Wonderful Copenhagen!

Hej, da sind wir wieder! Vielleicht habt Ihr Euch ja schon gefragt, was mit uns los ist, weil ich gar nicht geschrieben habe? Keine Sorge – wir haben nur ein paar Tage lang Kopenhagen unsicher gemacht. Und abgesehen davon, dass es noch immer recht kalt und windig ist (ja, ja, ich höre ja schon auf!) haben wir eine richtig schöne Zeit hier.

Am Pfingstsonntag sind wir bei Sonnenschein gemütlich unter Motor hergetuckert (von Dragør bis Kopenhagen sind es nur schlappe 10 sm) und haben im Kalkbrænderihavn festgemacht. Hier lagen wir schon im Sommer vor zwei Jahren, als Thue mich mit dem Schiff als „Krankentransport“ – von Skanør zurück nach Kopenhagen gebracht hat. Damals war mein Sommertörn hier zu Ende, es ging nur noch mit dem Leihwagen zurück nach Norderstedt. Und nun hatten wir den nächsten Fuß- bzw. Kniekranken an Bord… Aber Ihr kennt ja Thue, der gibt so schnell nicht auf! Seine Physiotherapie besteht darin, sich und sein krankes Knie an einem Tag zu schonen und am nächsten mithilfe einer Gewalt-Radtour an seine Grenzen zu bringen. Anschließend wird wieder ein Tag geschont, dann werden etliche Kilometer zu Fuß marschiert usw. Der Laie staunt und der Fachmann wundert sich: offenbar hilft die Behandlung, denn langsam geht es tatsächlich wieder aufwärts mit dem Knie – natürlich auch dank spezieller Aufhänge-Therapie 😉

Kniebehandlung auf Thue's Art..
Kniebehandlung auf Thue’s Art..

Kopenhagen heißt für uns nicht nur Sightseeing und Shopping, sondern auch Familie, denn drei von Thue’s Kindern leben hier: Jakob, Anne-Marlene und Anne-Cathrine (gelegentlich). Wann hat man schon die Gelegenheit, alle zu treffen, und das gleich mehrere Tage nacheinander? Eben, eher selten. Und deshalb haben wir auch keine große Eile damit, weiterzusegeln.

Selfie mit Marlene
Selfie mit Marlene

Die letzte Woche haben wir Kopenhagen intensiv erlebt und viel gesehen. Am 26. Mai, dem Geburtstag von Prinz Frederik, waren wir beim Wachwechsel der Gardisten auf Schloss Amalienborg dabei (das ist Pflicht, denn Amalienborg ist sozusagen Thue’s alte Heimat – er hat ja als junger Mann selbst als Gardist bei Königin Margrethe vor der Tür Wache geschoben und kann bis heute alle Befehle im Schlaf mitsprechen!), haben auf Schloss Rosenborg die funkelnden Kronjuwelen bestaunt und waren im staatlichen Kunstmuseum, um uns die Bilder von C.W. Eckersberg – einem Ur-Ur-Urahnen von Thue’s Familie – anzusehen. Ein absolutes Muss auf unserer „Must-See-Liste“ war natürlich auch der Nyhavn mit seiner besonderen Atmosphäre, den hübschen, bunten Häusern, Heerscharen von Touristen aus aller Welt und den schönen alten Schiffen, die dort festgemacht haben.

Wachwechsel vor Schloss Amalienborg
Wachwechsel vor Schloss Amalienborg
Nyhavn
Nyhavn
Das Sonntagskrönchen von Königin Margrethe
Das Sonntagskrönchen von Königin Margrethe
Zu Besuch im
Zu Besuch im „statens museum for Kunst“

Mit den Rädern ging es die Langelinie entlang bis zur kleinen Meerjungfrau, mit Blick auf die königliche Segelyacht „Dannebrog“, die hier vor Anker liegt.

Die königliche Yacht
Dannebrog
Die kleine Meerjungfrau
Die kleine Meerjungfrau

Gestern dann eines meiner absoluten Highlights (schließlich bin ich als hoffnungslose Romantikerin bekannt)! Als wir die Vor Frue Kirke besichtigen wollten – hier haben sich übrigens seinerzeit Prinz Frederik und seine Mary das Jawort gegeben – fand dort gerade eine Hochzeit statt, die wir als Zaungäste in der letzten Kirchenbank miterleben konnten. Der Bräutigam erschien ganz zwanglos in dunklem Anzug und grünen Turnschuhen. Ich glaube, sowas gibt’s wirklich nur in Kopenhagen. Hier werden Trends gesetzt!

Das junge Glück ;-)
Das junge Glück beginnt in Laufschuhen. Eine Ehe hat ja gelegentlich auch etwas von einem Marathonlauf.. ;o)

Anschließend begegneten uns in den kleinen Straßen in der Innenstadt lustige Gestalten: diverse Matrosen im „Popeye-Look“, der Weihnachtsmann, Batman, das Phantom der Oper… Frag mich nicht, was da los war. Aber lustig war’s auf jeden Fall!

Karneval in ... Kopenhagen!
Jede Menge gut gelaunte Popeye-Duplikate!
Karneval Teil 2
Karneval Teil 2

Zwischendurch immer wieder Verabredungen zum Abendessen mit der Kinderschar. Es wurde gegrillt oder selbst gekocht, gestern stand ein gemeinsamer Abend in einem Burger-Restaurant auf dem Programm. Es heißt „Halifax“ (eine kleine Restaurantkette, die es nur in Kopenhagen gibt) und ist sehr zu empfehlen!

Was Fahrräder anbetrifft, rangiert Kopenhagen fast schon auf Augenhöhe mit Shanghai – jedenfalls fühlt es sich für mich so an. Sich in Dänemark ein Auto anzuschaffen, ist ja ausgesprochen teuer, und Parkplätze sind in einer Großstadt ja ohnehin Mangelware. Das Fahrrad ist hier für viele Leute das Fortbewegungsmittel Nummer 1. Man macht nicht nur gemütliche Touren am Wochenende, sondern fährt damit jeden Tag zur Arbeit, selbstverständlich auch zum Einkaufen oder kutschiert Passagiere durch die Stadt. Weizenblonde Kinder sitzen zu dritt auf der Ladefläche eines Christiania-Bikes und schlecken Eis, während Mutti in die Pedale tritt. So süß!

Kindertransport auf dänisch
Kindertransport auf dänisch

Es ist überhaupt unglaublich, wie viele Leute hier per Drahtesel unterwegs sind, und zwar meistens in Endgeschwindigkeit. In der ganzen Stadt gibt es breit ausgebaute Fahrspuren für Radfahrer, und man wird als ahnungsloser Segeltourist mit Bordfahrrad völlig geräuschlos von pfeilschnellen Radlern (auch von Frauen in Kostüm und Pumps!) überholt, ohne dass die Fahrradklingel auch nur ansatzweise benutzt wird. Urplötzlich taucht ein Schatten in Deinem Augenwinkel auf, und schon zischt ein junger Mann im Business-Anzug (er kommt wahrscheinlich gerade aus dem Büro) auf einem Rennrad mit gefühlten 60 km/h an Dir vorbei. Ups! Wo kam der denn gerade her? Als wir vor einigen Tagen mit unseren Bromptons mit flotter Geschwindigkeit (die haben immerhin 6 Gänge) durch die Stadt strampelten, wurde Thue plötzlich von so einem geölten Blitz von hinten angebrüllt. „Væk!“ Heißt: verzieh Dich, jetzt komm ich! Wirklich nichts für schwache Nerven – mir klopfte das Herz zwischendurch immer wieder bis zum Hals.

Weil es uns im Kalkbrænderihavn nicht so gut gefiel (ungepflegte Sanitärräume, Baustellenlärm und eine schlechte Infrastruktur), sind wir am Freitag noch einmal umgezogen. Nun liegen wir im Tuborg Havn, ganz vornehm als Gäste des „königlich dänischen Yachtclubs“.

Das elbkind im Tuborg Havn
Das elbkind im Tuborg Havn

Von hier aus sind Geschäfte, Restaurants und die Bushaltestelle problemlos zu Fuß erreichbar. Und direkt in der Nachbarschaft wird dem Seglerauge richtig was geboten: 3 wunderschöne alte R-Boote liegen hier im Hafen und werden gehegt und gepflegt, eine echte Augenweide!

Wir liegen in vornehmer Nachbarschaft
Wir liegen in vornehmer Nachbarschaft..

Ein weiterer Pluspunkt des Tuborg Havn ist übrigens der junge Hafenmeister. Er heißt Troels und ist schätzungsweise Mitte 30. Ihn zu sehen und sofort ins Herz zu schließen war eins, denn er ist nicht nur unglaublich attraktiv, sondern auch außergewöhnlich freundlich, hilfsbereit und sympathisch – ein richtiger Wunsch-Schwiegersohn! Heute Morgen wurden allerdings meine Hoffnungen jäh zerstört, denn Troels erschien in Begleitung einer hochschwangeren jungen Frau hier im Hafen. Das war’s wohl dann mit meiner Schwiegersohn-Idee… Schaaaade!

Habe ich Euch eigentlich irgendwann erzählt, dass Thue in fast jedem Hafen, den wir anlaufen, irgendwelche Leute trifft, die er von früher kennt? Natürlich ist mir klar, dass Dänemark ein kleines Land ist, aber Thue kennt wirklich unglaublich viele Leute. Oder Segler, mit denen er ins Gespräch kommt, kennen jemanden, den Thue kennt. Jedenfalls – ich möchte Euch gern eine lustige kleine Anekdote erzählen, die sich vor zwei Tagen hier abgespielt hat:

Morgens erzählte Thue mir noch, dass in einer der teuren Eigentumswohnungen rund um den Tuborg Havn ein früherer Geschäftspartner von ihm wohnt. Später am Vormittag – wir bummeln gerade durch das kleine Einkaufszentrum „Waterfront Shopping“ in der Nähe des Hafens – bleibt Thue plötzlich stehen: „Da ist er ja. Eigil Rasmussen!“ Der alte Herr konnte sich sofort an Thue erinnern, obwohl das letzte Treffen mehr als 30 Jahre zurück lag. Schnell wurden alte Geschichten rausgekramt (die Szene spielte sich übrigens im Eingangsbereich des Netto-Supermarktes ab!). Für die nächste halbe Stunde war ich erst mal abgemeldet und vertrieb mir inzwischen die Zeit in einigen Boutiquen (nein, nichts gekauft, nur geguckt!) Im Gespräch stellte sich heraus, dass der alte Herr noch immer als Vertreter für einen deutschen Kronenkorken-Hersteller tätig ist. Und jetzt kommt es, haltet Euch fest: der Typ ist 99 Jahre alt! 🙂 Ist das nicht beeindruckend? Ich vermute, seine Berufstätigkeit hat ihn über die vielen Jahre fit und frisch gehalten. Wer rastet, der rostet…! 😉

So, das war’s erst mal wieder von uns. Wir hoffen, dass wir in den nächsten Tagen wieder ein Stück weiterkommen. Eigentlich haben wir geplant, von hier aus nach Gilleleje im Norden von Seeland zu segeln, von dort dann in einem großen Schlag weiter nach Anholt und später weiter Richtung Göteborg. Inzwischen sieht es allerdings so aus, wie wenn der Wind auf Nordwest dreht – nicht gerade unsere Wunschrichtung. Mal sehen, wie es weitergeht…

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