Frauen-Skippertraining in Heiligenhafen

Ahoi, da bin ich wieder!

Nun liegt das Skippertraining in Heiligenhafen schon wieder eine Woche zurück, und mein Blogbeirag hat ziemlich lange auf sich warten lassen. Wie hab‘ ich bloß meine Zeit rumgekriegt, als ich noch berufstätig war?? Hier kommt nun endlich mein Bericht:

Thue hatte sich für das Oster-Wochenende mit seinen Kids in Kopenhagen verabredet, und ich fuhr gemütlich zum Skippertraining für Frauen nach Heiligenhafen –  übrigens ein Geburtstagsgeschenk meines werten Gatten (wie praktisch, dass für ihn auch was dabei rausspringt – ein völlig uneigennütziges Geschenk! ;o))

Bei schönstem Wetter trudelte ich im Yachthafen ein. Bei der Aufteilung der Schiffe wurde schnell klar, dass wir nicht nur 5 Mädels an Bord unserer Hanse 371 mit dem klangvollen Namen „Uschi X“ waren, sondern dass auch unser Skipper-Trainer weiblich war. Also echte Frauen-Power an Bord – super! Dazu aber später mehr.

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Die Übernachtung an Bord stand mir zugegebenermaßen etwas bevor – nicht umsonst bin ich bei Insidern als Schlaf-Neurotikerin bekannt und der Gedanke, zusammen mit vier fremden Frauen zwei Nächte an Bord einer Yacht zu verbringen, ließ bei mir leicht gemischte Gefühle aufkommen. Flott wurden die Kojen verteilt, und ehe ich einmal mit den Wimpern klimpern konnte, stand schon fest, dass ich mir die Vorderkabine mit Eva teilen würde (danke für die Orga, liebe Deike!). Beim Auspacken unserer Taschen mussten Eva und ich schon grinsen, weil sich schnell zeigte, dass wir viele Gemeinsamkeiten hatten. Vor allen Dingen die „Konzentrationssprache“. Kennt Ihr die? Damit man seine Gedanken ständig beisammen hat, während man seine Sachen ein- oder auspackt, brummelt man ununterbrochen leise vor sich hin: „So, das Shirt zieh ich dann noch unter, und die dicken Strümpfe auch. Nö, ich zieh‘ doch lieber die warme Strumpfhose an. Ach so, die Stiefel muss ich ja schon rausstellen, die brauch‘ ich ja später noch“ usw. usw. Zum Piepen. Und ich dachte immer, nur ich hab‘ diesen kleinen Vogel. Was für eine schöne Erkenntnis!

Nachdem unsere Klamotten ausgepackt waren, saßen wir im Salon der „Uschi-X“ zur Vorstellungsrunde zusammen:

Angelika  – auch unter den Decknamen „Monika“ oder „Angelique“ bekannt, ist sie gemeinsam mit ihrem Mann stolze Eignerin eines LM-Motorseglers (mit Steuerrad UND Pinne – Hiiiilfe!!) mit Heimathafen Arnis an der schönen Schlei.

Bea – sie ist sympathische Miteignerin des Traditionsschiffs „Zwillinge von Kappeln“, einem Lotsenkutter mit Heimathafen Lübeck.

Steffi –  hat nicht nur ein Herz fürs Segeln, sondern fliegt in ihrer Freizeit auch gelegentlich. Sie liebt eben Hobbies, die sie hinaus in die Natur führen. Dazu passt, dass sie von Beruf Vermessungsingenieurin ist. Mit 47 Jahren war sie das ‚Küken‘ in unserer Mädelsrunde.

Eva –  vor noch nicht allzu langer Zeit hat es sie und ihren Mann als Eigner einer Sirius 38 DS nach Neustadt an der Ostsee verschlagen. Früher haben die beiden schon zusammen das Mittelmeer unsicher gemacht. Eva spielt übrigens auch sehr gut Tennis und ist Spezialistin für Trinksprüche: „Wie kommen wir zusammen? Straaaaaaahlenfööööörmig!“ Und wenn man ihr beim Sprechen ihre Hände fesseln würde, wäre sie garantiert stumm(O-Ton Eva).

Deike, unsere Trainerin. Wenn es darum geht, ihren wissbegierigen Schülerinnen nicht nur Fachwissen zu verklickern, sondern auch deren Selbstvertrauen aufzubauen, ist sie mit bewundernswerter Ruhe und Souveränität zur Stelle. Verstohlene Blicke zu den Nachbar-Trainingsyachten und leicht vermasselten Ablegemanövern machten uns schnell klar: Deike war unser Sechser im Lotto, ein echter Glücksfall! Wer richtig gut Segeln lernen will, ist bei ihr an der richtigen Adresse. Weitere Infos findet Ihr unter http://www.demar.pro/.

Sabine ebenfalls Trainerin, die Deike und uns mit Rat und Tat zur Seite stand, aber leider wegen familiärer Osterverpflichtungen schon am Samstagabend wieder abreisen musste.

Gegen Abend lief die „Uschi X“ mit allen Crew- und Skippermitgliedern zum ersten Mal aus – die Ansteuerung von Heiligenhafen bei Dunkelheit sollte geübt werden. Eine völlig neue und spannende Erfahrung für mich! Natürlich war alles generalstabsmäßig geplant – vor dem Ablegen wurde mit Deike’s Hilfe eine Skizze angefertigt, in die sämtliche Tonnen, Kurse, Leit- und Richtfeuer eingezeichnet wurden. So wurde das Einlaufen zum Kinderspiel! Die klirrende Kälte soll an dieser Stelle unerwähnt bleiben, denn zum Trost gab’s später einen Anlege-Aufwärm-Prosecco von Steffi!

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Gegen 22 Uhr hatten wir unsere „Uschi-X“  endlich wieder sicher im Hafen. Diejenigen, die vor unserem Dämmertörn nichts mehr gegessen hatten, mussten mit knurrendem Magen in die Koje krabbeln, denn die Restaurants von Heiligenhafen hatten zu so später Stunde leider nur noch Flüssignahrung im Angebot…

In der ersten Nacht an Bord haben wohl alle schlecht geschlafen, denn es herrschte klirrende Kälte. Die Außentemperaturen lagen um den Gefrierpunkt, die Innentemperaturen nur knapp darüber. Ich schwöre Euch: hätte jemand die Tür unserer Vorderkabine geöffnet, wäre garantiert das Kühlschranklicht angegangen! In der zweiten Nacht haben wir die Heizung dann einfach mal höher gedreht.

Die leichte Katerstimmung wegen des allgemeinen Schlafmangels war am nächsten Morgen schnell verflogen. Nach einem gemeinsamen Frühstück im Restaurant „Nordpol“ ging es bei strahlendem Sonnenschein rein in die Segelklamotten und raus in den Hafen. Dann hieß es: Rückwärtsfahren, Anlegen, Ablegen, Anlegen, Ablegen, Anlegen, Ablegen, auf dem Teller drehen, Anlegen, Ablegen…. Der Clou des Tages war der sogenannte „Caprifischer“ – ein genialer Segler-Lassotrick, mit dem jeder Pfahl und jeder Poller zuverlässig eingefangen werden kann.

MT Steuer

Nachdem wir am späten Nachmittag wieder in unserer Box im Hafen gelandet waren (ich stand am Steuer und habe zum ersten Mal perfekt rückwärts angelegt, YES!!!), haben wir uns abends mit den anderen Crews zum Essen getroffen. Unsere nimmermüde Deike brachte bei dieser Gelegenheit allen Teilnehmern mit einem kleinen Vortrag  die Vorteile von Rettungswesten näher. Nach leckerem Matjes mit Bratkartoffeln wollte ich schnell nur noch zwei Dinge: mich nicht mehr konzentrieren müssen und ohne Umwege in die Koje!

Am nächsten Morgen waren alle gut gelaunt, weil sich die nächtlichen Temperaturen auf der Uschi-X viel angenehmer anfühlten und unser Schlafkomfort damit erheblich gestiegen war. Wieder schien die Sonne vom fast wolkenlosen Himmel, und nach dem Frühstück ging es auf in die nächste Runde. Ihr habt es schon geraten: es wurde wieder an- und abgelegt, zur Abwechslung aber auch längsseits an und von der Pier des Kommunalhafens. Die Oster-Spaziergänger hatten richtig was zu gucken. Wir dampften einfach in die seewärtige Achterspring hinein, lernten, wie wichtig ein Manöverfender (die „dicke Bertha“) ist und legten ab wie die Profis. Und mein zweiter Vorname ist Caprifischer!

Als es am späten Nachmittag des Ostersonntags wieder heimwärts ging, waren wir uns mittlerweile richtig ans Herz gewachsen. Unzählige Hafenmanöver und eiskalte Nächte verbinden eben… Längst waren Handynummern ausgetauscht und eine Whats-App-Gruppe eingerichtet worden. Wir bleiben in Verbindung!

An diesem Osterwochenende haben wir von Deike nicht nur viel über das Steuern einer Yacht gelernt und zahllose nützliche Tipps bekommen, sondern hatten auch jede Menge Spaß, und sind mit gestärktem Selbstvertrauen nachhause gefahren. Das Skippertraining für Frauen ist eine tolle und sinnvolle Sache, die ich wirklich jeder Bordfrau ans Herz legen kann. Traut Euch, Mädels – Ihr könnt es auch! Nach ein paar zusätzlichen Trainingseinheiten auf dem eigenen Schiff könnt Ihr zukünftig Eure Männer auf den Steg springen lassen, während Ihr lässig am Steuerstand steht und Eure professionellen Anlegemanöver vom Hafenpublikum bestaunen lasst :))

Allerdings haben Thue und ich jetzt ein kleines Problem: wir wollen beide steuern und keiner will aufs Vorderdeck, um sich um die Leinen und Festmacher zu kümmern. Plötzlich wird mir klar, warum manche Yachten 2 Steuerräder haben!!

GRuppenfoto

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