Dragør – ein Vorgeschmack auf Schweden?

Am Freitag vor Pfingsten ging es bei anständigem Segelwind aus westlicher Richtung in flotter Geschwindigkeit Richtung Dragør, unserem nächsten Ziel. Wieder ein längerer Törn von über 40 sm. Noch immer war Thue’s Knie ziemlich angeschwollen, aber zum Glück war unterwegs an Bord für Skipper und Crew nicht viel zu tun, denn der Wind stand stabil.

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Skipper
Crew
Crew

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Wir genossen den schönen Blick auf die Kreidefelsen von Møn von der Wasserseite. Und weil ich ab und zu von den lieben Daheimgebliebenen gefragt werde, wo genau wir uns eigentlich herumtreiben, kommt für alle, die damals in Erdkunde nicht aufgepasst haben und zu faul zum Googeln sind, hier eine kleine Erläuterung:

Møn ist eine Insel im dänischen Teil der Ostsee und liegt zwischen der Südspitze Seelands und der Ostspitze Falsters. Wegen der beeindruckenden Kreidefelsen von Møns Klint – übrigens die höchste Steilküste Dänemarks, bezeichnet man die Insel auch als die „kleine Schwester“ der Insel Rügen. Beide Inselgebiete bestehen aus 17 Millionen Jahre altem Muschelkalk und wurden zur selben Zeit an die Erdoberfläche gehoben.

Møns Kreidefelsen
Møns Klint

Die Sonne lachte freundlich vom Himmel und wir kamen gut voran. Nachmittags gegen 15:30 Uhr erreichten wir Dragør und beschlossen, nicht in den Yachthafen einzulaufen – einerseits, weil es dort kaum Plätze für Schiffe mit einem Tiefgang von über 1,70 m gibt und andererseits, weil es natürlich viel gemütlicher ist, im Stadthafen zu liegen. Von hier aus ist alles schnell zu Fuß erreichbar und man ist richtig „mittendrin“.

Dragør liegt nur ca. zwölf Kilometer von Kopenhagen entfernt an der Südspitze der Insel Amager. Seine Lage am Öresund bestimmte die Geschichte des Ortes, der sich im Laufe der Jahrhunderte von einem Fischerdorf zu einer wohlhabenden Schifffahrtsstadt entwickelte. Heute ist Dragør vor allem wegen seiner gut erhaltenen Altstadt für Kopenhagener ein beliebtes Naherholungsziel, in dem die höchsten Preise für Hausgrundstücke in ganz Dänemark bezahlt werden.

Überrascht stellten wir fest, dass nur noch einige wenige Plätze im Hafen frei waren, und die meisten waren für uns entweder zu schmal oder zu kurz. Wir kurvten einige Minuten im Hafenbecken herum, und mit etwas Glück fanden wir eine freie Box an der Nordmole. Der Anlegewind nahm sogar Rücksicht auf das lädierte Skipper-Knie. Danke, alter Freund!

Der Stadthafen von Dragør
Der Stadthafen von Dragør

Nach einer kleinen Spaziertour zum Irma-Supermarkt war klar, dass Thue sein Knie lieber nicht zu sehr belasten sollte. Es wurde also an Bord gegessen, und nach kurzer Zeit mussten wir uns auch schon wieder unter Deck verziehen, denn es war – richtig! Zur Abwechslung wieder mal windig und sch…kalt!

Am nächsten Morgen wurden wir durch lautes Hämmern geweckt. Zwei Plätze neben uns am Steg wurde fleißig gewerkelt: das Teakdeck einer fast 40 Jahre alten Vindø 50 wurde erneuert. Ein älterer Herr sägte, bohrte, schraubte und hämmerte – und das den ganzen Tag lang. Nix für Geräuschempfindliche (also mich!). Thue hatte entschieden, seinem Knie einen Tag Pause zu gönnen, das Bein hochzulegen und an Bord zu bleiben.

Zu Fuß zuckelte ich also allein los, um vor der Geräuschkulisse zu flüchten und mir die schöne Altstadt von Dragør anzusehen – wirklich allerliebst! Ockergelbe, meist einstöckige Schifferhäuser mit roten Ziegeldächern und dunkelgrüner Fensterbemalung prägen das Bild. Fast alle Straßen verlaufen in Ost-West-Richtung, während die engen Gassen in Nord-Süd-Richtung angelegt sind. Die kleinen Häuser, die überwiegend aus der zweiten Hälfte des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts stammen, sind Richtung Norden ausgerichtet, und die an die nächste Straße angrenzenden Gärten liegen auf der sonnenzugewandten Seite.

Unterwegs durch die Gassen der Altstadt..
Unterwegs durch die Gassen der Altstadt..

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Der alte Lotsenturm im Hafen
Der alte Lotsenturm im Stadthafen

Ich genoss die Eindrücke und den Sonnenschein. Endlich mal kein Wind! Für den Nachmittag hatte sich Besuch bei uns angekündigt: Thue’s Schwester Elisabeth und ihre Kinder Signe und Andreas schauten nach ihrem Einkaufsbummel in Kopenhagen für ein Stündchen bei uns an Bord vorbei – eine nette Abwechslung. 🙂 Im Cockpit wurde geklönt, gelacht und Kaffee getrunken.

Nur ein kleines Stück von uns entfernt hatte mittags ein Motorboot mit zwei jungen schwedischen Pärchen festgemacht. Dragør ist ein beliebtes Ziel für Schiffe aus der Region Malmö, denn es ist bequem für einen kleinen Wochenendaufenthalt erreichbar. Aber nicht nur die geringe Entfernung und das hübsche Dragør sind interessant für den schwedischen Sportbootfahrer. Das Wichtigste: Spirituosen sind problemlos und im Vergleich zu schwedischen Verhältnissen für kleines Geld verfügbar. Da heißt es dann schon mittags: „Hoch die Tassen, skål!“ Unsere jungen Freunde hatten jedenfalls schon nachmittags gut getankt, was ihre Lautstärke klar erkennen lies. Gegen Abend wurde bei Eiseskälte auf dem Steg sogar noch der Grill in Betrieb genommen. Die Typen waren offenbar schon völlig betäubt und unempfindlich gegen Kälte! 😉 Als spät am Abend Schweden als Gewinner des European Song Contest feststand, schlummerten unsere Kampftrinker längst bewusstlos in der Koje und hatten den großen Moment verpennt. Und wir hatten zumindest nachts ein bisschen Ruhe…

Wenn man von der konstanten Geräuschkulisse von allen Seiten mal absieht, hat es uns in Dragør wirklich gut gefallen. Thue meint ja, das wäre schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf die Stimmung und die Lautstärke in schwedischen Häfen gewesen… Wir werden es schon bald erfahren!

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