Helsingør – unterwegs zwischen Fähren, Frachtern und Kreuzfahrtschiffen

Am Montag wollten wir langsam mal wieder etwas anderes sehen als den Tuborg Havn und Kopenhagen. Nun waren wir schon über eine Woche hier, und ganz leise meldete sich das Fernweh wieder zurück. Der Wind stimmte, und los ging’s Richtung Helsingør, das nur ca. 12 sm entfernt an der schmalsten Stelle zu Schweden liegt.

Unsere Route nach Helsingør
Unsere Route nach Helsingør

Irgendwie stimmte die Wettervorhersage wieder mal nicht, denn statt der angesagten 8 bis 9 m/s aus West bekamen wir in Böen lockere 17 m/s auf die Mütze – und hatten natürlich kein Reff im Groß. Das wurde Thue dann irgendwann doch zu heikel, das Großsegel wurde eingepackt, und das Elbkind machte – nur mit Genua – noch immer flotte 7,8 Knoten. Mit der schönen, grünen Küste Nordseelands auf der Backbordseite liefen wir in nördliche Richtung. Nach ca. 3 Stunden tauchte dann Kronborg Slot, das Wahrzeichen von Helsingør, in der Ferne auf.

Kronborg Slot
Kronborg Slot

Kurz vor Helsingør stieg dann noch einmal der Adrenalinspiegel, denn wir erreichten das Verkehrstrennungsgebiet, eines der meistbefahrenen Fahrwasser weltweit. Hier ist alles unterwegs: Fähren im Pendelverkehr zwischen Dänemark und Schweden, Frachter, Tanker und zahlreiche Kreuzfahrtschiffe. Es herrschte ein reger Funkverkehr zwischen den Schiffen, und Thue lenkte das Elbkind mit Geduld und Spucke sicher durch das Gewusel.

Dann hatten wir den Hafen erreicht – mit über 900 Plätzen hat Helsingør die größte Marina Dänemarks. Wie uns ein anderer Segler vor ein paar Tagen erzählte, muss man hier auf einen Liegeplatz jahrelang warten, denn die Wartelisten sind endlos lang. In unserem Hafenführer war zwar die Brücke 2 als Gästesteg ausgewiesen, aber wo genau die eigentlich genau liegt, stand schlauerweise nicht dabei. Ständig umzingelt von einer Gruppe Optis mit Kindern an der Pinne klapperten wir die Hafengassen ab und hielten nach einem grünen Platz Ausschau. Gar nicht so einfach, denn der Hafen war ziemlich voll. Endlich hatten wir Glück und entdeckten eine freie Box gleich hinter der Westmole. Hier lagen wir gut, der Wind kam aus Südwesten und so hatten wir Windschatten im Cockpit.

Während unserer abendlichen Spazierrunde durch den Hafen fiel unser Blick auf ein kleines Holz-Segelschiff mit deutscher Flagge, das uns an „Tadorna“, das Touren-Folkeboot von Bastian Hauck, erinnerte. Während wir noch am Steg standen, tauchte plötzlich ein weibliches Crewmitglied hinter der Sprayhood auf, und schon kamen wir ins Gespräch. Woher, wohin, wie lange? Steffi und Nicola, die weibliche Besatzung der „Fofftein“, kamen aus der Nähe von Hamburg und sind wie wir für mehrere Monate unterwegs. Ziel der beiden: Schweden und der Göta-Kanal. Und weil wir ja nicht nur unterwegs sind, um zu segeln, sondern auch, um nette und interessante Leute kennenzulenen, luden wir die beiden für den nächsten Abend auf ein Bier zu uns an Bord ein.

Die
Die „Fofftein“
Segler-Selfie
Segler-Selfie

Am nächsten Tag: Regen und zur Abwechslung mal wieder jede Menge Wind. Mit wetterfester Kleidung und Regenschirm ausgerüstet bummelten wir durch die gemütlichen kleinen Einkaufsstraßen von Helsingør. Zur Abwechslung gab’s mal wieder ein paar Schuhe für mich, die dänische Wirtschaft muss schließlich angekurbelt werden! Diesmal waren es Wanderschuhe mit einem guten Fußbett, denn mein Rücken und die leicht lädierten Hüftgelenke protestieren in letzter Zeit relativ häufig gegen die zwar bequemen, aber für längere Strecken doch eher ungeeigneten Segelschuhe.

Völlig fasziniert waren wir von der riesigen Auswahl eines Käsegeschäfts in der Stengade. Guckt Euch das mal an. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier auch nur der kleinste und speziellste Wunsch eines Käseliebhabers unerfüllt bleibt. Und wie so oft in Dänemark gab es auch hier Sonderangebote: Nimm ein Stück Käse für 60 Kronen, nimm zwei und zahle nur 100. Na klar, gerne. Und wer soll die zwei Kilo Käse dann anschließend essen? Irgendwie ist hier alles auf Großfamilien ausgerichtet.

Das ultimative Käsegeschäft in Helsingør!
Das ultimative Käsegeschäft in Helsingør!

Ein paar Schritte weiter begegneten wir einem dänischen Postfahrrad, das fast schon an einen Kleintransporter erinnerte. Angetrieben wird es ganz fortschrittlich von einem Elektromotor, so dass die zugehörige Postbotin keine Probleme hatte, das Ding in Bewegung zu setzen. Ansonsten bräuchte man wohl auch stramme Waden..

Postfahrrad
Postfahrrad

Inzwischen hatte der Regen uns fast durchgeweicht und es ging zurück an Bord. Eigentlich wollten wir uns abends ein nettes Restaurant in der Stadt suchen, aber daraus wurde nichts. Das Wetter war einfach zu mies, und wir hatten beide keine Lust mehr auf das Schietwetter. Also wurde gemütlich unter Deck gegessen, und dann klopften auch schon Steffi und Nicola an den Bugkorb. Die beiden hatten interessante Geschichten über die Segelei mit ihrer kleinen „Fofftein“ zu erzählen. Besonders mich hat es schwer beeindruckt, dass sie gemeinsam sogar schon mal einen Schiffsmotor ein- und ausgebaut haben. Wie bitte?? Das wäre für mich ein Ding der Unmöglichkeit – für solche Arbeiten hab ich doch Thue! 😉 Der Abend zu viert war sehr nett und gemütlich, es gab viel zu erzählen und die Zeit verging wie im Flug.

Der nächste Morgen. Kein Regen, aber zur Abwechslung mal wieder ziemlich windig. Heute stand die Besichtigung von Kronborg Slot auf dem Programm. Ich liebe diese alten Gemäuer! Im Eintrittspreis inbegriffen war eine Führung durch das Schloss, an der nur wir und ein weiteres Paar teilnahmen. Ich hab zwar nur die Hälfte von dem verstanden, was uns der nette ältere Herr, der uns durch die Räume führte, auf dänisch erzählte, aber interessant war es trotzdem. Abgesehen von diversen Schulklassen waren übrigens Heerscharen von chinesischen Touristen auf dem Schlossgelände unterwegs. So wie damals in Shanghai: vorneweg läuft immer jemand mit einem bunten Fähnchen, und alle laufen wie die Lemminge hinterher.

Die Kanonen vor Kronborg Slot
Die Kanonen vor Kronborg Slot
Der
Der „Tanzsaal“ des Schlosses ist der größte Saal in ganz Europa!
Holger Danske sitzt im Keller des Schlosses. Er schläft und wacht nur dann auf, wenn Dänemark bedroht ist, um den Feind zu bekämpfen.
Dieser Herr namens Holger Danske sitzt im Keller von Kronberg Slot. Er schläft und wacht nur dann auf, wenn Dänemark bedroht wird, um gegen den bösen Feind anzutreten!

Anschließend gondelten wir zu Fuß durch die Stadt. Plötzlich meinte Thue, er könnte mal wieder einen Haarschnitt gebrauchen. So landeten wir in einem kleinen Friseursalon, in dem sich der junge Inhaber mit kurdischen Wurzeln sofort über seinen neuen Kunden hermachte. Akribisch genau wurde jedes einzelne Haar gekürzt, und das Ergebnis konnte sich wirklich sehen lassen. Ich würde sagen: auf jeden Fall ein Sommerschnitt, es gab etwas für’s Geld. Nun kann der Sommer kommen. Und zwar möglichst ohne Wind!

Donnerstag verbrachten wir bei Sonnenschein die meiste Zeit lesend im Cockpit. Nachmittags ein kleiner Spaziergang am Strand. Thue flitzte mit dem Fahrrad zum Einkaufen, und am frühen Abend war es dann tatsächlich so weit. Zum ersten Mal, seit wir unterwegs sind (!), konnten wir den Grill anwerfen und in der Abendsonne sitzen und essen. Gewärmt von nur einer Fleece-Schicht. Ohne Mütze. Wir haben wirklich nicht mehr daran geglaubt!

Strandspaziergang bei Sonnenschein...
Strandspaziergang bei Sonnenschein…
Hafen-Panorama
Hafen-Panorama

Im Windschatten der Hafenmole trafen wir noch einmal auf die Fofftein-Crew und tranken zusammen ein letztes Glas Wein, denn am nächsten Morgen wollten wir schon früh aufbrechen. Es sollte in nördliche Richtung gehen, nur ca. 12 Meilen weiter, nach Gilleleje.

Kleiner Plausch in der Abendsonne
Kleiner Plausch in der Abendsonne
Erkennt Ihr mich?
Das da hinten bin ich!

Übrigens: wir machen uns große Sorgen um Königin Margrethe und Prinz Henrik. Was ist da bloß los? Erst lässt er sie ihren 75. Geburtstag allein feiern, jetzt will er nicht zur königlichen Hochzeit in Schweden am 13. Juni mitkommen? Das erinnert ja fast an Shakespeare’s Hamlet: „something is wrotten in the state of Denmark“… Wir werden die Sache im Auge behalten. 😉

Henrik, wir behalten Dich im Auge!
Henrik, mach keinen Mist. Wir behalten Dich im Auge!

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