Funkzertifikate sind völlig überbewertet!

Nach zwei traumhaften Tagen in Langballigau hieß es nach dem Frühstück „Leinen los!“, und bei relativ schwachem Wind haben wir sofort nach dem Auslaufen Vor- und Großsegel gesetzt. Flensburg war unser nächstes Ziel – wir freuten uns auf ein paar sommerliche Tage mitten in der Fördestadt mit Blick auf den schönen Museumshafen. Unsere dänischen Nachbarn aus Langballigau hatten kurz vor uns abgelegt, jetzt folgten wir Ihnen in Richtung Marina Minde. Leider flaute der Wind schon nach kurzer Zeit ab und wir mussten den Volvo starten. Schade!

Als wir gegen Mittag im Stadthafen einliefen, waren noch einige Plätze am Gästesteg frei. Nach dem Anlegen machte ich ein erstmal klar Schiff und Thue zog los, um das Hafengeld zu bezahlen und den netten Hafenmeister zu begrüßen, den er bei unserem ersten Besuch in Flensburg sofort in sein Herz geschlossen hatte. Er heißt Alfred O’Brian und stammt aus Irland. Im Laufe seines Lebens hat ihn die Liebe nach Flensburg verschlagen und er ist nicht nur seiner Frau, sondern auch der Stadt treu geblieben. Was für eine süße Geschichte!

Für die Segler unter Euch kommen hier ein paar Eckdaten zum Stadthafen Flensburg, der, wie auch Langballigau, ein „im Jaich“- Hafen ist. Die Informationen habe von der Seite im-Jaich.de gemopst.

  • GPS-Position: 54 48,3 N 09 26,3 E
  • Region: Flensburger Förde
  • 168 Liegeplätze an modernen Holzstegen mit Strom- und Wasserversorgung
  • Waschsalon, Duschen / WC
  • Restaurants*
  • Angebote in Hafennähe:
  • Tankstelle, Boots- und Motorwerkstatt, Kran und Einkaufsmöglichkeiten

*Allen, die gern mit einem üppigen Frühstück in den Tag starten, können wir das Frühstücksbuffet im Café Extrablatt in der Großen Straße ans Herz legen. Die Auswahl ist mit frischen Brötchen und Brot, Croissants, Marmelade, Käse, Aufschnitt, Rührei, Bacon, Salat, Obst, Müsli, Dessert und Orangensaft riesig – und das alles für kleines Geld. Vom Stadthafen aus ist man in wenigen Minuten zu Fuß dort.

Dass wir Flensburg sehr mögen, habe ich ich Euch ja schon früher mal erzählt. Die deutsch-dänische Atmosphäre in der Altstadt ist gemütlich und entspannt, und wir bummeln für unser Leben gern durch die hübschen Straßen. Nette Restaurants und Einkaufsmöglichkeiten sind vom Hafen aus in kurzer Zeit zu Fuß zu erreichen. Und wenn man als Segler Lust auf einen Cocktail oder ein kühles Pils hat, sitzt man in einer Minute in der Beach Bar direkt vor dem Gästesteg. Man ist einfach mittendrin, nicht nur dabei! 😊

Das schöne Spätsommerwetter war uns auch weiter treu, und wir haben die hübschen Straßen und Gassen der Stadt entweder zu Fuß oder mit unseren Bord-Drahteseln erkundet. Als wir uns nach einer Fahrradtour gerade eine Verschnaufpause im schattigen Cockpit gönnten, näherte sich plötzlich ein Schlauchboot von achtern. Vorn saß eine attraktive blonde Frau, ihre männliche Begleitung am Ruder war mit einer Kombination von Schlägermütze und Neoprenanzug allerdings etwas eigenartig gekleidet. Wir waren leicht irritiert. Was waren das denn für Typen?  Im ersten Moment dachten wir, es könnte sich um lokale „Geschäftsleute“ handeln, die über die Badeleiter an Bord klettern wollten, um unseren Tiefgang ein bisschen zu reduzieren. Bei unserem letzten Besuch im Hafen hatten wir nämlich gehört, dass es pfiffigen Langfingern auf diese Weise gelungen war, die Absicherung der Stege zu umgehen. Aber dann war alles nur halb so schlimm, die beiden entpuppten sich nämlich als Hanna und Horst, ein sympathisches Segler-Ehepaar aus Flensburg, das Thue im Sommer im Tuborg Havn in Kopenhagen kennengelernt hatte. Während ich für ein paar Tage vor Wind und Wetter mit dem Zug nachhause geflüchtet war, haben die drei gemütliche Stunden an Bord verbracht. Die Wiedersehensfreude war riesig, und schnell waren wir zum Abendessen verabredet. Bei leckerem Flammkuchen, kühlem Weißwein und lauschigen Temperaturen haben wir in „Ollis Weinlounge“ bis spätabends draußen gesessen und den Segelsommer noch einmal revue passieren lassen.

Am nächsten Morgen ging es bei strahlend blauem Himmel unter Vollzeug zurück in Richtung Dyvig. Auf der Flensburger Förde herrschte reger Betrieb, denn viele Segler nutzten den schönen Spätsommer für einen kleinen Törn.

Je näher wie Sønderborg kamen, desto unsicherer wurden wir. Wie war das noch mal? Wann öffnet die Brücke? Wir waren der Meinung, dass sie im Sommer 1-2 mal pro Stunde aufgeht, aber ob das in der Nachsaison auch so ist? Den Yachthafen von Sønderborg hatten wir schon an steuerbord, als wir die roten Blinksignale an der Brücke entdeckten – nur kurze Zeit später ging sie auf.  Thue legte den Gashebel nach vorn, aber wir hatten keine Chance. Die Zeit war einfach zu knapp, und direkt vor unseren Augen schloss sich die Brücke wieder. So ein Mist! Kurz darauf traute wir unseren Augen nicht, als an der Anzeigetafel die Uhrzeit für die nächste Öffnung auftauchte: in 90 Minuten?! Nein. Das konnte nur ein Irrtum sein!

Aber wozu haben wir eigentlich ein Funkzertifikat gemacht? Mit einem „SRC“, dem „Short Range Certificate“ in der Tasche ist man ja für alle Situationen gut vorbereitet. 👍🏼 Auch darauf, mit einem Brückenwärter zu kommunizieren. Und zwar auf englisch, so wie sich das gehört. Ich lasse in solchen Momenten allerdings gern meinem Skipper den Vortritt, seine Englischkenntnisse sind nämlich deutlich besser als meine. Thue schnappte sich also das Funkgerät, schaltete auf Kanal 16 und funkte den Brückenwärter an, um zu erfahren, wann die Brücke das nächste Mal geöffnet wird:

„Sonderborg Bridge, Sonderborg Bridge, Sonderborg Bridge, this is sailing yacht elbkind – please come in!“

Schweigen im Walde. Keine Antwort.

Zuerst dachten wir, Thue hätte vielleicht eine falsche Taste gedrückt. Also probierte er es gleich noch mal, wieder ohne Erfolg. Keine Reaktion von der Brücke. Hm.

Ratlos zogen wir unsere Kreise durch das Hafenbecken und blickten immer wieder fragend auf die Anzeigetafel. Wir wollten einfach nicht glauben, dass wir die nächsten anderthalb Stunden hier verbringen sollten! Außer uns waren inzwischen schon einige andere Schiffe in Warteposition und kurvten herum; alle waren ständig damit beschäftigt, sich gegenseitig auszuweichen.

Dann hatte Thue plötzlich eine Idee. Er griff sich das Funkgerät noch mal und fragte beim Brückenwärter – diesmal nicht auf englisch, sondern auf auf Sønderjysk Platt – an, ob das vielleicht ein Irrtum sei mit der Öffnungszeit? Und die Antwort kam blitzschnell – auch auf Platt: Nein, das sei kein Irrtum, freitagnachmittags wären so viele Autos auf den Straßen unterwegs, dass man die Brücke leider nicht so häufig öffnen könne. Wir sollten uns doch in der Zwischenzeit einen Kaffee kochen und es uns gemütlich machen, dann würde die Wartezeit bestimmt schnell vergehen… 😄 Ja, ja, da war sie wieder – die dänische „Hygge“! 🇩🇰 Wir nahmen es mit Humor und haben tatsächlich erstmal einen Kaffee getrunken. Und was soll ich Euch sagen – der Mann hatte recht. Mit dem Blick auf das Sønderborg Schloss und das Leben und Treiben im Hafen verging die Zeit wirklich wie im Flug!

Merke: wenn Du mit dem Brückenwärter in Sønderborg kommunizieren möchtest, kommst Du mit Englisch nicht weit. Versuch’s einfach auf Sønderjysk Platt! 😜

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Das AIS kriegt alles mit. Auch Warteschleifen…

Irgendwann ging die Brücke dann tatsächlich wieder auf, und wir konnten unsere Heimreise nach Dyvig endlich fortsetzen. Um die Verspätung wieder gut zu machen ging es mit Vorsegel und Volvo-Unterstützung durch den Alssund Richtung Heimat. Unterwegs lieferten wir uns ein kleines Spaßrennen mit einer Beneteau Oceanis 40 CC Decksalon, die wie wir vor der Brücke gewartet hatte und, wie sich später herausstellte, auch nach Dyvig wollte. Das Wetter war übrigens noch immer herrlich, und deshalb sollte der Törn in die Flensburger Förde auch nicht der letzte in dieser Saison sein: einige Tage später sind wir noch einmal nach Årø gesegelt. Dass die kleine Insel am Anfang des Kleinen Belts eins unserer Lieblingsziele ist, hat sich ja längst rumgesprochen. Wieder hatten wir drei Tage lang strahlenden Sonnenschein, und wenn es abends nicht schon so früh dunkel geworden wäre, hätte man glatt denken können, wir haben Hochsommer. Endlich revanchierte sich Petrus für die ungemütlichen Monate Juli und August!

Dann ging es endgültig zurück nach Dyvig, und langsam wurde uns schmerzlich bewusst, dass die Segelsaison 2016 tatsächlich zu Ende ging. Wir haben in diesem Sommer viel Schönes erlebt, hatten jede Menge Spaß und konnten neue Segelerfahrungen sammeln. Besonders schön fand ich die Begegnungen, und dass wir auf unseren Törns so viele nette und interessante Menschen kennenlernen durften. Auch, wenn wir in diesem Jahr einen etwas holprigen Start in die Saison hatten und Wind und Wetter nicht immer  mitgespielt haben, wird uns die schöne Zeit an Bord unvergesslich bleiben. Mit dem Wetter eines Sommers ist es ja irgendwie wie beim Kegeln: wenn am Ende endlich doch alle Neune umgefallen sind, war der Kegelabend super. Und das gilt für unseren Segelsommer auch!

Heute, am letzten Tag des Jahres, möchten wir Euch ganz herzlich Danke und mange tak sagen dafür, dass Ihr uns auf unseren kleinen Segelabenteuern so treu begleitet habt. Was als kleines Segeltagebuch für unsere Bekannten, Freunde und Familie angefangen hat, hat inzwischen richtig Fahrt aufgenommen und wir sind ganz begeistert, dass uns mittlerweile auch viele Segler folgen. Die Anzahl der Besucher unseres elbkind-Blogs hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Darüber und auch über Eure vielen Tipps und netten Kommentare freuen wir uns sehr.

Euch allen wünschen wir einen guten Start ins neue Jahr. Bleibt gesund und glücklich! 🍀

Ahoi und herzliche Grüße von Euren elbkindern ⛵️☀️

 

Martina & Thue

 

 

13 Kommentare

  1. Frohes Neues, liebe Martina. Ich bin ein großer Karten-Fan – Eure Strecke in Sonderborg beeindruckt mich tief. (Und Aero begeistert mich immer mehr. Da muss ich echt irgendwann mal hin.) Alles Gute für 2017; Stefanie

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