gemacht. Mit dem Zug ging das flott, wir waren in zwanzig Minuten da, und das Kino liegt direkt am Bahnhof. Der Film „Virgin Mountain“ war zwar speziell, aber absolut sehenswert. Bevor der Zug zurück nach Nyborg abfuhr, konnten wir in einer Bar noch die letzten Minuten der Verlängerung des EM-Finales mitverfolgen und uns mit Portugal über den Titelgewinn freuen.

Am Abend dann des Skippers unvermeidlicher Blick auf die Wettervorhersage für den nächsten Tag. Ups, das sah nicht besonders gut aus, viel Wind und Regen wurden angekündigt. Aber das war uns egal – aus unerklärlichen Gründen fühlten wir uns beide nicht so richtig wohl in Nyborg, und wir wollten gern weiter. Am nächsten Morgen nahmen wir Kurs auf Kerteminde.

 

 

Für Segler und Romantiker: Ærøskøbing!

Ich weiß gar nicht, was ich schöner finde: – die uralten, windschiefen Stadthäuser von Ærøskøbing oder die kunterbunten Badehäuschen am Vesterstrand. Aber zum Glück muss ich mich ja gar nicht entscheiden.

Eigentlich wollten wir von Svendborg aus weiter in östliche Richtung segeln, aber weil die Langzeit-Windprognose wieder mal nicht passte, haben wir uns spontan für das etwas nähere Ziel Ærø entschieden. Die Inselhauptstadt Marstal haben wir ja im letzten Sommer besucht, und nun war Ærøskøbing an der Reihe. Zuletzt waren wir vor vier Jahren hier, oder sogar schon vor fünf? Wir waren uns nicht sicher – das hat man davon, wenn man nicht regelmäßig Logbuch schreibt! Unser kurzer Törn von Svendborg nach Ærøskøbing bei spitzem Wind und Hacksee war nicht gerade das, was man sich unter entspanntem Segeln vorstellt, aber als kleine Entschädigung für den verpassten Segelspaß konnten wir uns mittags den Liegeplatz in der Marina noch aussuchen – und das, obwohl ganz Dänemark zurzeit Sommerferien hat und viele Freizeitskipper auf dem Wasser sind. Mit dem Bug gegen den Wind machten wir fest, so dass wir windgeschützt im Cockpit sitzen konnten.

Kleine Überraschung: Die Automaten zum Bezahlen der Hafengebühr sind auf Ærø mittlerweile wieder abgeschafft worden. Wie in alten Zeiten gibt es einen Hafenmeister, was ja irgendwie auch viel gemütlicher ist, weil man auch ein bisschen schnacken kann und den einen oder anderen netten Insidertipp bekommt. Morgens und spätnachmittags läuft nun eine Hafenassistentin – ein hübsches, junges Mädchen – die Stege ab und kassiert die Hafengebühren direkt am Schiff. Thue war restlos begeistert, als er die attraktive Blondine entdeckt hatte und meinte, dass sich bei diesem netten Anblick eigentlich jeder Skipper darum reißen müsste, das Liegegeld bezahlen zu dürfen. Männer… 😉

Das idyllische Städtchen Ærøskøbing hat eine über 750 Jahre alte Geschichte und steht unter Denkmalschutz. Hier gibt’s Balsam für die Augen: farbenfrohe Häuschen, schmale Gassen mit Kopfsteinpflaster, Stockrosen an den Hauswänden. Es wird viel dafür getan, das ursprüngliche Stadtbild mit seinen Fachwerk- und Ziegelhäusern zu erhalten. Beim Bummel durch die hübschen kleinen Gassen ist uns aufgefallen, dass deutsche Paare hier offenbar gerne „Ja“ sagen. Uns sind gleich zwei frisch gebackene Brautpaare begegnet, außerdem diverse Autos mit Hamburger Kennzeichen und entsprechender Werbung. Das Geschäft mir der Liebe scheint zu florieren, und ich – als hoffnungslose Romantikerin – finde, die märchenhafte Insel ist genau der richtige Ort zum Heiraten.

Genug vom Heiraten, zurück zum dänischen Sommer: Am ersten Abend freuten wir uns noch über Grillwetter und angenehme Temperaturen, aber am nächsten Tag schlug dann eins der vielen Tiefdruckgebiete dieses Sommers gnadenlos zu. Am späten Nachmittag goss es wie aus Eimern. Glücklicherweise mussten wir nicht unter Deck sitzen, denn wir hatten schon am Vortag einen Tisch bei Mumm’s Restaurant bestellt, das man von der Marina aus schnell zu Fuß erreicht.

Nach einem einem kurzen Fußmarsch durch den strömenden Regen kamen wir  – trotz Regenjacke und Schirm – tropfnass im Lokal an. Der romantische Gastgarten des Mumm’s konnte bei dem Schietwetter natürlich nicht genutzt werden, und der Laden platzte aus allen Nähten. Zum Glück hatten wir reserviert! Das 2-Gänge-Menü war lecker und der Service sehr aufmerksam und freundlich, obwohl Hochbetrieb herrschte. Wir finden, Mumm’s Restaurant ist ein prima Tipp für alle Segler, bei denen die Kombüse auch mal kalt bleiben darf. (Wenn Ihr gern selbst kocht, schaut mal in Cornelia’s Blog „Die See kocht“, hier gibt es tolle Tipps und Rezepte fürs Kochen an Bord).

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Der schöne Gastgarten von Mumm’s Restaurant – diesmal leider keine Option für uns!

Am nächsten Morgen hieß es dann wieder „Leinen los“, und das elbkind startete bei frischem Westwind in Richtung Nyborg. Der Wind wehte zwischen 8 und 14 m/s, wie immer fast 50% mehr als bei DMI oder YR.NO angekündigt. Das kennen wir ja schon. Aber wenigstens schien die Sonne, und wir kamen gut voran.

Nyborg ist übrigens dafür bekannt, dass es dort nicht nur ein Schloss, sondern auch eines der größten Staatsgefängnisse Dänemarks gibt 😬. Wir waren gespannt, was uns erwartet. Fortsetzung folgt!

Ein Tauchgang am Morgen…

… vertreibt Kummer und Sorgen! Das war bei uns vor ein paar Tagen buchstäblich so. Aber der Reihe nach:

Nach langer Zeit wollten wir Anfang der Woche endlich wieder mit einem längeren Segeltörn starten und waren schon früh auf den Beinen. Also nur schnell beim Havnebrugsen die Brötchen abholen und Kaffee kochen, frühstücken wollten wir unterwegs.

Aber dann kam alles ganz anders. Kaum hatten wir abgelegt, zog Thue schon die Augenbrauen hoch. Unser Schiff machte mit nur 5,5 kn viel zu wenig Fahrt, der Drehzahlmesser zeigte maximal 2.200 Umdrehungen an, mehr Leistung war nicht rauszuholen. Auch wenn’s schwer fiel: wir mussten umdrehen und zurück in den Hafen.

Erstaunte Gesichter bei den Stegnachbarn. Kaum lagen wir wieder in unserer Box, fackelte Thue nicht lange. Rein in den Taucheranzug und erst mal die Lage unter Wasser peilen, er hatte nämlich schon eine Vermutung…

Gluck, gluck - der Taucher!
Gluck, gluck – der Taucher!

Und richtig! Auf dem Faltpropeller saß eine dicke Schicht Seepocken. Weil wir aus familiären Gründen längere Zeit nicht segeln konnten und unser elbkind meistens im Hafen lag, konnten sich die ungebetenen Gäste offenbar in aller Ruhe auf dem Propeller festsetzen. Mehr Infos über diese – eigentlich sehr interessanten! – Krebstiere findet Ihr unter https://de.wikipedia.org/wiki/Seepocken.

Und so sehen sie aus:

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Seepocken

Mein Skipper ist ja bekanntlich für alle Eventualitäten gerüstet. Zum ersten Mal kam nun das Bordtauchset zum Einsatz, das er vor zwei Jahren auf der „Boot“ in Düsseldorf gekauft hat. Mit einem Inhalt von 2 Litern ist so ein Teil leicht genug, dass man nicht gleich wie ein Stein auf den Meeresboden sinkt, wenn man die Flasche auf dem Rücken trägt, und der Inhalt reicht für einen Tauchgang von ca. 10 Minuten aus.

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Als Werkzeug zum Entfernen der Seepocken wurde kurzerhand ein Topfuntersetzer aus Holz zweckentfremdet. Thue verschwand noch einmal im Hafenbecken und tauchte schon nach einigen Minuten wieder auf: Mission erfüllt, die blinden Passagiere waren entfernt!

Leider hatten wir keine geeigneten Handschuhe an Bord, und Thues Fingerkuppen haben etwas gelitten, als er den Propeller auf- und zugeklappt hat. Die Biester sind, wie man sieht, messerscharf!

Mit etwas Verspätung konnten wir dann doch endlich starten, und das Segelwetter ließ keine Wünsche offen. Bei Sonnenschein und frischem Wind direkt von hinten (Bikinikurs!) rauschten wir unserem Ziel entgegen. Der Spibaum wurde eingehakt und Schmetterlingsegeln war angesagt. Später mussten wir wegen einiger Winddreher und notwendiger Kursänderungen 11 x halsen und liefen nach 7 Stunden in Svendborg ein.

Momentan erleben wir hier eine Art déjà-vu, denn auch im letzten Jahr haben wir den ersten Tag in Svendborg in strömendem Regen verbracht und waren am zweiten eingeweht. So ist es auch dieses Mal, aber Svendborg ist ja ein schöner Ort zum Abwettern. Der Hafen ist pickepackevoll, denn auch andere Segler haben sich vor dem Starkwind in Sicherheit gebracht. Wir liegen im Päckchen.

Päckchen

Die Druckluftflasche ist übrigens schon wieder aufgefüllt. Wir haben uns gestern gleich im Hafenbüro erkundigt, wer sowas macht, und dann ging alles ganz schnell: ein nettes Mädel vom Hafenbüro kontaktierte eine Tauchschule und Thue wurde von dort zurückgerufen. Schon kurze Zeit später kam ein Taucher vorbei, holte die Flasche ab, füllte sie wieder auf, kam nach 10 Minuten zurück und meinte, dieser Service würde 4 DKK (umgerechnet um die 0,50 €!) kosten. Thue musste dem netten Kerl ein Scheinchen für Benzin und als kleines Dankeschön förmlich aufdrängen. Wir waren völlig geplättet – was für ein toller Service!

Nun hoffen wir, dass wir uns morgen auf den Weg nach Nyborg machen können. Das nächste Tiefdruckgebiet naht nämlich schon wieder. Sommer in Dänemark…😉

Kam ein Liebster angesegelt…

Attachment-1Hurra, Ulrike von wattundmeer hat unseren elbkind-Blog für den Liebster Award nominiert! Liebe Ulrike, vielen Dank dafür, ich fühle mich wirklich geehrt.

Der Liebster Award ist eine Blog-Serie, bei der sich Blogger Fragen stellen und sich über diesen Weg miteinander vernetzen. So haben Leser die Möglichkeit, andere Blogs kennenzulernen. Eine Nominierung stellt also eine Empfehlung dar, sich diesen Blog einmal näher anzuschauen.

Für mich ist es das erste Mal, dass ich mitmache. Als ich im Frühjahr 2015 mit dem Bloggen – in erster Linie für die Familie und unsere Freunde – anfing, habe ich mir gar nicht träumen lassen, dass ich mal für einen Award nominiert werde.

Für Award-Neulinge kommen hier noch mal kurz die Regeln:

  • Danke der Person, die dich für den Liebster Award nominiert hat und verlinke den Blog in deinem Artikel.
  • Beantworte die 11 Fragen, die dir der Blogger, der dich nominiert hat, stellt.
  • Nominiere bis zu 11 weitere Blogger für den Liebster Award.
  • Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für deine nominierten Blogger zusammen.
  • Schreibe diese Regeln in deinen Liebster Award Blog-Artikel.
  • Verlinke deine nominierten Blogs über den Blog-Artikel.
  • Informiere deine nominierten Blogger über den Blog-Artikel.

Hier kommen meine Antworten auf Ulrikes Fragen:

Wie sieht für dich ein perfekter Urlaubstag aus?

Ausschlafen gehört auf jeden Fall dazu, ein ausgiebiges, gemütliches Frühstück in schöner Umgebung und natürlich möglichst Sonnenschein. Zeitdruck und feste Termine mag ich gar nicht, ich lasse mich lieber treiben, um den Blick für die kleinen Dinge nicht zu verlieren.
Reist Du lieber pauschal oder individual?

Nachdem ich viele Jahre meines Lebens pauschal verreist bin, habe ich die Vorteile von Individualreisen mittlerweile schätzen gelernt.
Was war Dein bisher schönstes Urlaubsziel?

Das ist eine schwierige Frage, aber wenn mich unbedingt entscheiden soll, würde ich sagen: Südafrika!
Und wo würdest Du nie wieder hinreisen wollen?

Nach Albufeira an der portugiesischen Algarve. Als Kind habe ich dort schöne Ferien mit der Familie verbracht. Als ich als junge Frau zurück gekommen bin, hatte sich das einst hübsche Städtchen völlig verändert. Das ursprüngliche Flair und die schöne Atmosphäre hatten gegen den Tourismus verloren.
Was fällt dir als Erstes ein, wenn du das Wort “Nordsee” hörst?

Dass das Wasser immer gerade weg war, wenn ich kam!

Meer oder Berge?

Für mich die falsche Frage. Meer natürlich!

Was macht für Dich die Faszination des Meeres aus?

Seine wunderschönen unterschiedlichen Farben. Und seine Unberechenbarkeit. Wer als Segler keinen Respekt vor dem Meer hat, sollte sich lieber ein neues Hobby suchen.
Du wirst gefragt, für einen Gast einen Urlaubstag in Deiner Region/Stadt zu gestalten. Wie würde so ein Tag aussehen?

Da wir auf der Stadtgrenze zu Hamburg wohnen, würde auf jeden Fall eine Hafenrundfahrt dazugehören. Ein Fischbrötchen an den Landungsbrücken. Der Michel. Die Speicherstadt. Und zum Abschluss des Tages ein Abendessen im Restaurant „Engel“ auf dem Fähranleger Teufelsbrück.

Was steht auf Deiner „da möchte ich unbedingt noch mal Urlaub machen“-Liste auf Platz 1 bis 3?

  • auf eigenem Kiel in die norwegischen Fjorde
  • Italien. Ich war tatsächlich nur mal einen einzigen Tag in Venedig. Das muss sich dringend ändern!
  • Australien, besonders reizt mich Sidney

Was hältst Du von All-Inklusive Hotels?

Sie sind ganz sicher eine bequeme Lösung für Leute, die einfach nur entspannen und sich um nichts kümmern möchten. Schwierig an All-Inclusive-Hotels finde ich, dass die Gastronomie im Umland darunter leidet und viele Urlauber aus ihrer Hotelanlage gar nicht mehr rauskommen. Land und Leute kennenlernen? Fehlanzeige! Da verpasst man so einiges.
Reisen abseits der Touristenströme – hast Du einen Geheimtipp für uns?

Segeln! Natürlich nur außerhalb der Sommerferien…

Meine 11 Fragen:

  1. Was hat Dein Blog mit Dir zu tun?
  2. Wen möchtest Du mit Deinen Beiträgen erreichen?
  3. Wie motivierst Du Dich, wenn Du mal zu faul zum Bloggen bist?
  4. Was sind für Dich die drei wichtigsten Dinge im Leben?
  5. Deine Lieblinge: Lieblingsfilm, Lieblingsmusik, Lieblingsmensch?
  6. Worüber kannst Du lachen?
  7. Was bringt Dich zum Weinen?
  8. Wem bist Du dankbar, und wofür?
  9. In welchem Land der Welt – außer Deutschland – würdest Du gern leben?
  10. Was würdest Du gern können?
  11. Würdest Du einen anderen Beruf ergreifen, wenn Du noch einmal die Wahl hättest? Wenn ja, welchen und warum?

Meine Nominierungen

Mir ist bewusst, dass es Leute gibt, die bei Awards generell nicht teilnehmen oder sogar schon mehrfach nominiert wurden bzw. mitgemacht haben.

So wie Ulrike finde ich: wer nicht neu nominieren möchte, kann auch einfach nur die Fragen beantworten. Die folgenden Menschen und Blogs möchte ich für den Liebster Award nominieren, denn ich finde, dass ihre Blogs wirklich lesens- bzw. hörenswert sind :

DSK – die See kocht  

Fernwehlog  

Der Weg ist das Ziel

Drunken Angel

S.Y. Brynjas Blog – Schlendern unter Segeln

Vanweh

Zeebarsland – Fishing@sea

FundStücke KunstStückeIch würde mich freuen, wenn Ihr mitmacht. Viel Spaß, habt einen schönen Sommer!

Here comes trouble: AIS-Gerät (oder Thue am Rande des Wahnsinns)

Die meisten Segler, die wir kennen, halten nicht viel von ‚überflüssiger‘ Technik und Elektronik an Bord, so Sachen wie Autopiloten oder AIS-Geräte. „Wozu?“ tönt es von allen Seiten. „Braucht man doch gar nicht, je mehr technische Geräte man an Bord hat, desto mehr Probleme hat man, weil ständig irgendwas nicht funktioniert.“

Das stimmt. Im Prinzip haben die Leute recht, denn schließlich funktioniert die Segelei ja auch mit Kompass und Papierkarten. Ist man aber (so wie mein Skipper) ein verrückter Technik-Freak, dann will und kann man auf die neuesten elektronischen Errungenschaften, die für den maritimen Bereich angeboten werden, einfach nicht verzichten. Mit irgendetwas muss man sich auf den langen Törns ja schließlich auch die Zeit vertreiben, sobald die Segel richtig eingestellt sind. Dann wird mit der Elektronik rumgefummelt, und das fast pausenlos… 😁

Die Zeit, in der unser AIS-Gerät nicht funktioniert hat, war für Thue eine harte Bewährungsprobe. Erstens, weil er ohne die Technik leben musste, und zweitens, weil er beim besten Willen nicht herausfinden konnte, wo der Fehler lag! Er wollte einfach nicht glauben, dass das nagelneue Gerät, das wir erst kürzlich von Weatherdock im Tausch bekommen haben, eventuell defekt sein könnte. Ganz gegen seine Gewohnheit (Männer fragen ja normalerweise noch nicht mal andere Leute nach dem Weg) hat er sich in Dyvig sogar den fachmännischen Beistand eines Elektromeisters geholt. Vergeblich. Das blöde Ding war einfach nicht zum Laufen zu kriegen. Was also tun?

Das Gerät hatten wir ursprünglich bei der Firma Mörer gekauft. Jan, den technischen Leiter, kennen wir aus Dyvig, er liegt mit seinem Boot uns gegenüber am Steg. Als Thues Verzweiflung irgendwann groß genug war, hat er Jan angerufen und ihm die Problematik geschildert. Dem kamen die Werte der Diagnose-Software sofort ziemlich merkwürdig vor. Und weil am nächsten Tag das Wetter sowieso nicht das beste war, setzte Thue sich kurzerhand ins Auto Richtung Buchholz für eine genauere Diagnose bei der Firma Mörer. Und tatsächlich bestätigte sich der Verdacht. Der UKW-Splitter war defekt! Nicht zu fassen. Also das Ganze noch mal von vorne: das Gerät wurde zur Reparatur zum Hersteller nach Nürnberg geschickt und eine größere, qualitativ bessere Diode wurde in den Splitter eingebaut. Am letzten Samstag brachte Jan es wieder mit zurück nach Dyvig. Wir waren natürlich gespannt wie die Flitzebogen, als Thue das Gerät wieder einbaute, und…tadaaa! Es funktioniert, das elbkind sendet wieder!

Nun hoffen wir, dass die Technik auch in Zukunft zuverlässig mitspielt. Man weiß ja nie… 🙃 Unsere Privatsphäre ist natürlich ab sofort wieder etwas eingeschränkt, weil man das elbkind z.B. auf Marine Traffic oder Fleetmoon stalken kann. Aber das ist uns nicht so wichtig, Sicherheit geht vor, und Thue ist auf den Segeltörns endlich wieder gut beschäftigt. 👍🏼😄

An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Jan und die Firma Mörer für die Unterstützung und den kompetenten Service! Jan, das war wirklich nicht zu toppen. Du hast meinen Skipper richtig glücklich gemacht!

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Das elbkind zeigt Flagge – auf königliche Art! 

Er würde es natürlich niemals zugeben, aber ich bin mir sicher, dass für Thue gerade ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen ist. 😉

Wir segeln nämlich neuerdings mit dem Clubstander des KDY, dem „Kongelig Dansk Yachtclub“. Mehr geht nicht für meinen Skipper, der als schon junger Mann mit Gewehr und Bärenfellmütze vor Schloss Amalienborg gestanden und Königin Margrete und ihre Familie bewacht hat! 💂🏻🇩🇰


Leider  wird man im Segelverein von Dyvig nämlich nur als Mitglied aufgenommen, wenn man auch in der Gemeinde wohnt. Was auf uns ja bekanntlich nicht zutrifft. Nach 5 Jahren haben wir die Hoffnung aufgegeben, dass diese Regelung irgendwann abgeschafft wird. Und haben nach Alternativen gesucht.

Im KDY wird man nur als Mitglied aufgenommen, wenn zwei andere Clubmitglieder bereit sind, als Bürgen aufzutreten. Man muss also zwei Dumme finden. 😉 Und solche Leute kennt man natürlich, wenn man früher mal in der Garde war. Glück gehabt! 😄👍

Ab sofort sind wir also richtig vornehm unterwegs. 😉 Die „Jungfernfahrt“ unter neuer KDY-Flagge hat übrigens gestern stattgefunden: bei schönem Segelwind und -wetter ging’s gemeinsam mit Anne-Cathrine einmal rund um Barsø. Schön war’s!

Unterwegs mit Co-Skipperin Anne-Cathrine

Statt Demo am 1. Mai…

…lieber Frühstück im Cockpit! Warm eingepackt, bei 5 (in Worten: fünf) Grad, blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein. So ging der Tag gestern gleich richtig los. Darauf haben wir uns den ganzen Winter lang gefreut. ☀️

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Um die Mittagszeit sind wir bei leichter Brise zu einem dreistündigen Minitörn ausgelaufen und haben gleich mal gecheckt, ob an Bord auch alles vernünftig funktioniert. (hat da etwa gerade jemand AIS gesagt? 😈) Bei der Ausfahrt aus dem Dyvig Fjord ist uns sogar der erste Schweinswal der Saison begegnet.😊 Was für eine himmlische Ruhe, nur das leise Plätschern des Wassers am Bug war zu hören. Zwischenzeitlich war es so still an Bord, dass wir sogar den Kuckuck an Land rufen hören konnten. Kennt Ihr eigentlich den Aberglauben, der besagt, dass man, wenn man im Frühling den Kuckuck das erste Mal rufen hört, Geld in der Tasche haben sollte? Es heißt, dann müsse man sich das ganze Jahr über keine Geldsorgen machen. Ich hatte leider gerade keins dabei. Aber zum Glück bin ich auch nicht besonders abergläubisch. 😉

Ein Tag wie aus dem Bilderbuch, und abends wartete noch ein weiteres Highlight auf uns. Zwei Schiffe aus Brunsbüttel, die „Godewind“ und die „My Way“ hatten in unserer direkten Nachbarschaft auf den Gästeplätzen der Brücke 4 festgemacht. Die netten Crews – ausschließlich Herren – haben wir dann beim Abendessen auf dem Grillplatz kennengelernt, sie waren ausgesprochen gut gelaunt und unterwegs auf einem zehntägigen Vatertagstörn durch das dänische Inselmeer.

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Bei Carlsberg und Dithmarscher „Beugelbuddelbeer“ kamen wir ins Klönen, und der nette Abend wurde musikalisch an Bord der „My Way“ fortgesetzt. Wer Lust hat, kann hier mal reinhören, Dass Gerd und Dirk früher mal Mitglieder eines Shanty-Chors waren, lässt sich wirklich nicht verleugnen. Man beachte besonders das virtuose Löffelspiel!

Der Abend mit den Jungs aus Brunsbüttel hat uns viel Spaß gemacht, und wenn der Wind sie auch im kommenden Jahr wieder nach Dyvig weht, darf ich vielleicht auch wieder mitsingen, das war einfach klasse. An meiner Textsicherheit muss ich allerdings noch etwas arbeiten, das gebe ich zu!

Was für ein Tag, und ein grandioser Saisonbeginn! Wegen uns kann es gerne so weitergehen. Heute sind wir schnell nachhause geflitzt, um noch ein paar Dinge zu organisieren, aber in ein paar Tagen geht’s schon wieder zurück an Bord. Die Wettervorhersage sieht vielversprechend aus ☀️ und der erste längere Segeltörn steht bevor. Ich hoffe, es geht wieder mal in nördliche Richtung, vielleicht ja nach Samsø…

Das elbkind schwimmt wieder!

Der April macht ja bekanntlich was er will. Das war auch am Dienstag letzter Woche so, als das elbkind endlich wieder Wasser unter den Kiel bekommen hat. Abgesehen von gefühlten Temperaturen um den Gefrierpunkt blies der Wind so stark, dass ich ganz freiwillig beschlossen habe, eine Wollmütze zu tragen. Und das will wirklich was heißen – ich habe nämlich nicht gerade das, was man ein“Mützengesicht“ nennt 😉.

Schon am Montagnachmittag sind wir nach Dyvig gefahren, haben abends gemütlich mit Torben und Lene in der Brasserie des Dyvig Badehotels gesessen und es uns bei Wiener Schnitzel und einem frisch gezapften Bier gutgehen lassen. Die beiden waren mit ihrer Nordborg 37, die in einer Halle in Apenrade überwintert hatte, zum Mastsetzen nach Dyvig gekommen und lagen schon am Servicekai. Ich weiß, es gibt auch Segler, die an Bord übernachten, wenn das Schiff noch irgendwo aufgebockt im Hafen steht, aber das ist nicht so unser Ding. Die Nacht auf Dienstag haben wir deshalb in einer B&B-Unterkunft in Nordborg verbracht.

Krantermin war am nächsten Morgen um 7.30 h, für uns quasi vorm Wecken. 😁  Wir sind richtig früh aufgestanden, um auf jeden Fall rechtzeitig da zu sein. Überpünktlich bogen wir in den Hesnæsvej ein – und konnten das elbkind schon von Weitem am Haken des Krans entdecken – es wurde nämlich genau in diesem Moment ins Wasser gehievt – 10 Minuten zu früh. Deshalb gibt’s auch weder ein Video noch Fotos von diesem Moment, dem eigentlichen Saisonbeginn. Schade! Meine ersten Fotos sind leider auch ziemlich dunkel und sehen so aus:

Kurze Zeit später wurde der Mast gesetzt. Das war gar nicht so einfach bei 22 m/s Wind, der in kräftigen Böen über den Hafen pfiff. Einige helfende Hände zum Festhalten waren nötig, aber mit etwas Geduld stand der Mast schnell wieder da, wo er hingehört. Die Jungs von der Nordborg-Werft sind schließlich vom Fach.

Unter Deck habe ich dann erstmal den großen Schiffs-Frühlingsputz gestartet. Und anschließend unsere Segelklamotten, die Rettungswesten (mit neuer Prüfplakette) und jede Menge sonstiges Gedöns wieder in die Schapps geräumt, die Betten bezogen und die Koje klargemacht. Ein super Gefühl, plötzlich kam kribbelige Aufbruchstimmung auf, und die Arbeit hat sich fast von selbst gemacht. 😄

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Die Betten sind bezogen, jetzt haben wir endlich wieder ein Zuhause auf dem Wasser!

Natürlich hat Thue sofort versucht, das AIS-System wieder zum Laufen zu kriegen. Wir haben ja kürzlich ein Austauschgerät von Weatherdoc bekommen, weil das alte Gerät nicht zuverlässig funktionierte. Das System von Raymarine muss nun für das neue Gerät programmiert werden, was sich leider als schwierig erweist. Bisher waren Thues Bemühungen erfolglos. 😐 Nun werden wir einen AIS-Konverter anschaffen, der hoffentlich dabei hilft, das Problem zu beheben. Hat von Euch vielleicht jemand ein AIS-System an Bord, das er selbst installiert hat? Über den entscheidenden Tipp, wie man das Ganze zum Laufen bringen kann, würden wir uns freuen. 👍🏼

Am Mittwoch – es wehte noch immer relativ stark – haben wir uns mittags in unsere Box verholt. Endlich schien die Sonne, und wir konnten im Lee im Cockpit sitzen und Kaffee trinken. Das fühlte sich schon viel besser an! Mit dem Anschlagen des Vorsegels und dem Anbringen der Sorgeleinen haben wir allerdings noch gewartet, dafür war es einfach noch viel zu windig. Diese Arbeiten haben Thue und Tochter Anne-Cathrine am Freitag bei schönstem Sonnenschein und einem lauen Lüftchen erledigt. Und natürlich wurden auch Beweisfotos gemacht:

Außerdem hat mein Skipper eine Hakenleiste zur Unterbringung diverser Leinen, Schoten und Tüdelbändern in der Backskiste angebracht. Praktische Sache, jetzt findet man sofort, was man sucht. Sieht es nicht zum Piepen aus, wenn Thue mit seinen 1,93 m in der Backskiste verschwindet? Man staunt ja immer wieder, wozu ein Mann so fähig ist (wenn er will!).

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Jack in the box 😄

Wann wir unseren Segeltörn beginnen, steht momentan noch nicht fest. Wer zur Zeit in Norddeutschland aus dem Fenster guckt, weiß auch, warum. Gestern hat Michel uns passend zum Thema Aprilwetter einen herrlichen Kommentar geschickt:

„Maxi 77 günstig abzugeben oder Tausch gegen Eissegler. Aber vielleicht bau ich mir auch ein Radar ein, um Eisberge rechtzeitig zu erkennen. Mehr kann ich zu dem Wetter nicht sagen.“

Wir auch nicht! ❄️

 

Das elbkind auf Abwegen…

Kennt Ihr eigentlich die Internetseite „Marine Traffic“? Mithilfe dieser Anwendung kann der interessierte Segler alle Schiffe tracken, die ein AIS (das steht für Automatic Identification System) verwenden. Mithilfe des AIS-Systems  werden statische, dynamische und reisebezogene Daten eines Schiffs übermittelt.

•Statische Daten sind zum Beispiel der Schiffsname, das internationale Funkrufzeichen und Schiffstyp und Abmessungen des Schiffs;

•die dynamische Daten liefern Angaben über die Position des Schiffs, seine Geschwindigkeit und seinen Kurs über Grund und das momentane Drehverhalten des Schiffs;

•die reisebezogenen Daten beziehen sich eher auf die Berufsschifffahrt, sie liefern Informationen zum aktuellen Tiefgang, dem Bestimmungshafen und dem ETA (das ist die geplante Ankunftszeit) sowie u. U. eine Angabe zur Ladungskategorie.

AIS dient der Vermeidung von Kollisionen auf See, dem automatischen Informationsaustausch zwischen Schiffen untereinander und mit Landstationen sowie Verkehrszentralen an der Küste als ergänzendes Mittel zur maritimen Verkehrssicherung. Das erhöht die Sicherheit auf dem Wasser erheblich. Das Verfahren des AIS-Datenaustauschs ist weltweit standardisiert und funktioniert auf allen Weltmeeren, so dass sich auch Schiffe unterschiedlicher Nationen auf offener See begegnen können und sich gegenseitig „sehen“.

Man kann also mithilfe von Marine Traffic (oder anderen Anwendungen wie zum Beispiel Vessel Tracker oder Fleetmon) sehen, wo sich ein Schiff gerade befindet, wohin es unterwegs ist und in welchem Hafen es zuletzt festgemacht hat. Und das macht mein Liebster besonders gern, er schaut regelmäßig nach, wo sich seine „Buddies“ gerade rumtreiben. Vorgestern hat er aus Spaß mal nach unserem Schiff geguckt, und staunte nicht schlecht. Als letzte Positionsangabe tauchte Nürnberg auf, und wir wissen ja alle, dass die aktuelle Position eigentlich das Winterlager in Nordborg sein müsste… Kurze Schrecksekunde, dann war uns alles klar.

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Das elbkind in Nürnberg?

Des Rätsels Lösung: unser AIS musste in diesem Winter zum zweiten Mal zum Hersteller, der Firma Easy AIS, nach Süddeutschland eingeschickt werden, weil es auch in der letzten Saison immer wieder unerklärliche Aussetzer hatte und nicht zuverlässig gearbeitet hat. Beim Überprüfen des Geräts wurde dann offensichtlich die aktuelle Position an Marine Traffic übermittelt. Und plötzlich fand sich das elbkind in Nürnberg wieder.

Diesmal wurde übrigens nicht lange gefackelt: wir haben ganz unbürokratisch ein kostenloses, fabrikneues Gerät im Austausch bekommen. Nun hoffen wir, dass die Technik in Zukunft einwandfrei funktioniert.

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So sieht ein AIS-Gerät aus.

Übrigens, am kommenden Dienstag ist es endlich so weit – die lange Winterpause ist vorbei und unser Schiff bekommt wieder Wasser unter den Kiel! Die Wetterprognose ist mit 11 m/s zwar nicht gerade optimal zum Mastsetzen, aber wir nehmen es einfach so wie’s kommt. Ist uns alles egal, denn schon Eduard Mörike wusste:

„Man muss immer etwas haben, worauf man sich freut.

Und das tun wir. Die Vorfreude auf die neue Segelsaison steigt mit jedem Frühlingstag und wir hoffen, dass Ihr unsere Erlebnisse auch in diesem Sommer wieder mit uns teilt. Mal gucken, wohin der Wind uns weht. Das dänische Inselmeer ist ja quasi unser Zuhause, aber Schweden wäre eigentlich auch mal schön.

Eure Kommentare und Segel- und Reviertipps sind übrigens immer sehr willkommen!

Glücksmomente: ein Hauch von Blauwassersegeln unter dänischer Flagge ⛵️☀️🇩🇰

Nette Dänen gibt’s ja überall auf der Welt. Und dank der Kontaktfreudigkeit meines Liebsten lernen wir sie auch (fast) alle persönlich kennen. 😜 Vor ein paar Tagen haben wir Ole, einen sympathischen dänischen Skipper, in Pasito Blanco kennengelernt. Der erste Kontakt zwischen Thue und Ole fand im Dunkeln und aus ungefähr 100 m Entfernung statt. Thue ist da ja gnadenlos. Das muss man sich ungefähr so vorstellen:

Nach dem Abendessen im Yachtclub „La Punta“ (super Restaurant übrigens – netter Service, prima Essen, faire Preise und keine Spur von Touristenfalle) gondelten wir gemütlich zu Fuß durch den Hafen.

Thue hatte vom Restaurant aus schon beobachtet, wie eine Segelyacht mit dänischer Flagge am Service-Steg anlegte. Da klopft das dänische Skipper-Herz ja gleich schon mal höher. Nun entdeckten wir, dass jemand an Bord des Schiffs rumturnte, und mein Gatte rief (auf dänisch) quer übers Hafenbecken, ob er wohl richtig gucken und eine dänische Flagge sehen würde? Die Antwort aus dem Dunkel kam postwendend: „Ja, das stimmt!“

Maritime Ausrüstung ist bei Langfingern auf Gran Canaria heiß begehrt. So schnell, wie in Häfen und Werften Schiffszubehör verschwindet, kann man gar nicht gucken. Deshalb werden in Pasito Blanco die Werft-Tore bei Einbruch der Dunkelheit geschlossen. Die Leute, die ihre Schiffe in der Werft flottmachen und während dieser Zeit an Bord übernachten, sind quasi eingesperrt. Auch an diesem Abend war die Werft schon dicht, und Thue musste ungeduldig bis zum nächsten Morgen warten, um die dänische Yacht und ihren Skipper in Augenschein nehmen zu können.

Er lernte Ole kennen, einen sympathischen Dänen aus Nordjütland. Sein Schiff: eine Motiva 36 mit dem klangvollen Namen „Jennifer“ – zwar schon etwas in die Jahre gekommen, aber mit zeitlos schönen Linien. Ole hatte sich in Puerto de Mogan in Jennifer verliebt und sie dem Voreigner spontan abgekauft. Nun sollte sie in Pasito Blanco wieder ein bisschen auf Vordermann gebracht werden. Das Abschleifen des Unterwasserschiffs und ein paar Bordwanddurchführungen standen auf der To-Do-Liste, außerdem sollten die alten Seeventile durch neue aus Kunststoff ersetzt werden.

Weil Ole ganz allein an Bord war (seine Frau Jette war in Dänemark) und helfende Hände gut gebrauchen konnte, sprang Thue nach dem Kennenlern-Klönschnack gleich mit an Bord und half ihm, das Schiff sicher an Land zu kriegen. Mithilfe eines Travellifts war das schnell erledigt, und das Eis zwischen den beiden war gebrochen. Noch am selben Abend saß Ole schon bei BBQ und Bierchen auf unserer Terrasse. Schade nur, dass er schon so früh gehen musste, denn die Werft wurde ja wieder früh abgeschlossen. Irgendwie fühlte ich mich zurückversetzt in meine Kindheit – da musste ich nämlich auch immer nachhause, wenn die Laternen angingen. 😉

Von diesem Tag an führten Thues „Hafen-Inspektionsrunden“ ihn natürlich auch immer zur Werft, meistens mit ein paar Dosen Bier für Ole und seinen Arbeitsmann Konstantin im Gepäck. Er musste ja schließlich die Arbeitsfortschritte im Auge behalten und die beiden anderen beschlaumeiern, das ist eine seiner Spezialitäten. Das läuft dann unter der Überschrift: Ich bin kein Klugscheißer, ich weiß es wirklich besser! 😇 Und meistens stimmt das (leider!) tatsächlich – alle, die ihn kennen, würden mir da wahrscheinlich recht geben…

Inzwischen hatten wir Besuch aus Deutschland bekommen – meine Schwester Rea war für eine Woche eingeflogen. Und ich hatte den leisen Verdacht, dass Thue ganz froh war, ab und zu einen kleinen Ausflug machen und der geballten Frauenpower im Feriendomizil entfliehen zu können.😄

Nach eineinhalb Wochen strahlte die Jennifer dann im neuen Glanz und konnte endlich wieder zurück in Wasser.

Und dann passierte tatsächlich, was wir die ganze Zeit heimlich gehofft hatten: Ole fragte uns, ob wir nicht Lust hätten, das Schiff mit ihm zurück nach Puerto de Mogan zu segeln! Da mussten wir nicht lange überlegen. Endlich mal wieder Wind, Wellen und Wasser unterm Kiel, wie herrlich!

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Total happy – endlich mal wieder Wasser unterm Kiel!

Das Ablegen lief problemlos, aber leider kam der Wind direkt von vorn, so dass wir nur motoren konnten. Natürlich hätten wir auch kreuzen können, aber das hätte zu viel Zeit in Anspruch genommen. Aber das war auch nicht wichtig – für uns war die Hauptsache, dass wir endlich mal wieder auf dem Wasser waren! Ein altbekanntes, wohliges Gefühl machte sich breit und schlagartig wurde uns klar, was uns in den letzten Monaten gefehlt hatte…⛵️

Knapp zweieinhalb Stunden lang ging es dann bei herrlichstem Sonnenschein die Küste von Gran Canaria entlang in nordwestliche Richtung. Ein beeindruckendes Erlebnis, die Insel auch mal von der Wasserseite aus zu sehen! Arguineguín und Puerto Rico zogen an uns vorbei.

Und wir waren nicht allein unterwegs, auch andere genossen den herrlichen Sonnenschein auf und über dem Meer…

Dann näherten wir uns langsam dem Hafen von Puerto de Mogan.

Zum Glück hat Jennifer einen festen Liegeplatz, den wir ganz in Ruhe ansteuern konnten. Das Anlegen funktioniert hier übrigens anders als wir es aus Skandinavien kennen, nämlich mit Unterwasser-Mooringleinen, die aus dem Wasser gefischt werden mussten. Aber unser Anlegemanöver klappte dank kompetentem Skipper und inzwischen abgeflautem Wind wie geschmiert. Das war’s schon. Schade!

Nein, das war’s noch nicht ganz, denn Ole ließ es sich nicht nehmen, uns noch zu einer Pizza einzuladen. Wie nett! Wir saßen in einem Restaurant direkt am Hafenbecken, genossen den schönen Blick und ließen es uns schmecken.

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Skipper-Klönschnack

Aber dann hieß es Abschied nehmen. Ole wollte schon am übernächsten Tag zurück nach Dänemark fliegen und hatte an Bord noch alle Hände voll zu tun. Mit dem Taxi fuhren wir zurück nach Pasito Blanco.

Wir hoffen sehr, dass wir Ole, Jette und ihre Jennifer irgendwann wiedersehen. Wer weiß – vielleicht verschlägt es die drei ja in ein paar Jahren in die dänische Südsee, wenn die Kanaren, die Kapverdischen Inseln, Madeira und das Mittelmeer langweilig geworden sind?

Puerto de Mogan

Immer nur Rumgammeln in Pasito Blanco geht ja irgendwie auch nicht. Vorgestern hatten  wir das Gefühl, wir müssten mal irgendwas reißen. Ein Ausflug wäre doch nett!  Am liebsten natürlich irgendwohin, wo es außer Touristenströmen, die auf Gran Canaria ja zum Alltagsbild gehören, auch sonst noch irgendwas zu gucken gibt. Einen Hafen, Schiffe und Boote zum Beispiel! Unsere Wahl fiel auf Puerto de Mogan. Also frühstücken und ab ins Auto. Schon nach einer halben Stunde sind wir da, parken in einer gebührenpflichtigen Zone (Parkplätze sind hier knapp, das Ziel ist schließlich beliebt!) und stürzen uns ins Touri-Getümmel. Eigentlich ist es ganz schön hier: Puerto de Mogan ist ein hübscher, kleiner Fischerort im andalusisch-venezianischen Stil mit kleinen Gassen und Kanälen. Wenn bloß diese Menschenmassen nicht wären! Natürlich ist uns klar, dass wir auch Touristen sind, aber wir fühlen uns irgendwie nicht so richtig dazugehörig. Frag mich nicht, warum. Ist einfach so. Wahrscheinlich denken alle anderen Leute um uns herum gerade genau dasselbe. 😉

Unser Weg führt uns zuerst am Fischereihafen vorbei. Bei der Farbenpracht muss einem ja sofort das ❤️ ⚓️ ❤️ aufgehen! 

  

 Weiter geht’s in Richtung Yachthafen -Anziehungspunkt für Segler aus aller Welt. Neben den ganz „normalen“ Seglern gibt es hier einige Hafencamper, die schon seit Jahren auf ihren Schiffen wohnen und überhaupt nicht mehr auslaufen; dann gibt’s Segler, die von hier ihre wochenlange Überfahrt in Richtung Karibik planen und starten, und außerdem einige Segelschiffe, auf denen deutsche Segelschüler ihre Ausbildungstörns mit anschließender Prüfung absolvieren. Für eine SKS-Prüfung kann man sich ganz bestimmt schlechtere Bedingungen vorstellen. ☀️⛵️

Auf jeden Fall gibt’s einiges zu gucken hier im Hafen. Unter anderem ist uns dieses Motorboot begegnet. Da scheint beim Anlegen wohl irgendwas schiefgelaufen zu sein. Schwimmt aber immerhin noch, die Kiste. Das ist ja wenigstens etwas.

Wir sind dann noch kurz durch den Ort gebummelt, haben einen Kaffee getrunken und anschließend schnell wieder die Flucht ergriffen. Es waren einfach zu viele Menschen in Puerto de Mogan unterwegs. Immer wieder stellen wir fest: so viel Trubel ist einfach nix für uns, wir mögen es lieber ruhig. Also schnell wieder zurück nach Pasito Blanco.

Auf dem Rückweg zum Auto, vorbei an Werft und Lagerhallen, fiel uns dieses Schiff ins Auge. Eins, das Thue normalerweise als „Projektschiff“ bezeichnet. Ist zu verkaufen und trägt den bedeutungsvollen Namen „Workshop“ (auf deutsch: Werkstatt). Hat eventuell jemand Interesse? Telefonnummer steht dran.

Aus Verzweiflung: Kleiner Seitensprung nach Pasito Blanco (Gran Canaria)

Eigentlich schade, dass uns die Jahreszeiten in Nordeuropa einen Strich durch die Rechnung machen. Aber das Wetter in Dänemark lässt es einfach nicht zu, länger als fünf Monate (ok, die ganz Harten halten es vielleicht auch sechs Monate aus) an Bord zu leben. Wäre es anders, dann wären wir „Boat People“ natürlich sofort dabei und würden die Saison in Skandinavien liebend gerne noch um ein, zwei Monate verlängern. Aber es ist nun mal so, wie es ist, und damit müssen wir leben. Umso schöner ist der skandinavische Sommer!

Was macht man nun, wenn man mindestens sieben Monate dazu verdammt ist, das eigene Schiff ins Winterlager zu verbannen?

Die Antwort ist einfach. Man büxt aus. Ausbüxen?? Für alle Nicht-Nordlichter kommt hier die Erklärung lt. Duden:

Wir sind also ausgebüxt nach Pasito Blanco, einem kleinen, aber feinen Flecken im Süden von Gran Canaria.

 

Pasito Blanco

Haben ein Häuschen gemietet für einen ganzen Monat, direkt am Yachthafen mit ein paar Ferienhäuschen drumrum. Fernab vom Touristen-Rummel.


Und  fühlten uns direkt wie zuhause, eigentlich ohne Vorlaufzeit. Mindestens zweimal am Tag schwärmt mein Liebster aus für eine kleine Inspektionsrunde durch den Hafen. Schnackt hier, guckt rum, klönt da. Schnurrt und fühlt sich wie ein Fisch im Wasser. So als wäre er in Dyvig, im Sommer.

Fundsache am Strand

 

So weit weg von Deutschland / Dänemark ist man ja fast zwangsverbrüdert, wenn man Segler aus der Heimat trifft. Vor drei Tagen haben wir hier im Yachtclub z.B. Uli kennengelernt, einen deutschen Skipper, der mit seiner Hallberg-Rassy 38 während der Wintermonate Ausbildungstörns rund um die kanarischen Inseln anbietet. Und schon kam er auf ein Feierabendbier bei uns vorbei. 🍺Seine drei Schüler haben einen Tag später ihre SKS-Prüfung übrigens erfolgreich abgelegt. Herzlichen Glückwunsch an Skipper und Segelschüler!

Irgendwas ist ja immer. Heute Abend haben wir sogar ein Segelboot mit dänischer Flagge am Gästesteg entdeckt. 🇩🇰  Was wollen wir wetten, dass wir demnächst dänischen Besuch bekommen?

Das elbkind im Winterlager

 

Am 7. Oktober war es dann schließlich soweit. Unser elbkind wurde gekrant, nach Nordborg transportiert und kam bei der Nordborg Bådebyggeri ins Winterlager. Hier wurden alle Tanks und Leitungen entleert und mit Frostschutzmittel gegen Frostschäden gesichert. Außerdem standen der Wechsel von Öl-, Diesel- und Wasserfilter auf dem Programm, und der Impeller der Kühlwasserpumpe wurde ausgetauscht.

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Obwohl wir schon damit gerechnet hatten, waren wir doch einigermaßen erstaunt darüber, wie abenteuerlich der Propeller aussah – er war komplett übersät mit Seepocken, und vom Metall war kaum noch was zu erkennen. Jetzt war uns auch klar, warum das elbkind unter Motor zum Ende der Saison nicht mehr so richtig in die Puschen kam – die Pocken hatten uns schlicht ausgebremst. Für die neue Saison müssen wir uns auf jeden Fall geeignete Gegenmaßnahmen überlegen, aber jeder Bootseigner hat da ja seine eigenen Ideen. Es gibt so viele unterschiedliche Meinungen zu dieser Problematik (dick mit Pockenfett einschmieren, Anti-Fouling, usw. usf.), dass man sich fragt, was denn nun eigentlich die effektivste Lösung ist. Eine Maßnahme wäre beispielsweise, dass Thue während des Segelsommers mit Schwimmbrille und Sauerstoffflasche (3 x f!) einfach auf Tauchstation geht, um den Propeller zwischendurch manuell von den Dingern zu befreien. Falls er sich für diese Variante entscheidet, werde ich selbstverständlich mit der Kamera dabei sein und alles im Bild festhalten. 😎📷

Falls Ihr ein eigenes Schiff habt und / oder Euch gut auskennt – was tut Ihr gegen den Seepocken-Befall? Wir sind dankbar für Eure Ideen, immer her damit!

Leider hatte unser AIS auch in dieser Saison wieder jede Menge Aussetzer, die wir uns einfach nicht erklären konnten. Deshalb wurde das Gerät mal wieder – wie schon im letzten Winter – ausgebaut und zum Hersteller geschickt. Jetzt sind wir neugierig, ob der Fehler diesmal gefunden wird, denn was nützt die tolle (und teure!) Technik, wenn sie nicht zuverlässig funktioniert?

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Das unzuverlässige AIS. Sch…Technik! 😈

Weil das Vorsegel zum Saisonende noch nicht richtig trocken war, haben wir es mit nachhause geschleppt, auf dem Dachboden ausgebreitet und getrocknet. Auch Kuchenbude und Sprayhood bekamen eine Spezialbehandlung. Meister Proper und Clementine wären aus dem Staunen garantiert nicht herausgekommen, wenn sie Thue beim stundenlangen Schrubben mit Wasser, Seife und Bürste beobachtet hätten! Den Rest hat dann Herbstsonne draußen im Garten übernommen – diese „natürliche Bleiche“ funktioniert erstaunlich gut! ☀️ Thue behauptet zwar, dass Möwen und Schwalben sich am liebsten auf dunklen Untergründen „verewigen“, aber die Wirklichkeit sah leider irgendwie anders aus…🐤💩

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Für den Winter (irgendwie muss er sich ja während der endlosen dunklen Jahreszeit die Zeit vertreiben) hat Thue sich vorgenommen, aus Teakholz eine Erweiterung für die Badeplattform zu bauen. Damit man(n) auch mit Schuhgröße 47 entspannt auf der Badeplattform stehen und die Heckdusche benutzen kann, ohne dabei das Gleichgewicht zu verlieren und ein unfreiwilliges Bad im Hafenbecken zu nehmen. Und weil er dafür noch ein paar Maße brauchte, haben wir das elbkind vor einigen Wochen im Winterlager besucht. Das kann man sich so vorstellen: um die 40 Yachten stehen auf Stativen dicht an dicht in einer riesigen, eiskalten Halle, fristen dort ihr trauriges Dasein und warten auf den Frühling, den Saisonbeginn und dass sie endlich wieder Wasser unterm Kiel haben. Gelegentlich kommt mal jemand vorbei und guckt nach dem rechten, poliert vielleicht das Unterwasserschiff, räumt unter Deck noch ein bisschen auf oder nimmt den Fleecepulli, den er im Herbst an Bord vergessen hat, mit nachhause. Manchmal fährt Thue aber auch einfach nur so hin, aus Sehnsucht. Ich glaube, er hat dann Heimweh nach Freiheit und Ferne. 🇩🇰⛵️❤️

Und wenn man schon bis nach Nordborg gefahren ist, kann man ja auch gleich einen kleinen Abstecher nach Dyvig machen. Da sieht es jetzt so aus. Bonjour Tristesse!

In der Winterzeit treffen wir uns ab und zu mit anderen Nordborg-Seglern zum Klönen, Essen und Trinken. Das hilft ganz gut gegen die Sehnsucht. Noch 3 Monate! 😉

Saisonabschluss

Wegen einiger Termine im September fuhren wir nach dem Nordborg-Wochenende erst mal wieder nachhause. Aber die Saison war für uns natürlich längst noch nicht vorbei – Ende September waren wir zurück in Dyvig und verbrachten zehn traumhafte letzte Tage an Bord.  Die Wetterlage war stabil, und weil die Tage schon merklich kürzer wurden, genossen wir jeden Sonnenstrahl. Wir konnten sogar jeden Morgen im Cockpit frühstücken!

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Morgens im Cockpit

Wir hatten keine großen Pläne gemacht und entschlossen uns, ein letztes Mal in diesem Jahr nach Årø zu segeln. Nicht dass Ihr denkt, uns fällt nichts Besseres ein, aber wie so oft passten einfach Wind und Wetter, um dieses Ziel anzusteuern. Dass die Saison fast vorbei war, merkten wir schon im Hafen, denn es war so wenig los, dass wir uns einen Liegeplatz aussuchen konnten. Abends bei Brummers Gård war es sogar schon zu kalt, um draußen zu sitzen – wir haben in der Gaststube gesessen und gegessen. Auch hier ging die Saison aufs Ende zu, der Laden war bis zum letzten Platz besetzt und platzte beinahe aus allen Nähten. Neben uns saß eine dänische Geburtsgesellschaft, die – wie in Dänemark beim Feiern so üblich – ein Lied nach dem anderen anstimmte. Zu schön!

Am nächsten Tag sind wir unter Genakker und ohne Großsegel  wieder zurück nach Dyvig gerauscht, denn der Wind kam direkt von hinten. Zum ersten Mal unter allerbesten Bedingungen, das war ein Riesenspaß!

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Zum letzten Mal Segeln unter Genakker..

 

Mein Geburtstag, den ich dieses Jahr zur Abwechslung mal an Bord verbracht habe, war etwas ganz Besonderes. Unser Bootsbauer Holger Jensen besuchte uns nämlich mit einem netten Ehepaar aus der Schweiz an Bord. Katrin und Thomas interessierten sich für eine NB 40 und wollten sich unser Schiff gerne mal genauer ansehen. Nach einer ausführlichen Besichtigung kamen wir schnell ins Klönen, und spontan luden wir die Beiden ein, uns am Nachmittag auf unserem Segeltörn nach Apenrade (dän.: Åbenrå) zu begleiten.

Gesagt, getan! Thomas übernahm von Anfang an das Ruder. Der Wind wehte nur schwach und die Bedingungen waren nicht gerade perfekt für einen Demo-Törn, aber immerhin machten wir 2-3 kn Fahrt bei 1-3 m/s Wind. Am Ende wurde dann doch der Motor gestartet, denn in Apenrade stand Holger ja schon auf dem Steg und wartete auf uns. Er nahm die Leinen an und unsere Mitsegler mit dem Auto wieder mit zurück nach Dyvig. Obwohl dieser Probeschlag wegen des schwächelnden Windes hinter den Erwartungen von Katrin und Thomas zurückgeblieben war, hatten wir den Eindruck, dass das elbkind die beiden am Ende überzeugt hat. Wir vermuten, dass sie inzwischen „in freudiger Erwartung“ sind und hoffen, dass wir sie bald im „Club der 40er“ begrüßen dürfen. 👍🏼😉

Abends waren wir mit Torben und Lene beim Italiener in Apenrade zum Geburtstagsdinner verabredet. Kleiner Tipp: sollte Euch das Schicksal jemals in ein italienisches Restaurant namens „Tony“ in Apenrade  verschlagen, bestellt bitte Pizza. Wagt keine Experimente, es lohnt sich nicht. Die können nur Pizza. Ich spreche aus Erfahrung. 😎🍕. Glücklicherweise schmeckten aber das Bier und der Wein, und gemütlich war der Abend dank netter Gesellschaft trotzdem.

Zum Saisonabschluss stand auch ein kleiner Ausflug zur Ankerboje im Sønderborg Fjord auf meiner Wunschliste. Ich wollte die Boje nämlich gerne mal selbst ansteuern, während Thue mit dem Haken nach dem Ring angelt. Und das hat auch gut geklappt! Bei schönstem Sonnenschein lagen wir faul im Cockpit, tranken Kaffee und beobachteten die Segelschiffe, die an uns vorbeizogen. Nur schweren Herzens konnten wir uns ein paar Stunden später wieder losreißen.

Anfang Oktober schien nicht nur die Sonne, der Wind wehte meistens auch nur schwach bis mäßig. Endlich konnte ich mal ohne viel Publikum (das Stichwort heißt Hafenkino 😜) und ganz in Ruhe üben, was ich im April beim Frauen-Skippertraining gelernt hatte: das An- und Ablegen. Nach wie vor klopfte mir das Herz bis zum Hals, wenn ich am Steuer stand, und von Routine konnte keine Rede sein. Das sollte sich ändern. Ein paarmal hat auch alles gut geklappt, aber ausgerechnet das letzte Anlegemanöver ging  voll in die Hose… Was soll’s. Nächstes Jahr wird einfach weitergeübt, es kann nur besser werden!

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Leider war beim Anlegen der Flaggenstock im Weg… 😬

Langsam fingen wir an, das elbkind fürs Winterlager vorzubereiten. Es wurde ausgemistet, aus- und aufgeräumt, gesaugt, gewischt, poliert und geschrubbt.

Die Stimmung an Bord wurde plötzlich wehmütig. Nur noch ein paar Tage, und alles sollte vorbei sein?  Über vielen Situationen stand nun die Überschrift „zum letzten Mal in diesem Jahr..“, das fühlte sich ganz eigenartig an und gefiel uns irgendwie gar nicht…

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Die letzten schönen Sonnenuntergänge im Hafen…
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Zum letzten Mal den Grill anschmeißen…

Und dann kam der letzte Arbeitstag unseres Hafenmeisters Christian. Viele Jahre lang konnten wir uns immer auf ihn verlassen und haben viele lustige und feucht-fröhliche Stunden mit ihm verlebt. Nun mussten wir uns tatsächlich von ihm verabschieden, am Ende kullerten sogar ein paar Tränen. Auch das noch!

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Abschied von „Kedde“

Am letzten Wochenende waren wir noch einmal mit Christiane und Hendrik verabredet, denn auch die „Molch“ sollte ein paar Tage später gekrant und ins Winterlager nach Nordborg gebracht werden. Gemeinsam wurde abgeriggt, und weil für die nächsten Tage Regen angekündigt war, wurden beide Großsegel zum Schutz vor Nässe vorübergehend in Planen eingepackt.

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Molch und elbkind werden winterklar gemacht

Nach getaner Arbeit gab’s dann abends einen Sundowner vor dem Dyvig Badehotel, und anschließend ein gemütliches Abendessen zu viert in der „Skipperstuen“ -auch zum letzten Mal in dieser Saison! 😢

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Zum letzten Mal draußen sitzen und den schönen Blick über die Dyvig Bucht genießen…

Am nächsten Morgen frühstückten wir gemeinsam unter Deck auf der Molch. Und dann – war sie tatsächlich vorbei, unsere Segelsaison 2015.

Und hier mein Resümee:

Die Wetterstation im dänischen Blåvand hat im Mai 21 Tage mit Starkwind (und mehr!) gemessen; im Juni 16 Tage. Wir waren in diesem Sommer viel zu oft eingeweht und hatten entweder viel zu viel Wind oder viel zu wenig. ⛵️💨

In den vergangenen Monaten haben wir viele nette Menschen kennengelernt, und ich finde es super, dass Thue die Leute immer so gnadenlos anschnackt, obwohl mir das manchmal etwas peinlich ist.. 😄👍🏼

Die Stimmung an Bord war eigentlich immer gut, wir zwei haben uns vertragen und das Bordleben auf so engem Raum ist mir deutlich leichter gefallen als ich dachte (und befürchtet hatte). 👫💝

Am besten hat es uns auf Anholt gefallen, diese Insel ist wirklich außergewöhnlich und die Atmosphäre ganz besonders. 🎏 Wir kommen bestimmt wieder.

Von zu viel Rotwein krieg‘ ich nachts Herzklopfen.. 🍷

Freiheit bedeutet nicht nur, Pläne zu schmieden und sie umzusetzen, sondern auch, sie über den Haufen zu werfen und einfach etwas ganz Anderes zu machen. 🗽

Ich liebe Dänemark! 🇩🇰❤️

 

Nordborg-Wochenende

Alle zwei Jahre findet am letzten August-Wochenende das beliebte „Nordborg-Treffen“ in Dyvig statt, und in diesem Jahr war es endlich wieder soweit. Zahlreiche Nordborg-Segler aus nah und fern waren der Einladung der Familien Jensen und Reimers gefolgt und freuten sich auf die gemeinsame Zeit. Die ersten Schiffe trudelten schon am Donnerstag ein, und abends im Zelt trafen sich die Crews bei Grillwürstchen und Bier vom Fass. Die Freude über das Wiedersehen war groß – alle mussten natürlich erst mal berichten, wohin der Wind sie in diesem Segelsommer geweht und was sie erlebt hatten.

Bis zum Freitagnachmittag waren um die 30 Nordborg-Yachten in Dyvig eingelaufen und hatten am Steg 4 festgemacht. Dafür, dass dort alle einen Liegeplatz finden, hatte unser pfiffiger Hafenmeister Christian gesorgt. Besonders unserem Bootsbauer Holger Jensen und seinem Sohn Johannes ist beim Anblick der vielen Schiffe aus ihrer Werft bestimmt das Herz aufgegangen, denn schließlich haben die beiden jedes einzelne in liebevoller Handarbeit gebaut. Wie viel Herzblut, Zeit, Nerven und Leidenschaft dazu gehört, könnt Ihr bestimmt nachvollziehen. Zu jedem Schiff und den dazugehörigen Eignern kann Holger eine kleine Geschichte erzählen.

Den Nachmittag verbrachten wir mit gegenseitigen Besuchen an Bord und Klönschnack auf dem Steg. Ganz oben auf der Gesprächsliste stand der Austausch von Segeltipps und -tricks, aber jede Menge Seemannsgarn und das Beschlaumeiern der anderen gehörten natürlich auch dazu 😉. Abends wurden wieder die Grills angezündet, und Bier und Wein flossen in Strömen. Alle vergnügten sich sichtlich, und langsam machte sich die Vorfreude auf die Regatta am Samstag breit..

Am nächsten Tag um die Mittagszeit wurde es langsam spannend – der Regattastart rückte näher. Crews fanden sich und wurden eingeteilt, Schiffe vorbereitet und Schwimmwesten angelegt. Allzu warm mussten wir uns aber gar nicht einpacken, denn zum ersten Mal seit Bestehen des Nordborg-Wochenendes zeigte Petrus ein Herz für Nordborg-Segler und sorgte für herrliches Wetter. Mussten wir frühere Nordborg-Regatten noch frierend in Ölzeug, Segelstiefeln und mit Südwester überstehen, reichte jetzt eine leichte Fleecejacke. Ganz harte Kerle gingen sogar kurzärmelig an den Start! Die Elbkind-Crew setzte sich aus Hein Mück, Torben, Thue und mir zusammen. Der Wind wehte aus SSW mit 8 bis 12 m/s und die Sonne lachte vom Himmel. Perfekte Bedingungen für unsere Spaß-Regatta. Also, Leinen los!

Als wir den Als Sund erreicht hatten, trauten wir unseren Augen nicht: aus südlicher Richtung kamen unzählige alte Segelschiffe unter Vollzeug auf uns zu –  die Classic-Regatta Flensburg-Apenrade war in vollem Gange. Unsere Regattafelder kreuzten sich und die Nordborg-Yachten waren ausweichpflichtig. Nichts für Anfänger! Zum Glück lag unsere Route in entgegengesetzter Richtung, und nach einer kurzen Weile entspannte sich die Lage wieder.

Mit Thue und Hein Mück hatten wir nun zwei „Alpha-Skipper“ mit völlig unterschiedlichen Herangehensweisen an Bord. Thue als Technik-Freak setzt grundsätzlich eher auf Unterstützung des Autopiloten, um Winddreher blitzschnell abzufangen. Davon war Hein Mück aber nur schwer zu überzeugen, er wollte lieber die Segel nachtrimmen, statt den Kurs zu korrigieren. Beide Dickschädel hätte sich natürlich nur zu gern durchgesetzt – aber wie, ohne dabei den anderen vor den Kopf zu stoßen? Heiße Diskussionen folgten, aber der Ton blieb freundlich. Torben und ich hielten uns – schlau wie wir sind 😉 – lieber von Anfang an elegant im Hintergrund, übernahmen bereitwillig die niederen Handlanger-Tätigkeiten an Bord und beobachteten schmunzelnd das Kompetenz-Gerangel unseres Skipper-Duos.

Um es kurz zu machen: gewonnen haben wir die Regatta nicht. Aber großen Spaß gemacht hat’s trotzdem – Dabeisein ist schließlich alles!

Schaut Euch mal dieses Bild an, das auf der Rückfahrt nach Dyvig entstanden ist. Einfach wunderbar – alle Nordborg-Yachten wie Perlen auf einer Schnur!

Abends im Clubhaus wurde dann wieder gefeiert, mit leckerem Buffet, Siegerehrung, einem lustigen Quiz, Klönschnack und der Verabschiedung von Christian, unserem netten Hafenmeister. Ein Segeltörn in die Karibik stand für den Winter auf seinem Programm – und sowas nennt sich dann Ruhestand! Er war ganz gerührt und hat versprochen, die Nordborg-Flagge mit unseren Unterschriften in jedem Hafen, den er anläuft, zu hissen.

Ein gemeinsames Frühstück am Sonntagmorgen rundete das gemeinsame Wochenende ab. Schön war’s, und wir freuen uns schon aufs nächste Mal im August 2017!

Dyvig – Heimathafen der Herzen 💙

Diesem Blog würde ein ganz wichtiger Teil fehlen, wenn wir Euch Dyvig vorenthalten würden, unsere Sommerheimat. Unseren Rückzugsort, wenn wir mal Lust auf Hafencamping haben. Kurz: unsere maritime Kuschelecke in Dänemark. Wann immer wir mit anderen Seglern klönen – sobald wir unseren Heimathafen erwähnen, kommen eigentlich alle ins Schwärmen.

Wenn man – so wie wir – am nördlichen Stadtrand von Hamburg wohnt, hat man Dyvig mit dem Auto in nur knapp zwei Stunden erreicht und ist gleich mittendrin in der dänischen Südsee, dem schönsten Segelrevier Dänemarks. Mehr geht nicht!

Dyvig ist ein uralter Naturhafen und liegt auf der süddänischen Insel Als.  Die Ansteuerung von der Stegsvig aus ist zwar etwas kniffelig, aber gut zu schaffen. Wer nicht auf Schlick laufen will, sollte sich bei der Einfahrt durch das betonnte, schmale Gaff einen Moment lang konzentrieren. 2015 wurde das Fahrwasser auf 3,5 m Tiefe ausgebaggert, und seitdem ist die Einfahrt wieder etwas entspannter.

In der Dyvig Bucht liegt man wunderbar geschützt. Und die Landschaft ringsherum ist traumhaft: Der Blick auf Hügel, Wiesen, Wälder und Kornfelder mit Klatschmohn und Kornblumen ist Balsam für die Seele. Sehr interessant: auf der Nordseite der Bucht liegt ein Weinberg!

Und in einer stillen Sommernacht haben wir sogar schon mal dem Gesang einer Nachtigall lauschen können. Ein unvergesslicher Moment.

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Blumenpracht am Feldrand

Wie idyllisch Dyvig ist, hat sich unter Seglern natürlich längst herumgesprochen. Häufig liegen viele Schiffe vor Anker in der Bucht, und die Mjelsvig, ebenfalls ein traumhaftes Ziel für Natur- und Ankerliebhaber, liegt auch gleich um die Ecke.

Wer nachts lieber in einem Hafen festmacht, kann sich in Dyvig gleich zwischen zwei Marinas entscheiden. Diejenigen, die es etwas feiner und vornehmer mögen, steuern „Dyvig Bro“ an, den kleinen Yachthafen auf der Nordseite der Bucht, direkt vor dem malerischen Dyvig Badehotel (es heißt, es sei Dänemarks schönstes). Falls der Smutje mal keine Lust zum Kochen hat und die Bordküche kalt bleiben soll, kehrt man einfach im Hotelrestaurant „Skipperstuen“ ein und lässt es sich gutgehen. Mein Tipp: wenn Ihr gerne Fisch mögt, probiert mal einen „Stjerneskud“, der ist wirklich lecker und einigermaßen erschwinglich. (Essengehen in Dänemark ist ja bekanntlich nichts für den schmalen Geldbeutel 😬)

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Stjerneskud – eine typisch dänische Köstlichkeit

An einem schnuckeligen Eishäuschen am Hafen kann man dänisches Softeis kaufen, und es gibt sogar eine Badeburg vor dem Hotel – im Sommer natürlich ein ganz besonderes, kostenloses Highlight für die kleinen Crewmitglieder.

Dyvig-Badehotel
Das malerische Dyvig Badehotel

Direkt gegenüber liegt die Marina „Dyvig Bådelaug“, unser Heimathafen. Hier geht es eher rustikal, leger und „hyggelig“ zu. Bei gutem Wetter macht man es sich abends in einer der Sitzecken auf den Grillplätzen gemütlich, und bei Schietwetter verkrümelt man sich ins Zelt, das mindestens 50 Personen Platz bietet. Hier kommt man schnell mit anderen Seglern ins Schnacken – ich habe schon mit wildfremden Menschen einen ganzen Abend lang Uno gespielt und hatte Riesenspaß.

Während die Erwachsenen den traumhaften Blick über die Bucht genießen und die Seele baumeln lassen, können sich die Kinder auf der Spielwiese oberhalb der Küste mal so richtig austoben oder entspannt im Beiboot durchs Hafenbecken schippern.

Außerdem gibt’s den kleinen Havnebrugsen, einen Mini-Supermarkt, der für seine eher übersichtliche Größe erstaunlich gut sortiert ist. Vom Joghurt über den Eintopf aus der Dose bis zur Krebsangel findet man hier alles, was in der Bordküche fehlt und das Seglerherz begehrt. Frische Brötchen zum Frühstück können am Vorabend bestellt werden.

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Dyvig Bådelaug, unser kuscheliger Heimathafen

Die Gegend rund um Dyvig ist ideal für ausgedehnte Spaziergänge. Der markierte Wanderweg „Æ Govl“ führt an der Küste entlang nach Mjels (2 km) oder rund um den Mjels Sø (9 km), und die Oldenor-Route (ca. 5,5 km) entlang einem renaturierten See ist besonders Vogelliebhabern zu empfehlen. Aber auch die kleine Stadt Nordborg mit ihrem hübschen Schloss ist einen Besuch wert (ca. 4 km). Gut zu Fuß zu erreichen (3 km) ist auch das kleine Dorf Holm, wo ein altes Hjortspringboot und der Jollmansgården – der älteste Hof auf Als – besichtigt werden können.

In der Hauptsaison fährt mehrmals täglich ein Bus von Dyvig über Nordborg zum Universe, einem Erlebnispark, der speziell für Kinder interessant ist. So lässt sich auch mal ein Regentag mit Spaß überbrücken.

So, jetzt höre ich auf zu schwärmen. Falls Ihr ein bisschen neugierig geworden seid, kommt doch einfach mal vorbei. Es lohnt sich! Die Koordinaten sind 55° 02.5′ N, 9° 42.2′ E.

Vielleicht laufen wir uns ja sogar über den Weg – falls wir uns wieder mal nicht losreißen konnten.. 😉

Ansteuerung Dyvig

Hitchcock lässt schön grüßen…

Am nächsten Tag ging’s für die Acadia-Crew zurück nach Apenrade – es muss ja auch noch Leute geben, die auf den Arbeitsmarkt aufpassen, während wir das Bordleben genießen. 😉 Inzwischen war die Wetterlage recht stabil und wir überlegten, welches Ziel wir als nächstes ansteuern sollen. Schon seit längerer Zeit hatte ich Ærøskøbing im Kopf, aber leider passten Wind und Windrichtung nicht.

An unserem Steg liegen außer dem Elbkind noch sechs weitere Nordborg-Yachten, und alle Crews kommen prima miteinander aus. Beim morgendlichen Klönschnack verabredeten wir spontan einen gemeinsamen Nordborg-Ausflugstörn. Mit dabei waren die „Pesuna“, eine Nordborg 30, und gleich drei 40er: die „Bonne Chance“, die „Owal“ und unser Elbkind. Und das Ziel? Ihr habt es wahrscheinlich schon erraten: es ging mal wieder nach Årø. Der Wind kam aus Nordwest und wehte mäßig mit 6-8 m/s – prima Bedingungen für einen Mini-Törn in Richtung Kleiner Belt!

Schon frühmorgens legten alle vier Schiffe in Dyvig ab, denn Årø muss man zeitig anlaufen, um einen guten Hafenplatz zu bekommen. Aber wem sag‘ ich das – als fleißige Blog-Leser kennt Ihr Euch dort ja inzwischen bestens aus 😉. Wie Perlen auf der Schnur segelten die vier Nordborg-Yachten in nordöstliche Richtung, und wir erreichten den Hafen von Årø am späten Vormittag.

Das schöne Wetter machte Lust auf eine kleine Radtour, und Thue und ich schwangen uns auf die Bordfahrräder und radelten zum Südstrand. Ein traumhafter Sommertag, ich war sogar in der Ostsee schwimmen! Am Strand konnten wir unzählige Uferschwalben beobachten, die schnell wie Pfeile durch die Luft sausten. Sie sind nur ca. 12 cm lang, wiegen nicht mehr als 14 g und erreichen Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h. Blitzschnell steuerten sie über unsere Köpfe hinweg ihre Nistlöcher in der Steilküste an. Wir fühlten uns irgendwie an „Die Vögel“ von Hitchcock erinnert, so viel war da über uns am Himmel los. Faszinierend!

Abends haben wir dann gemeinsam mit den drei anderen Nordborg-Crews  im lauschigen Innenhof vom Brummer’s Gård gegessen. Nett war’s! Das Essen war wie immer lecker, die Stimmung gut, und auch das Wetter spielte mit.

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Fröhliche Nordborgsegler im Hof vom Brummer’s Gård

Auf dem Rückweg fing es schon an zu dämmern, und inzwischen lag ein Hauch von Herbst in der Luft. Im Hafen kam überraschend romantische Stimmung auf, denn in einer der Grillboxen an unserem Steg wurde musiziert und gesungen, und zwar vom Feinsten! Ein Skipper aus Fredericia mit einer wunderbar rauchigen Country und Western-Stimme begleitete sich und ein paar andere, die mitsangen, perfekt auf der Gitarre. Spontan gesellten wir uns dazu und lauschten begeistert der schönen Musik, einem Mix aus populären dänischen Liedern und Evergreens. Wie ich solche Momente liebe und Leute beneide, die ihr Musikinstrument so perfekt beherrschen! Ich frage mich, warum ICH es eigentlich nicht hinkriege, meine Ukulele häufiger mal in die Hand zu nehmen und ein bisschen zu üben. Das muss sich unbedingt ändern.

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Hafenromantik!
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Wo man singt, da lass Dich ruhig nieder…

Am nächsten Morgen machten wir uns nach dem Frühstück wieder auf den Weg nach Dyvig, dort waren wir mit Lene, Torben und Felix zum Grillen verabredet. Und ganz langsam näherte sich auch das Nordborg-Wochenende, das alle zwei Jahre am letzten Wochenende im August in unserem Heimathafen stattfindet. Leichte Vorfreude machte sich breit!

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Beim Auslaufen in Richtung Dyvig: Der Blick auf das Årø Fyr

 

 

 

Segelpromis auf Årø

Es soll ja Leute geben, die möglichst keinen Hafen zweimal ansteuern, wegen der Abwechslung. Auf uns trifft das überhaupt nicht zu, was man am Beispiel Årø deutlich merkt. Ganz im Gegenteil – wir haben diese idyllische kleine Insel mittlerweile so sehr ins Herz geschlossen, dass wir es einfach nicht schaffen, an ihr vorbeizusegeln!

Daher passte es uns auch gut, dass Torben und Lene mit ihrer „Acadia“  auf ihrem Rückweg von Samsø wieder auf Årø gelandet waren und anfragten, ob wir uns nicht Lust hätten, vorbeizukommen. Die beiden waren auf der Insel mit Lene’s Eltern zur Hunde-Übergabe verabredet. Felix hatte nämlich Ferien bei Lene’s Eltern gemacht, während die beiden unterwegs waren. Kennt Ihr Felix eigentlich schon? Falls nicht: das ist er, mein heimlicher Freund. 🐶 😍 Wir zwei können uns richtig gut leiden.

Felix – tiefenentspannt.
Der Himmel war grau, als wir morgens Middelfart achteraus ließen, und auf dem Kleinen Belt waren kaum Schiffe unterwegs. Wir zogen wir die Segel hoch, aber leider schlief der Wind schon nach kurzer Zeit ein. Also wieder runter mit den Segeln, und unter Motor ging’s weiter in östliche Richtung. Unser Ziel war ja zum Glück nicht besonders weit entfernt, und nach rund 20 Meilen und nur 3 1/2 Stunden Fahrt machten wir auf Årø fest. Inzwischen schien die Sonne!

Zuerst wurde natürlich ausgiebig mit der Acadia-Crew geklönt, denn schließlich mussten wir uns erst mal erzählen, was in der Zwischenzeit alles passiert war, in welchen Häfen wir gelandet waren, wie es mit der Segelei geklappt hat usw. usw. Nordborg-Skipper tauschen sich übrigens gern zum Thema erreichte Spitzengeschwindigkeiten aus und versuchen, sich dabei gegenseitig zu übertreffen. Natürlich würden sie das nie zugeben („nächstes Mal sagst Du zuerst!“). Und Schummeln geht auch nur dann, wenn wir sicher sein können, dass unser AIS gerade mal wieder nicht funktioniert. Naja, von uns gab es zu diesem Thema  sowieso nicht viel zu berichten, denn in letzter Zeit wehte da, wo wir uns gerade herumgetrieben haben, ja nur ein (f)laues Lüftchen. Mit richtig sportlichem Segeln hatte das wenig zu tun.

Klönschnack bei Sonnenschein im Hafen von Årø
Abends landeten wir natürlich – wie immer! – beim Brummers Gård. Hofhund Tesso und Felix beschnüffelten sich erst vorsichtig und begrüßten sich dann freundlich. Zum Glück hatten wir noch immer Sonnenschein, so dass wir im Hof sitzen und essen konnten.

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Wieder mal bei Brummers Gård
Am nächsten Tag sollte es dann wieder nach Dyvig gehen. Wir wollten es gemütlich angehen und erst gegen Mittag aufbrechen. Eile mit Weile, schließlich war uns der Hafenplatz in Dyvig sicher! Thue nutzte die Zeit bis zum Ablegen mit einer kleinen Spazierrunde durch den Hafen. Die macht er übrigens immer dann besonders gern, wenn der Frühstücks-Abwasch ansteht. So ein Fuchs! Aber durchschaut habe ich ihn trotzdem. 😜

Ihr wisst ja: Thue kennt überall in Dänemark Leute, meistens von früher. Auf Årø kennt er Harald, Spitzname Halle. Er ist Matrose auf der Fähre, die im Halbstundentakt von Årø nach Årøsund und zurück fährt. Außerdem ist er erster Vorsitzender der Årø Fiskeriforening und einer von sechs Skippern, die für den Verein Årø Rescue im Einsatz sind. Falls sie in Seenot geraten oder Schlepphilfe benötigen sollten, erhalten Mitglieder des DSRS für einen geringen Jahresbeitrag Hilfe und  Unterstützung auf dem Wasser. Eine sinnvolle Sache. Jedenfalls ist Halle immer für einen Klönschnack gut, und Thue zog los, um nach ihm Ausschau zu halten.

Nach einer Weile kam er zurück und hatte was zu erzählen: Er hatte zwar nicht Halle, aber stattdessen Weltumsegler, Segelikone und Buchautor Wilfried Erdmann (https://de.wikipedia.org/wiki/Wilfried_Erdmann), der mit Ehefrau Astrid und seinem Aluminiumschiff „Kathena NUI“ in Richtung Norden unterwegs war, getroffen, ihn angeschnackt und ein bisschen mit ihm geklönt. Der war überrascht und sichtlich angetan, dass Thue (als Däne) wusste, wer er ist und sogar einige seiner Bücher gelesen hatte. Und natürlich musste Thue ihm auch erklären, warum unser Schiff Elbkind heißt und unter dänischer Flagge segelt. Aber das kennen wir ja schon. 😉

Die Kathena Nui läuft aus
Die Kathena Nui verlässt Årø in Richtung Norden
Dann machten wir uns auf nach Dyvig. Acadia und Elbkind liefen gemeinsam aus, und es herrschte beinahe Windstille. Irgendwie waren wir in dieser Saison noch gar nicht dazu gekommen, unter Gennaker zu segeln, aber nun sollte es endlich losgehen. Ein mühsames Unterfangen, denn unsere Windanzeige zeigte zwischendurch sogar eine glatte NULL an! Trotzdem hatten wir Spaß und versuchten eine ganze Zeit lang, wenigstens ein kleines bisschen Fahrt ins Schiff zu bekommen. Nach zwei Stunden Gedümpel mussten wir dann aber doch einsehen, dass es wahrscheinlich bis zum nächsten Morgen dauern würde, bis wir Dyvig erreichen, wenn wir den Volvo nicht endlich anschmeißen. Okay, überredet… 😬

Endlich mal unter Gennakker, aber meistens ohne Wind
Endlich mal unter Gennakker, aber die meiste Zeit ohne Wind
Am frühen Nachmittag erreichten wir Dyvig fast zeitgleich mit der Acadia. Torben und Lene hatten unterwegs auch rumgetrödelt und das schöne Wetter und die ruhige See genossen. Abends wurde natürlich der Grill angezündet, bei DEM Wetter! Also ich finde, das Leben ist schön. Und meinen Job habe ich in den letzten Monaten noch nicht eine Sekunde vermisst. 😉

Natürlich ist unser Törn schon einige Wochen her, aber ich habe mir fest vorgenommen, unser Segeltagebuch 2015 zuende zu schreiben. Es kommt also an dieser Stelle demnächst noch ein bisschen was. Vielleicht ist es ja sogar ganz nett für Euch, im Herbst noch ein paar sommerliche Blogs zu lesen? ☀️

Middelfart – spannendes Hafenkino, traumhafte Sonnenuntergänge und eine Radtour zum Hindsgavl Slot

Anfangs passte die Windrichtung noch für unseren Törn nach Middelfart, aber leider war der Spaß schnell vorbei, denn nicht nur der Wind flaute ab, sondern auch die Richtung stimmte nicht mehr, und wir mussten die Segel runternehmen. Schade! Als kleine Entschädigung schickte Petrus uns aber schönes Sommerwetter.

Wer als Sportbootfahrer nach Middelfart kommt, hat die Qual der Wahl, denn man kann sich hier zwischen vier (!) Marinas entscheiden. Das sind

  • die moderne Middelfart Marina mit 507 Liegeplätzen im östlichen Teil des Fænøsund. Hier gibt es sehr niedrige Schwimmstege, die nicht bei allen Seglern beliebt sind, und Wasser und Strom an den Stegen sind neuerdings kostenpflichtig. Außerdem ist der Fußweg in die Stadt ziemlich weit, das gibt Punktabzug. Nicht unsere erste Priorität.
  • der Kongebro-Yachthafen. Klein und idyllisch im Grünen gelegen, aber ganz nah an der alten Eisenbahnbrücke über den kleinen Belt und daher etwas laut. Es gibt ca. 45 Liegeplätze, und das Hafenbecken ist nur ca. 2 m tief. Also eher etwas für kleinere Schiffe. Ein schöner, ca. 15-minütiger Spaziergang durch den Wald führt zum Hafen bzw. ins Zentrum der Stadt.
  • der alte Hafen (Gl. Havn), der früher in erster Linie Handelshafen war. Sehr beliebt und deshalb auch voll, man liegt zentral, aber auch unruhig und häufig im Päckchen. Auch nicht so unser Ding.
  • der Nyhavn – obwohl hier auch viele Motorbratzen liegen, unser Favorit. Eine moderne Marina mit 67 Liegeplätzen und einer Wassertiefe von 3 m. Liegt direkt am Lillebælt mit einem traumhaften Ausblick übers Wasser. Zentraler geht’s nicht! In unmittelbarer Nähe gibt es ein Kino, eine Bibliothek und Restaurants. Supermarkt, Bäcker und Einkaufsstraße hat man in ein paar Minuten zu Fuß erreicht. Der Hafenmeister kommt zweimal am Tag vorbei, um das Hafengeld zu kassieren (umgerechnet 25 €, unabhängig von der Schiffsgröße), wochentags kann man die Liegegebühr aber auch im Touristik-Center in der Bibliothek bezahlen.
Blick vom Nyhavn zur Brücke über den kleinen Belt
Blick vom Nyhavn zur Lillebæltbrücke

Nach einer herrlichen Fahrt durch den Fænøsund und den kleinen Belt steuerten wir unseren Lieblingshafen, den Nyhavn, an. Und trauten unseren Augen nicht, als wir dort einliefen: auf der Backbordseite waren zwei Motorboote gesunken und schwammen mit dem Kiel nach oben! Später berichtete unser Stegnachbar, dass die Schiffe zwei Tage vorher ausgebrannt waren und drei Kinder noch in letzter Minute von Bord gerettet werden konnten. Der Grund für das Feuer war wohl ein defektes Ladegerät. Schluck. So schnell kann’s gehen! 😳

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Glücklicherweise waren bei dem Unglück keine Menschen zu Schaden gekommen, und am nächsten Morgen ging dann das große Hafenkino los, denn die Boote mussten gehoben und aus dem relativ engen Hafenbecken geschleppt werden. Eine kniffelige Aufgabe, für deren Beobachtung sich zahlreiches Publikum eingefunden hatte. Zuerst wurde ein Taucher ins Wasser geschickt, der diverse Luftkissen an den Wracks befestigte und Gurte um die Rümpfe legte. Anschließend wurden die Kissen aufgepumpt, so dass sich die Wracks langsam zurück an die Wasseroberfläche bewegten. Zuletzt kam der schwierigste Teil der Aktion: Die Boote mit den daranhängenden Luftkissen mussten quasi aus der Box „gefädelt“ werden. Mit viel Geduld und Spucke gelang das dann auch irgendwann.

Der Gedanke an ein Feuer an Bord hinterließ ein ziemlich mulmiges Gefühl bei mir, und Thue musste mir noch mal zeigen, wo die zwei Feuerlöscher, die wir an Bord haben, eigentlich untergebracht sind. Im Notfall will man ja schließlich nicht noch lange suchen… Aber jetzt bin ich schlauer, und uns kann hoffentlich nichts passieren.

Am nächsten Morgen schwangen wir uns auf die Bordfahrräder: ein Ausflug zum Hindsgavl Slot stand auf dem Programm. Die Halbinsel Hindsgavl ist ein schöner Naturpark mit einem Tierpark von 165 ha. Das Schloss wurde im 18. Jahrhundert erbaut, seine Geschichte begann aber schon viel früher, nämlich im Jahr 1295, als der dänische König Valdemar auf der Halbinsel eine Burg errichtete. Heutzutage wird die Schlossanlage als Hotel genutzt. Wir spazierten durch den wunderschönen Schlossgarten und gingen auf Entdeckungstour.

Im Park wurden damals mehrere Aussichtspunkte mit so klangvollen Namen wie „Der Lieblingsplatz der Frau“, „Abrahams Schoß“, „Ende der Welt“, „Kanone“ oder „Sorgenfrei“ angelegt. Einen dieser Orte gibt es noch immer: das kleine Fachwerkhäuschen „Sorgenfri“. An der Wand hängt ein Gedicht, das Dänemarks bekannter Dichter und Märchenerzähler H.C. Andersen für König Christian den 8. verfasst haben soll. H.C. Andersen lobte Sorgenfri als den Platz mit der schönsten Aussicht und als romantischsten Ort Fünens. Recht hat er!

Auf dem Rückweg machten wir noch einen kleinen Stopp auf der alten Eisenbahnbrücke, um aus luftiger Höhe den schönen Ausblick auf den kleinen Belt zu erleben.

Anschließend radelten wir zum Kongebro-Yachthafen, um eine kleine Frokostpause im Restaurant des Hotels Kongebrogården zu machen. Wir saßen im lauschigen Gastgarten und ließen es uns gutgehen. Hab ich eigentlich schon erzählt, dass die ganze Zeit die Sonne schien?

Apropos Sonne: es kann ja auch schön sein, wenn sie abends untergeht.

Zum Abschluss unseres Besuchs in Middelfart gondelten wir abends noch mal zu Fuß ins Café Razz, das nur einen Katzensprung entfernt vom Nyhavn liegt. Das Panorama hier ist einmalig: links liegt die alte Eisenbahnbrücke, rechts die Lillebæltbrücke, viele Schiffe sind unterwegs, und direkt vor unserer Nase tummelten sich die Schweinswale. Vom leckeren Essen, Carlsberg und Rotwein mal ganz abgesehen. Zwischendurch wünscht man sich manchmal, dass einer die „Pause“-Taste drückt!

Am nächsten Tag ging’s dann wieder in Richtung Süden nach Arø, denn inzwischen war die „Acadia“ wieder zurück von ihrem Törn in den Norden, und wir waren mit Torben, Lene und Felix verabredet.

Sommerfrische in Assens

Am nächsten Morgen lachte die Sonne wieder vom blauen Himmel und es ging ein angenehmes Lüftchen von 4 bis 5 m/s. Wie geplant ließen wir Haderslev am späten Vormittag im Kielwasser und machten uns auf den Weg nach Assens. Und hatten das große Glück, dass der Wind aus der richtigen Richtung kam, nämlich aus Nord / Nordost! Das bedeutete, dass der Motor auf unserem Weg durch den Fjord Pause hatte und wir segeln konnten. Wir freuten uns über die Ruhe und die Idylle (von ein paar Motorbooten mal abgesehen) und ließen die Fjordlandschaft mit ihrer Flora und Fauna noch einmal auf uns wirken. Was für ein Naturerlebnis!

Als wir die Fjordmündung erreicht hatten, mussten wir uns entscheiden, ob wir nördlich oder südlich an Årø vorbeisegeln. Die kürzere nördliche Route hat einige Untiefen, und das war etwas heikel. Aber der Skipper brauchte an diesem Tag wohl einen kleinen „Prickel“ und entschied sich wagemutig für die nördliche Variante. Leicht angespannt ließen wir den Tiefenmesser, der zwischendurch auch mal weniger als 4 m anzeigte, nicht aus den Augen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass unser Schiff einen Tiefgang von 1,95 m hat und Thue behauptet, dass wir allein durch das Gewicht meines Gepäcks 2,25 m locker erreichen würden. Das kaufe ich ihm natürlich nicht ab – er will mir durch solche Aussagen bestimmt nur Angst einjagen. Aber da ich von Natur aus tatsächlich etwas ängstlich bin, war ich erleichtert, als wir das Flachwasser endlich hinter uns gelassen hatten. Vorbei ging’s an der kleinen Insel Bagø, und nach nur 18 sm rückte unser Ziel langsam näher.

Die Marina in Assens kannten wir schon von früheren Besuchen. Zielstrebig liefen wir deshalb am Gästesteg vorbei und steuerten weiter ins Hafeninnere, denn hier liegt man bei Nordwind viel ruhiger. Und obwohl die Sommerferien in Dänemark erst am folgenden Wochenende endeten, gab es noch einige freie Liegeplätze. Ein freundlicher Herr auf dem Steg nahm unsere Vorleinen an und schnell waren wir fest. Alles nach Wunsch! 😊

Assens Marina
Assens Marina

Zu unserem Standardprogramm in Assens (das ist fast schon Tradition) gehört auch immer ein Besuch im Restaurant „Via Appia“ im Stadtzentrum. Der Gedanke an die leckere Pizza dort lässt uns schon immer Tage im Voraus das Wasser im Mund zusammenlaufen. Dazu kommt, dass es Carlsberg vom Fass gibt und man windgeschützt in einem lauschigen Innenhof sitzen kann – man fühlt sich beinahe wie in Italien. Und weil wir nach so langer Zeit an Bord geschlossene Räume nur schlecht aushalten können, fühlen wir uns erst recht wohl hier. Der Abend war jedenfalls wieder mal ein echtes Highlight.

Am nächsten Tag hieß es endlich Beachtime für mich! 🐙🏊🏼☀️Ich glaube, das war tatsächlich der erste Strandtag während des gesamten Sommertörns. Eigentlich unglaublich. Da mein Gatte bekanntermaßen nicht zu den Strandliegern zählt, ließ er mich allein losziehen und vertrieb sich die Zeit derweil im Marine Shop im Hafen.

Der Strand ist zwar nicht besonders groß und leider auch etwas steinig, aber um den Badegästen das Leben etwas zu erleichtern, sind ein paar kleine Brücken ins Wasser gebaut worden. So können alle Wasserratten das kühle Nass über Badeleitern problemlos erreichen. Mein Strand- und Schwimmtag hätte also richtig schön werden können, wenn… tja, wenn nicht jede Menge dieser glitschigen Biester unterwegs gewesen wären. Feuerquallen! Aber es war trotzdem schön, einfach nur in der Sonne zu liegen und übers Wasser zu gucken.

Quallenalarm in Assens 😕
Quallenalarm in Assens 😕

Sehr Euch mal dieses Foto an – ist das nicht niedlich? Eine typische Szene in dänischen Yachthäfen, und ich liebe diesen friedlichen Anblick! Kinder mit Schwimmwesten liegen stundenlang bäuchlings auf dem Steg und fangen Krabben mit einer Schnur, an der eine Wäscheklammer mit einem Stück Wurst als Köder hängt. Ich staune immer wieder, wie gut dieses einfache Prinzip funktioniert, denn die Viecher beißen quasi im Sekundentakt. Ein paar Stunden lang fristen die Krabben ihr Dasein in einem Eimer mit Wasser und werden dann später wieder in die Freiheit entlassen. Es gibt wohl kaum ein Kind, das nicht mit Begeisterung bei der Sache ist. Was für ein Spaß!

Krabbenangeln auf dem Bauch
Krabbenangeln auf dem Bauch

Abends wurden auf einem netten, grünen Grillplatz mit Blick auf’s Wasser unsere Würstchen auf den Grill geworfen, und am nächsten Morgen machten wir uns zu Fuß auf den Weg in die Stadt. Im „Toldboldhus“, dem alten Zollhaus, wollten wir uns die Ausstellung „Mennesket og Havnen“ ansehen, die sich mit dem Hafen von Assens im Wandel der Zeiten beschäftigt.

Das alte Toldbodhus am Hafen von Assens
Das alte Toldbodhus am Hafen von Assens

Besonders für Thue war die Ausstellung interessant, denn es wurde auch ein Film aus alten Zeiten gezeigt, in denen es noch eine Fährverbindung von Årøsund nach Assens gab. Als Kind hatte er oft im Hafen von Årøsund gespielt und beobachtet, wie die Fähre an- und ablegte. Oder wie die Zuckerrübenernte seines Vaters auf Anhängern auf die Fähre verladen wurde. In Assens angekommen ging’s dann zur Weiterverarbeitung in die Zuckerfabrik. Und so manches Vehikel, das im Film zu sehen war, hat er tatsächlich noch wiedererkannt..!

Anschließend spazierten wir weiter durch das Städtchen. Dänemark ist für mich ja das Flohmarktland schlechthin. Alle Dänen, die ihren alten Schrammel loswerden möchten, stellen kurzerhand ein kleines Verkaufstischchen an die Gartenpforte. Darauf wird eine Blechdose oder eine Geldkassette festgeschraubt, in die der Käufer das Geld werfen kann. Fertig. Verkaufspersonal ist nicht vorhanden, Vertrauen in die Menschen aber ganz offensichtlich schon. Natürlich gibt’s auch hier und da richtige „Loppemarked butikker“, also Flohmarktläden, im professionellen Stil. Und an genau so einem Laden kamen wir vorbei. Wir durchstöberten eine bunte Mischung aus Kuriositäten und Kandidaten für’s Scheußlichkeiten-Julklapp, bis Thues Blick auf ein kleines, englisches Jagdhorn aus Messing fiel. Sofort war es um ihn geschehen, und nach einer kurzen Preisverhandlung mit dem Inhaber ging das Teil in seinen Besitz über. Mithilfe von Google fanden wir später heraus, dass Thue ein richtiges Schnäppchen gemacht hatte, denn er hatte höchstens ein Viertel des handelsüblichen Preises bezahlt. Eine gute Geldanlage! 😉

Falls Euch Euer Weg eines Tages nach Assens führt, solltet Ihr auf keinen Fall Plum’s Købmandsgård verpassen. Der schöne Kaufmannshof hat eine lange Geschichte und liegt etwas versteckt in der Østergade. Hier gibt’s schöne kleine Läden und ein nettes Café. Besonders bei schönem Wetter sitzt man vor dem Café lauschig unterm Sonnenschirm und genießt die nette Atmosphäre bei einem Kaffee oder einem Frokosttallerken.

Ebenfalls einen Besuch wert ist der Tobaksgården, das Kulturhaus in Assens. Auf dem Gelände einer alten Tabakfabrik  finden wechselnde Ausstellungen und Konzerte statt und es gibt ein Kino und ein Restaurant. Frühstück stand zwar nicht auf der Speisekarte, aber als wir vorsichtig danach fragten, war es überhaupt kein Problem für die nette Dame hinter dem Tresen, spontan etwas Leckeres für uns auf den Tisch zu zaubern. An so viel Flexibilität kann sich so manch ein deutscher Gastronom wirklich ein Beispiel nehmen!

Habe ich Euch eigentlich schon mal erzählt, dass ich Blumengeschäfte liebe? Auch wenn Blumen an Bord natürlich völlig indiskutabel sind, kann ich einfach nicht widerstehen, muss meinem inneren Drang folgen und wenigstens mal kurz gucken und schnuppern, was gerade so im Angebot ist. Die „Blomsterværkstedet“ habe ich in einer kleinen Seitenstraße entdeckt und fand es einfach wunderschön!

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Blumenpracht vor der „Blomsterværkstedet“ in Assens

Auf dem Rückweg zur  Marina machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Denkmal von Peter Willemoes, einem dänischen Volkshelden, der 1783 in Assens geboren wurde, im zarten Alter von 12 Jahren zur dänisch-norwegischen Kriegsmarine ging und mit nur 24 Jahren bei Sjællands Odde im Kampf gegen die Briten sein Leben lassen musste. Was für ein Held!

Ein längerer Spaziergang am Tag 3 unseres Aufenthaltes führte uns ein Stück am Strand entlang und weiter ins Hinterland. Durch Zufall fanden wir heraus, dass man sich beim Campingplatz in der Nähe der Marina Schienenfahrräder ausleihen kann. Die Strecke führt ca. 30 km von Assens über Tommerup bis zum Dorf Nårup. Das hörte sich so interessant und lustig an, dass wir so einen Ausflug auf Schienen gleich fürs nächste Mal auf unsere To-Do-Liste setzten.

Nach einem Blick auf die Wettervorhersage beschlossen wir, am nächsten Tag nach Middelfart weiterzusegeln. Es war zwar ziemlich sicher, dass nicht mit besonders viel Wind zu rechnen war, aber das war halb so schlimm.Bei unserem letzten Besuch war Middelfart irgendwie zu kurz gekommen, und jetzt freuten wir uns auf den Nyhavn und das Café Razz!

Segeln mit Freunden 2️⃣: Hadersleben (dän.: Haderslev)

Am nächsten Morgen haben wir uns für unser Frühstück viel Zeit genommen. Noch immer war Bilderbuch-Wetter, und wir genossen Kaffee und „rundstykker“ im Cockpit – inklusive Hafenkino. Es ist ja immer wieder unterhaltsam, andere Schiffe bei ihren An- und Anlegemanövern zu beobachten. Abgesehen davon, dass wir uns gelegentlich heimlich auf die Schulter klopfen, weil wir – finden wir jedenfalls – so manches Manöver inzwischen schon viel professioneller meistern als andere, ist es auch immer wieder lustig, Studien darüber zu betreiben, wie Crews miteinander kommunizieren. Nicht selten kommt es nämlich vor, dass der Skipper seine Bordfrau anpöbelt, wenn mal eine Situation aus dem Ruder läuft. Besonders gern passiert das, wenn er selbst ein Manöver versemmelt oder vorher keine klaren Anweisungen gegeben hat. Im Zweifelsfall ist auf jeden Fall die Gattin schuld. Da ist der Fremdschäm-Faktor zwar gelegentlich ganz schön hoch, der Unterhaltungswert für’s Hafenpublikum aber auch… 😏

Damit wir uns bei unseren Hafenmanövern nicht anschreien müssen (nicht nur aus Frust, sondern hauptsächlich weil das Elbkind 12 m lang ist und der Anlegewind auch ziemlich auf die Ohren geht, wenn er direkt von vorne kommt), haben wir uns vor einiger Zeit Intercom-Kopfhörer zugelegt – eine sehr sinnvolle Investition! Die Dinger werden ja auch gern von Motorradfahrern benutzt, die unterwegs miteinander kommunizieren und dafür nicht ständig anhalten wollen. Mithilfe dieser netten technischen Errungenschaft können wir problemlos sogar bei Starkwind in Zimmerlautstärke miteinander kommunizieren, wenn ich auf dem Vorderdeck rumturne und z.B. nach freien Hafenplätzen Ausschau halte. Und niemand im Hafen kennt meinen Namen!! 😉

Am späten Vormittag rissen wir uns endlich los, und nach einem kurzen Tank-Stopp gegenüber in Årøsund ging es gemeinsam mit der Acadia, Torben und Lene unter Motor in westliche Richtung in den Haderslev-Fjord. Dieser Meeresarm ist 7 sm lang und führt direkt in den Yachthafen im Zentrum von Haderslev. Die Fahrrinne ist sehr gut betonnt, und wir tuckerten gemütlich durch die idyllische Fjordlandschaft.

Die Acadia ist uns auf den Fersen!
Die Acadia ist uns auf den Fersen!

Auf dem Weg nach Hadersleben findet man immer wieder Ankerbojen und Pfähle, an denen man eine Pause machen oder sogar über Nacht festmachen kann. Leider konnte ich Thue bis heute nicht dazu überreden, mal über Nacht an einer Ankerboje zu liegen. Er fühlt sich im sicheren Hafen wohler. Aber ich werde nicht aufgeben und arbeite hartnäckig daran, ihn irgendwann umzustimmen!

Unterwegs wurden wir – man kann es kaum glauben – von einem Kajakfahrer überholt, was für eine verrückte Szene! Eigentlich müsste die Höchstgeschwindigkeit von 6 kn auf dem Fjord doch für alle Wasserfahrzeuge gelten, oder was meint Ihr? Den Paddler interessierte das aber ganz offensichtlich nicht, er wirkte ausgesprochen ambitioniert und erkundigte sich, als er mit uns auf einer Höhe war, nach unserer Geschwindigkeit. Davon konnte er dann ableiten, was für einen Zacken er draufhatte. Zufrieden grinsend legte er sich anschließend noch mal richtig ins Zeug und hatte uns schnell abgehängt.

Schon nach knapp zwei Stunden Fahrt liefen wir  im Yachthafen von Hadersleben ein. Es gab noch jede Menge freie Gästeplätze, und wir machten direkt vor dem Clubhaus fest. Die Kulisse erinnerte uns ein bisschen an die Atmosphäre im Tuborg Havn in Kopenhagen, denn auf der gegenüberliegenden Seite stehen moderne Mehrfamilienhäuser. Von Seglerromantik ist hier nicht besonders viel zu spüren, aber trotzdem ist der Yachthafen ruhig und gemütlich.

elbkind und Acadia im Yachthafen von Haderslev
elbkind und Acadia im Yachthafen von Haderslev

Zugegeben: der Weg von der Marina in die Innenstadt von Haderslev könnte netter sein. Man kann zwar noch eine Weile am Wasser entlanglaufen, endet aber irgendwann an einer vierspurigen Straße mit relativ viel Autoverkehr. Aber wenn man nach ein paar Minuten die Innenstadt erreicht hat, ist man schnell versöhnt. Hier gibt es schöne alte Fachwerkäuser, Straßen mit Kopfsteinpflaster, einen schönen Platz zum Draußensitzen mit zwei Restaurants (Vorsicht: in einem der beiden namens „Ras2ranten“ mussten wir am zweiten Abend eine geschlagene Stunde auf unser – eher mittelmäßiges – Essen warten!), viele hübsche kleine Geschäfte, den wunderschönen Dom zu Haderslev – die schönste gotische Kirche Dänemarks – und den Haderslev Dam, einen mittelalterlichen Stausee.

Und weil es so viel zu entdecken gibt, die Bordfahrräder sowieso schon ausgepackt waren und wir in letzter Zeit den Spaß am Rumtrödeln entdeckt haben, beschlossen Thue und ich, uns noch ein paar Tage Zeit zu nehmen. Wir wollten die Stadt noch ein bisschen genauer erkunden. Abends grillten wir gemütlich mit Torben und Lene im Hafen, und am nächsten Morgen brachen die beiden in Richtung Middelfart auf. Ihr Segelurlaub hatte ja gerade erst angefangen, und die beiden wollten natürlich gern noch weiter Richtung Norden – ihr Ziel war Samsø.

Ich habe Euch ja schön früher erzählt, dass Thue überall in Dänemark Leute kennt. Deshalb wundert es auch niemanden mehr, dass schon ein Telefonat reichte, damit sein früherer Schulfreund Jørgen ihn an Bord besuchte. Die beiden hatten sich nach all den Jahren, was sag‘ ich, Jahrzehnten!! natürlich jede Menge zu erzählen. Und jeder zweite Satz fing mit den Worten „kan du husk?“ (weißt Du noch?) an. Die ersten zwei Stunden habe ich die beiden in Ruhe klönen lassen, bin in der Zwischenzeit durch die Stadt gebummelt und habe mir den schönen Dom schon mal etwas näher angesehen. Ein Schild kündigte für den nächsten Tag eine kostenlose Führung an. Die wurde natürlich sofort auf unsere To-Do-Liste gesetzt!

Jørgen und Thue an Bord
Jørgen und Thue beim Plausch an Bord

Am nächsten Tag machten wir erst mal eine kleine Fahrradtour durch die Stadt, erst ging es durch kleine Straßen und Gassen vorbei an hübschen Fachwerkhäusern und anschließend rund um den Haderslev Dam. Wir konnten unser Glück kaum fassen: die Sonne schien noch immer!

Mittags dann die Führung durch den Dom von Haderslev, seit 1922 Bischofskirche des Bistums Haderslev. Der Rundgang, den eine ehrenamtliche Mitarbeiterin sehr professionell zweisprachig auf dänisch und deutsch durchführte, war wirklich interessant. Wir erfuhren, dass die Kirche im 13. Jh. errichtet und im 15. Jh. dreischiffig ausgebaut wurde. Während des dreißigjährigen Krieges im Jahr 1627 brannten Teile der Kirche nieder und mussten anschließend umfangreich restauriert werden. Noch heute kann man in der Außenfassade dunkle Backsteine entdecken, die bei der Restaurierung wieder verarbeitet wurden. Die vier wunderschönen Talare in den leuchtenden Farben des Kirchenjahres, die im Keller der Kirche ausgestellt sind, hat Königin Margrethe von Dänemark höchstpersönlich entworfen und an ihrer Entstehung mitgewirkt. Bei einem der Stücke wurde sogar der Stoff des Kleides verarbeitet, das sie bei ihrer Verlobung mit Prinz Henrik trug! Ist das jetzt eigentlich ein gutes oder ein schlechtes Zeichen..? 😳

Nach 3 Tagen in Haderslev guckten wir uns den Wetterbericht an und waren begeistert: Das Sommerwetter hielt weiter an! Natürlich musste es unbedingt irgendwohin gehen, wo es einen Strand gibt. Was bietet sich da an und ist nur einen Katzensprung (18 sm) entfernt? Wir mussten nicht lange überlegen: unser nächstes Ziel hieß Assens! In der Marina liegt man ruhig, es gibt einen kleinen Strand, und beim Italiener „Via Appia“ in der Stadt wird die beste Pizza gebacken, die wir jemals in Dänemark gegessen haben.

Also: Leinen los und auf nach Assens!

Segeln mit Freunden 1️⃣: Årø

Gar nicht so einfach, nach so langer Zeit mal wieder die Blog-Kurve zu kriegen. Irgendwie war ich wohl nicht so recht motiviert. Vielleicht gibt es Leute, die an dieser Stelle das Wort „faul“ verwenden würden, ich würde aber eher zu „anderweitig beschäftigt“ tendieren. Wir konnten nämlich in den letzten Wochen endlich mal traumhaft segeln und haben den Sommer an Bord so richtig genossen. Plötzlich gab es einfach keine Regentage mehr, an denen ich mir die Langeweile schreibend vertreiben konnte! Der August hat sich noch mal richtig ins Zeug gelegt und alles gegeben (wurde auch Zeit!), damit alle Segler die kalten und windigen 3 Monate davor möglichst schnell wieder vergessen. Ist ihm bei uns auch ganz gut gelungen.

Alle, die dem Elbkind-Blog in den letzten Monaten gefolgt sind, werden mich bestimmt verstehen und mir verzeihen. Stimmt’s?? Aber jetzt wird es wirklich höchste Zeit, dass Ihr mal wieder auf den neuesten Stand gebracht werdet.

Am Freitagabend waren wir in Dyvig mit unseren Freunden Torben und Lene in Dyvig verabredet. Die Ärmsten hatten schon die erste Woche ihres Sommerurlaubs im Sommerhaus bei Apenrade verbringen müssen, weil das Wetter zum Segeln einfach völlig ungeeignet war. So wie wir standen sie in den Startlöchern. Nun sollte es endlich losgehen!

Beim abendlichen Grillen beschlossen wir, am nächsten Morgen gemeinsam nach Årø zu segeln, und schon gegen Mittag liefen wir unter Motor (kein Wind!) dort im kleinen Inselhafen ein. Weil Årø sehr beliebt ist – vor allen Dingen bei Motorbootfahrern aus Hadersleben und auch bei deutschen Seglern – sollte man gerade in Ferienzeiten möglichst rechtzeitig da sein, um einen der begehrten Hafenplätze zu ergattern. Vor allem die Liegeplätze am nördlichen Bootssteg sind begehrt, weil es hier keine Schwimmstege gibt. Aber weil wir schon um 8.00 Uhr in Dyvig gestartet waren, hatten wir Glück und erwischten zwei der beliebten Plätze. Manchmal lohnt sich frühes Aufstehen tatsächlich! 😎 Das Wetter war traumhaft, und am frühen Nachmittag starteten wir einen Spaziergang zu viert rund um die Insel.

Noch im Hafen begegnete uns eine fröhliche Truppe junger Frauen, die, als Piratenbräute verkleidet, lustige Spiele spielten und zwischendurch auch dem Alkohol nicht gerade abgeneigt waren. Ganz klar: hier gab’s was zu feiern. Auf Befragen stellte sich heraus, dass hier ein deutsch-dänischer Junggesellinnenabschied stattfand. Die Mädels waren mit der „Helene“, einem altmodischen Ausflugsdampfer mit Heimathafen Hadersleben, auf die Insel gekommen und hatten ganz offensichtlich jede Menge Spaß. Bereitwillig und gut gelaunt ließen sie sich fotografieren.

Sommer - Sonne - gute Laune! Die Piratenbräute ließen es richtig krachen...
Sommer – Sonne – gute Laune! Die Piratenbräute ließen es richtig krachen…

Das ist sie, die

Dann ging es per pedes weiter über die Insel, die ich als „übersichtlich“ bezeichnen würde,denn sie ist nur 4 km lang und 3 km breit, hat 160 Einwohner, einen Campingplatz und aufgrund des milden Klimas sogar ein kleines Weinanbaugebiet, den Årø Vingård. Und genau der war einer unserer Anlaufpunkte, denn wenn man schon mal hier ist, muss man natürlich auch ein Gläschen Wein aus Inselanbau probieren. Besonders für Torben, den passionierten Weintrinker und -kenner in unserer Runde, war das quasi Ehrensache. Im gut besuchten, sonnigen Gastgarten ließen wir uns nieder und entschieden uns für ein Glas Weißwein, der sich tatsächlich ganz gut trinken ließ.

Leicht beschwingt setzten wir unseren Inselspaziergang eine Stunde später in Richtung Campingplatz fort. Was wir dann erlebten, hatte allerdings nichts mit übermäßigem Alkoholgenuss vor Sonnenuntergang zu tun, sondern war – fanden wir jedenfalls – ein gutes Beispiel für Ideenreichtum. Wie transportiert der einfallsreiche Insulaner nämlich sein Boot, wenn sein Auto keine Anhängerkupplung hat?

So macht er das. Er hängt es hinter den Aufsitzrasenmäher!
So macht er das. Er hängt es einfach hinter den Aufsitzrasenmäher!

Auch auf dem Weg durch den Ort staunten wir nicht schlecht, denn offenbar wurde hier die Farbe des Käfer-Oldtimers auf die des Hauses abgestimmt. Oder umgekehrt. Man weiß es nicht genau. Sah jedenfalls gut aus.

... hier ist alles Ton in Ton!
…  alles Ton in Ton!

Für den Abend hatten wir einen Tisch beim Restaurant „Brummers Gård“ bestellt, das ist ja inzwischen schon fast Tradition bei uns. Habe ich Euch eigentlich schon mal erzählt, dass der Hof seit 1989 unter Denkmalschutz steht und im Juni 2013 sogar Königin Margrethe und Prinz Hendrik hier zum Mittagessen eingekehrt sind?

Das Wetter spielte noch immer mit, wir konnten im Innenhof sitzen und das leckere „Hakkebœf“ – übrigens absolut bio, weil es von Årøs Galloway-Rindern stammt – mit „tilbehør“, den köstlichen Beilagen vom Buffet, genießen. Eigentlich fotografieren wir unser Essen NIE, aber dieses Mal konnte ich einfach nicht widerstehen. Das Auge isst ja schließlich auch mit. Und ja, ich geb’s zu, bevor es Kommentare hagelt: ich hatte richtig Hunger! 😋

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Hakkebœf med tilbehør – ein echter Insel-Gaumenschmaus.
Gemütlicher Abend bei Brummers Gård
Sommerabend bei Brummers Gård

Ein schöner und sonniger Tag ging langsam zu Ende, und gemütlich schlenderten wir zurück zum Hafen. Und als Krönung servierte uns Petrus dann noch diesen traumhaften Sonnenuntergang:

Sonnenuntergänge auf Årø sind mit Abstand die schönsten!
Sonnenuntergänge auf Årø sind mit Abstand die schönsten!

Bevor wir müde in unsere Kojen krabbelten, beschlossen wir gemeinsam mit Torben und Lene, am nächsten Tag nach Hadersleben zu segeln.

Fåborg (Klappe, die zweite!) und ein Ausflug nach Odense

Wir hatten wunderschönes Wetter für unseren Törn von Marstal nach Fåborg, allerdings lief auch die ganze Zeit der Motor, denn der Wind kam leider direkt von vorn. Unterwegs sind uns wunderschöne alte Segelschiffe begegnet, die die Regatta „Rund Fünen für Traditionssegler“ mitsegelten, und sich um die Mittagszeit gerade von Fåborg nach Svendborg aufmachten. Was für ein Anblick, sie so stolz und unter Segeln vorbeiziehen zu sehen!


Unser „Stammplatz“ an der Brücke 4 in der Fåborg Marina war – wieder mal – frei. Ist diese Box eigentlich immer grün und wartet nur auf uns? Wir freuten uns jedenfalls und fühlten uns gleich ein bisschen wie zuhause 😊.

Die Fåborg Marina wurde vor ca. 2 Jahren um ca. 100 Liegeplätze erweitert. Seitdem ist die Atmosphäre im Hafen leider nicht besser geworden, denn bei aller Freude über die zusätzlichen Gäste hat man bei der Planung offenbar übersehen, dass die sanitären Anlagen dem großen Ansturm gar nicht gewachsen sind. Nun steht im Yachthafen – zumindest während der dänischen Sommerferien – ein Toilettenwagen. So einer, wie Ihr ihn von Volks- und Schützenfesten kennt. Und die Ableitungsrohre führten direkt in einen offenen Gulli. Keine weiteren Fragen.

Improvisation ist alles - vorausschauende Planung aber auch!
Improvisation ist alles – vorausschauende Planung aber auch!

Für den Abend hatten wir einen Tisch in der Räucherei gleich in der Nähe des Hafens bestellt. Offenbar ein Familienunternehmen, und die Chefin dort ist ganz eindeutig Mutti, die den Laden generalstabsmäßig organisiert und ein Gedächtnis hat wie ein Elefant. Während der Sommerferien gibt es dort abends ein „Spis hvad du kan“-Fischbuffet, das beeindruckend gut organisiert ist. Man sitzt zünftig an Biertischgarnituren und futtert alles, was das Meer und die Tiefkühltruhe so hergeben. Und der Laden bzw. der Garten sind knüppeldickevoll. Die Bestellung schreibt man einfach selbst auf einen Zettel, den man dann bei der Chefin persönlich abgibt. Getränke werden gebracht, mit Essen versorgt man sich selbst. Das alles gibts für einen einigermaßen günstigen Preis – 119 DKK für ein Abendessen sind ein Dänemark ja eher ein Schnäppchen. Getränke gehen natürlich extra.

Wir teilten den Tisch mit einem älteren Ehepaar aus Dillingen im Harz. Schnell kamen wir ins Klönen, und die beiden erzählten, dass sie schon seit mehr als 30 Jahren mit einer Etap 21 durch das dänische Inselmeer segeln. Ihr Schiff wird mit dem Auto immer zu dem Hafen getrailert, den sich die beiden als Startpunkt ausgeguckt haben, und dann direkt vor Ort zu Wasser gelassen und später wieder auch herausgenommen. Dementsprechend weit waren die beiden natürlich schon rumgekommen. Eigentlich eine tolle Sache, denn so ist man ja unglaublich flexibel. Andererseits taten die beiden uns von Herzen leid, als wir sie am nächsten Morgen bei strömendem Regen nur unter einer Plane, die über dem Baum hing, im Cockpit sitzen sahen. So eine kleine Etap hat ja noch nicht mal eine „Kuchenbude“, von Stehhöhe im Schiff wollen wir gar nicht sprechen. Alles im Leben hat eben seinen Preis, und für die Flexibilität bleibt dann der Komfort auf der Strecke. Lass mich kurz überlegen – ich entscheide mich für mehr Komfort und weniger Flexibilität! In meinem Alter kriegt man nämlich schnell mal Rückenschmerzen, wenn man im Schiff noch nicht mal aufrecht stehen kann.. 😉

Für Samstag hatte die Wettervorhersage zur Abwechslung Regen und Gewitter angekündigt, und das sind Bedingungen, unter denen sich Thue nicht besonders gern an Bord aufhält. Schnell waren wir uns einig: wir machen einen Ausflug mit dem Bus nach Odense, der Heimatstadt des dänischen Dichters und Schriftstellers Hans Christian Andersen, der durch seine vielen Märchen weltbekannt wurde. Beim Busfahrer erstanden wir ein Schnäppchen-Ticket. Für 50 DKK, also umgerechnet rund 7 Euro, können Touristen im Sommer einen ganzen Tag lang mit dem Bus kreuz und quer auf Fünen herumfahren und auf Entdeckungstour gehen – das nenne ich mal ein super Angebot!

Nach einer knappen Stunde Fahrtzeit sprangen wir im Zentrum von Odense aus dem Bus und gondelten gemütlich und bei trockenem Wetter (noch!) durch die Straßen. Zwischendurch gab’s Kaffee und Kuchen in einem Café in der Fußgängerzone, gegen Abend einen Burger (alles kalorienfrei 😎) und zum Abschluss des Tages einen Kinobesuch: „Guldkysten“ hieß der dänische Film, für den wir uns entschieden hatten – und das ist bei uns gar nicht so einfach, denn natürlich will jeder was Anderes – ich lieber was mit „Tiefgang“ Thue mag eher Action. Kommt Euch das irgendwie bekannt vor, Mädels und Jungs? 😄

In leinwandfüllenden Bildern erzählt der Film von einem jungen Dänen, der 1836 in die afrikanische Kolonie seiner Heimat im heutigen Ghana kommt, um dort eine Kaffeeplantage anzusiedeln. Er stößt auf eine Handvoll versoffener Kolonialherren, die sich schamlos am Land und seiner Bevölkerung bereichern, und beschließt, die Sklaven zu befreien… Geschichte und die Botschaft des Films blieben zwar leicht hinter unseren Erwartungen zurück, aber die wunderschönen Naturaufnahmen machten auch Vieles wieder wett.

Es war schon fast Mitternacht, als wir in Fåborg wieder aus dem Bus gesprungen sind, und es goss wie aus Eimern. Den Sonntag haben wir damit verbracht, lange zu schlafen, ausgiebig zu frühstücken, spazieren zu gehen, immer wieder den Kopf über den Starkwind zu schütteln, in der Räucherei im alten Stadthafen zu sitzen, Kaffee zu trinken, schon wieder! Kuchen zu essen und Nägel mit Köpfen zu machen: Wir hauen ab, nutzen das kurze Zeitfenster mit etwas weniger Wind am nächsten Morgen und segeln zurück nach Dyvig. Ansonsten wären wir nämlich auch die folgenden 2-3 Tage noch in Fåborg eingeweht gewesen. Also, nichts wie weg!

Gesagt – getan. Montagmorgen nach dem Frühstück schmissen wir die Leinen los und es ging los Richtung Heimathafen. Bei bis zu 15 m/s aus Südost setzten wir die Genua und düsten ab. Leider stand noch eine alte Welle vom Vortag, so dass wir den Motor mitlaufen ließen, damit es nicht zu sehr schaukelte. Westlich von Lyø Trille kam uns eine Faurby 36 entgegen, und das Schiff kam uns irgendwie bekannt vor… Auch Joan und Tom, unsere Stegnachbarn aus Dyvig, kämpften unter dichtgeholtem Großegel und Motor gegen die ungemütliche Welle an. Unterwegs gab’s wieder mal What’s App-Korrespondenz mit Hein Mück, der unsere Route über Marine Traffic verfolgte, und mir war fast schon klar, wer nachmittags im Hafen auftauchen würde. 😊 Und richtig – nur eine halbe Stunde, nachdem wir festgemacht hatten, stand er auf dem Steg. Wir haben uns gefreut! Zu dritt saßen wir im Cockpit, tranken Kaffee und klönten. Und nachdem sich unser Besuch wieder auf den Weg nach Sønderborg gemacht hatte, packten wir unsere Klamotten und fuhren nachhause.

Wieviel Regen in der Zeit von Montag- bis Donnerstagabend in Norderstedt runtergekommen ist – frag mich nicht. Aber gefühlt war es sintflutartig. Es hätte mich nicht gewundert, wenn plötzlich Noah mit seiner Arche um die Ecke gekommen wäre und uns gefragt hätte, ob wir noch mitwollen, letzte Chance.

Die Entscheidung, ein paar Tage zuhause zu verbringen, war also auf jeden Fall richtig. Aber andererseits sah die Wetterprognose für Dänemark auch schon etwas freundlicher aus…☀️ Langsam fing’s wieder an zu kribbeln. Am Freitagmorgen saßen wir schon wieder im Auto und es ging zurück zum Elbkind.

Marstal – Inselidylle mit tapferen Seefahrern, bösen Oberlehrern und indischen Feuerbestattungen…

OK, ich geb’s ja zu – Euer Gefühl täuscht Euch nicht. Die Luft ist ein kleines bisschen raus bei uns. Ich schätze, das liegt  daran, dass wir unsere Pläne für diese Segelsaison wegen des ständig schlechten Wetters irgendwann über den Haufen geworfen haben. Denn eigentlich wollten wir ja nicht nur in dänischen Gewässern segeln, sondern auch nach Schweden und Ende Juni in Göteborg sein, wenn die Rennboote vom Volvo Ocean Race ihr letztes Ziel ansteuern. Und anschließend vielleicht sogar noch weiter in den Oslofjord. War ja alles nix. Just for the records: Die Messstation in Blåvand an der dänischen Westküste hat im Mai 21 Tage mit Starkwind (oder mehr!) registriert, und im Juni waren es 16 Tage.

Aber alles im Leben hat ja auch seine guten Seiten. So kamen wir nämlich endlich mal dazu, nach Marstal zu segeln, der Inselhauptstadt von Ærø. Schon so oft drüber gesprochen und trotzdem nie hingesegelt. Die wunderhübsche Insel liegt im Süden Dänemarks am Eingang zum kleinen Belt. Von Kappeln aus war es nicht weit bis nach Marstal – also los. Ein Segeltag wie aus dem Bilderbuch! Unter Motor ging’s raus aus der Schlei und rein in die Ostsee, dann zogen wir schnell die Segel hoch und konnten bei südlichem Wind  6-9 m/s quer von achtern die Sonne und den blauen Himmel genießen.

Unsere Route von Kappeln nach Marstal
Unsere Route von Kappeln nach Marstal

Den Hafen von Marstal konnten wir schon aus weiter Ferne leicht erkennen. Wer sich bei der Ansteuerung nicht an das betonnte Fahrwasser hält, lebt übrigens ziemlich gefährlich, denn außerhalb der Markierungen wird es ganz schnell flach. Schon das Einlaufen in den Hafen ist ein Erlebnis! Durch die lange Einfahrt geht’s vorbei am Fischereihafen, dem Fähranleger und einer Werft. Dann erreicht man den Sportboothafen, der im Sommer von unzähligen dänischen, deutschen und schwedischen Seglern angesteuert wird und deshalb – zumindest in der Sommersaison – meistens auch schon früh am Tag voll ist. Zum Glück waren wir schon gegen Mittag da und haben problemlos einen Liegeplatz bekommen.

Die Marina ist ausgesprochen kinderfreundlich und deshalb ein beliebtes Ziel für Familien. Hier gibt es keine Schilder mit der Aufschrift „Betreten des Rasens verboten“, und die Spielplätze sind auch prima. Abends auf dem Grillplatz war die Hölle los. Es herrschte eine Stimmung wie auf dem Hamburger Dom, und die riesigen Rauchwolken der vielen Grills erinnerten eher an indische Feuerbestattungsrituale als an eine kultivierte Art der Fleischzubereitung. Muss man mögen.. 😉

Am Gästesteg
Leben und Treiben am Gästesteg in Marstal

Mit bei uns am Tisch saß eine nette dänische Familie mit süßen zweijährigen Zwillings-Jungs, die sich zu viert eine riesige Pizza teilten. Es stellte sich heraus, dass der junge Vater der Pastor der Kirche von Ærøskøbing war, einem netten Städtchen im Osten der Insel. Ein interessantes und aufschlussreiches Gespräch folgte, in dem wir erfuhren, dass selbst an guten Tagen nicht mehr als 20 Menschen den Gottesdienst besuchen. Wirklich bewundernswert, unter solchen Bedingungen als Pastor nicht die Motivation zu verlieren!

Apropos Kirche: Natürlich haben wir auch die Kirche in Marstal besichtigt, die im Jahr 1738 erbaut wurde und in der 7 Schiffe von der Decke hängen – ein deutliches Zeichen dafür, dass Marstal eine alte Seefahrerstadt ist. Das Altarbild des Malers Carl Rasmussen zeigt Jesus, der den Sturm über dem See Genezareth besänftigt. Für die Gesichter der 12 Apostel haben ihm damals angeblich einige Männer aus Marstal Modell gestanden. Manchmal muss man sich eben einfach nur zu helfen wissen!

Das Altarbild in der Marstal Kirke
Das Altarbild in der Marstal Kirke

Der dazugehörige Friedhof wurde 1895 aus Platzmangel stillgelegt, aber es gibt noch immer alte Grabsteine und ein Monument für Seeleute, die im ersten und zweiten Weltkrieg ihr Leben lassen mussten. Besonders aber interessierte uns – vor allen Dingen Thue, der das Buch „Wir die Ertrunkenen“ von Carsten Jensen gelesen hat – der Grabstein des Oberlehrers Ishoy. Letzterer kam nämlich unter dem Namen „Isager“ als einer der Protagonisten im Buch vor, der seine Schüler nicht gerade nett behandelt hat. Und wir wurden tatsächlich fündig:

Der Grabstein des Oberlehrers Ishoy
Der Grabstein des Oberlehrers Ishoy

Marstal hat uns uns gut gefallen, allerdings sind wir schon nach zwei Tagen in Richtung Fåborg auf Fünen aufgebrochen, denn die nächste Schlechtwetterfront war schon wieder im Anmarsch. Bei Regen liegen wir mit dem Elbkind nämlich lieber in größeren Häfen, denn da gibt’s einfach mehr Abwechslung und Zeitvertreib…

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Der Hafen von Marstal – nicht nur für uns, sondern auch für Traditionssegler ein beliebtes Ziel!

Kappeln – das Elbkind auf dem „Präsentierteller“, unverhoffte Begegnungen und schöne Spaziergänge

Einen Wecker haben wir nicht gebraucht am vorletzten Sonntag in Sønderborg. Zack! Schon um halb sieben ging’s freiwillig raus aus der Koje und rein in die Segelklamotten. Die Zeit war reif – wir freuten uns richtig auf Kappeln, denn eigentlich hatten wir uns für unsere zweite Segelrunde vorgenommen, endlich auch mal die deutsche Ostseeküste ein bisschen zu erkunden. Kappeln war noch unbekanntes Terrain für uns, denn bisher sind wir mit dem Elbkind nur einmal in Flensburg gewesen. Das musste sich ändern.

Der Wind war über Nacht abgeflaut und inzwischen so schwach, dass wir unter Segeln kaum Fahrt machten, um Kappeln noch so rechtzeitig zu erreichen, dass wir eine Chance auf einen Platz im Gästehafen hatten. Wieder einmal bestätigte sich unsere Theorie: der Wind ist immer dann da, wenn man ihn NICHT braucht. Und umgekehrt. Aber zum Glück hat das Elbkind ja auch einen Motor.

Unsere Route von Sønderborg nach Kappeln
Unsere Route von Sønderborg nach Kappeln

Fast unbeschreiblich, was für eine wunderbare Stimmung wir erlebt haben, als wir in die Schlei liefen! Ganze Heerscharen von Schiffen kamen uns entgegen – die Ferien in Schleswig-Holstein hatten nämlich gerade begonnen, und unzählige Crews und viele Familien waren nun auf dem Weg in den Segelurlaub. So viele glückliche Menschen auf einmal habe ich wirklich nur selten gesehen. Es wurde fröhlich von Schiff zu Schiff gewinkt (das ist nämlich  nicht nur unter Motorradfahrern, sondern auch unter Seglern üblich – warum Windsurfer nie zurück winken, ist mir irgendwie schleierhaft 😜) und angesichts der zahlreichen auslaufenden Schiffe konnten wir uns inzwischen gute Chancen auf einen freien Hafenplatz ausrechnen.

Auf geht's in die Schlei!
Auf geht’s in die Schlei!

Vorbei ging’s an der Giftbude in Schleimünde und dem Yachthafen Maasholm ins Schlei-Fahrwasser. Kurz vor Kappeln begegnete uns der Traditionssegler „Amazone“, auf dem wir im September 2007 gemeinsam mit Freunden ein schönes Segelwochenende verbracht haben (damals, als wir noch von einem eigenen Schiff träumten!). Sönke, den Skipper, haben wir später auch im Museumshafen Oevelgönne in Hamburg und in Dyvig getroffen. Er erkannte uns sofort und winkte uns freudig zu. Ein überraschendes Wiedersehen!

Amazone voraus!
Amazone voraus!

Auf der Steuerbordseite tauchte schon bald die Bootswerft von Henningsen & Steckmest auf, anschließend die Ancker Marina und der Fischereihafen, und dann hatten wir auch schon den Gästehafen erreicht. Und es gab tatsächlich noch freie Plätze! Wir legten neben einem alten, dickbäuchigen Motorsegler an, dessen Crew – inklusive Bordhund, einem Zwergschnauzer – uns  freundlich begrüßte und unsere Vorleinen annahm. Die Klampen waren noch nicht belegt, da musste ich dem Skipper auch schon erklären, warum denn unser Schiff „elbkind“ heißt und wir unter dänischer Flagge segeln?! Was das denn wohl für ein Durcheinander sei? Brav wie ich bin, habe ich ihm natürlich sofort Rede und Antwort gestanden: dass ich als waschechte „Hamburger Deern“ einen Dänen geheiratet habe. Ach so! Das leuchtete ihm schnell ein, und er schmunzelte zufrieden.

OK, angekommen – also flott klar Schiff machen und erst mal kurz orientieren. Das Elbkind lag nun direkt an der Hafenmole mitten in der Stadt, quasi mit dem Bug an der „Flaniermeile“ von Kappeln, direkt gegenüber dem Pierspeicher und mit dem Heck fast im Schlei-Fahrwasser. Nur ein paar hundert Meter von der Lindaunis-Brücke entfernt, die immer um Viertel vor Voll für den Schiffsverkehr öffnet. Das war für mich anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, denn ich hab’s eigentlich gern etwas ruhiger. Thue dagegen fühlte sich gleich wie ein Fisch im Wasser, denn nun wurden die zahlreichen bunten Hafenmarken an unserem Bugkorb von Spaziergängern und Nachbarliegern bestaunt, und das gab natürlich viel Gesprächsstoff…

Anschließend wollten wir zu Fuß ein bisschen die Gegend erkunden. Der Himmel war inzwischen leider grau und wir mussten auch nicht lange warten, bis es wie aus Eimern zu regnen anfing – ausgerechnet, als wir in einem Café saßen und die 4 (in Worten: vier) Regenschirme, die wir an Bord haben, natürlich genau dort lagen. Murphy’s Law! Zum Glück war der Weg zurück zum Schiff aber nicht besonders weit, und wir sind ja auch nicht aus Zucker.

Nach dem Frühstück im Restaurant Pierspeicher am nächsten Morgen ging’s zu Fuß auf die andere Seite der Lindaunis-Brücke.

Mein neuer Freund sitzt auf der Treppe an der Lindaus-Brücke. Ein ganz harter Typ, aber pflegeleicht: er redet nämlich NIE gegenan!
Mein neuer Freund sitzt auf der Treppe an der Lindaunis-Brücke. Ein ganz harter Typ, aber herrlich pflegeleicht: er redet nämlich NIE gegenan!

Dort im Hafen entdeckten wir Bente, das neue, imposante Projekt-Segelboot von Digger (eigentlich heißt er ja Stephan). Ihn und seine süße Parson Jack Russell Hündin Polly haben wir vor einiger Zeit auf der Hanseboot in Hamburg kennengelernt, als er sein Buch vorstellte. -> http://www.diggerhamburg.com. Nach einem kleinen Klönschnack mit Stephan (Polly war leider müde und pennte unter Deck) zogen wir weiter in den schönen Museumshafen von Kappeln.

Das ist Polly. Ist sie nicht goldig?
Das ist Polly. Ist sie nicht goldig?

Hier herrscht eine ganz besondere, ruhige und friedliche Atmosphäre, und es gibt natürlich jede Menge schöne alte Schiffe zu begucken. Ein echter Augenschmaus!

Im Museumshafen von Kappeln
Im Museumshafen von Kappeln

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Und weil ich finde, dass es gelegentlich auch mal etwas Anderes geben muss als immer nur Schiffe, haben wir anschließend die alte Holländer-Mühle „Amanda“ besichtigt, die 1888 erbaut wurde und noch bis 1964 in Betrieb war. Heute kann man hier standesamtlich heiraten, die Mühle kostenlos (!) besichtigen und sich neben einer Pappmaché-Figur des aktuellen „Landarzt“-Darstellers, Wayne Carpendale, fotografieren lassen. Wer’s mag…

Die alte Holländermühle
Die alte Holländermühle „Amanda“

Nachmittags lief uns überraschend Roland über den Weg, seit kurzer Zeit ebenfalls stolzer Besitzer einer Nordborg 40. Er war allein mit dem Schiff unterwegs, und wir verabredeten uns spontan zum Abendessen beim Italiener an der Mole. Es gab Pizza, Pasta und eeeendlose technische Gespräche über das Segeln im Allgemeinen, insbesondere das Segeln einer Nordborg 40, das optimale Segelmaterial und so weiter… Ich will es mal zusammenfassen: der Abend war nett, aber ich hätte mich gefreut, wenn auch Tina, Roland’s bessere Hälfte, mit dabeigewesen wäre – nur so als Ausgleich, wegen der Frauenthemen. Ihr wisst schon. 😉

An unserem letzten Tag in Kappeln frischte der Wind so sehr auf, dass wir uns entschieden, lieber zu Fuß nach Arnis zu gehen, statt uns auf die Bordfahrräder zu schwingen. Wenn ich nämlich etwas überhaupt nicht mag, ist es Gegenwind beim Radfahren!

Übrigens – für alle, die es noch nicht wussten: Arnis, auch „die Perle an der Schlei“ genannt, ist die kleinste Stadt Deutschlands! (www.arnis.de) Unser Spazierweg führte uns zuerst entlang der Schlei und später über kleine Rad- und Wanderwege, teils auch asphaltierte, kaum befahrene Straßen bis zum hübschen Yachthafen von Arnis. Nach einer kleinen Runde durch den Hafen ging es weiter am Noor entlang Richtung Stadtmitte. Wie idyllisch und malerisch es hier war! Das Zentrum bildet die Lange Straße mit hübschen Fischerhäusern, gesäumt von Kopflinden.

Das ist sie, die Lange Straße in Arnis
Die Lange Straße in Arnis

 

Hübsche Haustüren in der Langen Straße
Wunderhübsche Haustüren überall..

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Durstig wie wir waren, kehrten wir im Fährhaus ein und zischten erst mal ein Alsterwasser. Ganz in der Nähe, direkt am Fähranleger, haben wir später ein kleines Café entdeckt, das hier nicht unerwähnt bleiben darf. Es ist nämlich nur nach Lust und Laune (und wahrscheinlich auch nur bei gutem Wetter) geöffnet, die Gäste werden von einem mobilen Verkaufsstand aus bewirtet und es gibt nur wenige Sitzgelegenheiten, die fast improvisiert wirken. Hat man erst mal Platz genommen, will man am liebsten nie wieder aufstehen, denn der wunderschöne Blick auf die Landschaft, die Schlei, die kleine Fähre und einen klitzekleinen Hafen hat eine Wirkung wie Pattex. Und der Milchkaffee war auch lecker.

Milchkaffee mit Schleiblick - bei Sonnenschein. Mehr geht nicht!
Milchkaffee mit Schleiblick – bei Sonnenschein. Mehr geht nicht!

Fahrt also unbedingt mal nach Arnis, wenn die Sonne scheint, und nehmt vielleicht auch Eure Fahrräder mit. Es lohnt sich!

Abends landeten wir mit etwas Glück (wir hatten nicht reserviert und erwischten den letzten freien Tisch) im Restaurant Stark, wieder direkt an der Hafenmole von Kappeln. Hier gab es keine Speisekarte – alle Gäste bekommen Salat und Antipasti als Vorspeise. Anschließend wird man vom Kellner in die Küche geführt und bespricht mit dem Koch, was man essen möchte. Angeblich gibt es hier den frischesten Fisch in ganz Kappeln – am selben Tag gefangen. Und der gegrillte Fisch, den wir ausgesucht haben, war wirklich gut – vom Weißwein ganz zu schweigen. Die Preise fanden wir moderat. Es blieb übrigens bis zum Schluss spannend, weil einem niemand sagt (und man natürlich auch nicht fragen will) was der Spaß denn eigentlich kostet. Nennt man sowas eigentlich Erlebnis-Gastronomie, wenn diese Überraschung erst zum Schluss kommt?

Im Restaurant
Im Restaurant „Carl“ in Kappeln

Zurück an Bord kamen wir (also eigentlich mal wieder Thue) mit unseren Stegnachbarn ins Klönen, und in Nullkommanix hatten wir Gäste an Bord. Wir lernten Pia und Carl kennen, ein sympathisches, dänisches Paar aus Humlebæk auf Sjælland, und der Abend klang mit Rotwein, Bier und interessanten Gesprächen im Cockpit aus.

Wie schön, dass 6 Jahre Dänischkurs bei der Volkshochschule Norderstedt und das Training an Sommerabenden mit dänischen Seglern in Dyvig  mich inzwischen in die Lage versetzen, einem Gespräch unter Dänen zumindest in groben Zügen zu folgen. Und wenn man zwischendurch mal den Faden verliert: immer schön lächeln und nicken! 😎

Pia und Carl
Pia und Carl

Am nächsten Morgen wurden schon früh die Leinen losgeworfen. Pia und Carl schliefen noch, als wir kurz vor halb acht ausliefen – auf ging’s nach Ærø! Unser Ziel war Marstal, denn plötzlich kam irgendwie wieder Sehnsucht nach Dänemark bei uns auf, und sogar die Wind- und Wettervorhersage stimmte ausnahmsweise mal…

Vom Winde verweht in Sønderborg

Am Donnerstagmorgen haben wir uns nach einem gemütlichen Frühstück im Cockpit auf den Weg nach Sønderborg gemacht. Schließlich waren für Freitag Sonnenschein und 30° C (!!!) angesagt, und in Sønderborg gibt es sogar einen schönen kleinen Strand. Da kam etwas Hoffnung für echtes Sommerfeeling auf. Die Sonne lachte vom Himmel, und obwohl der Wind (ok, eigentlich nur ein laues Lüftchen) direkt von vorne kam und die Segel wieder mal eingepackt bleiben mussten, genossen wir die Fahrt unter Motor durch die Flensburger Förde – vorbei an den Ochseninseln, der Marineschule Mürwik und natürlich der „bösen Schwiegermutter“, vor der wohl jeder Skipper Respekt hat. Wenn man sie auf der Landseite umrundet, läuft man nämlich ziemlich schnell auf Grund…

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Die Ochseninseln
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Die Marineschule in Mürwik
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Die Ochseninseln
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Unsere Route von Flensburg nach Sønderborg

Entgegen aller Befürchtungen gab es noch jede Menge freie Liegeplätze in der Marina, und wir machten mit dem Bug gegen den Wind fest. Perfekt! Als ich am nachmittags durch den Hafen schlenderte, wunderte ich mich über einen Abschleppwagen, der in die kleine Sackgasse am Duschhaus einbog. Hab mich noch nach ihm umgedreht und mich gefragt, wen oder was er wohl abschleppen will – es war doch gar kein Auto zu sehen?! Nur wenig später kam die Erklärung: Der Eigner eines Motorboots hatte leider vergessen, die Handbremse seines Wagens anzuziehen, als er sein Schiff slippen wollte. Das Gewicht von Trailer und Boot haben gereicht, um das Auto komplett ins Hafenbecken zu ziehen. Richtig dumm gelaufen – und natürlich ein gefundenes Fressen für die lokale Presse. Da haben wir übrigens auch das Foto stibitzt..

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… im Hafenbecken abgesoffen 😕

Viel gibt es eigentlich nicht zu berichten von unseren Hafentagen. Schön war’s mal wieder in Sønderborg, der netten kleinen Stadt, die ja nicht nur eine dänische, sondern auch eine deutsche Vergangenheit hat (nach der entscheidenden Schlacht im Krieg 1864 wurde Sønderborg Teil der preußischen Provinz Schleswig-Holstein). Auch hier leben Dänen und Deutsche friedlich zusammen. Die Stimmung ist fröhlich und entspannt, in der Perlegade (das ist die gemütliche Fußgängerzone) gab es richtig gute Livemusik von 3 Musikstudenten, und das Softeis war auch lecker.

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Abendstimmung im Hafen

Schade nur, dass mein Strandtag ausgefallen ist! DMI, die dänische Internet-Wetterseite, schraubte die Temperaturen nämlich ganz spontan wieder auf 20 Grad runter, und als Zugabe gab’s noch jede Menge Wind – so viel, dass wir sogar bis Sonntagmorgen im Hafen fest saßen. Ein schöner Spaziergang entlang der Küste am Samstag entschädigte uns zwar ein kleines bisschen, denn es war wenigstens sonnig. Aber abends auf dem Grillplatz wehten uns bei Windgeschwindigkeiten von bis zu 24 s/m (entspricht ungefähr 9 Beaufort) fast die Steaks vom Teller.

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Wilde Natur an der Küste
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Traumhafte Blütenpracht am Wegesrand
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Segler-Selfie

Zur Abwechslung waren wir also wieder mal eingeweht. Kommt Euch das mittlerweile eigentlich bekannt vor? Uns schon. Langsam fragen wir uns wirklich, ob’s dieses Jahr überhaupt noch einen Sommer gibt…

Flensburg – der perfekte Ort für uns!

Man muss natürlich nicht lange überlegen, warum das so ist. Wahrscheinlich fühlen wir uns so wohl in Flensburg, weil es sich irgendwie anfühlt wie deutsch und dänisch gleichzeitig. Perfekt für uns als deutsch-dänisches Doppel 👫 Ganz egal, wo Du bist – ob in einem der vielen Läden in der Altstadt,  beim Bäcker, im Restaurant oder beim Hafenmeister: such Dir einfach aus, ob Du dänisch oder deutsch sprechen möchtest, und Du kriegst die Antwort fast immer in Deiner Wunschsprache 👍😊. Abgesehen davon ist die Atmosphäre in Flensburg wirklich „hyggelig“, also gemütlich. Als wir um die Mittagszeit durch die hübschen Straßen bummelten, ertönte plötzlich das hübsche Glockenspiel der St. Nikolai Kirche. Dazu der Anblick der schönen, historischen Häuser – da muss einem einfach das Herz aufgehen!

Lustige Schuh-Dekoration über einer der Straßen 👞👢👡👠👟
Tiefenentspannung mitten in der Fußgängerzone. In Flensburg ist man relaxed!
Tiefenentspannung mitten in der Fußgängerzone. In Flensburg ist man relaxed!

Wenn man schon mal in der Rum-Stadt Flensburg ist, darf natürlich ein Abstecher zum Braasch Rum-Manufaktur Museum nicht fehlen. Das war richtig interessant. Anschließend stöberten wir noch ein bisschen im Laden rum, konnten uns aber aufgrund der frühen Tageszeit nicht zu einem „Rum-Tasting“ durchringen. Das haben wir dann aber nachmittags nachgeholt, und prompt wurde unsere Bord-Bar auch noch ein bisschen aufgestockt. Kleiner Tipp von Thue: wenn man sich nicht entscheiden kann, kauft man einfach zwei verschiedene Geschmacksrichtungen! 😋

Eine alte Destillieranlage
Bei dem Anblick schlägt das ❤️ des Rum-Liebhabers natürlich gleich höher..!
Der lauschige Hof zwischen Laden und Rum-Museum

Im Museumshafen sind wir natürlich auch noch gewesen. Thue ist ja fest davon überzeugt, dass er in einem früheren Leben mal Bootsbauer gewesen ist. Daher hat dieser Ort wahrscheinlich auch eine magische Anziehungskraft auf ihn. In Nullkommanix wurden „Fachgespräche“ mit den Bootsbauern und Handwerkern geführt, als wir an der Museumswerkstatt vorbeikamen – das war im letzten Jahr auch schon so. Zum Glück bin ich ja die Geduld in Person. 😉

Hier gibt’s angeblich die leckersten Fischbrötchen der Stadt!

Abends gab’s noch lecker Pizza Frutti di Mare beim Italiener in der Fußgängerzone, aber dann mussten wir notgedrungen unter Deck verschwinden. Unser Besuch in der Beach Bar am Steg ist leider wegen Regen ausgefallen… ☔️ Am nächsten Morgen hatten die Regenwolken sich aber verzogen und die Sonne lachte wieder. So wollen wir’s haben! Nach einem gemütlichen Frühstück im Cockpit legten wir ab Richtung Sønderborg. Da waren wir schon länger nicht mehr, und die Wettervorhersage ließ sogar auf einen Strandtag am Freitag hoffen… ☀️

Zurück an Bord – endlich geht’s wieder los! ⛵️

Schön war’s Zuhause! Es wurden runde (Julia) und „eckige“ (Rea) Geburtstage gefeiert, und wir haben viel Zeit und lustige Stunden mit der Familie, lieben Freunden und unseren netten Nachbarn verbracht.

Ein ganz besonderes Highlight war der vergangene Sonntag, der ganz unter dem Motto „Shanghai meets Hamburg“ stand. Uli und Reiner, Barbara und Wolfgang, Heidi und Klaus und Sonja, die wir aus unserer Zeit in Shanghai kennen, hatten die weite Anreise aus Neustadt, Weinheim, Frankfurt und Hildesheim in den hohen Norden nicht gescheut und sich auf den weiten Weg nach Elmshorn zu Gloria und Hans-Jörg (ebenfalls „Ex-Shanghaier“) gemacht. Nachdem die ganze Truppe am Samstag das Hamburg-Sightseeing-Programm absolviert hatte, trafen wir uns zum leckeren Sonntagsbrunch in Elmshorn.

Wiedersehen beim Sonntagsbrunch
Wiedersehen beim Sonntagsbrunch

Anschließend haben die Mädels in Gloria’s Wintergarten Mahjong gespielt, während die Herren sich auf einer Oldtimer-Ausstellung die Zeit vertrieben. Ein paar alte Autos und Traktoren waren übrigens auch zu sehen… 😜

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Endlich mal wieder Mahjong!

Abgesehen davon, dass ich mich unheimlich gefreut habe, nach einer gefühlten Ewigkeit endlich mal wieder Mahjong spielen zu können, habe ich wirklich tolle, vornehme Ausdrücke gelernt, z.B. „absentieren“, „okkupieren“ und „einschrägen“ (OK, das war ein Insider…). Und obwohl ich schon leicht aus der Übung war, habe ich sogar ab und zu gewonnen!

Der Tag war wunderschön, und wir hoffen, dass wir uns schon bald wiedersehen – vielleicht  im Oktober bei Uli und Reiner in Neustadt an der Weinstraße?

Zuhause wurden schnell noch die Taschen gepackt, und am Montagmorgen ging’s nach dem Frühstück fast auf direktem Weg nach Dyvig, mit nur einem kurzen Pit-Stop beim Skandinavien-Park an der deutsch-dänischen Grenze, denn unsere Bord-Bar musste dringend wieder aufgefüllt werden. 🍺🍷

Dyvig empfing uns freundlich, es war mild und trocken und der Hafen nicht übermäßig voll (in Dänemark sind gerade Sommerferien!). Nachdem eeeendlich alle Taschen ausgepackt und die Vorräte verstaut waren, wurden die Steaks auf den Grill geworfen und wir freuten uns über die schöne Abendstimmung.

Goldenes Abendlicht in Dyvig
Goldenes Abendlicht in Dyvig

Relativ spät abends lief noch die „Taifun“, ein Segel-Schulschiff der Marine-Akademie in Flensburg-Mürwik ein und machte an unserem Steg fest. Thue staunte nicht schlecht, als er plötzlich in ein bekanntes Gesicht blickte: Thomas, den Skipper der „Taifun“, hatte er nämlich vor ein paar Wochen auf unserer ersten Sommertour in Ebeltoft kennengelernt (weil er ja ständig alle Leute anquatscht!), als der dort mit seinen Segelschülern und dem Segelschulschiff „Asta“ im Hafen lag und – genau wie wir – eingeweht war. Es dauerte nicht lange, bis Thomas für einen kleinen Klönschnack bei uns im Cockpit saß und ein Carlsberg mit uns zischte. So klein ist die (Segler-) Welt manchmal!

Heute Morgen sind wir dann fast zeitgleich mit der „Taifun“ von Dyvig ausgelaufen, und es dauerte nicht lange, bis Thomas uns anfunkte. Er hatte unterwegs ein paar Fotos vom „Elbkind“ gemacht, die er uns nun per Mail zuschicken will. Es gibt wirklich nette Leute! 👍🏼😊

Die Fahrt ging durch den Alssund Richtung Sønderborg, wo wir leider fast eine halbe Stunde vor der Klappbrücke warten mussten. Wir waren natürlich nicht allein, denn es sind schließlich Ferien – bei 25 Schiffen habe ich aufgehört zu zählen. Es herrschte jedenfalls ein ziemliches Gewühle!

Gedrängel vor der Klappbrücke in Sønderborg
Gedrängel vor der Klappbrücke in Sønderborg -endlich geht sie auf!

Unter Motor ging’s weiter durch die schöne Flensburger Förde. Zum ersten Mal in diesem Sommer in kurzärmeligen T-Shirts und ohne Fleecejacke – ein denkwürdiger Tag! Wir sprechen natürlich nur von Segeltagen und nicht von den tropischen Temperaturen in Hamburg während unseres Heimaturlaubs – is‘ klar… Gegen 16.00 Uhr machten wir im Stadthafen von Flensburg fest – anfangs auf einem etwas unglücklichen Liegeplatz längsseits am Brückenkopf. Aber weil er damit so gar nicht happy war, schnappte Thue sich gleich den Hafenmeister, um ihn davon zu überzeugen, uns einen besseren (roten) Platz in einer Box zu geben. Das hat zum Glück auch geklappt! 👍😄

Dann ging’s zu Fuß los in Richtung Innenstadt, wo in der Fußgängerzone ein Restaurant neben dem anderen liegt. Was darf’s denn sein? Griechisch? Italienisch? Spanisch? Gutbürgerlich? Junk Food? Hier ist für jeden etwas dabei. Wir landeten schließlich im Restaurant „Borgerforening“, das in einem schönen, alten Innenhof liegt. Die Atmosphäre war nett, beim Essen war allerdings noch reichlich Luft nach oben (Pfeffersteak ohne Pfeffer?!). Aber wir bekamen eine warme Mahlzeit und wurden satt, und es gab ein kühles „Flens“ – das war die Hauptsache!

Es
Es „flenst“ in Flensburg!

Die Wettervorhersage für Mittwoch – also morgen – ist vielversprechend 🌞, und wir bleiben auf jeden Fall noch bis Donnerstag hier. Thue meint übrigens, im Stadthafen von Flensburg zu liegen sei ziemlich teuer. Damit sind natürlich nicht die Hafengebühren gemeint, sondern die gefährliche Nähe zu schicken Boutiquen und Schuhgeschäften… 👗👠👖👙👒😎

Aber Flensburg bietet natürlich noch viel mehr als Shopping – den Museumshafen zum Beispiel. Mal sehen, was wir alles zu sehen bekommen. Hier schon mal ein kleiner Vorgeschmack:

St. Marien Kirche
St. Marien Kirche

 

Blick vom Stadthafen zum Museumshafen
Blick vom Stadthafen zur Altstadt

 

Die schöne Altstadt von Flensburg
Die schöne Altstadt von Flensburg

 

Stadthafen by night
Der Stadthafen by night

„Festwochen“ in der Heimat

Hallihallo, zwischendurch kommt hier mal eine kleine Meldung von uns…

Seit dem 2.7. sind wir zuhause in Norderstedt und schwitzen gemeinsam mit der übrigen Nation vor uns hin. Neiiiin, ich will gar nicht rumnörgeln, schließlich haben wir uns  schon so lange besseres Wetter gewünscht. Aber ich will ehrlich sein: ab und zu wünschen wir uns doch zurück an Bord, denn da geht wenigstens gelegentlich mal ein kleines Lüftchen…

Letzten Freitag haben wir mit Julia ihren 30sten Geburtstag gefeiert – eine schöne Grillparty auf den Alsterwiesen in Hamburg. Das Wetter war perfekt, die Temperaturen erreichten mehr als 30 Grad! Sogar die angekündigten Gewitter hatten ein Einsehen und zogen freundlicherweise vorbei.

Das Geburtstagskind strahlte, die Gäste waren in Feierlaune, die Stimmung klasse, es gab lecker Essen und gute Musik. Ein rundum gelungener Abend! 🍗🍷🍺🍹🍰

Das Geburtstagskind
Das Geburtstagskind

 

Die gut gelaunten Gäste
Die gut gelaunten Gäste

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Die stolze Mama mit dem Geburtstagskind
… und die stolze Mama mit dem Geburtstagskind

Die Festwochen zuhause gehen weiter. Fortsetzung folgt! 😜

Hafencamping in Dyvig

5 1/2 Wochen Segeltörn liegen hinter uns. In dieser Zeit lief jede Nacht die Heizung an Bord, und tagsüber waren 2 Schichten Fleece meistens der Standard, zwischendurch auch mal regenfeste Kleidung. Die am häufigsten besuchten Internetseiten in dieser Zeit: DMI, Windguru und YR.NO – denn es ging natürlich ständig ums Wetter! Das Bier wurde nicht im Kühlschrank, sondern in der Achterkabine gekühlt, und unser Cobb-Grill fristete sein trauriges Dasein in der Backskiste – zum Grillen war es zu kalt. Wenn ich mich nicht verzählt habe, konnten wir in fast 6 Wochen gerade 3 mal ein paar Würstchen auf den Rost schmeißen. Es war einfach sch…kalt die meiste Zeit!

Obwohl uns die kühlen Temperaturen und vor allen Dingen der nervtötende Wind zwischendurch wirklich mürbe gemacht haben, freuen wir uns über schöne Erlebnisse und unvergessliche Momente in den vergangenen Wochen. Wir haben nette Menschen getroffen, neue Häfen kennengelernt und viel gesehen. Noch nie vorher waren wir für eine so lange Zeit ununterbrochen zusammen. Jetzt kann ich es ja zugeben: mir war etwas mulmig zumute bei dem Gedanken, immer zu zweit und quasi ohne Rückzugsmöglichkeit zu sein. Aber das Leben hat ja immer Überraschungen im Ärmel: unser Miteinander hat erstaunlich gut geklappt, wir haben uns prima vertragen und die Stimmung an Bord war, bis auf seltene Ausnahmen, immer gut. Stress haben wir eigentlich immer nur dann, wenn es beim Segeln knifflig wird, denn dann will Thue unbedingt dänisch sprechen und ich deutsch, und das gestaltet sich manchmal etwas schwierig.. 😉

In den vergangenen Wochen ist mir klar geworden, dass die wenigen Quadratmeter Wohnfläche an Bord eigentlich völlig ausreichend für mich sind. Mehr braucht man gar nicht – bis auf eine Geschirrspülmaschine vielleicht.. 😉 Unser Haus, und natürlich auch die damit verbundenen Pflichten, habe ich noch nicht eine Sekunde vermisst. Ein Schiff ist so herrlich übersichtlich, und die tägliche To-Do-Liste im Nu erledigt!

Seit einer Woche sind wir nun zurück in Dyvig und genießen ein bisschen gemütliches „Hafencamping“. Wer sich das langweilig vorstellt, ist völlig schief gewickelt – irgendwas ist immer! Am Montag sind wir zum Kaffee bei Thues Eltern in Vedsted gewesen, am Dienstag haben wir gemeinsam mit Christiane und Hendrik (Nordborg-Segler mit Heimathafen Niendorf / Ostsee) so richtig schön dänisch mit großem Feuer und Gesang hier im Hafen Sankt Hans (Mittsommer) gefeiert, am Mittwoch wurde das neue Schiff der beiden, eine Nordborg 40, zu Wasser gelassen und getauft, und am Donnerstagabend kamen schon Torben, Lene und Felix aus Apenrade an. Zu sechst saßen wir gemütlich im Hafenzelt und klönten.

Das Feuer brennt, und die Hexe wird Richtung Blockberg geschickt!
Endlich brennt das Feuer, und die Hexe kann Richtung Blockberg geschickt werden..
Strahlende Gesichter bei der Schiffstaufe der
Strahlende Gesichter bei der Schiffstaufe der „Molch“

Als die neue „Molch“ am Freitag Mittag klar zum Ablegen war, haben wir Christiane und Hendrik mit dem Elbkind noch ein Stück durch den Dyvig Fjord begleitet und ein paar Fotos vom neuen Schiff gemacht. Ein richtig gemütlicher kleiner Törn bei angenehmen Temperaturen und mit netter Crew an Bord (Torben, Lene und Felix)!

Ein schönes, neues Schiff!
Ein schönes, neues Schiff!
Torben und Felix beim Nachmittagstörn
Torben und Felix beim Nachmittagstörn

Seit ein paar Tagen liegen gegenüber beim Dyvig Badehotel wunderschöne, alte R-Boote, die Anfang der Woche im Dyvig Fjord eine Regatta segeln – der Auftakt zur Europameisterschaft der klassischen America’s Cup Boote. Und jetzt ratet mal, wer als Co-Skipper mit an Bord des R-Bootes „Vim“ ist? Richtig! Troels, der nette Hafenmeister vom Turborg Havn. Wir haben gestern schon ein bisschen mit ihm geklönt, und er hat uns sogar wiedererkannt!

Die
Die „Vim“ legt ab zum Probetörn

Irgendwann zum Ende der Woche werden wir unsere Zelte in Dyvig vorerst abbrechen und ein bisschen „Urlaub zuhause“ machen. Wir freuen uns schon auf zwei Geburtstagsparties (Julia und Rea) und unser Wiedersehen mit lieben Freunden aus Shanghai!

Mitte Juli kehren wir voraussichtlich wieder zurück an Bord und sind schon gespannt, wohin uns der Wind dann wehen wird. Noch einmal 6 Wochen Freiheit an Bord, bis am letzten August-Wochenende das Nordborg-Treffen in Dyvig stattfindet. Mehr als 30 Schiffe nebst Crew sind schon angemeldet – das wird bestimmt wieder richtig nett!

PS: Seit wir wieder zurück in Dyvig sind, ist das Wetter übrigens deutlich besser geworden und der Wind hat auch endlich abgenommen. Die Wettervorhersage kündigt für die kommende Woche sogar Temperaturen von bis zu 30 Grad an. Schon mal was von Murphy’s Law gehört? 😀 Aber wir werden die Zeit Zuhause trotzdem genießen!

Ebeltoft, Middelfart und Dyvig – home, sweet home!

Am Dienstag war es endlich soweit: der Wind war etwas abgeflaut, und wir konnten von Grenå aus Kurs auf Ebeltoft nehmen. An der Dieselstation der Grenå Marina wurde schnell noch mal vollgetankt (man weiß ja nie!), und los ging die wilde Fahrt in südliche Richtung. Vor- und Großsegel wurden hochgezogen. „Wilde Fahrt“ war wirklich der richtige Ausdruck, denn der Wind machte, was er wollte. Zwischen West und Süd-Süd-West drehte er lustig hin und her, und Thue hatte seine liebe Not mit dem Segeltrimm. Irgendwann reichte es dann, und der Skipper gab leicht entnervt den Befehl zum Einholen der Segel. Das machte nun wirklich keinen Spaß…

Die Ansteuerung von Ebeltoft war etwas kniffelig, denn in der Ebeltoft Vig gibt es einige Untiefen, die leider – aus welchen Gründen auch immer – weder betonnt noch irgendwie anders gekennzeichnet sind. Wir durchforsteten alle an Bord verfügbaren Hafenführer und Törn-Guides, um uns schlau zu machen, bis mir irgendwann die Idee kam, einfach mal die Homepage des Ebeltoft Skudehavn anzuklicken – Internetzugang habe ich ja quasi immer, Iphone und Auslands-Datenpaket von 1&1 sei dank. Jedenfalls gab es eine prima Anleitung für die Einfahrt in die Marina, nach der wir uns problemlos richten konnten.

Den Ansteuerungskurs von 104° hatten wir schon auf dem Kompass, als wir plötzlich über Funk von Lyngby Radio gerufen wurden. „Elbkind, Elbkind – Lyngby Radio kalder!“ Huch – was war denn nun los? Waren tatsächlich wir gemeint? Hektisch drückte ich Thue die Handfunke in die Hand – in Krisensituationen unterhalte ich mich nämlich lieber in meiner Muttersprache, und nicht auf dänisch oder englisch, Funkzertifikat hin oder her 😉 Im Gespräch stellte sich heraus, dass in unserer Nähe angeblich ein Segelschiff auf Grund gelaufen war und Hilfe benötigte. Wir wurden nun von Lyngby Radio um Unterstützung gebeten, denn wir waren nicht weit von der Unglücksstelle entfernt. Konzentriert suchte ich die Umgebung mit dem Fernglas ab, aber leider ohne Erfolg – es war kein Schiff auszumachen, das sich in einer Notlage befand. Thue hinterließ vorsichtshalber seine Handynummer bei Lyngby Radio, damit sich das Rescue Center ggfs. noch einmal bei uns melden konnte, aber gehört haben wir nichts mehr.

Wir erreichten die schöne Marina „Skudehavn“, die uns Hein Mück unterwegs noch per What’s App an’s Herz gelegt hatte, am späten Nachmittag. Zur Abwechslung stand mal eine ältere Dame auf dem Steg, die unsere Vorderleinen annahm.

Grenå-Ebeltoft (mit kleinen AIS-Aussetzern)
Route Grenå -> Ebeltoft (mit kleinen AIS-Aussetzern..)
Die Skudehavn Marina, vom Wasser aus gesehen
Die Skudehavn Marina, vom Wasser aus gesehen

Abends latschten wir zu Fuß durch das hübsche Städtchen, und zur Abwechslung gab’s mal wieder Pizza im Gastgarten eines kleinen italienischen Restaurants. Ja, Ihr habt richtig gehört – wir konnten sogar mal draußen sitzen…

Schon am nächsten Tag gab es wieder Regen wie aus Eimern und jede Menge Wind – von früh bis spät. Wir verbrachten den Tag notgedrungen unter Deck und es wurde gelesen, gelesen und zur Abwechslung auch mal gelesen. An dieser Stelle möchte ich mich mal ganz offiziell darüber beschweren, dass mein Mann NIE irgendwelche Spiele mit mir spielt! Dabei haben wir sogar ein buntes Sortiment an Gesellschaftsspielen mit an Bord: Scrabble, Skip-Bo, Kniffel, Memory… Ich spiele nämlich für mein Leben gern, ganz egal, ob ich gewinne oder verliere. Während unserer Zeit in Shanghai habe ich sogar ganze Tage lang Mahjong gespielt! Thue weigert sich aber standhaft, weil er Angst hat, dass er gnadenlos von mir abgezockt wird – er kann nämlich nur sehr schlecht verlieren. Ich habe ja noch immer die leise Hoffnung, dass Julia uns im Laufe dieses Sommers ein paar Tage an Bord besucht. Dann wird gespielt bis zum Abwinken! Und Thue kann lesen, bis er schwarz wird. Ha!

Aber zurück zu Ebeltoft: Am Mittwoch stand die Besichtigung der Fregatte „Jylland“ auf unserem Programm, dem längsten noch erhaltenen Holzschiff der Welt. Gebaut 1862, war sie eines der ersten Kriegsschiffe, das außer mit Segelkraft auch mit Dampf angetrieben werden konnte, und so auf eine Spitzengeschwindigkeit von flotten 12 kn kam. 1864 war die „Jylland“ an der Schlacht bei Helgoland beteiligt, in der es darum ging, die dänische Seeblockade in deutschen Häfen zu beenden.

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Aus der Zeit gefallen…

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Unser kleiner Ausflug startete mit einem Frühstück im Restaurant „Karen’s Køkken“, direkt gegenüber dem Eingangsbereich zur „Jylland“ gelegen. Ein toller Tip für alle Segler und Ebeltoft-Besucher! Nur selten hatten wir so einen tollen Start in den Tag. Der Kaffee war frisch gebrüht, die Brombeermarmelade „økologisk“, die knusprigen Brötchen noch warm aus dem Ofen und dazu gab’s 3 leckere Käsesorten und italienische Salami…Dazu der Ausblick aufs Wasser und das alte Schiff – wir konnten es gerade noch aushalten. 😉

Anschließend inspizierten wir (vor allen Dingen Thue!) alle Decks der „Jylland“ ausgiebig und nahmen anschließend an einer Kanonen-Vorführung teil (ganz aktiv dabei: Thue, siehe Bild!). Mit echtem Knall und Ohren zuhalten!

Thue mit vollem Körpereinsatz!
Thue mit vollem Körpereinsatz!

Anschließend zogen wir weiter ins Glasmuseum, das nur einen Katzensprung entfernt liegt. Besonders beeindruckt hat uns der „kosmische Raum“ des färöischen Künstlers Tróndur Patterson. Sein Kunstobjekt ist „begehbar“: in Strumpfsocken steht man in einem quadratischen Kasten aus bunt gefärbtem Glas mit verspiegeltem Fußboden und kann sich kaum noch rühren, weil man total fasziniert ist von der Vielfalt und der Kraft dieser Farben. Eine geniale Idee!

Gefangen in einer faszinierenden Welt der Farben...
Der „kosmische Raum“

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Anschließend schauten wir zwei Glasbläsern in ihrer Werkstatt bei der Herstellung einer Glaskaraffe zu. Das war nicht nur interessant, sondern auch ziemlich warm! Eins ist sicher: wäre ich von Beruf Glasbläser, würde ich meinen Arbeitstag definitiv nur in Shorts und Trägertop überstehen!

Abends kehrten wir im Restaurant „Stockfleth“ ein, dessen Name uns irgendwie an Zuhause erinnerte. Wer kennt ihn nicht, den Stockflethweg in Hamburg-Langenhorn? Das Essen war hervorragend. Thue entschied sich für ein „Stjerneskud“, ein traditionelles dänisches Fischgericht, und für mich gab es Moules Frites. Beim Bezahlen am Tresen fiel unser Blick auf einen lustigen Text an der Wand, den der nette Koch uns gern auch noch einmal persönlich präsentierte:

Der sympathische Koch im Restaurant
Der sympathische Koch im Restaurant „Stockfleth“. Ob das sein Motto ist?

Am Donnerstag warteten wir noch immer darauf, dass Wind und Regen endlich nachließen. Im Kurgartenschritt (Thue hat schließlich „Knie“, und ich neuerdings „Rücken“) gondelten wir durch das süße Städtchen mit seinen windschiefen, uralten Häuschen und schmalen Straßen mit Kopfsteinpflaster.

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An einem Restaurant stießen wir auf diesen Spruch:

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Heißt auf deutsch: Ins Restaurant zu gehen, ist wie verheiratet zu sein: wenn man sieht, was die anderen bekommen, möchte man eigentlich auch viel lieber das haben! Mit freundlichen Grüßen, Rechtsanwalt S. Cheidung.

In Ebeltoft jagte irgendwie ein Gag den nächsten. Einfach herrlich, dieser dänische Humor! Besonders schön fand ich auch diese Deko im Fenster einer Zahnarztpraxis. Das passt doch irgendwie wie die Faust aufs Auge, oder??

Haribo macht Kinder froh, und Zahnärzte ebenso!
Haribo macht Kinder froh, und Zahnärzte ebenso!

Donnerstagabend erwischten wir tatsächlich mal eine Stunde Windstille und Abendsonne im Cockpit.  Und endlich konnte die Ukulele rausgekramt werden! Bis jetzt hatten die klammen Finger immer verhindert, dass mal ein bisschen Lagerfeuer-Romantik aufkam…

Endlich - it's Uke-Time!
Endlich – it’s Uke-Time!
Quallen bis zum Abwinken im Hafenbecken von Ebeltoft. Der Festkörpergehalt des Wassers lag bei ca. 90%!
Quallen bis zum Abwinken im Hafenbecken von Ebeltoft. Der Festkörpergehalt des Wassers lag bei ca. 90%!

Am Freitagmorgen brachen wir schon früh Richtung Middelfahrt auf. Ein langer Törn lag vor uns – fast 60 sm. Ausnahmsweise hatten wir den Wind mal auf unserer Seite, und auch die Sonne ließ sich endlich wieder blicken. Da lacht das Seglerherz!

Thue in voller Segel-Montur
Thue in voller Segel-Montur
Segel und Himmel aus der Gammel-Perspektive (also liegend im Cockpit) aufgenommen...
Segel und Himmel aus der Gammel-Perspektive (also liegend vom Cockpit aus) aufgenommen

Wir waren froh, dass wir ein Reff ins Groß gebunden hatten, und gelegentlich musste auch die Fock eingerollt werden, damit sich das Elbkind nicht allzu sehr auf die Backe legte. Nach 9 Stunden Rauschefahrt machten wir endlich im Nyhavn in Middelfart fest.

Unsere Route von Ebeltoft nach Middelfart
Unsere Route von Ebeltoft nach Middelfart – wundert Euch nicht über eventuelle Lücken – unser AIS spinnt zwischendurch gerne mal und nimmt sich eine kleine Auszeit…

Nur kurze Zeit später saßen wir im Café Razz direkt am kleinen Belt – das ist mittlerweile schon obligatorisch, wenn wir Middelfart sind. Wir genehmigten uns einen leckeren Burger mit Chili und Jalapeños, dazu gab’s ein Carlsberg und leckeren Rotwein. Herrlich! Wir freuten uns über den erfolgreichen Segeltag – den längsten in der gesamten Zeit. Und ich war so groggy, dass ich sofort in die Koje plumpste, als wir zurück an Bord waren!

Besuch einer Schwanen-Großfamilie im Nyhavn von Middelfart
Besuch einer Schwanen-Großfamilie im Nyhavn von Mitddelfart

Am nächsten Morgen machten wir uns nach einem gemütlichen Frühstück im Cockpit auf nach Dyvig. 35 sm lagen vor uns, und damit die letzte Etappe unseres 5 1/2 wöchigen Segeltörns. Diesmal hatten wir kaum Wind, und den direkt von vorn, so dass die Segel heute leider eingepackt blieben und der Motor die ganze Zeit lief. Die Fahrt durch den kleinen Belt war wie immer traumhaft schön – auch, wenn die Sonne sich heute rar machte.

Um 16.15 h hatten wir unser Ziel erreicht – bei schönstem Sonnenschein liefen wir in unseren Heimathafen Dyvig ein. Maren und Christian erwarteten uns (dank AIS-Überwachung :-)) schon, standen auf dem Steg und nahmen unsere Leinen entgegen. Wieder „zuhause“ zu sein – das fühlte sich mal wieder richtig gut an nach so langer Zeit unterwegs!

Unser vorerst letzter Törn nach Dyvig
Unser vorerst letzter Törn nach Dyvig
Da sind wir wieder! Das Elbkind in seinem Heimathafen Dyvig.
Da sind wir wieder! Das Elbkind in seinem Heimathafen Dyvig.

Grenå – Frustkäufe und wichtige Entscheidungen

Am frühen Samstagmorgen liefen wir von Anholt aus in Richtung Grenå, denn wir wollten uns noch rechtzeitig vor dem nächsten Tiefdruckgebiet in einen sicheren Lee-Hafen retten. Eingeweht sein auf Anholt – das braucht nun wirklich kein Mensch. Nix wie weg!

Der Wind war noch nicht aufgestanden, aber die Sonne schien schon, und wir tuckerten gemütlich unter Motor an Dänemarks größtem Windpark vorbei. Hier stehen 111 Windmühlen und generieren fleissig Strom – ca. 35 % des Bedarfs für das gesamte Land werden durch Windkraft erzeugt. Dadurch hat sich der CO2-Wert Dänemarks seit 1990 um 36% reduziert – wirklich beachtlich!

Dänemarks größter Windpark vor Anholt

Plötzlich tauchten zwei kleine Köpfe aus dem Wasser auf. Da waren sie ja, die Seehunde, nach denen wir auf Anholt tagelang vergeblich Ausschau gehalten hatten! Zum Abschied zeigten sie sich endlich, zwar nur von Weitem, aber gefreut haben wir uns trotzdem. Nur kurze Zeit später folgten einige Schweinswale. Wir waren also nicht ganz allein auf unserer Fahrt nach Grenå. Andere Schiffe sind uns allerdings kaum begegnet.

Nach ca. 29 sm Fahrt erreichten wir die Marina. Es gab genügend grüne Plätze für Gastlieger, der Anlegewind meinte es gut mit uns, und auf dem Steg stand schon der freundliche Eigner des Nachbarschiffs, der unsere Vorderleinen annahm. Das nenne ich stressfreies Anlegen!

Schnell machten wir Klarschiff und inspizierten anschließend erst mal die Marina. Wir waren ganz zufrieden: in unmittelbarer Nähe gab es zwei Restaurants und ein Eiscafé, und die sanitären Anlagen machten einen ordentlichen Eindruck. Rund um den Hafen nette, einstöckige Ferienhäuser im Skagen-Stil, was dem Ganzen eine recht gemütliche Atmosphäre verlieh.

Grenå Marina

Unseren Aufenthalt in Grenå würde ich als eher unspektakulär bezeichnen. Wegen des ständigen Windes wurden die Bordfahrräder gar nicht ausgepackt und wir haben die Gegend zu Fuß erkundet.

Was diesen Hausbesitzer wohl beflügelt hat? Auf jeden Fall mal eine schöne Abwechslung für’s Auge im sonst eher schmucklosen Grenå!

Da es zwischendurch auch regnete, baute Thue ausnahmsweise auch mal das Cockpit-Zelt (in Seglerkreisen auch Kuchenbude genannt) auf. Abends ließen wir es uns beim Italiener (Casablanca) gut gehen. Die Preise waren für dänische Verhältnisse eigentlich moderat und die Pizza ganz lecker.

Am Montag stand ein Besuch des ca. 3 km entfernten Zentrums von Grenå auf dem Programm. Wir beschlossen, für den den Hinweg den Bus zu nehmen. Als wir einstiegen und Thue bezahlen wollte, informierte uns der Busfahrer, dass er gerade keine Billetts drucken könne. Wie praktisch – das bedeutete nämlich, dass wir umsonst mitfahren durften! Aber im Leben hat alles seinen Preis: der Fahrer entpuppte sich nämlich schnell als Rennfahrer-Verschnitt. Das Thema Geschwindigkeitsbegrenzung schien ein Fremdwort für ihn zu sein, er heizte mit 80 Sachen durch Wohngebiete und überholte rasant ein langsames Gärtnereifahrzeug, um anschließend eine Vollbremsung hinzulegen, damit sein Bus es noch um die nächste Straßenecke schaffte. Mit blassen Gesichtern hielten sich die Fahrgäste krampfhaft an ihren Sitzen fest, damit sie nicht durch den Bus kugelten. Wahrscheinlich hatte unser Fahrer, dessen Herkunft Thue im urbanen Teil von Rumänien vermutet, irgendetwas falsch verstanden. Zurzeit wird nämlich „Dänemarks bester Bus-Chauffør“ gesucht – zu diesem Zweck läuft eine große Kampagne, und in allen Bussen sind Aufkleber angebracht, mit dem die Fahrgäste aufgefordert werden, ihren Lieblingsfahrer vorzuschlagen. Dachte unser Fahrer vielleicht, es wird nicht der beste, sondern der schnellste Buschauffør gesucht? Wir waren jedenfalls froh, als wir nach ca. 20 Minuten das Zentrum von Grenå erreicht und endlich aus dem Bus springen konnten. Geschafft!

Gesucht: der beste Busfahrer 2015

Die Stadtmitte von Grenå fanden wir eher langweilig. Das einzige, was hier einen Besuch wert ist, sind die hübsche Sankt Gertruds Kirche und das kleine Østjylland-Museum. Wir bummelten durch die kleinen Einkaufsstraßen und kauften ein Buch (Thue) und eine Bluse (ratet mal ;-)). Nachdem wir uns die Kirche angesehen und in einem Café eine kleine Frokostpause mit Sandwich und Cappuccino eingelegt hatten, ging es zu Fuß bei trockenem Wetter auf einem netten Natur-Spazierweg entlang des kleinen Flüsschens Grenå Å wieder zurück Richtung Hafen.

Der Altar der St. Gertrud Kirke

Schon morgens hatten wir mitbekommen (die Wände von Cockpit-Zelten sind schließlich dünn), dass unser Stegnachbar an diesem Tag Geburtstag hatte, denn es trudelten diverse telefonische Glückwünsche bei ihm ein. Und weil wir ja wissen, was sich gehört, gratulierten wir natürlich auch, als wir von unserem Ausflug zurück an Bord kamen. Und schon wurden wir zu einem Geburtstagsdrink an Bord der „Meteor“, einer Bavaria 37 aus Travemünde, eingeladen. Nur kurze Zeit später stießen wir mit Geburtstagskind Dieter und seiner Lebensgefährtin Ilka mit Wodka-Lemon und Bier an. Die beiden waren unterwegs nach Norwegen und wollten wie wir am nächsten Tag weiter. Es wurde nett geklönt, gelacht und sogar ein dänisches Geburtstagslied zum Besten gegeben. Zwei Stunden vergingen wie im Flug und am Ende wurde es Zeit, dass wir zurück auf unser Schiff kamen, um erst mal feste Nahrung zu uns zu nehmen…

Das Geburtstagskind Dieter mit seiner Ilka
Die beiden kennt Ihr ja schon..

Beim Abendessen gab es wieder einmal nur ein Gesprächsthema für uns: das schlechte Wetter. In den fast 6 Wochen haben wir nicht eine einzige Nacht an Bord verbracht, ohne dass die Heizung lief. 😦 Laut Langzeitprognose von DMI, der dänischen Wetterseite, wird sich die Großwetterlage leider auch in den kommenden 2-4 Wochen nicht ändern. Muss man sich das eigentlich antun? Julia feiert am 3.7. ihren 30sten Geburtstag, und liebe Freunde, die wir aus Shanghai kennen, kommen am Wochenende darauf zu Besuch nach Hamburg. Schnell waren wir uns einig: wir segeln langsam zurück nach Dyvig und machen mal ein bisschen „Urlaub zuhause“, bis sich die Großwetterlage ändert. Wer sagt denn, dass nicht demnächst mal ein Azorenhoch über Skandinavien hängen bleibt? Wir geben die Hoffnung nicht auf. Irgendwann muss der Sommer doch endlich mal kommen!

Anholt – kleines Inselparadies im Kattegat

AnholtRoute
Unsere Route von Gilleleje nach Anholt

Eigentlich sollte es ja nach Grenå gehen am letzten Montag, aber dann kam doch wieder mal alles anders. Plötzlich passte die Windrichtung, um nach Anholt zu segeln. Und die Sonne schien auch – hurra! Langsam kam tatsächlich etwas Sommerferien-Feeling auf. Die Windstärke ließ allerdings schnell zu wünschen übrig, so dass wir die meiste Zeit auf der fast 49 sm langen Strecke den Motor mitlaufen lassen mussten.

Auf halber Strecke dann plötzlich Aufregung. Schon eine ganze Weile hatten wir eine Rauchsäule am Horizont beobachtet und uns gefragt, ob ein großer Dampfer derartig viel Rauch produzieren kann… irgendwie eigenartig!  Dann plötzlich eine Anfrage von Lyngby Radio über Funk: ob es evtl. Schiffe gebe, die in der Nähe von Anholt eine Rauchsäule beobachten? Bevor wir das Funkgerät in die Hand nehmen konnten um zu antworten, purzelten schon die Antworten diverser Schiffe rein. Ja, so wie es aussehe, brenne dort ein Schiff.

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Gespannt verfolgten wir den Funkverkehr und es stellte sich heraus, dass tatsächlich ein Segelboot in Flammen stand. Die Besatzung, die aus nur einem Mann bestand, hatte sich schon in einem Schlauchboot in Sicherheit gebracht. Ein Rettungsboot von Anholt rückte aus, nahm den Mann an Bord und brachte ihn zurück auf die Insel. Dort war inzwischen ein Rettungshubschrauber mit einem Arzt an Bord am Strand gelandet. Der Patient wurde medizinisch versorgt, war aber glücklicherweise nicht ernsthaft verletzt. Wirklich sehr beeindruckend, wie professionell die ganze Rettungsaktion abgewickelt wurde. Das Schiff war leider nicht mehr zu retten und ist nur kurze Zeit später gesunken; der Grund für das Feuer war ein Motorbrand. Nach diesem Erlebnis habe ich mich bei Thue erst mal erkundigt, wo eigentlich unsere Feuerlöscher an Bord untergebracht sind..?!

Nach achtstündiger Fahrt liefen wir dann endlich im Hafen von Anholt ein. Unterwegs hatten wir uns telefonisch noch schnell ein paar Tipps von unserem Segelfreund Hein Mück geholt, denn das Anlegen auf Anholt funktioniert – anders als in den meisten dänischen Häfen – mit Heckbojen. Außerdem kennt sich Hein im Hafen aus wie in seiner eigenen Westentasche. Wir folgten seinem Rat und legten mit dem Bug nach Westen in der ersten Hafengasse hinter der Mole an. Alles klappte wie am Schnürchen, und ich habe den Ring an der Heckboje gleich beim ersten Versuch erwischt!

Heckboje
Eine Heckboje (man beachte das spiegelglatte Wasser!)

Das also war Anholt – endlich waren wir auch mal hier gelandet. Wir hatten schon so viel gehört, und nun konnten wir nachvollziehen, warum sich so viele Segler – vor allen Dingen Hein und Rosi, die jeden Sommer unbedingt hierher müssen 😉 so sehr von dieser wunderschönen kleinen Insel im Kattegat angezogen fühlen: es ist so still hier, so grün, so idyllisch, die Vögel singen, die Strände sind menschenleer, es gibt Seehunde, die Landschaft ist außergewöhnlich, die Luft glasklar und das Licht irgendwie magisch. Ganz unvermittelt fühlte ich mich in meine Kindertage zurückversetzt und erinnerte mich an die Urlaube mit der Familie an der Westküste Dänemarks, in Søndervig und Hvide Sande. Auf Anholt roch es ganz genauso! Irgendwie lustig, wodurch Erinnerungen plötzlich „wachgeküsst“ werden. Anholt hat übrigens 160 Einwohner, in der Dorfschule werden 16 Kinder gemeinsam unterrichtet und in diesem Jahr gab es genau einen Konfirmanden.

Hafen
Der Hafen von Anholt

Nach einem kleinen abendlichen Spaziergang durch die Natur (unterwegs sind wir einem Hasen begegnet, der so riesengroß war, dass wir ihn auf den ersten Blick für ein Känguru gehalten haben – kein Scherz!) gab es zum Abendessen marinierte Heringe und Samsø-Kartoffeln an Bord. Anschließend saßen wir in der Abendsonne bei Tuborg und Rotwein im Cockpit und waren fassungslos, denn es war – windstill. Es wehte nicht! Kein Wind, noch nicht einmal das kleinste Lüftchen! Was für eine Wohltat nach fast 5 windigen Wochen an Bord!

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Das Elbkind neben seinen Nachbarn im Hafen von Anholt

Am nächsten Tag haben wir Anholt zu Fuß erkundet. Wie gut, dass ich mir in Helsingør gute, bequeme Wanderschuhe zugelegt habe! Thue hat zwar leider noch immer „Knie“, aber Bewegung soll ja bekanntlich gut tun, und er beißt tapfer die Zähne zusammen. Zum Thema Knie-Therapie später mehr…*

Unterwegs fiel unser Blick auf dieses Schild an einer Holzhütte:

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Leider war nicht vermerkt, wohin ich die Fotos von Elbkind und dem Volvo-Penta-Motor schicken soll. Da hat Thue dann wohl gerade noch mal Glück gehabt und das Elbkind und ich sind ihm erhalten geblieben. 😉

Guckt Euch mal das nächste Foto an. Dieser gefiederte Freund krähte so lautstark, dass wir fanden, er könnte problemlos auch als Haushund durchgehen und mit seiner kräftigen Stimme ungebetene Gäste verjagen. Wir kriegten jedenfalls einen richtigen Schreck, als wir nichtsahnend durch das kleine Dorf latschten und plötzlich lautstark aus dem Gebüsch angekräht wurden!

Wachhund
Der gefiederte Wachhund…

An den folgenden beiden Tagen standen ein langer Strandspaziergang (10 km – hat da jemand „Knie“ gesagt?) und eine ausgiebige Tour mit den Bordfahrrädern über die Insel auf dem Programm. Besonders beeindruckt hat uns die Aussicht vom Sønderbjerg, dem höchsten Punkt der Insel (48 m), über das Wasser und die einmalige Landschaft.

Ausblick
Traumhafter Ausblick vom Sønderbjerg
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Strandspaziergang – 10 km gelaufen und nur 4 Leute von Weitem gesehen!
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Eine lebendige Fundsache…was für eine tolle, leuchtende Farbe!
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Selfie am Strand – wir fühlen uns pudelwohl auf Anholt!

Nachmittags fanden wir uns pünktlich zur Happy Hour im Hafenrestaurant „Molevitten“ ein und zischten schon gegen 17.00 Uhr bei schönstem Sonnenschein und Hafenblick ein leckeres Tuborg Classic zum halben Preis. Das Leben kann so schön sein!

Das Wetter war durchgängig schön. Endlich schien die Sonne mal längere Zeit, und wir mussten nicht mehr darüber nachdenken, wie viele Schichten Fleece wir uns über die Knochen reißen müssen. Im Gegenteil, sogar T-Shirts mit kurzen Ärmeln wurden rausgekramt und abends konnten wir grillen! Nur in der dritten Nacht kam plötzlich viel Wind auf, und der arme Thue musste nachts um halb 3 auf dem Deck rumturnen, um Springleinen zu legen, weil das Elbkind in den Steg gedrückt wurde. Ich schnarchte währenddessen in meiner Koje und bekam nichts davon mit. Wahrscheinlich hat das hat etwas mit dem sogenannten „selektiven Gehör“ zu tun. Wachen junge Väter etwa nachts auf, wenn das Baby schreit und eine Mahlzeit an Muttis Brust einfordert? Natürlich nicht, denn sie sind ja nicht zuständig… 😉

Am Samstagmorgen ging es dann gemütlich unter Motor (kein Wind – Ihr wisst ja: es weht immer zu viel oder zu wenig) nach Grenå, denn die Wetterdienste hatten das nächste Tiefdruckgebiet mit Regen und Starkwind angekündigt, und wir hatten keine Lust, dem schlechten Wetter mitten im Kattegat ausgesetzt zu sein.

Anholt ist wirklich einen Besuch wert und hat uns ausgesprochen gut gefallen. Wir kommen ganz sicher wieder, allerdings bestimmt nicht während der Sommerferien in Skandinavien, denn dann ist die Insel völlig überlaufen und der Hafen so voll, dass man garantiert im Päckchen liegen muss – und das ist so gar nicht unser Ding.

*Noch ein Wort zum Thema Skipper-Knie: zuerst einmal ganz lieben Dank für Eure netten Genesungswünsche, Ratschläge, Empfehlungen, Medikamente-und Therapie-Tipps.Thue hat nicht lange überlegt und sich für Angelika’s Therapie-Vorschlag entschieden, denn sie ist schließlich Physiotherapeutin und kommt vom Fach. Und das funktioniert folgendermaßen: das Knie soll von der Innenseite aus nach außen in Richtung Oberschenkel ausgestrichen werden. Diese Methode soll zuverlässig helfen. Thue ist allerdings fest davon überzeugt, dass die Behandlung nur von warmen, weichen Frauenhänden durchgeführt werden kann, damit eine Besserung eintritt. War doch klar, oder? 😉

Guckstu..

… wem wir heute auf unserer Wanderung zum Leuchtturm Nakkehovd Fyr  begegnet sind. Wenn wir jetzt nicht langsam mal mehr Glück mit dem Wetter haben und der Wind sich nicht endlich verzieht, gehen mir langsam auch die Ideen aus!

Eins, zwei, drei vier – das Glück kommt zu mir!

Abgesehen davon ist es wirklich klasse hier in Gilleleje. Die kleine Stadt ist richtig gemütlich und es gibt viele schöne und liebevoll gepflegte alte Strohdachhäuser, nette Geschäfte und Restaurants. Man kriegt die Zeit hier prima rum.

Der Fischereihafen von Gilleleije
Imposante Häuschen gibt’s hier…
Nakkehoved Fyr
Gilleleje Kirke – wie überall hab ich mir den Friedhof genau angesehen, diese merkwürdige Veranlagung hat mir meine Oma Höfges vererbt!
Der hier ist uns gestern begegnet, ein alter Morris.

Und zweimal hatten wir Besuch von Jakob, das war richtig gemütlich.

Thue und Jakob

Im Dezember 2013 hat das Sturmtief  „Bodil“  hier in Gilleleje ganze Arbeit geleistet. Die Holzstege und ein Großteil der Boote waren schrottreif.  Guckt Euch mal diese Bilder an…

Aufgenommen kurz nach dem Orkan „Bodil“