Frühlingstörn im Kleinen Belt

Die Wetterprognose war vielversprechend, als wir am Mittwoch vor Himmelfahrt bei strahlendem Sonnenschein nach Dyvig fuhren. Am nächsten Morgen hieß es dann schon früh „Leinen los“, und gemeinsam mit der Acadia liefen wir bei einer sanften Brise in Richtung Årø aus. Allerdings blieb der Wind in den ersten zwei Stunden so schwach, dass Torben und Lene genervt aufgaben und den Motor starteten. Obwohl Geduld eigentlich auch nicht gerade zu unseren Tugenden zählt, haben wir uns glücklicherweise von dem Gedümpel nicht aus der Ruhe bringen lassen. Und wir wurden belohnt, denn völlig überraschend kam plötzlich ein frischer Wind aus Nordost auf! In Nullkommanix brausten wir mit über sieben Knoten durchs Wasser. Das Leben ist voller Überraschungen. Wir hatten richtig Segelspaß!

IMG_3374
Das Beweisfoto – fast Rumpfgeschwindigkeit…👍🏼

Schnell tauchte der Leuchtturm von Årø auf. Der Hafen war noch relativ leer und wir konnten uns eine Box aussuchen. Zwei schöne Tage haben wir gemeinsam mit Torben, Lene und Felix auf Årø verbracht, wie immer mit einem bunten Unterhaltungsprogramm. Wir hatten z.B. Besuch von Thue’s Vetter mit Familie an Bord, er wohnt gleich gegenüber in Årøsund und setzte als ausgebildeter Frachterkapitän nicht mit der Fähre, sondern standesgemäß mit eigener Damjolle zu uns nach Årø über. Ein Stündchen gemütlicher Klönschnack im Cockpit bei Sonnenschein verging wie im Flug, dann legte Eigil mit seiner Besatzung schon wieder ab.

Eigil
Unser Besuch legt wieder ab (sorry, schlechte Bildqualität!)

Nach einem langen Strandspaziergang haben wir uns bei einer Abkürzung über einen überschwemmten Weg durch die wunderschön blühenden Wiesen klitschnasse Füße geholt. Den Spaß haben wir uns aber trotzdem nicht verderben lassen und haben auf dem Rückweg mal beim neuen Årø Vingård reingeguckt. Seit 2004 wird auf Årø Wein angebaut und seit 2008 verkauft.  Das junge, hochmotivierte Ehepaar Lisbeth und Jakob Lei hat den Årø Vingård im Herbst 2015 von dem früheren Besitzer Svend Aages übernommen und auf der Westseite der Insel ein wunderschönes Gasthaus im typisch dänischen Stil, den „Rørhave“, errichtet. Weitere 3.400 Weinstöcke und Apfelbäume für Cidre wurden gepflanzt. Erstaunlich: um die 20.000 Besucher kommen jede Saison auf die Insel, um bei Årøs Vingård nicht nur den Wein, sondern auch die unterschiedlichen Biersorten zu probieren, die auf Årø gebraut werden. Wenn Ihr mich fragt: Rørhave ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Wer ein bisschen dänisch versteht, kann auf dieser Seite mal ein bisschen schmökern: aaro-vin.dk.

Weil bei unserem Lieblingsrestaurant auf Årø, dem Brummers Gård, kein Tisch mehr frei war, haben wir abends den Grill angeschmissen und wieder mal zu viele Weinflaschen entkorkt. 🍴🍗🍷🍺  Der Brummschädel am nächsten Morgen ist nach gemeinsamen Abenden mit der Acadia-Crew eigentlich schon Standard. Kein Wunder, denn Torben als passionierter Weinliebhaber und -trinker schleppt ständig neue, leckere Weine zum Probieren an. Ziemlich gefährliche Sache.😉

Nach zwei Nächten auf Årø starteten wir in nördliche Richtung und für Torben und Lene ging es zurück nach Dyvig. Mein heimliches Traumziel war ja eigentlich Samsø, und als nächste Station auf dem Weg dorthin hatten wir Middelfart im Visier, das ja nur einen Katzensprung von Årø entfernt am Kleinen Belt liegt. Den „Nyhavn“ hatten wir auf Halbwindkurs mit flotten 5 kn und einem frischen Wind aus Südost (10 m/s) schnell erreicht.

Nach wie vor hielt sich das schöne Wetter. Schon seit unserem Start in Dyvig war es sonnig und warm, wir konnten unser Glück gar nicht fassen. Sogar meine Sandalen konnte ich für unseren Spaziergang entlang des Kleinen Belt schon rauskramen. Herrlich! ☀️

Nur der böige Wind, der seit Tagen wehte, ging uns inzwischen leicht auf den Wecker. Beim Abendessen im Café Razz haben wir uns – ganz gegen unsere Gewohnheit – sogar nach drinnen verzogen, weil unsere Köpfe endlich mal aus dem Wind rausmussten. Kennt Ihr das, wenn einen das ständige Gepfeife und Gesause irgendwann so wuschig macht, dass man einfach nur noch genervt ist und keinen klaren Gedanken mehr fassen kann? Ich jedenfalls kann ein Lied davon singen..😁

Schon bald zeichnete sich ab, dass sich die Windrichtung in den kommenden Tagen mit unseren Plänen nicht vereinbaren ließ. Meinen Traum von Samsø konnte ich also bis auf Weiteres aufgeben Und nun? Spontan entschieden wir uns für Ærøskøbing als Alternative, denn in der vergangen Segelsaison hatten wir es leider nur bis nach Marstal geschafft. Zwischenstopp auf dem Weg dorthin: Assens, das wir ja gern ansteuern, weil es unmittelbarer Nähe der Marina einen schönen Strand gibt und wir die Atmosphäre dieser süßen dänischen Stadt sehr mögen. Bei unserem Lieblingsrestaurant Via Appia war allerdings noch Winterpause, dort war nur am Wochenende geöffnet. Aber zum Glück sind wir ja flexibel – abends saßen wir im Lee auf dem Grillplatz, genossen den Sonnenuntergang und den schönen Blick übers Wasser.

Bestimmt habt Ihr es schon geahnt. Richtig, der Blick auf die dänische Wetterseite DMI am nächsten Morgen machte uns wieder einen Strich durch die Rechnung! Der Wind hatte gedreht, das bedeutete, dass wir für unseren Törn nach Ærøskøbing mit Gegenwind rechnen mussten! War das zu fassen? Offenbar spielte Rasmus seine Spielchen mit uns. Aber so schnell lassen  wir uns nicht unterkriegen, neue Pläne wurden geschmiedet! Wie wär’s denn zur Abwechslung mal mit Sønderborg? Als wir am Mittwochmorgen ausliefen, herrschte fast Flaute, aber kaum hatten wir Årø an Steuerbord, frischte der Wind aus Südost auf und wir konnten die Segel hochziehen. Auf Halbwindkurs ging es Richtung Alssund. Und weil Planänderungen bei uns ja sowieso an der Tagesordnung sind, entschieden wir uns im letzten Moment, nach Dyvig abzulaufen. Denn da ist es ja sowieso am schönsten, und mein Skipper hatte ohnehin noch diverse Arbeiten an Bord zu erledigen. Außerdem hatte ich heimlich eine kleine Geburtstagsfeier für ihn geplant und liebe Gäste eingeladen: Rosi und Hans kamen mit ihrer Nordborg 37 aus Sønderborg zu Besuch. Gemeinsam haben wir (trotz Freitag, dem dreizehnten!) einen wunderschönen Tag verbracht, mit einer Geburtstags-Tortenschlacht und dänischem Geburtstagsständchen mit allen Seglern abends im Zelt.

Am Samstag haben wir Thomas und Katrin aus der Schweiz wiedergetroffen und ihre beiden netten Töchter kennengelernt. Was sich im vergangenen Herbst schon angedeutet hat, ist nämlich tatsächlich wahr geworden: Ihre nagelneue Nordborg 40, die den außergewöhnlichen Namen „Quite Early“ trägt,  war pünktlich fertig geworden und wurde zu Wasser gelassen. Das Schiff wird zukünftig in Dyvig beheimatet sein, und wir freuen uns sehr über unsere neuen Nachbarn am Steg 4!

Als sich für die nächsten Tage dann die Eisheiligen ankündigten, haben wir unsere Sachen gepackt und sind erstmal wieder nachhause gefahren. Im Nachhinein keine schlechte Entscheidung: Chrischie und Dieter, Segelfreunde von uns, waren mit ihrer Nordborg 32 „Loreena“ am Pfingstmontag im Alssund unterwegs und sind von einem anderen Segelboot aus mit einem Schneeball beworfen worden! Die beiden konnten an Bord sogar selbst einen kleinen Schneemann bauen – Mitte Mai! Da hatte garantiert die „Kalte Sophie“ ihre Finger mit im Spiel. Wir haben uns köstlich amüsiert, danke für das tolle Foto, liebe Chrischie!

Schneemann.jpg
Schneemann an Bord!

 

Demnächst geht’s wieder zurück an Bord, zuhause wird es nämlich schon wieder langweilig. 😉Mal sehen, was Rasmus dann für Wetterüberraschungen für uns bereithält…

7 Kommentare

    1. Ja, Samsø ist wirklich ein Sehnsuchtsort. Schade, dass es nicht geklappt hat. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Irgendwann passt der Wind bestimmt! Avernakø kenne ich noch gar nicht, da müssen wir auch unbedingt mal hin!

      Liebe Grüße, starte gut in die neue Woche!

      Martina

      Gefällt mir

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s