Und noch eine Premiere: Århus!

Ahoi Ihr Lieben, nun wird’s aber wirklich mal wieder Zeit für einen kleinen Blogbeitrag. In den letzten Tagen ließ nicht nur meine Schreib-Motivation leicht zu wünschen übrig, auch die WLAN-Versorgung in einigen Häfen ist eher, na sagen wir mal sub-optimal. Dann wird es schwierig mit der Bloggerei, denn gerade für Berichte mit vielen Fotos – so wie diesen hier – ist eine gute Internetverbindung natürlich unverzichtbar. Aber jetzt – besser spät als nie!

Die aufmerksamen Blog-Follower unter Euch reiben sich jetzt vielleicht die Augen. Århus? Wieso, es sollte doch nach Anholt gehen! Ihr habt natürlich recht, aber wir haben uns doch noch umentschieden und erst mal Kurs auf Dänemarks zweitgrößte Stadt genommen. Århus ist nämlich in 2017 Europas Kulturhauptstadt, und das wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Zwischen Ballen und Århus liegen knapp 30 sm, für die wir knapp sechs Stunden gebraucht haben. Bei moderatem Südwestwind konnten wir mit Fock und Groß prima segeln. Je näher wir unserem Ziel kamen, umso mehr ging aber dem Wind die Puste aus, und wir mussten für die letzten Meilen doch noch den Motor starten. Unterwegs wurde Komma’s Hafenlotse intensiv studiert, wir mussten uns nämlich noch entscheiden, welchen Hafen wir anlaufen – Marselisborg oder Århus? Am Ende bekam Marselisborg den Zuschlag, denn es gab gleich mehrere Punkte, die uns überzeugen konnten:

  • Sehr gute sanitäre Anlagen (es gab sogar Regenduschen und Musik in den Toilettenräumen, das war richtig vornehm!)
  • Waschmaschine und Trockner
  • mehrere Restaurants, Eiscafé und ein Marine-Shop direkt vor der Nase
  • die ÖPNV-Verbindung die Stadt ist gut (Bus) und auch mit dem Rad ist man nicht lange unterwegs
  • und, ganz wichtig: beim Anlaufen konnte uns die Schnellfähre nach Odden nicht in die Quere kommen. 😉

Während wir durch die Århus Bucht liefen, hatten wir eines der weltgrößten Containerschiffe im Blick – die Mary Mærsk, die wie wir nach Århus unterwegs war. Sie ist knapp 400 m lang, 59 m breit und kann bis zu 18.270 Container aufnehmen. Gigantisch und sehr beeindruckend! Eine Nordborg 40 ist dagegen wirklich eine Mini-Nussschale…

Mary Mærsk
Direkt vor dem Hafenmeisterbüro und gut geschützt im Windschatten höherer Häuser haben wir einen Liegeplatz gefunden. Nachdem das Schiff aufgeklart und das Hafengeld bezahlt war, riefen erstmal die Hausfrauenpflichten, die es gelegentlich auch an Bord gibt. Zwei Maschinen Wäsche warteten auf Clementine 😉. Während die Waschmaschine lief, gab es zur Auflockerung nettes Hafenkino, es tauchte nämlich eine Gruppe von Stand-Up-Paddlern hinter unserem Heck im Hafenbecken auf. Dazu hätte ich eigentlich auch mal Lust. SUP statt Dinghi, das wär’s doch! Aber vielleicht sollte ich mich vorher lieber noch zum Schnupperkurs auf der Alster anmelden…

SUP-Kurs Marselisborg
SUP-Kurs im Hafen – das macht bestimmt Spaß!
Bei schönem Wetter hat der Yachthafen Marselisborg auch eine große Anziehungkraft auf Landratten, denn alle, die das Wasser lieben, zieht es natürlich an die Hafenkante. Das Wetter war noch immer herrlich sommerlich, und in jeder Ecke des Hafens sah man verliebte Paare, fröhliche Grüppchen oder Familien gemütlich mit Eistüten oder einem Bierchen in der Hand. Es war richtig viel los, und es herrschte eine tolle Urlaubsstimmung, fast wie in Italien. Abends gab’s dann Pizza beim Italiener „Martino“ gleich um die Ecke. Vom Balkon des Restaurants im ersten Stock hat man einen schönen Ausblick über Schiffe und Marina.

Am nächsten Morgen ging es bei schönstem Wetter auf Schusters Rappen in die Innenstadt. I’m walking….eine knappe halbe Stunde ging’s immer die Hauptstraße entlang. Århus ist eine hübsche, lebendige Universitätsstadt, und von ca. 300.000 Einwohnern sollen beeindruckende 50.000 Studenten sein. Die Stadt liegt in einem grünen Tal und ist umgeben von Wald und Strand. Unter dem Motto „let’s rethink“ hat sich Århus als Kulturhauptstadt Europas ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm überlegt, das im Juni startet (wir waren also etwas zu früh da). Mehr Infos dazu findet Ihr hier.

Wir haben uns einfach durch die Stadt treiben lassen und die sommerliche Stimmung genossen. Bei der Stadtbibliothek Dokk1 im neuen Viertel Århus Ø am Hafen sind wir eigentlich eher zufällig vorbeigekommen und haben uns den beeindruckenden Neubau gleich mal von innen angesehen. Rund 4.000 Menschen besuchen täglich das futuristische Gebäude, in dem auch der Bürgerservice untergebracht ist. Ein kreatives und typisch dänisches Konzept.

Als Kirchenfan musste ich natürlich auch die Domkirche besichtigen. Thue, der mit Kirchen nicht sonderlich viel am Hut hat, wartete draußen. Gleich am Eingang fiel mir die Ankündigung für ein Gratiskonzert am frühen Abend auf. Orgel und Saxofon, das klang nach einer interessanten Kombination. Klassische Werke, vorgetragen von der Saxofonistin Henriette Jensen und David Peter Schmidt an der Orgel. Ich musste nur noch Thue überzeugen, mitzukommen. 😬

Gegen Nachmittag kam der kleine Hunger, und rechtzeitig fiel uns ein guter Tipp von Palle und Anne-Lise aus Juelsminde wieder ein: der Aarhus Central Food Market, direkt am Busbahnhof am Skt. Knuds Torv gelegen. Streetfood – offenbar ein neuer Trend in Dänemark! In einer alten Fabrikhalle gab es jede Menge Imbissbuden mit einer bunten Auswahl an kulinarischen Köstlichkeiten. An rustikalen Holztischen und -bänken sitzen dann wildfremde Menschen zusammen und es wird gemütlich geschmaust und geklönt. Was darf’s sein? Mexikanisch? Italienisch? Vietnamesisch? Ein Eis am Stiel vielleicht? Oder doch lieber Kaffee und Kuchen? Es ist bestimmt für jeden Geschmack was dabei und man hat die Qual der Wahl. Wir haben uns für leckere Schwarzbrot- (Rugbrød) Tapas entschieden, die bei strahlendem Sonnenschein draußen gefuttert wurden. Diese tolle Empfehlung möchte ich gern an Cornelia für ihren Beitrag Hafenkneipen und Restaurants für Segler weitergeben, denn die Verpflegung und das entspannt-lockere Konzept haben uns auf Anhieb überzeugt.

Der sommerliche Tag ging langsam ins Land und das Konzert rückte näher. Leider konnte ich Thue nicht davon überzeugen, mitzukommen, ihm taten wohl langsam die Füße weh und er wollte lieber zurück zum Schiff. Ich wollte mir das musikalische Highlight aber nicht entgehen lassen. Mich mal ein Stündchen zurückzulehnen und bei schöner Musik die Seele baumeln zu lassen – das war ganz nach meinem Geschmack. Wer Lust hat, kann hier mal reinhören.

Am nächsten Tag ging es mit den Bordfahrrädern zuerst zum „Gamle By“. Neben modernen Bürogebäuden wirkt das Freilichtmuseum mit Straßenzügen aus dem 18. bis 20. Jahrhundert wie eine kleine Stadt in der Stadt. Den Eintrittspreis von 135 DKK (rund 18 €) pro Nase fanden wir allerdings leicht übertrieben und haben uns deshalb entschieden, stattdessen vom botanischen Garten aus nur mal kurz über den Zaun zu gucken.

Anschließend ging es auf den Drahteseln weiter zum Schloss Marselisborg. Auf dem Weg dorthin sind wir im „Mindepark“ (Gedächtnispark) auf ein Monument zu Ehren von Opfern des ersten Weltkrieges gestoßen. In Sandsteintafeln sind die Namen der 4.144 dänischen Nordschleswiger, die in deutschen Uniformen gefallen sind, eingraviert. Als wir den Namen eines Vorfahren von Thue entdeckten, der in Belgrad gefallen ist, kam ein bedrückendes Gefühl auf.

Gedenktafel Park

Der anschließende Besuch beim Schloss Marselisborg ließ beim Skipper sofort Erinnerungen aufkommen. Während seiner Zeit bei der königlichen Garde hatte er nämlich auch hier Wache geschoben, wenn die königliche Familie ihre Sommerresidenz besucht hat. Natürlich konnte es nicht lassen und musste noch mal kurz Haltung annehmen. Die Uniform müsst Ihr Euch denken. 😉

Am nächsten Tag stand das Århus Kunstmuseum ARoS auf unserer To-Do-Liste. Das Museum verzeichnet Besucherrekorde, und ein Besuch lohnt sich. Wir haben mit dem Rainbow Panorama über den Dächern von Århus angefangen, einem permanenten Kunstwerk des dänisch-isländischen Künstlers Olafur Eliasson. Während man den 150 m langen Rundgangs entlang schlendert, kann man den Ausblick auf die Stadt in allen Regenbogenfarben genießen.

Besonders die Ausstellungen „Alt und Intet“ des dänischen Künstlers Jacob Kierkegaard und die „Satanic Verses“ haben uns beeindruckt. Der Lamborghini unten auf dem Foto durfte während der Ausstellung im ARoS übrigens von den Besuchern zerkratzt werden und ist jetzt ein Kunstwerk. Was es nicht alles gibt!

Nach vier Tagen war unsere Zeit in Århus wieder vorbei, und am nächsten Morgen nach dem Frühstück ging es weiter – diesmal tatsächlich nach Anholt! 😉

11 Kommentare

  1. Das klingt wieder so richtig nach Urlaub. Die entspannte Atmosphäre kommt so schön rüber. Übrigens schippern auf der „Mary Maersk“ Container für meine Kunden in China. Die Welt ist so klein! Weiterhin ganz viel Spaß! LG Undine

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Martina, danke für Deinen wunderbaren Bericht über Aarhus. Du schreibst so schön und beseelt, daß ich mich nachträglich bestätigt fühle, daß es richtig war, bei unserem letzten Anlaufen des Hafens von Marelisburg in 2015 Susanne davon zu überzeugen, nicht in die Stadt zu gehen, sondern Euren Erlebnisbericht abzuwarten…… 😉 . Übrigens: ….alle Achtung, diesem recht strammen Wachsoldaten hätte ich als dänischer Kong auch ohne jede Bedenken meine Sicherheit anvertraut…. alle Teufel 🙂 .

    Weiterhin schöne Tage zusammen und liebe Grüße von

    Susanne und Karsten

    Gefällt 1 Person

    1. Danke fürs Kompliment, Ihr Lieben. Das freut die Bloggerin. 😉 Vielleicht konnte der Bericht Euch ja ein paar Anregungen für Euren nächsten Besuch in Marselisborg geben. Es lohnt sich auf jeden Fall, die schöne Stadt zu besuchen.

      Liebe Grüße aus Kopenhagen, hier bläst uns der Wind gerade die Mütze vom Kopf. Morgen soll’s weniger werden, dann geht’s weiter in südliche Richtung.

      Herzlich,

      Martina & Thue

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